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Veröffentlicht am 04.02.2025

Svetlana ist ‘ne Wucht

»Wenn Ende gut, dann alles«
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Tommes „Tommi“ Mann, Anfang 30, lebt mehr schlecht als recht als Schriftsteller und haust im heruntergekommenen Wohnmobil seines Vaters. Seine Thriller-Karriere will nicht so recht in Schwung kommen, und ...

Tommes „Tommi“ Mann, Anfang 30, lebt mehr schlecht als recht als Schriftsteller und haust im heruntergekommenen Wohnmobil seines Vaters. Seine Thriller-Karriere will nicht so recht in Schwung kommen, und auch sonst mangelt es ihm an Struktur. Gut, dass es Svetlana gibt! Die kluge und pragmatische Ukrainerin sorgt nicht nur für Ordnung in seinem Chaos, sondern hat auch für jede Lebenslage eine Weisheit parat.

Tommis Vater, Hans „Leo“ Mann, hat sich aus reiner Bequemlichkeit in einer Seniorenresidenz einquartiert – nicht etwa, weil er pflegebedürftig wäre, sondern weil es sich als Einäugiger unter Blinden ganz gut leben lässt. Doch an Ruhe ist dort nicht zu denken, denn Leo mischt das Heim ordentlich auf.

Der eigentliche Stein des Anstoßes für das unfreiwillige Ermittlerduo Svetlana und Tommi ist jedoch ein kleines Mädchen mit Down-Syndrom, das sie eines Abends auf einem verlassenen Feldweg finden. Die beiden übergeben es der Polizei, doch das Kind geht ihnen nicht mehr aus dem Kopf. Svetlana, bekennender Fan von Detektivgeschichten, steckt Tommi mit ihrem Spürsinn an, und ehe sie sich versehen, sind sie mittendrin in einem echten Kriminalfall.

Svetlana ist ohne Zweifel das Herzstück des Romans: klug, warmherzig und herrlich direkt. Sie bringt nicht nur frischen Wind in Tommis Leben, sondern auch in das seines Vaters. Die Dialoge zwischen ihr und Tommi sind zum Schreien komisch, ebenso wie Tommis innere Monologe – Lachtränen garantiert!

Fazit: Kurzweilig, spannend, urkomisch und zugleich mit einem Hauch Tiefgang. Volker Klüpfel beweist, dass er auch ohne seinen langjährigen Schreibpartner Michael Kobr ein Händchen für skurrile, aber liebenswerte Charaktere und humorvolle Kriminalgeschichten hat. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Fall von Svetlana und Tommi – ein Duo, das sich definitiv einen festen Platz in meinem Bücherregal verdient hat!

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Veröffentlicht am 27.06.2024

Pubertät, Menopause und versehentliche Morde

Morden in der Menopause
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Der sehr amüsante und kurzweilige Roman wird allen Fans von Karsten Dusse und seiner „Achtsam Morden“-Reihe ebenso gefallen wie denen von Susanne Fröhlichs Romanserie rund um Andrea Schnid.
Liv hat mit ...

Der sehr amüsante und kurzweilige Roman wird allen Fans von Karsten Dusse und seiner „Achtsam Morden“-Reihe ebenso gefallen wie denen von Susanne Fröhlichs Romanserie rund um Andrea Schnid.
Liv hat mit ihrem Job als Küchenausstatterin, ihren drei Pubertisten, ihrem Mann und den Schwiegereltern alle Hände voll zu tun. Als dann bei ihr auch noch plötzlich die Menopause einsetzt und sie einen ihrer Söhne beim Drogenkauf erwischt, eskaliert die Situation zusehends und am Ende ist der Dealer aus Versehen tot. Doch Liv ist eine gestandene Frau, sie sich zu helfen weiß sich. Oder zumindest an ihren Herausforderungen und den schwindenden Hormonen wächst. Leider bleibt es aber nicht bei dem einen Toten, die Ereignisse überschlagen sich und so ist Liv immer wieder gezwungen zu improvisieren.
Vor jedem Kapitel gibt es keine kurzen Infotext mit Fakten über die Menopause. Diese Texte hätte ich nicht unbedingt gebraucht, da sie den Plot nicht wirklich vorangebracht haben. Innerhalb der Kapiteln sind einzelne Passagen immer wieder visuell abgehobene, in denen sich Liv direkt an den Leser wendet. Diese muten an wie ein Geständnis und machen den Text nahbarer. Die Absurdität der Ereignisse wirkt dadurch fast real.
Der schwarzhumorige Roman ist sicher kein literarisches Meisterwerk, aber das muss er auch gar nicht sein. Tine Dreyers Schreibstil ist sehr humorvoll und flüssig. Ich hatte großen Spaß beim Lesen, habe mich sehr amüsiert und bestens unterhalten gefühlt. Was will ich mehr?

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Veröffentlicht am 02.02.2024

Mittelalter meets KI

Die Burg
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Der Millionär Nevio hat die alte Burg Greiffenau in einen Escape Room umgebaut, der mittels KI gesteuert wird. Die Spieler können das Setting und die Herausforderungen selbst bestimmen und definieren, ...

Der Millionär Nevio hat die alte Burg Greiffenau in einen Escape Room umgebaut, der mittels KI gesteuert wird. Die Spieler können das Setting und die Herausforderungen selbst bestimmen und definieren, aus welcher Welt oder Geschichte sie entkommen wollen und wie schwer die einzelnen Rätsel sein sollen. Zur Generalprobe vor der Eröffnung seiner Erlebniswelt hat Nevio fünf Spielerinnen und Spieler eingeladen, die das Abenteuer testen sollen, ihm Feedback geben und für seinen Escape Room in den Sozialen Netzwerken Werbung machen sollen. Schnell ist aber klar, dass der Test nicht so reibungslos abläuft wie geplant und die Spieler sehen sich plötzlich realen Gefahren ausgesetzt.

Die Aufmachung des Buches ist äußerst gelungen. Ich finde das Layout des Covers sehr passend und mir gefällt besonders der Lageplan auf der Innenseite des Buchdeckels. Hier sind die Anordnung der Keller und der Aufbau der Burg zu sehen. So etwas hilft mir immer sehr, mich noch besser räumlich zurechtzufinden und so der Handlung zu folgen.

Ursula Poznanski ist eine Meisterin ihre Handwerks. Sie versteht es, Spannung aufzubauen und ihre LeserInnen zu fesseln. Ihr Schreibstil ist routiniert und flüssig. Ich hätte mir jedoch etwas rundere und ausgearbeitete Charaktere gewünscht und etwas weniger Mittelalter-Klischee, dafür mehr kreative Interpretation des mittelalterlichen Settings. Aber vermutlich ist dies genau realistisch für eine aus dem Ruder gelaufene künstliche Intelligenz!? Zudem hat die zweite Hälfte des Buches leider einige Längen.
Doch das ist alles Jammern auf hohem Niveau, denn ich hatte trotzdem sehr viel Spaß beim Lesen und kann den Thriller guten Gewissens empfehlen.

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Veröffentlicht am 14.03.2026

Spannender erster Teil der Dilogie

Happy Head
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Das Programm Happy Head in Josh Silvers gleichnamigem Jugendroman (erschienen bei Magellan im Februar 2026) ist eine Mischung aus dystopischer Welt, Sekte, Therapiecamp und Umerziehungslager.
Der Protagonist ...

Das Programm Happy Head in Josh Silvers gleichnamigem Jugendroman (erschienen bei Magellan im Februar 2026) ist eine Mischung aus dystopischer Welt, Sekte, Therapiecamp und Umerziehungslager.
Der Protagonist Seb ist kein klassischer junger Held dystopischer Jugendromane. Er ist auf den ersten Blick kein Kämpfer gegen das System, sondern schüchtern und introvertiert. So versucht er zunächst sich anzupassen und nicht anzuecken. Er will seine Eltern stolz machen und sich durch die Teilnahme an HappyHead einen guten Studienplatz sichern. Im Verlauf des Programms, das angeblich auf psychische Gesundheit ausgerichtet ist, werden die Jugendlichen mit unterschiedlichen Challenges konfrontiert. Die zu bewältigenden Aufgaben werden jedoch immer düsterer und existentieller. So merkt auch Seb, dass hinter HappyHead weit mehr steckt als ein Camp für Jugendliche zur Förderung individueller Stärken.
Der Roman wird aus Sebs Perspektive erzählt, was die Geschichte spannend und die Charaktere nahbar macht. Als Leserin habe ich mit ihm mitgelitten und hatte immer ein leicht beklemmendes Gefühl, weil die Gefahr nicht greifbar war und es zunächst keinen konkreten Gegner oder Feind gab. Das ändert sich im Lauf des Romans und Seb kommt hinter die düsteren Machenschaften von HappyHead.
Da es sich bei Happy Head um den ersten Band einer Dilogie handelt, ist ein offenes Ende natürlich erwartbar. Dennoch fiebere ich dem Herbst und der Veröffentlichung des zweiten Teils entgegen.
Fazit: Sehr spannender und kurzweiliger Jugendroman und ein überraschendes Romandebüt des Autos Josh Silver. Ich freue mich auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Erschreckend nah an unserer Realität

Projekt Y
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Selten fiel es mir so schwer, ein Buch zu rezensieren. Das Thema ist so wichtig und in den Grundzügen auch gut umgesetzt. Jana Reisch zeichnet in Projekt Y, erschienen im BVK Buch Verlag Kempen GmbH im ...

Selten fiel es mir so schwer, ein Buch zu rezensieren. Das Thema ist so wichtig und in den Grundzügen auch gut umgesetzt. Jana Reisch zeichnet in Projekt Y, erschienen im BVK Buch Verlag Kempen GmbH im Oktober 2025, ein düsteres Szenario, das jedoch durchaus realistisch und möglich ist. Die Autorin hat sich intensiv mit dem aktuellen politischen Rechtsruck befasst und die Gefahren deutlich aufgezeigt.

In einem nicht näher definierten Land, zu einer bewusst nicht benannten Zeit wird eine Politikerin, die sich laut für Demokratie und Grundrechte aller einsetzt - nicht für eine bestimmte Partei oder ein Wahlprogramm - auf offener Bühne erschossen. Es formiert sich Widerstand gegen die rechten Strömungen

Insgesamt hätte der Roman etwas gestrafft werden können. Zudem ging mir insbesondere die Sprache der Tagebucheinträge ziemlich auf die Nerven. Diese Passagen klingen leider immer ziemlich gewollt jung. Also ein Text, den ein erwachsener Mensch so verfasst hat, als stamme er von einem Jugendlichen.

Einen weiteren Kritikpunkt sehe ich für mich darin, dass in mehreren Kapiteln immer wieder zunächst nur von “die Frau” oder “der Mann” gesprochen wird und ich schließlich aus dem Kontext erraten muss, um wen es gerade geht. Ich verstehe durchaus, die Intention der Autorin auf diese Weise Spannung aufzubauen und die Leserschaft zum Mitdenken zu animieren, doch für mich stört es den Lesefluss.

Aufgrund der Relevanz des Themas und der Warnung vor diese realistischen Zukunftsversion 4/5 Sternen.

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