Profilbild von Danny

Danny

Lesejury Profi
offline

Danny ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Danny über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.02.2024

Mittelalter meets KI

Die Burg
0

Der Millionär Nevio hat die alte Burg Greiffenau in einen Escape Room umgebaut, der mittels KI gesteuert wird. Die Spieler können das Setting und die Herausforderungen selbst bestimmen und definieren, ...

Der Millionär Nevio hat die alte Burg Greiffenau in einen Escape Room umgebaut, der mittels KI gesteuert wird. Die Spieler können das Setting und die Herausforderungen selbst bestimmen und definieren, aus welcher Welt oder Geschichte sie entkommen wollen und wie schwer die einzelnen Rätsel sein sollen. Zur Generalprobe vor der Eröffnung seiner Erlebniswelt hat Nevio fünf Spielerinnen und Spieler eingeladen, die das Abenteuer testen sollen, ihm Feedback geben und für seinen Escape Room in den Sozialen Netzwerken Werbung machen sollen. Schnell ist aber klar, dass der Test nicht so reibungslos abläuft wie geplant und die Spieler sehen sich plötzlich realen Gefahren ausgesetzt.

Die Aufmachung des Buches ist äußerst gelungen. Ich finde das Layout des Covers sehr passend und mir gefällt besonders der Lageplan auf der Innenseite des Buchdeckels. Hier sind die Anordnung der Keller und der Aufbau der Burg zu sehen. So etwas hilft mir immer sehr, mich noch besser räumlich zurechtzufinden und so der Handlung zu folgen.

Ursula Poznanski ist eine Meisterin ihre Handwerks. Sie versteht es, Spannung aufzubauen und ihre LeserInnen zu fesseln. Ihr Schreibstil ist routiniert und flüssig. Ich hätte mir jedoch etwas rundere und ausgearbeitete Charaktere gewünscht und etwas weniger Mittelalter-Klischee, dafür mehr kreative Interpretation des mittelalterlichen Settings. Aber vermutlich ist dies genau realistisch für eine aus dem Ruder gelaufene künstliche Intelligenz!? Zudem hat die zweite Hälfte des Buches leider einige Längen.
Doch das ist alles Jammern auf hohem Niveau, denn ich hatte trotzdem sehr viel Spaß beim Lesen und kann den Thriller guten Gewissens empfehlen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.06.2026

Spannend bis zur letzten Seite

Weil sie lügt
0

Psychologisch dicht und voller unerwarteter Wendungen präsentiert sich der Psychothriller „Weil sie lügt“ von Caroline Siebt.

Annas Schwester Juli ist verschwunden. Ihr Vater ist als Verdächtiger im ...

Psychologisch dicht und voller unerwarteter Wendungen präsentiert sich der Psychothriller „Weil sie lügt“ von Caroline Siebt.

Annas Schwester Juli ist verschwunden. Ihr Vater ist als Verdächtiger im Gefängnis, die Mutter hat sich von ihrem psychischen Zusammenbruch nicht erholt und Anna kümmert sich um ihren kleinen Bruder Leo. Julis Verschwinden hat das Leben der gesamten Familie in den Abgrund gerissen. Sie befinden sich in einem permanenten Ausnahmezustand. Anna Verzweiflung, Überforderung und Trauer um die Schwester sind beinahe greifbar. Getrieben von der Hoffnung auf Antworten und dem Wunsch ihren Vater aus dem Gefängnis zu holen versucht sie herauszufinden, was mit Juli passiert ist.

Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Anna und der ermittelnden Kommissarin Katharina geschrieben. Bei einem Perspektivwechsel enden die Kapitel jeweils mit einem Cliffhänger, der so spannend ist, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Zahlreiche Plot-Twists lenken die LeserInnen immer wieder in unterschiedliche Richtungen. Mehr als einmal war ich überzeugt, das Rätsel um Julis Verschwinden gelöst zu haben, um nur wenige Seiten später meine Theorien wieder zu verwerfen. Caroline Seibt streut genau die richtigen Informationen ein, dass man glaubt, den Fall durchschaut zu haben – bis die nächste Wendung alles wieder infrage stellt.

