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Veröffentlicht am 11.06.2026

Dark Fantasy vom Feinsten

Anathema
2

Schreibstil:

Ich fand, dass besonders der Schreibstil hier den Schaueraspekt gestützt hat. Teilweise war er poetisch, ganzheitlich aber vor allem atmosphärisch. Ich konnte der Geschichte flüssig folgen ...

Schreibstil:

Ich fand, dass besonders der Schreibstil hier den Schaueraspekt gestützt hat. Teilweise war er poetisch, ganzheitlich aber vor allem atmosphärisch. Ich konnte der Geschichte flüssig folgen und war sehr überrascht, dass ich all die Fachworte für Völker und Monster ziemlich schnell zuordnen konnte. Auch sie passen einfach zur Geschichte und haben alles noch unterstützt. Was man beim Lesen schnell merkt: Hier will nichts gefallen. Keine Beschreibung, kein Charakter – es geht komplett darum, eine Geschichte zu erzählen, die das Gegenteil eines Märchens ist.

Die Geschichte – von der Ausgestoßenen zum Schatz

Erzählt wird aus den Perspektiven der beiden Hauptfiguren Maevyth und Zevander. Maevyth hat ein paar mehr Kapitel, beide erzählen aber sehr schön nachvollziehbar. Der Kontrast zwischen den beiden war die ganze Zeit über sehr spannend. Maevyth (Maeve) ist unwissend und neugierig, mutig und schlau, Zevander weiß so ziemlich alles, besonders, was er als nächstes plant zu tun. Dadurch wird die Welt hier einmal durch die Brille des Neulings und einmal durch den Insider beschrieben, was ich sehr schön fand.

Maevyth – Heldin oder todgeweiht?

Maeve hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Sie ist neugierig, mutig und manchmal impulsiv, setzt sich aber auch sehr für die ein, die sie liebt und nimmt alles ernst, aber nie zu ernst. Nur so kann sie sich glaube ich in ihrer Welt, in der sie echt schlecht behandelt wird, halten. Und schon das zeugt von ihrem Charakter, oder? Dass jemand, der immer ausgestoßen und gemobbt wird, keine negativen Gedanken den anderen gegenüber hegt.

Während des Handlungsverlauf wird zudem immer deutlicher, dass Maeve ein einziges Geheimnis ist. Ihre Herkunft und ihre Kräfte sind unerforscht, sowohl von den Figuren um sie herum als auch von uns Leser:innen. So ist sie ein wahres Überraschungspaket, dass immer wieder reaktiv handelt und so wieder etwas offenlegt.

Was ich gut fand, war, dass sie zwar darauf bestand, zurück zu ihrer Schwester zu kommen (durchaus nachvollziehbar), gleichzeitig aber nicht so sehr darauf beharrte, dass sie alles ignorierte. Ich glaube, das hätte mich genervt.

Es war einfach spannend, sie sich entwickeln zu sehen, weil immer mehr ihrer Kräfte und Erkenntnisse über sie deutlich wurden.

Was ich etwas schade fand, war, dass sie in uneinigen Situationen super schnell nachgab bzw. direkt die Schuld auf sich nahm. Das wirkte manchmal, als wolle sie unbedingt gefallen, was aber eigentlich nicht ihrem Charakter entsprach.

Zevander – Assassine, Blutmagier & Königsdiener auf einer Mission

Zevander ist ein Bild von einem Mann. I mean, er ist einfach über zwei Meter groß! Dazu durchtrainiert, ein sehr begabter Magier und reich noch dazu. Eigentlich könnte man meinen, er hätte alles. Tatsächlich aber ist Zevander verflucht und seine Motive sind vielschichtig. Er ist zu oft Marionette gewesen, um allem einfach so entfliehen zu können. So lernt man ihn zunächst als jemanden kennen, der einfach nur Befehle befolgt.

Nach und nach zeigt sich aber auch bei ihm eine deutliche Entwicklung. Es geht immer mehr darum, was er eigentlich will. Was er für das Richtige hält.

Ich war einfach total beeindruckt von ihm und seinen Kräften, gleichzeitig natürlich abgeschreckt davon, wie er andere tötet. Zu keinem Moment aber bezweifelt man seine eigentlichen Motive. Er war von Anfang an gut für mich, weil der Prolog schon einen Teil seiner Geschichte erzählte. Keine Ahnung, wie ich handeln würde, wenn ich in seiner Situation wäre. Aber allein schon die ganzen Stationen in seiner Vergangenheit, die ihm zu dem gemacht haben, der er jetzt ist, war krass und haben mich erzählerisch beeindruckt. Das war dark, mächtig, spannend und bietet auch jetzt nach dem Ende des Buches noch jede Menge Rätselstoff.

Die Welt, in der Monster wirklich böse und Menschen wirklich nicht nett sind

Das Gefühl, dass ich bei dem Setting hatte, war ungefähr das, was man hat, wenn man nachts über einen Friedhof geht und Leuten begegnet, die mit Blut Geister beschwören oder sich die eine Spritze setzen oder laut heulend vor einem frischen Grab sitzen. Einfach alles zusammen. Alle Orte in diesem Setting sind düster und gefährlich, die Nebenfiguren tragen nur ihren Teil dazu bei. Die Monster werden sehr gut vorstellbar beschrieben, ob nun ehemals „menschlich“ oder nicht und auch fernab der Personen gibt es einige Tiere, Bäume und Räumlichkeiten, die einem einfach nur eine Gänsehaut bescheren. Ich habe mich durchweg gegruselt und war fast entsetzt darüber, wie grausam irgendwie alles ist. Sonst hat man ja doch noch irgendwo eine nette Lichtung oder einen Tag, an dem alle einmal durchschnaufen können. Hier nicht. Hier geht es darum, gegruselt zu werden und das hat die Autorin wirklich sehr gut umgesetzt!

Slow Burn, ein langsames Erzähltempo und trotzdem super viel Spannung

Es sind 816 Seiten, macht euch also darauf gefasst, dass Slow Burn hier wirklich Slow Burn ist. Dennoch war die Spannung zwischen Maevyth und Zevander die ganze Zeit über da. Ich fand es richtig gut, wie sie zwar durchweg präsent war und sich auch zuspitzte, ich aber genauso wie die Figuren immer wieder durch andere Handlungsstränge davon abgelenkt wurde. So fühlte es sich nicht wie Folter an, sondern wie ein freudiges Hinfiebern auf etwas. Vielleicht entsteht der Eindruck aber auch, weil alles andere rundherum eher zum Gruseln ist^^

Ansonsten ist das Erzähltempo der Geschichte eher gemäßigt. Selten habe ich einfach so mal 100 Seiten weggeatmet, stattdessen hatte ich eher manchmal das Gefühl, ich müsste das Buch kurz weglegen, um alles zu verarbeiten.

Es ist also kein Buch, durch das man mal eben so fliegt, dafür gibt es aber so einige Plottwists, die alles andere als vorhersehbar waren. Vielmehr bekam man als Leser:in immer wieder kleine Fetzen vom großen Ganzen und hat versucht sie zu kombinieren, nur um am Ende einen Fetzen zu bekommen, der wieder gar nicht dazu passte oder alles nochmal auf den Kopf gestellt hat. Das hat die Geschichte anders spannend gemacht, was ich zur Abwechslung echt mal ganz gut fand. Voraussehbar ist hier einfach nichts.

Warum ich Band 2 lesen will:

Das Ende ist irgendwie happy und irgendwie auch so überhaupt nicht. Mal ganz davon abgesehen, dass super viele Hinweise und lose Handlungsfäden noch offen liegen und ich mir immer noch kein komplettes Bild von allem machen konnte, verändert sich auch nochmal alles. So war ich sehr positiv überrascht von dem Ende. Es ist nicht besonders effekthaschend, aber dennoch sehr wirkungsvoll. Und verspricht, dass der nächste Band gleich mit der Klärung eines großen Geheimnisses beginnt. So hoffe ich jedenfalls.

Fazit:

Ich bin neu in diesem Genre und war sogleich sehr positiv angetan. Die Protagonistin ist mutig und neugierig, gleichzeitig aber auch unwissend und unerforscht. Es gilt nicht nur die Welt kennenzulernen, sondern auch ihre Vergangenheit und Kräfte. Der Love Interest hat mindestens genauso viel Hintergrund. Er ist vielschichtig und einfach interessant. Zusammen sind sie Teil einer Slow Burn Liebesgeschichte, die sich wirklich Zeit lässt, ohne dabei die Authentizität zu verlieren. Die Stärke dieser Geschichte: das Setting, die Atmosphäre, die Plottwists und die Unvorhersehbarkeit. Ich bin sehr gespannt auf Band 2!

Von mir gibt es 4 Sterne.

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  • Thema
Veröffentlicht am 25.05.2026

So wie man sich Pater trifft auf Mafiatochter vorstellt

Piccolina - In Nomine Patris 3
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Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich ganz passend zur Story. Er ist sehr atmosphärisch, teilweise sehr ausschweifend und machmal auch etwas altbacken. Aber das passte ganz gut zur Thematik. ...

Schreibstil:
Den Schreibstil der Autorin fand ich ganz passend zur Story. Er ist sehr atmosphärisch, teilweise sehr ausschweifend und machmal auch etwas altbacken. Aber das passte ganz gut zur Thematik. Ich mochte es, dass gerade dieser Vibe von Unschuld und Verderbtheit im Hinblick auf den Glauben dadurch gut rüberkam. Was manchmal aber etwas schade war, war dass oft Dinge wiederholt wurden und sich die Story so ziemlich in die Länge zog. Wären einige Wörter gestrichen worden, hätte man wahrscheinlich die Spannung prägnanter gespürt.

Die Geschichte – unsicheres Mädchen sucht Führung bei einem Geistlichen

Erzählt wird aus zwei Perspektiven, wobei die von Rosalia überwiegt. Der Pater, Domenico, kommt nur manchmal zu Wort. Interessant an den Perspektiven ist, dass der Glaube an Gott hier wirklich auf jeder Seite spürbar ist, gleichzeitig aber geschickt an vielen Stellen passend für die aktuelle Situation umgemodelt wurde. Das sprichwörtliche „Worte im Mund herumdrehen“. So habe ich beiden Figuren die ganze Zeit abgenommen, dass sie gläubig sind, gleichzeitig war aber eben auch spürbar, dass sie ihren Glauben auf ihre Art ausleben.

Rosalia – behütete Mafiatochter, deren Gelüste gerade erwachen

Anfangs ist Rosalia wirklich sehr befremdlich. Sie scheint komplett an ihren Glauben verloren und will einfach nur Gott gefallen. Das war schon ziemlich krass, zumal sie dadurch auch unheimlich kindlich erschien. Sie und dadurch auch wir Leser:innen merken aber schnell, dass da etwas in ihr schlummert. Eine sexuelle Neugier, die sich nicht damit befriedigen lässt, zu beten und sich gleichzeitig auch nicht mit dem, was sie in der Bibel liest, vereinbaren lässt. Ein Widerstreit in ihrem Kopf, den man sehr gut nachvollziehen kann anhand ihrer Schilderungen.

Ich war sehr gespannt, wie sie von der absolut Gläubigen zu einer Dark Romance-Protagonistin werden sollte. Irgendwie funktionierte dies aber fast natürlich, einfach weil sie sich als spät erwachende Teenagerin mit dunklen Neigungen entpuppte. Und ich meine: Schmerz, Erniedrigung, ein Machtgefälle, das alles sind Kinks, die nicht an ein bestimmtes Alter geknüpft sind und die deshalb durchaus verständlich auch schon in ihr schlummern konnten. Mit Domenico ist all dies einfach erwacht.

Im Laufe der Handlung hat man super schön mitbekommen, wie sie immer mutiger wurde und dabei auch immer mehr zu sich selbst fand, inklusive herausfand, was sie ersehnte. Dazu kam, dass sie eine curvy person ist, die mit nachvollziehbaren Ängsten kämpfte, die gut aufgefangen wurden. Tatsächlich besser, als ich es von dem Buch erwartet hatte. Domenico geht darauf ein, Rosalia erkennt nach und nach ihren Wert. Ihre Entwicklung ist einfach super schön und authentisch und hat mich sehr beeindruckt im Rahmen all dieser Thematik.

Was mir bei ihr vielleicht noch ein bisschen fehlte, war, dass sie bis zum Ende ein wenig die Mafiatochter geblieben ist. Ein Nepo-Baby, das sich letztlich im gemachten Nest eine eigene Aufgabe sucht, aber mehr auch nicht.

Domenico – Pater, Waise und Auftragsmörder in einem

In Domenico tobte wirklich mehr als ein Sturm. Er hatte einen Auftrag, er hatte eine Ausbildung und er hatte einen Glauben, der ziemlich prägnant war. Ich fand es interessant zu sehen, wie er trotzdem als Charakter Sinn ergab. Es passte alles zusammen und er war sehr viel sensibler, als ich erwartet hätte.
Anfangs ist er bloß der Pater, mehr erfährt man erst später. Tatsächlich wurde er dann erst als ziemlich abgebrüht und voll mafiamäßig beschrieben. Ich fand aber, dass man schon auf den ersten Seiten merkte, wie er auf Rosalia reagierte und was das für seine Zukunft bedeuten würde.

Spannend war einfach, dass er seinen Glauben nutzt, um sich selbst zu geißeln, zu verschleiern und um Rosalia zu „helfen“. Bewusst und unbewusst bestärkte er ihren Charakter und hat sich gleichzeitig selbst Vergnügen bereitet. Es war sehr gut umgesetzt, wie er seine Rolle noch lange Zeit beibehielt und bewusst zwischen Liebhaber und Gottesfürchtigem und dann zusätzlich noch Verräter switchte. Auch, wenn ich fand, dass letztere Rolle etwas kurz bei ihm kam, da er sich wirklich schnell und lange auf Rosalia konzentrierte und nicht mehr so sehr auf den Auftrag.

Als Figur, die das Darke in Rosalia erweckt, es mit ihr zusammen ausübt und selbst darin Befriedigung findet, fand ich ihn echt gut geschrieben. Als Auftragsmörder der Mafia fehlten mir zu ihm noch ein paar Details. Manchmal fühlte es sich an, als solle er nur besonders böse klingen, sei es aber nicht.
Was aber wirklich gut war, war wie sein Gewissen mehr und mehr einsetzte und seine Rollen ganz bewusst in seinem Kopf verschwammen. Wie er mehr und mehr anerkannte, was war und dann hinterfragte, ohne uns Leser:innen direkt mitzunehmen. So blieb die Spannung, gleichzeitig war der Zweifel aber lange genug gesät, um eine Wendung authentisch möglich zu machen.

Ein klein wenig übertrieben klingend war für mich nur zum Ende hin die Intensität seiner Gefühle Rosalia gegenüber. Bei ihr war es genauso. Dadurch, dass die beiden irgendwie gar keinen Alltag zusammen erlebt hatten, sondern nur in dieser Kirche zusammen waren, fühlte es sich so an, als hätten sie einfach nur ihren passenden Sexpartner:in gefunden. Nicht gleich die Liebe des Lebens. Der Epilog hat da aber zum Glück noch einiges aufgefangen.

Die Mafiahierarchie – Rache als größte Sünde

Die Strukturen hinter der Liebesgeschichte passten für mich alle. Im Prinzip geht es darum, dass Rosalias Vater seinen Feind in den Rollstuhl befördert hat und dieser jetzt Rache nehmen möchte. Natürlich wirken alle beteiligten Figuren böse und skrupellos, dazu noch überaus intelligent und berechnend. So muss es im Mafiakontext aber auch sein. Bis zum Ende hin zog sich ein roter Faden, der sich zufriedenstellend auflöste und vor allem Domenicos Geschichte gut mit einband. Ich fand es nachvollziehbar und auch spannend. Allerdings erst ab ungefähr der Hälfte des Buches. Bis dahin muss man sich wirklich durch viel gottesfürchtiges Verhalten und Denken kämpfen. Für mich hätte ruhig vorher schonmal etwas Spannenderes passieren können. Und wenn es nur ein Gespräch zwischen Rosalia und ihrem Vater oder eine Rückblende aus Domenicos Vergangenheit gewesen wäre. Einfach so, dass man schonmal im Hinterkopf gehabt hätte: shit, die beiden haben doch eigentlich gar nicht so viel Zeit dafür.
Aber nun gut, irgendwann wurde es spannender und dann konnte ich das Buch auch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Dark Romance – Spice im Style von Rosalia und Pater Domenico

Wenn ihr mich fragt, ob dieses Buch dark ist, dann ist die klare Antwort: ja! Hier bekommt ihr wirklich Spice zu lesen, der nicht jedem gefallen dürfte, aber richtig gut erzählt wurde. Die beiden haben einen speziellen Kink, es geht um Befriedigung in Verbindung mit Schmerzen und für beide hat es eine tiefere Bedeutung, die die beiden verbindet. Es war also alles nicht aus der Luft gerissen, sondern passte perfekt in den Kontext und hat dazu beide noch stärker in ihrem Charakter gemacht. Etwas, dass für mich unbedingt Teil einer Dark Romance sein sollte.

Fazit:
Eine wirklich spicy Dark Romance, die Jungfrau trifft auf Pater wirklich perfekt in Szene setzt und das ganze im Kontext von Mafiaplänen sehr spannend erzählt. Der Schreibstil passte zur Atmosphäre, auch wenn er manchmal etwas langatmig war. Das ganze Gottesgerede muss man abkönnen, es passte für mich aber ebenfalls einfach perfekt zur Story und hat alles noch authentischer wirken lassen. Der Spannungsverlauf hätte für mich noch etwas früher stärker ansteigen dürfen, aber irgendwann war es auf jeden Fall richtig spannend.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Spannender Kink

Willing Prey
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Schreibstil:
Habe ihn geliebt! Ich bin durch die Seiten geflogen und war erstaunt, wie flüssig es sich lesen ließ. Denn obwohl ich keinerlei Erfahrungen mit dem Kink hatte und ihn erst vielleicht etwas ...

Schreibstil:
Habe ihn geliebt! Ich bin durch die Seiten geflogen und war erstaunt, wie flüssig es sich lesen ließ. Denn obwohl ich keinerlei Erfahrungen mit dem Kink hatte und ihn erst vielleicht etwas befremdlich fand, war es zu keiner Zeit komisch oder abwegig. Die Autorin hat es durch die Beschreibung der Gefühle und der Atmosphäre perfekt geschafft, mich mit ihren Figuren mitzunehmen und mitfühlen zu lassen, sodass es zu keiner Zeit weird war. Ich konnte mich total fallen lassen und einfach gebannt lesen.

Die Geschichte – 30 Tage, ein Wald hinter dem Haus und ein Gehalt, das die Schulden tilgt

Erzählt wird aus den Perspektiven von Shane und Claire. Das war besonders deshalb interessant, weil die beiden lange Zeit absolut unabhängig voneinander agieren und denken und fühlen. Durch die Zeitbeschränkung und die stete Bereitschaft, die von Claire verlangt wird, spielt die Geschichte hauptsächlich auf Shanes Grundstück und hauptsächlich zwischen Claire und Shane sowie seinem Hauspersonal. Das hat die Erzählung natürlich sehr auf den Spice verdichtet. Und dieser lässt auch nicht lange auf sich warten. So nahm die Handlung gleich Fahrt auf und baute sich nicht erst langsam auf. Suchtfaktor also sofort aktiviert.

Claire – Betrogene Lehrerin mit Kink, der alle Sorgen zu nehmen scheint

Claire muss man gar nicht lange kennen lernen, um sie zu mögen. Sie ist unkompliziert, naturverliebt, weiß, was sie will und was sie mag. Sie gibt sich keinen Gedankenstrudeln hin oder verkompliziert Dinge, sondern kennt ihre Schwächen und Vorlieben und agiert sehr strukturiert. Das mochte ich an ihr total, weil sie den Handlungsverlauf so nicht verlangsamt und nichts unnötig verkompliziert hat.

Dafür blieb Platz, um mit ihr zu fühlen, was ihr am Primal Play so gefällt, wie sie Shane immer besser kennen lernt und dabei langsam Gefühle entwickelt und wie sie teils überlegt, teils aber auch gefühlsgesteuert mit ihrem Ex-Freund umgeht. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, dass sie überdramatisiert oder irgendetwas total unlogisch angeht. Stattdessen ist sie authentisch und gibt ihre Gefühle an uns Leser:innen weiter.

Was mir außerdem an ihre gefallen hat, war, dass sie keinen Zustand als gegeben ansieht. So entwickelt der Kink sich zwischen ihr und Shane noch weiter. Irgendwie hat mir das auch dabei geholfen, diese sexuelle Vorliebe besser hinsichtlich meiner feministischen Einstellung verstehen zu können. Wäre es nämlich so gewesen, dass es nur darum gegangen wäre, dass der Mann das Sagen hat, wäre das zwar im sexuellen Bereich auch irgendwie in Ordnung gewesen (gemäß dem Falle, er benimmt sich sonst gut), allerdings fand ich es so einfach viel besser. Die beiden sind die ganze Zeit über sehr an Consent interessiert. Es geht nicht nur um ein Safeword, sondern auch darum, dass beide garantiert Spaß an allem haben. Durch die Entwicklungen hin zur Gegenseitigkeit wurde dies noch bestärkt. Ich glaube, genau diesen Content sollte man viel öfters in Dark Romance Büchern betonen, denn genau so wird ein Kink zum Kink und nicht zu einer Machtdemonstration oder einer sexuellen Vorliebe eines Einzelnen. Die beiden machen das hier zusammen. Haben zusammen Spaß. Sind zusammen?

Nur eine Mini-Anmerkung zu Claire: Sie beschreibt sich als totale People-Pleaserin, tatsächlich aber konnte ich das bei ihr nicht wahrnehmen. Ich denke, das bezieht sich auf ihre Zeit VOR Shane. Es gab aber keine Rückblicke oder Erinnerungen oder ähnliches, die das an der Stelle nochmal gezeigt bzw. erlebbar gemacht hätten. Schade eigentlich, denn für ihre Entwicklungskurve wäre es glaube ich ganz cool gewesen, wenn man diesen Wandel mehr mitbekommen hätte.

Shane – scheuer Anwalt, dominanter Jäger oder weirder Stalker?

Das krasseste an Shane: er wird als großer, eher stämmiger, muskulöser Mann beschrieben, der aber schüchtern, zurückhaltend und unsicher ist. Ich habe noch nie einen Love Interest kennengelernt, der so gegensätzlich war und gleichzeitig so authentischen. Denn ja, nicht jeder mit einem Kink muss gleich das oberkrasseste Machomonster sein. Man kann auch so sein wie Shane: jemand, der erst entdeckt, dass dieser Kink zu einem passt und der eigentlich sehr unsicher ist, wenn es darum geht, mit Frauen zu reden. Wenn er nicht gerade in seinem Element draußen im Wald war, dann merkte man diese Schüchternheit total und das fand ich zuckersüß. Er ist der Typ Nerd, den man mit ins Bett nehmen will. Jemand, der sich um alles Gedanken macht, recherchiert, um gut in dem zu sein, was er sich vornimmt und unbeholfen und schweigsam wird, wenn er unvorbereitet angetroffen wird. Es war cool zu sehen, wie sehr er sich um Claire bemüht, obwohl er augenscheinlich ein oberkrasser S**partner ist.

Was seine Figur dann noch spannender machte, war, dass es bei ihm quasi Liebe auf den ersten Blick war und er vielleicht leichte Stalker-Tendenzen zeigte. Zuerst dachte ich in diesem Moment so: oh ha, dass ist jetzt vielleicht doch etwas viel, im nächsten passte es irgendwie total zu ihm und nahm dann zum Glück auch nicht solche Ausmaße an, dass ich es hätte irgendwie mit mir ausmachen müssen. Er war einfach verliebt.

Wenn ein Vertrag endet – was passiert dann?

Die 30 Tage waren wirklich super geschrieben. Es wirkte dadurch authentisch, dass die Bedingungen zwar eingehalten wurden, dass Shanes Leben aber auch nicht einfach pausierte. Er musste dennoch arbeiten und hatte somit nicht jeden Tag Zeit, sie zu jagen. Dadurch konnten viele der Jagden erzählt werden und jedes Mal war ich wieder erstaunt, dass die Autorin es schaffte, die gleiche Prozedur wieder anders spannend zu erzählen. Manchmal ist es Claire, die erzählt, manchmal Shane, manchmal versteckt sie sich, manchmal versucht sie den Spieß umzudrehen, mal dauert sie lang, manchmal kurz und zwischendurch passieren dann noch andere Dinge. Es war echt faszinieren, wie ich jedes Mal mitgefiebert habe.

Schön war aber auch, dass sich schon innerhalb dieser 30 Tage mehr zwischen den beiden entwickelte. Sie redeten, machten sich Gedanken, verbrachten Zeit außerhalb der Jagd miteinander. Alles so, dass es nicht zu viel wirkte, nicht zu vanilla, sondern eben einfach so, dass man merkte, dass die beiden vielleicht noch mehr als ihren Kink teilten.

Dabei ist dann nicht nur Claires Ex-Freund Thema, der sehr nachvollziehbar immer mal wieder zum Thema wird und Gefühle heraufbeschwört, sondern auch Shanes Vergangenheit. Ich fand es gut, dass es irgendwie einen Grund gab, weshalb er so ist wie er ist, trotzdem hätte ich mir irgendwie noch ein paar mehr Details aus dieser Vergangenheit gewünscht. Kann sein, dass sich das für Caine aufgehoben wird, aber für Shane war es dann schade.

So, irgendwann waren die 30 Tage dann aber vorbei und ab dann fand ich es etwas schleppend. Es war süß, keine Frage und es war auch authentisch erzählt, aber es klang ein bisschen wie ein Epilog, nicht wie ein entscheidender Teil der Geschichte. Das Darke ging auf jeden Fall verloren. Ich fand es so zum Abschluss ganz schön, es hat der Geschichte aber definitiv ein wenig der Würze genommen.

Fazit:
Ein Kink, der die Geliebte zur Beute macht, sympathische Figuren, ein flüssiger Schreibstil und jede Menge Spannung. Dieses Buch hat wirklich Spaß gemacht und war super spicy. Zum letzten Viertel hin wurde es etwas süßer, nicht mehr so dark. Wen das nicht stört, wird hier eine wirklich schöne Dark Romance lesen. Mein einziger richtiger Kritikpunkt: ein bisschen mehr Tiefe hätte das Buch noch besser gemacht.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:

- Ein ungewöhnlicher Kink, der überraschend authentisch dargestellt wird
- Spannende Dynamik zwischen schüchternem Nerd & dominantem Jäger
- Spice mit Fokus auf Consent & Gegenseitigkeit


Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Liebe Grüße
Tomke

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Veröffentlicht am 23.04.2026

Packende Escape-Room-Mystery

Darkly
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Schreibstil:
Die Geschichte ließ sich sehr schön flüssig lesen und wurde die ganze Zeit über von einer düsteren Atmosphäre begleitet. Immer wieder kommen Zweifel auf, Geräusche und Beobachtungen wechseln ...

Schreibstil:
Die Geschichte ließ sich sehr schön flüssig lesen und wurde die ganze Zeit über von einer düsteren Atmosphäre begleitet. Immer wieder kommen Zweifel auf, Geräusche und Beobachtungen wechseln sich ab mit kryptischen Aussagen der Figuren. Für mich eine sehr gelungene Spannung zwischen Setting, Dialogen und Handlung, die mich schnell gefesselt hat.
Zusätzlich interessant ist, dass es zwischendurch Seiten gibt, auf die Rätsel, Zeichnungen, Fotos oder Zeitungsausschnitte gedruckt wurden. Einige davon konnte ich zwar im direkten Handlungsverlauf nicht direkt durchschauen, weil vieles erst viel später relevant wurde, aber sie sorgten auf jeden Fall dafür, die Rätselstimmung hoch zu halten.

Die Geschichte – Verlorene Kinder auf der Suche nach einem verlorenen Jungen im Konstrukt eines verlorenen Spiels

Erzählt wird aus der Perspektive von Dia, einer der sieben Jugendlichen, die auf der Insel der mysteriösen Spieledesignern ausgesetzt werden. Sie ist siebzehn, verhält sich aber nicht so bzw. hat ein gänzlich anderes Leben, sodass sie sich nicht mit den typischen Befindlichkeiten von Jugendlichen in ihrem Alter auseinandersetzt, sondern schnell in andere Gedankenstränge eintaucht. Ihre Beobachtungsgabe ist grandios und schnell beginnt sie, mehr und mehr zu kombinieren, Spuren zu verfolgen und Dinge zu hinterfragen.

Die Handlung ist zunächst etwas wirr, denn man weiß erstmal gar nichts. Es gibt diese besonderen Spiele, die Darklys, und die Designerin dahinter, Louisana Veda. Was mit ihr passiert ist, ist kein Geheimnis, wirft aber Fragen auf. Alles ist höchst mysteriös. Die Jugendlichen bekommen nur einen Happen serviert, der reichlich schwammig und weit hergeholt wirkt. Die Frage nach den Motiven jeder einzelnen Figur im Buch ist stets präsent, dadurch ist man die ganze Zeit im Rätselmodus, denn natürlich möchte man niemandem wirklich glauben.
Ich fand es sehr cool, wie es wirklich von einem Hinweis zum anderen ging und das große Ganze somit ziemlich lange brauchte, um sich zusammenzusetzen. Es fühlte sich ein wenig an, als wäre man in einem Escape Room und müsste den Ausweg finden. Nur in live, denn es treten nicht nur die Mitspielenden auf, sondern auch Statisten, die nicht unbedingt daran interessiert sind, zu helfen.

Die Idee hinter den eigentlichen Darklys blieb im meinem Kopf lange Zeit eher schwammig. Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, wie Spiele, so wie sie dort beschrieben wurden, überall auf der Welt gespielt werden konnten. Und auch am Ende des Buches blieb bei mir die Frage offen, was nun so anders an den Spielen war. Wie sie möglich waren. Denn die Handlung bezieht sich eher auf eine spezielle Art des Spiels, das genauso lebendig geworden ist, wie ich mir die anderen auch vorstellen würde. Vielleicht ist diese wirre Schilderung ein kleiner Hinweis darauf, dass einiges in diesem Buch ziemlich konstruiert wirkte. Es war alles mysteriös und rätselhaft, aber eben auch sehr gewollt. Ich persönlich konnte mich gut fallen lassen, weil die Stimmung und die Figuren das einfach unterstützt haben, aber wer hier ganz genau mitdenkt und hinterfragt, wird über ein paar Ungereimtheiten oder vielmehr Lücken stolpern.

Die anderen Figuren haben mich auch sehr an das Setting eines Escape Rooms erinnert, denn sie alle erfüllen ihre Rolle und bringen auch einen kleinen Teil Charakter mit in die Geschichte, hauptsächlich sind sie aber dafür da, um zu agieren. Um Dia Beobachtungen möglich zu machen und Ergebnisse erschließen zu können. Die kleine Lovestory, die ebenfalls Teil der Geschichte ist, ist genauso sehr Mittel zum Zweck. In anderen Geschichten würde ich das vielleicht bemängeln, aber hier fand ich es super, weil es Dia durcheinanderbrachte und nur so konnte die Spannung noch weiter gezogen werden.

Neben all den unmittelbaren Handlungselementen, die mit dem Rätsel zu tun hatten, bewies die Geschichte auch Tiefe, indem sie Themen wie Machtgewinn und Fankultur aufgriff. Es ging oft und gerne um die Abgründe der Menschen, um die Motive einzelner, um das Böse, dass daraus entsteht, wenn jemand ein Ziel vor Augen hat. Das fand ich zwar gut eingebunden, letztlich blieb aber auch hier irgendwo eine Lücke, sodass ich letzten Endes sagen würde, dass die Geschichte sich zwar um Tiefe bemüht, diese aber zugunsten des Mysteriums nicht gänzlich umsetzen kann.

Das Ende des Buches war ein wenig so, als hätte man die Schatzkiste geöffnet, dann aber bemerkt, dass die Goldmünzen einem das Leben kosten. Der Triumph war kurz, plötzlich war alles anders als gedacht. Ich mochte es, dass es letztlich alles realistisch blieb, musste aber auch feststellen, dass bei mir der Funke nicht ganz übergesprungen war. Die Spannung war auf den ganzen Handlungsverlauf gesehen etwas schwankend und Dia zwar intelligent, aber auch nur begrenzt zugänglich. Ich würde sagen, ein gelungenes Darkly – und das ist hier völlig okay.

Fazit:
Eine Geschichte, die durchweg rätselhaft und mysteriös ist. Die Atmosphäre ist genial, der Handlungsverlauf fast durchweg sehr spannend, manchmal aber auch etwas lückenhaft. Die Idee fand ich super originell und ich habe bis zuletzt nicht durchschauen können, was am Ende auf einmal real war. Ein Buch für Fans von mysteriösen Geschichten, die einem Escape Game nahekommen, in denen die Figuren nicht unbedingt die Handlungsträger, sondern eher Mittel zum Zweck sind.

4 von 5 Sterne von mir.



3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:

1. Geniale Escape-Game-Atmosphäre

2. Starke, durchgehend mysteriöse Spannung

3. Originelle Idee mit Dark-Academia-Vibes



Liebe Grüße

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Dystopie mit spannenden Perspektiven!

Echoes of Ashes and Rain - Die Perfekten
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Schreibstil:

Die Autorin hatte mich direkt ab den ersten Seiten, denn mit Rain präsentiert sie eine Protagonistin, die super schön erfrischend ist und einfach immer in Handlungen denkt. So war der Schreibstil ...

Schreibstil:

Die Autorin hatte mich direkt ab den ersten Seiten, denn mit Rain präsentiert sie eine Protagonistin, die super schön erfrischend ist und einfach immer in Handlungen denkt. So war der Schreibstil wach und überlegt, gleichzeitig aber auch gut voranschreitend und dadurch mitziehend. Was ich manchmal etwas schade fand, war, dass es auch leicht ins Technische schwappte. Vielleicht ist technisch auch das falsche Wort, aber die Gefühle kamen einfach nicht ganz so vielschichtig und tiefgreifend rüber. Dafür nutzte die Autorin eher immer Beschreibungen und Formulierungen, die die Beziehung oder die Emotionen als feststehend darstellten.



Die Geschichte – Von der Gesetzlosen zur Kämpferin für die Unterdrückten

Ja, das klingt jetzt irgendwie ein bisschen nach Jeanne d’Arc und tatsächlich hat mich Rain ein wenig an sie erinnert, denn Rain ist ein unheimlich altruistischer Mensch. Gleichzeitig ist sie aber auch noch eine Jugendliche. Lark und sie, aus deren Perspektiven die Geschichte erzählt wird, sind gerade mal siebzehn und haben dafür schon ziemlich viel Verantwortung zu tragen. Es geht darum, an die Zukunft zu denken, die Familie zu versorgen und täglich das eigene Leben zu verteidigen.



Das alles spielt in einer erzählten Welt, die ich sehr gut aufgebaut fand, auch wenn ich etwas brauchte, um hinter so manche Geheimnisse bzw. Mechanismen zu kommen. Einiges wurde einfach etwas spät aufgelöst, anderes ein wenig als zu selbstverständlich dargestellt. Größere Dinge allerdings wurden bewusst so konzipiert, denn auch Rain und Lark stellen sich Fragen und beginnen, Nachforschungen anzustellen.

Alles in allem müsst ihr sie euch ein wenig wie eine Mischung aus „Die Bestimmung“ und „Panem“ vorstellen, mit unterdrückten und arbeitenden Bürgern, mit der Creme de la Creme, die gar nicht so richtig wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen und mit den Rebellen dazwischen. Und natürlich mit den Ghosts. Eine spannende Konstellation die auch politisch für viel Tiefe in der Story sorgt und gute Überlegungen zulässt. Ich mochte es sehr, in diese Welt abzutauchen und durch Rains Augen immer mehr zu entdecken, während Lark dafür tiefer und tiefer in die Hintergründe all dessen eindringt.



Rain und Lark – zwischen Verrat und Vertrauen, Asche und Gold

Rain mochte ich unheimlich gerne. Sie ist eine Protagonistin, die perfekt für ein solches Jugendbuch ist: wach, intelligent, aufopferungsvoll und mutig. Dazu erkennt man aber auch schnell ihre Schwäche: ihre Familie. Und ist das nicht vollkommen natürlich, wenn man noch so jung ist? Vor allem aber ist es menschlich und ich mochte es sehr, wie Rain in all dem Trubel nie vergaß, wer immer für sie da war und trotz Verrat aber auch bereit ist, neuen Bekannten Vertrauen zu schenken, ohne naiv zu sein. Ich habe gerne aus ihrer Perspektive gelesen, vor allem dann, wenn sie mit beinahe kindlichem Eifer an eine Sache herangetreten ist, Pläne geschmiedet hat und die Probleme ihrer Welt mit wenigen Sätzen zu fassen bekam.

Was ich an ihr manchmal etwas schwierig fand, war, dass sie sehr unerschütterlich in ihrem Vertrauen zu ihrer Mum ist. Das ist natürlich toll für ihre Motivation, aber ich hätte es irgendwie etwas verständlicher gefunden, wenn sie auch mal ins Zweifeln geraten wäre. Ebenso im Hinblick auf ihren Vater. Bei Rain war irgendwie immer gleich klar, wen sie mag und wen nicht und dann auch wem sie vertraut und wem nicht. Da konnte sie auch nichts mehr von abbringen. Und das im Hinblick darauf, dass sie eigentlich gelernt hat, überhaupt niemandem zu vertrauen und dementsprechend ja sehr skeptisch hätte sein müssen. Denn eine Frage wäre mir an einer bestimmten Stelle sofort gekommen: Was hat er davon? Die Motive der Menschen zu hinterfragen, ist ja so ungefähr die oberste Regel. So habe ich es zumindest gelernt:)

Der Wechsel zu Larks Perspektive geschieht nahtlos. Im nächsten Absatz geht es einfach aus seiner Sicht weiter. Einerseits konnte ich mich so gut in die Geschichte fallen lassen, weil es quasi keine Unterbrechungen gab und viel mehr Wechsel zwischen den Perspektiven möglich waren (so viele kenntlich gemachte Wechsel hätten doch für ein sehr ungeordnetes Schriftsatzbild gesorgt), andererseits hat es mich auch oft verwirrt. Ich musste oft nochmal den ersten Satz des neuen Absatzes lesen, weil ich gerade so in Rain drin war und dann gar nicht so ganz begriffen habe, wie sie nun an den anderen Ort gekommen ist. Danach hat es natürlich Klick gemacht, aber diesen Moment hatte ich 1 zu 1 so die ganze Zeit und das war dann irgendwann doch etwas nervig. (Bin ich da empfindlich oder hätte euch das auch gestört?)

Larks Antrieb ist ebenfalls seine Familie, er muss es allerdings anders angehen. Sozusagen auf dem normalen Weg. Auf diesem bekommt er aber auch die Zustände, gegen die Rain ankämpft, viel besser und vor allem hautnah mit. Seine Freundin Hail ist da das beste Beispiel, deren Rollen in dieser Geschichte auch auf keinen Fall zu unterschätzen ist, auch wenn auch sie etwas unnahbar geblieben ist.

Bei ihm geht es um den reinen Kampf für seine Zukunft und die seiner Familie, denn seine kleine Schwester Rose, die unheimlich charismatisch und ein absoluter Main Charakter der Story ist, wird von der Gesellschaft quasi als nicht lebenswert abgestempelt.

Anfangs fiel es mir etwas schwer zu verstehen, wie weit seine Motivation dafür geht. Die Autorin hat es mir etwas schwer gemacht zu verstehen, dass Lark wirklich an gar nichts anderes denkt. Und ja, das klingt einschränkend und war es auch irgendwie, denn ich hätte mir schon manchmal gewünscht, dass Lark auch mal für andere kämpft. Für die allgemeinen Umstände.

Zum Glück hat er ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit und kommt auf seinem Weg immer wieder ins Schlingern. Das wiederum fand ich genial. Denn er schlüpft in unterschiedliche Rollen, bewegt sich in unterschiedlichen Kreisen und zerstört so ganz gezielt das schwarz-weiße Bild, das man erst von der Welt hat. Und das völlig unbeabsichtigt, denn Lark muss sich selbst erstmal darin zurechtfinden.

Alles in allem fand ich ihn als Figur spannend und habe auch gerne mit ihm zusammen Dinge erlebt. Was mich aber etwas irritierend fand, war die Liebesgeschichte zwischen ihm und Rain, die da irgendwie immer wieder angedeutet wurde. Dafür fehlten mir ehrlich gesagt nicht nur die Emotionen, sondern auch die Momente. Es gibt nur ganz wenige Szenen, in denen die beiden überhaupt aufeinandertreffen. Und in diesen konnte ich wenig spüren. Und dann gibt es da noch Hail von der Lark eigentlich freundschaftlich spricht, dann aber auch wieder als Liebe betitelt. Wer kommt da noch mit? Ich glaube, es wäre echt vollkommen okay gewesen, wenn Rain und er in diesem Band einfach als zufällige Freunde aufgetreten wären.

Zwischen Längen & Action – das Ende hat es nochmal rausgeholt

Der Handlungsverlauf der Geschichte lässt sich Zeit würde ich sagen. Es gibt überaus spannende Passagen und ich kann auch nicht sagen, dass es Längen gab, in denen ich nun gar nicht daran interessiert war, weiter und weiter zu lesen. Aber die Handlung hat sich schon oft ziemlich viel Zeit gelassen. Hier noch eine Szene, dort noch eine Szene. Hier noch etwas Rose, hier noch etwas Hail. Ja, das war alles wichtig und gut für die Gesamthandlung, aber manchmal hatte ich auch das Gefühl, es wird sich Zeit genommen in einer Welt, bei der Zeit nicht unbedingt das ist, was alle Figuren haben.

Dafür überschlugen sich die Geschehnisse dann am Ende und bemühten sich sehr darum, alles möglichst offen und verdreht darzustellen. Das fand ich dann aber schon wieder cool, weil es irgendwie viel passender für die Story war. Schließlich passiert im Hintergrund jeder Handlung immer etwas. Die ganze Welt, die Perspektiven der beiden Hauptfiguren, das alles ist super komplex und auch deshalb so mitreißend.

Den zweiten Band will ich also unbedingt lesen. Ich erwarte mir aber auch, dass die Emotionen da noch etwas mehr überkochen und die Geschichte etwas gezielter wird in ihrer Erzählung. (Denn ganz ehrlich: Das mit den Kindern und den Gesegneten, ist das nicht egal?)

Fazit:

Eine spannende Dystopie, die eine wirklich interessante und gut auserzählte Welt präsentiert. Die weibliche Hauptfigur ist total sympathisch und wach, die männliche Hauptfigur bringt eine zweite Perspektive rein, die für Tiefe sorgt. Emotional war mir die Geschichte noch etwas flach und einige Dinge wurden auch gerne mal nicht ganz so hinterfragt, aber ich fand es sehr spannend zu lesen und freue mich auf den nächsten Band!

4 von 5 Sterne von mir.

Vielen Dank an den Verlag und die Bloggerjury.de für das Rezensionsexemplar!



Drei Gründe, warum du dieses Buch lesen solltest:

1. Weil dich die Welt sofort reinzieht und sie auch ohne Romance auskommt

2. Weil du zwei Perspektiven bekommst, die sich perfekt ergänzen

3. Weil Gut & Böse hier nicht schwarz weiß sind und einige überraschende Wendungen auf dich zukommen.



Liebe Grüße

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