Die Auflösung ist sehr spannende geschrieben, wirkt auf mich jedoch auch etwas konstruiert. An dieser Stelle liegt für mich die einzige kleine Schwäche des Thrillers.

Insgesamt habe ich mich bestens unterhalten gefühlt und empfehle diesen Thriller gerne weiter: 4 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.05.2026

Gemeinsam lesen – auch ohne lesen zu können

Leserabe Vor-Lesestufe - Eine kleine Katze für Anton
0

Die Grundidee des Buches „Eine kleine Katze für Anton“ von Katharina E. Volk mit Illustrationen von Sarah Garbers finde ich großartig: Substantive werden durch Bilder ersetzt, sodass Kinder, die noch nicht ...

Die Grundidee des Buches „Eine kleine Katze für Anton“ von Katharina E. Volk mit Illustrationen von Sarah Garbers finde ich großartig: Substantive werden durch Bilder ersetzt, sodass Kinder, die noch nicht lesen können, aktiv am Vorlesen teilnehmen können. Nichte, Neffe und ich hatten großen Spaß beim gemeinsamen Lesen des Buches. Die Geschichte ist rund und hat den Kindern sehr gut gefallen. Besonders schön fanden wir, dass Anton in der neuen Stadt so schnell Anschluss findet und neue Freunde gewinnt.
Über einige Darstellungen von Wörtern sind wir allerdings gestolpert. So zum Beispiel von einem ferngesteuerten roten Auto gesprochen, dargestellt ist aber ein blaues Auto. Als es um das Fell der Katze geht, wird das Bild eines Hundes gezeigt und als die Mutter ein Foto von der Katze macht, sind auf dem Foto lediglich drei Menschen zu sehen. Das war für die Kinder, die sehr genau hinschauen, etwas irritierend.
Die Illustrationen sind farbenfroh und machen viel Spaß. Auf allen Seiten gibt es neben dem eigentlichen Text liebevolle und lustige Details zu entdecken. Auch das Layout der einzelnen Seiten ist sehr gelungen: Text und Bild sind super auf einander abgestimmt und ergänzen einander.
Toll sind die Rätsel am Ende des Buches. Sie machen Spaß und fordern Kinder, die noch nicht lesen können, in genau dem richtigen Maß. Sie beziehen sich auf die gelesene Geschichte und so setzten sich die Kinder mit dem Gelesenen nochmal spielerisch auseinander.
Insgesamt ist „Eine kleine Katze für Anton“ ein kreatives und liebevoll gestaltetes Buch, das Kindern einen spielerischen Zugang zum Lesen ermöglicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.05.2026

Schräg, herrlich skurril und voller Wortwitz

Hope Joanna
0

Hope Joanna von Horst Evers, erschienen bei Rowohlt Berlin im Mai 2026, hat genau meinen Humor getroffen: schräg, herrlich skurril und voller Wortwitz. Im Mittelpunkt steht Hone Joanna Marlow, eine ehemalige ...

Hope Joanna von Horst Evers, erschienen bei Rowohlt Berlin im Mai 2026, hat genau meinen Humor getroffen: schräg, herrlich skurril und voller Wortwitz. Im Mittelpunkt steht Hone Joanna Marlow, eine ehemalige Taekwondo-Kämpferin, die nach einer unverarbeiteten Niederlage bei den Olympischen Spielen in den Berliner Polizeidienst gewechselt ist. Ihr zur Seite stehen Kollege Neuendorf und Polizeianwärterin Siri, die auf Social Media spezialisiert ist.

Der Kriminalfall ist ebenso grotesk wie das Ermittlertrio: Zwei Tote, beide sterben durch Schlangenbisse. Das ist die Ausgangslage einer chaotisch-absurden und äußerst unterhaltsamen Geschichte. Die eigentliche Handlung ist dabei gar nicht die größte Stärke des Kriminalromans. Vielmehr lebt das Buch von originellen Einfällen, skurrilen Wendungen und den sympathischen Figuren.

Besonders gefällt mir der unverwechselbare Humor von Horst, der immer wieder Berlin und seine Bewohner aufs Korn nimmt. Mit pointierten Dialogen und zahlreichen Anspielungen und Zitaten jongliert der Roman immer wieder mit Erwartungen und Genres. Einige Szenen waren dabei so bildgewaltig beschrieben, dass ich förmlich einen Superheldinnen-Comic oder den Showdown eines Hollywood-Blockbusters vor Augen hatte. Diese Mischung aus Krimi, Groteske und Superheldinnen-Flair macht den Roman zu etwas ganz Eigenem.

Neben all dem Humor schwing auch Gesellschaftskritik mit, ohne jedoch belehren zu wollen. Gerade diese Kombination aus absurdem Chaos, Wortwitz und originellen Ideen sorgt dafür, dass das Buch trotz inhaltlicher Schwächen sehr kurzweilig bleibt.

Insgesamt ist Hope Joanna ein ungewöhnlicher, grotesk-absurder Krimi, der weniger durch einen spannenden Fall als vielmehr durch seine Atmosphäre, seine Charaktere und seinen Humor punktet. Mit hat es großen Spaß gemacht, Hope Joanna Marlow durch die skurrilen Ereignisse zu begleiten und den verrückten Wendungen der Geschichte zu folgen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.03.2026

Spannender erster Teil der Dilogie

Happy Head
0

Das Programm Happy Head in Josh Silvers gleichnamigem Jugendroman (erschienen bei Magellan im Februar 2026) ist eine Mischung aus dystopischer Welt, Sekte, Therapiecamp und Umerziehungslager.
Der Protagonist ...

Das Programm Happy Head in Josh Silvers gleichnamigem Jugendroman (erschienen bei Magellan im Februar 2026) ist eine Mischung aus dystopischer Welt, Sekte, Therapiecamp und Umerziehungslager.
Der Protagonist Seb ist kein klassischer junger Held dystopischer Jugendromane. Er ist auf den ersten Blick kein Kämpfer gegen das System, sondern schüchtern und introvertiert. So versucht er zunächst sich anzupassen und nicht anzuecken. Er will seine Eltern stolz machen und sich durch die Teilnahme an HappyHead einen guten Studienplatz sichern. Im Verlauf des Programms, das angeblich auf psychische Gesundheit ausgerichtet ist, werden die Jugendlichen mit unterschiedlichen Challenges konfrontiert. Die zu bewältigenden Aufgaben werden jedoch immer düsterer und existentieller. So merkt auch Seb, dass hinter HappyHead weit mehr steckt als ein Camp für Jugendliche zur Förderung individueller Stärken.
Der Roman wird aus Sebs Perspektive erzählt, was die Geschichte spannend und die Charaktere nahbar macht. Als Leserin habe ich mit ihm mitgelitten und hatte immer ein leicht beklemmendes Gefühl, weil die Gefahr nicht greifbar war und es zunächst keinen konkreten Gegner oder Feind gab. Das ändert sich im Lauf des Romans und Seb kommt hinter die düsteren Machenschaften von HappyHead.
Da es sich bei Happy Head um den ersten Band einer Dilogie handelt, ist ein offenes Ende natürlich erwartbar. Dennoch fiebere ich dem Herbst und der Veröffentlichung des zweiten Teils entgegen.
Fazit: Sehr spannender und kurzweiliger Jugendroman und ein überraschendes Romandebüt des Autos Josh Silver. Ich freue mich auf den zweiten Band.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere