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Veröffentlicht am 20.06.2018

Eine Geschichte über die wahre Freundschaft

Du und ich und das Meer
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Zum Inhalt:

Mary und Dottie sind beste Freundinnen. Seit Mary damals in die See Saw Lane gezogen ist. Zusammen haben sie alles durchgestanden, zusammen haben sie das Leben entdeckt, zusammen haben sie ...

Zum Inhalt:

Mary und Dottie sind beste Freundinnen. Seit Mary damals in die See Saw Lane gezogen ist. Zusammen haben sie alles durchgestanden, zusammen haben sie das Leben entdeckt, zusammen haben sie sich verliebt. Mit siebzehn Jahren (im Jahr 1963) erscheint den beiden das Leben schön und unendlich. Dass sich das bald ändern wird, ahnt keine von beiden. Auf einmal gibt es Betrug, Kummer und Schmerz...

Zum Buch:

Das Buch beginnt sachte. Der Schreibstil ist einfach und unkompliziert, aber voller Liebe und kleinen Details. Alles ist so beschrieben, dass man sich als Leser gleich in die Zeit der 60er zurückversetzt wird. Mit viel Witz und Leichtigkeit wird die Geschichte von Mary und Dottie aus der Sicht Dotties erzählt. Die Rückblenden sind dominierend, aber nicht störend. Sie erfüllen die Geschichte regelrecht zum Leben. Jedenfalls am Anfang. Die Autorin hat mit dem Schreibstil hier wirklich nochmal die Wende im Leben der beiden Mädchen dargestellt. Bald wird es nämlich düsterer, überlegter und Dottie sieht nicht mehr alles nur von der guten Seite.

Von Anfang an merkt man, dass Dottie und Mary zwei sehr unterschiedliche Charakter sind, die sich aber ideal ergänzen und dadurch voneinander profitieren. Es ist ja nicht weiter ungewöhnlich, dass sich Gegensätze anziehen. Immer öfters wird ihre Freundschaft deshalb jedoch auf die Probe gestellt.

Durch Tagebucheinträge von Mary wird die Geschichte immer wieder stilistisch aufgelockert und man bekommt die Möglichkeit Mary besser zu verstehen. Dies hilft um als Leser während der Geschichte nicht eine störende Abneigung ihr gegenüber zu entwickeln. Wenn man einen Hauptcharakter so gar nicht mag und versteht, dann ist es für mich persönlich immer schwer zu lesen.

Wirklich toll ist der Charakter von Dottie. In diesem Buch geht es wirklich um Freundschaft. Freundschaft in guten, wie auch in schlechten Zeiten. Man bekommt ihre Entwicklung durch die vielen Situationen, die sie überstehen muss, sehr gut mit. Mir hat außerdem besonders an ihr gefallen, dass sie nicht naiv durchs Leben geht. Stattdessen muss sie eben noch lernen. Diesen Prozess bekommt man als Leser sehr gut mit und gleichzeitig habe ich sie die ganze Zeit bewundert. Ich glaube das ist auch etwas, was dieses Buch ausstrahlt.

Gedrückt wird die Geschichte immer wieder durch die damaligen gesellschaftlichen Normen, die besonders von den Erwachsenen vertreten werden. So muss man heiraten, wenn man ein Kind erwartet. Viele weitere Kleinigkeiten zeigen die Vor- und Nachteile der 60er Jahre.

Für die Spannung hat für mich auf jeden Fall der Epilog gesorgt. Man wartet die ganze Zeit darauf, dass die geschilderte Situation eintrifft und stellt nach jedem Kapitel neue Spekulationen auf.

Fazit: Dieses Buch beschreibt Freundschaft so weitreichend und liebevoll, wie es meiner Meinung nach geht. Es ist emotionsgeladen, bietet schöne Details, tolle Charaktere und eine Geschichte, die einen mitreißt. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und kann es nur empfehlen (sei denn, man steht nicht auf Drama:)).

Liebe Grüße

Veröffentlicht am 22.05.2018

Wünderschön mit Italien für Zuhause

Brausepulverherz
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Dieses Buch habe ich angefangen zu lesen, als ich gerade mitten in der Urlaubsplanung für die kommenden Semesterferien war. Sagen wir mal so: Italien steht jetzt ganz oben auf der Liste!



Zum Inhalt:

Jiara ...

Dieses Buch habe ich angefangen zu lesen, als ich gerade mitten in der Urlaubsplanung für die kommenden Semesterferien war. Sagen wir mal so: Italien steht jetzt ganz oben auf der Liste!



Zum Inhalt:

Jiara verbringt die Sommer seit Ewigkeiten in dem kleinen Ort Finale in Italien, wo sie ihrem besten Freund in seinem kleinen Restaurant aushilft. Dort fühlt sie sich wohl und fühlt sich lebendig. Am Ende des Sommers heißt es dann Abschied nehmen und für Jiara geht es zurück nach Hamburg. Zu ihrem Freund, ihrer verqueren Familie, ihrer besten Freundin und der Uni, die mittlerweile zu ihrem Leben gehört. Doch dieses Jahr soll der Sommer anders werden. Dieses Jahr taucht Milo auf und reißt Jiara sofort in seinen Bann. Blöd nur, dass Gefühle nicht so seine Stärke sind. Für beide heißt es kämpfen für das, was sie wirklich wollen.





"Mein Herz fühlt sich an, als wäre es mit aufschäumendem Brausepulver gefüllt, mein Kopf ist voll von Milo, und es fällt mir schwer, auch nur einen Gedanken zu fassen, sonst würde ich ihn von mir schieben, anstatt..." (aus Brausepulverherz von Leonie Lastella)





Zum Buch:

Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen. Ich hatte nie das Gefühl, das gelabert wird, obwohl die Autorin viele Wörter nutzt. Dies macht ihre Geschichte umso glaubwürdiger. Zudem schafft sie es in ihren Zeilen das Flair des kleinen Ortes Finale und ganz Italien zu vermitteln. Man fühlt sich nahezu wie im Urlaub beim Lesen.



Die Charaktere fand ich super. Beide Hauptprotagonisten befanden sich am Anfang des Buches an einem Punkt in ihrem Leben, an dem in Frage stand, ob das, was sie bisher gemacht haben, das Richtige für sie ist. Leonie Lastella hat dies in Gedankengängen und Handlungen gut und glaubwürdig für mich rüber gebracht und alle Charaktere haben eine wunderbare Persönlichkeit erhalten. Ich liebe Dario, ich liebe Milo und auch Jiara, die so viel durchmacht und bei mir nicht die ganze Zeit die Frage: Was macht die denn da? aufgeworfen hat. Stattdessen konnte ich all ihre Handlungen irgendwo verstehen, auch wenn die Liebesgeschichte anders vielleicht schneller vorangeschritten wäre. Aber darum geht es ja auch nicht.

Weiter fand ich die Problematik sehr interessant und auch wie sie letztlich gelöst wurde. Natürlich ist man irgendwo als Leser schon für Team Jiara-Milo, aber die Autorin hat es geschafft auch Jonas zu einer liebenswürdigen Person zu machen.

Der Kontrast zwischen dem was sicher und vernünftig ist und dem was unsicher und unvernünftig ist, dafür aber mehr Leben bietet, wird hier sehr gut dargestellt. Am Ende war ich mir so gar nicht mehr so sicher, welchen Weg Jiara und Milo nun beschreiten werden bzw. wie sie wieder zueinander finden, was es noch zusätzlich spannend gemacht hat.



Fazit:

Alles in allem kann ich glaube ich nichts schlechtes über das Buch sagen. Ich habe es gerne gelesen und mich von der Geschichte getragen gefühlt.

So kann ich es jedem empfehlen, der gerne schöne, tiefere Liebesgeschichten liest und auch jedem, der sich ein Stück Italien zu sich nach Hause holen möchte.

Veröffentlicht am 23.04.2026

Packende Escape-Room-Mystery

Darkly
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Schreibstil:
Die Geschichte ließ sich sehr schön flüssig lesen und wurde die ganze Zeit über von einer düsteren Atmosphäre begleitet. Immer wieder kommen Zweifel auf, Geräusche und Beobachtungen wechseln ...

Schreibstil:
Die Geschichte ließ sich sehr schön flüssig lesen und wurde die ganze Zeit über von einer düsteren Atmosphäre begleitet. Immer wieder kommen Zweifel auf, Geräusche und Beobachtungen wechseln sich ab mit kryptischen Aussagen der Figuren. Für mich eine sehr gelungene Spannung zwischen Setting, Dialogen und Handlung, die mich schnell gefesselt hat.
Zusätzlich interessant ist, dass es zwischendurch Seiten gibt, auf die Rätsel, Zeichnungen, Fotos oder Zeitungsausschnitte gedruckt wurden. Einige davon konnte ich zwar im direkten Handlungsverlauf nicht direkt durchschauen, weil vieles erst viel später relevant wurde, aber sie sorgten auf jeden Fall dafür, die Rätselstimmung hoch zu halten.

Die Geschichte – Verlorene Kinder auf der Suche nach einem verlorenen Jungen im Konstrukt eines verlorenen Spiels

Erzählt wird aus der Perspektive von Dia, einer der sieben Jugendlichen, die auf der Insel der mysteriösen Spieledesignern ausgesetzt werden. Sie ist siebzehn, verhält sich aber nicht so bzw. hat ein gänzlich anderes Leben, sodass sie sich nicht mit den typischen Befindlichkeiten von Jugendlichen in ihrem Alter auseinandersetzt, sondern schnell in andere Gedankenstränge eintaucht. Ihre Beobachtungsgabe ist grandios und schnell beginnt sie, mehr und mehr zu kombinieren, Spuren zu verfolgen und Dinge zu hinterfragen.

Die Handlung ist zunächst etwas wirr, denn man weiß erstmal gar nichts. Es gibt diese besonderen Spiele, die Darklys, und die Designerin dahinter, Louisana Veda. Was mit ihr passiert ist, ist kein Geheimnis, wirft aber Fragen auf. Alles ist höchst mysteriös. Die Jugendlichen bekommen nur einen Happen serviert, der reichlich schwammig und weit hergeholt wirkt. Die Frage nach den Motiven jeder einzelnen Figur im Buch ist stets präsent, dadurch ist man die ganze Zeit im Rätselmodus, denn natürlich möchte man niemandem wirklich glauben.
Ich fand es sehr cool, wie es wirklich von einem Hinweis zum anderen ging und das große Ganze somit ziemlich lange brauchte, um sich zusammenzusetzen. Es fühlte sich ein wenig an, als wäre man in einem Escape Room und müsste den Ausweg finden. Nur in live, denn es treten nicht nur die Mitspielenden auf, sondern auch Statisten, die nicht unbedingt daran interessiert sind, zu helfen.

Die Idee hinter den eigentlichen Darklys blieb im meinem Kopf lange Zeit eher schwammig. Ich konnte mir nicht so richtig vorstellen, wie Spiele, so wie sie dort beschrieben wurden, überall auf der Welt gespielt werden konnten. Und auch am Ende des Buches blieb bei mir die Frage offen, was nun so anders an den Spielen war. Wie sie möglich waren. Denn die Handlung bezieht sich eher auf eine spezielle Art des Spiels, das genauso lebendig geworden ist, wie ich mir die anderen auch vorstellen würde. Vielleicht ist diese wirre Schilderung ein kleiner Hinweis darauf, dass einiges in diesem Buch ziemlich konstruiert wirkte. Es war alles mysteriös und rätselhaft, aber eben auch sehr gewollt. Ich persönlich konnte mich gut fallen lassen, weil die Stimmung und die Figuren das einfach unterstützt haben, aber wer hier ganz genau mitdenkt und hinterfragt, wird über ein paar Ungereimtheiten oder vielmehr Lücken stolpern.

Die anderen Figuren haben mich auch sehr an das Setting eines Escape Rooms erinnert, denn sie alle erfüllen ihre Rolle und bringen auch einen kleinen Teil Charakter mit in die Geschichte, hauptsächlich sind sie aber dafür da, um zu agieren. Um Dia Beobachtungen möglich zu machen und Ergebnisse erschließen zu können. Die kleine Lovestory, die ebenfalls Teil der Geschichte ist, ist genauso sehr Mittel zum Zweck. In anderen Geschichten würde ich das vielleicht bemängeln, aber hier fand ich es super, weil es Dia durcheinanderbrachte und nur so konnte die Spannung noch weiter gezogen werden.

Neben all den unmittelbaren Handlungselementen, die mit dem Rätsel zu tun hatten, bewies die Geschichte auch Tiefe, indem sie Themen wie Machtgewinn und Fankultur aufgriff. Es ging oft und gerne um die Abgründe der Menschen, um die Motive einzelner, um das Böse, dass daraus entsteht, wenn jemand ein Ziel vor Augen hat. Das fand ich zwar gut eingebunden, letztlich blieb aber auch hier irgendwo eine Lücke, sodass ich letzten Endes sagen würde, dass die Geschichte sich zwar um Tiefe bemüht, diese aber zugunsten des Mysteriums nicht gänzlich umsetzen kann.

Das Ende des Buches war ein wenig so, als hätte man die Schatzkiste geöffnet, dann aber bemerkt, dass die Goldmünzen einem das Leben kosten. Der Triumph war kurz, plötzlich war alles anders als gedacht. Ich mochte es, dass es letztlich alles realistisch blieb, musste aber auch feststellen, dass bei mir der Funke nicht ganz übergesprungen war. Die Spannung war auf den ganzen Handlungsverlauf gesehen etwas schwankend und Dia zwar intelligent, aber auch nur begrenzt zugänglich. Ich würde sagen, ein gelungenes Darkly – und das ist hier völlig okay.

Fazit:
Eine Geschichte, die durchweg rätselhaft und mysteriös ist. Die Atmosphäre ist genial, der Handlungsverlauf fast durchweg sehr spannend, manchmal aber auch etwas lückenhaft. Die Idee fand ich super originell und ich habe bis zuletzt nicht durchschauen können, was am Ende auf einmal real war. Ein Buch für Fans von mysteriösen Geschichten, die einem Escape Game nahekommen, in denen die Figuren nicht unbedingt die Handlungsträger, sondern eher Mittel zum Zweck sind.

4 von 5 Sterne von mir.



3 Gründe, weshalb du dieses Buch lesen solltest:

1. Geniale Escape-Game-Atmosphäre

2. Starke, durchgehend mysteriöse Spannung

3. Originelle Idee mit Dark-Academia-Vibes



Liebe Grüße

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Dystopie mit spannenden Perspektiven!

Echoes of Ashes and Rain - Die Perfekten
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Schreibstil:

Die Autorin hatte mich direkt ab den ersten Seiten, denn mit Rain präsentiert sie eine Protagonistin, die super schön erfrischend ist und einfach immer in Handlungen denkt. So war der Schreibstil ...

Schreibstil:

Die Autorin hatte mich direkt ab den ersten Seiten, denn mit Rain präsentiert sie eine Protagonistin, die super schön erfrischend ist und einfach immer in Handlungen denkt. So war der Schreibstil wach und überlegt, gleichzeitig aber auch gut voranschreitend und dadurch mitziehend. Was ich manchmal etwas schade fand, war, dass es auch leicht ins Technische schwappte. Vielleicht ist technisch auch das falsche Wort, aber die Gefühle kamen einfach nicht ganz so vielschichtig und tiefgreifend rüber. Dafür nutzte die Autorin eher immer Beschreibungen und Formulierungen, die die Beziehung oder die Emotionen als feststehend darstellten.



Die Geschichte – Von der Gesetzlosen zur Kämpferin für die Unterdrückten

Ja, das klingt jetzt irgendwie ein bisschen nach Jeanne d’Arc und tatsächlich hat mich Rain ein wenig an sie erinnert, denn Rain ist ein unheimlich altruistischer Mensch. Gleichzeitig ist sie aber auch noch eine Jugendliche. Lark und sie, aus deren Perspektiven die Geschichte erzählt wird, sind gerade mal siebzehn und haben dafür schon ziemlich viel Verantwortung zu tragen. Es geht darum, an die Zukunft zu denken, die Familie zu versorgen und täglich das eigene Leben zu verteidigen.



Das alles spielt in einer erzählten Welt, die ich sehr gut aufgebaut fand, auch wenn ich etwas brauchte, um hinter so manche Geheimnisse bzw. Mechanismen zu kommen. Einiges wurde einfach etwas spät aufgelöst, anderes ein wenig als zu selbstverständlich dargestellt. Größere Dinge allerdings wurden bewusst so konzipiert, denn auch Rain und Lark stellen sich Fragen und beginnen, Nachforschungen anzustellen.

Alles in allem müsst ihr sie euch ein wenig wie eine Mischung aus „Die Bestimmung“ und „Panem“ vorstellen, mit unterdrückten und arbeitenden Bürgern, mit der Creme de la Creme, die gar nicht so richtig wissen, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen und mit den Rebellen dazwischen. Und natürlich mit den Ghosts. Eine spannende Konstellation die auch politisch für viel Tiefe in der Story sorgt und gute Überlegungen zulässt. Ich mochte es sehr, in diese Welt abzutauchen und durch Rains Augen immer mehr zu entdecken, während Lark dafür tiefer und tiefer in die Hintergründe all dessen eindringt.



Rain und Lark – zwischen Verrat und Vertrauen, Asche und Gold

Rain mochte ich unheimlich gerne. Sie ist eine Protagonistin, die perfekt für ein solches Jugendbuch ist: wach, intelligent, aufopferungsvoll und mutig. Dazu erkennt man aber auch schnell ihre Schwäche: ihre Familie. Und ist das nicht vollkommen natürlich, wenn man noch so jung ist? Vor allem aber ist es menschlich und ich mochte es sehr, wie Rain in all dem Trubel nie vergaß, wer immer für sie da war und trotz Verrat aber auch bereit ist, neuen Bekannten Vertrauen zu schenken, ohne naiv zu sein. Ich habe gerne aus ihrer Perspektive gelesen, vor allem dann, wenn sie mit beinahe kindlichem Eifer an eine Sache herangetreten ist, Pläne geschmiedet hat und die Probleme ihrer Welt mit wenigen Sätzen zu fassen bekam.

Was ich an ihr manchmal etwas schwierig fand, war, dass sie sehr unerschütterlich in ihrem Vertrauen zu ihrer Mum ist. Das ist natürlich toll für ihre Motivation, aber ich hätte es irgendwie etwas verständlicher gefunden, wenn sie auch mal ins Zweifeln geraten wäre. Ebenso im Hinblick auf ihren Vater. Bei Rain war irgendwie immer gleich klar, wen sie mag und wen nicht und dann auch wem sie vertraut und wem nicht. Da konnte sie auch nichts mehr von abbringen. Und das im Hinblick darauf, dass sie eigentlich gelernt hat, überhaupt niemandem zu vertrauen und dementsprechend ja sehr skeptisch hätte sein müssen. Denn eine Frage wäre mir an einer bestimmten Stelle sofort gekommen: Was hat er davon? Die Motive der Menschen zu hinterfragen, ist ja so ungefähr die oberste Regel. So habe ich es zumindest gelernt:)

Der Wechsel zu Larks Perspektive geschieht nahtlos. Im nächsten Absatz geht es einfach aus seiner Sicht weiter. Einerseits konnte ich mich so gut in die Geschichte fallen lassen, weil es quasi keine Unterbrechungen gab und viel mehr Wechsel zwischen den Perspektiven möglich waren (so viele kenntlich gemachte Wechsel hätten doch für ein sehr ungeordnetes Schriftsatzbild gesorgt), andererseits hat es mich auch oft verwirrt. Ich musste oft nochmal den ersten Satz des neuen Absatzes lesen, weil ich gerade so in Rain drin war und dann gar nicht so ganz begriffen habe, wie sie nun an den anderen Ort gekommen ist. Danach hat es natürlich Klick gemacht, aber diesen Moment hatte ich 1 zu 1 so die ganze Zeit und das war dann irgendwann doch etwas nervig. (Bin ich da empfindlich oder hätte euch das auch gestört?)

Larks Antrieb ist ebenfalls seine Familie, er muss es allerdings anders angehen. Sozusagen auf dem normalen Weg. Auf diesem bekommt er aber auch die Zustände, gegen die Rain ankämpft, viel besser und vor allem hautnah mit. Seine Freundin Hail ist da das beste Beispiel, deren Rollen in dieser Geschichte auch auf keinen Fall zu unterschätzen ist, auch wenn auch sie etwas unnahbar geblieben ist.

Bei ihm geht es um den reinen Kampf für seine Zukunft und die seiner Familie, denn seine kleine Schwester Rose, die unheimlich charismatisch und ein absoluter Main Charakter der Story ist, wird von der Gesellschaft quasi als nicht lebenswert abgestempelt.

Anfangs fiel es mir etwas schwer zu verstehen, wie weit seine Motivation dafür geht. Die Autorin hat es mir etwas schwer gemacht zu verstehen, dass Lark wirklich an gar nichts anderes denkt. Und ja, das klingt einschränkend und war es auch irgendwie, denn ich hätte mir schon manchmal gewünscht, dass Lark auch mal für andere kämpft. Für die allgemeinen Umstände.

Zum Glück hat er ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit und kommt auf seinem Weg immer wieder ins Schlingern. Das wiederum fand ich genial. Denn er schlüpft in unterschiedliche Rollen, bewegt sich in unterschiedlichen Kreisen und zerstört so ganz gezielt das schwarz-weiße Bild, das man erst von der Welt hat. Und das völlig unbeabsichtigt, denn Lark muss sich selbst erstmal darin zurechtfinden.

Alles in allem fand ich ihn als Figur spannend und habe auch gerne mit ihm zusammen Dinge erlebt. Was mich aber etwas irritierend fand, war die Liebesgeschichte zwischen ihm und Rain, die da irgendwie immer wieder angedeutet wurde. Dafür fehlten mir ehrlich gesagt nicht nur die Emotionen, sondern auch die Momente. Es gibt nur ganz wenige Szenen, in denen die beiden überhaupt aufeinandertreffen. Und in diesen konnte ich wenig spüren. Und dann gibt es da noch Hail von der Lark eigentlich freundschaftlich spricht, dann aber auch wieder als Liebe betitelt. Wer kommt da noch mit? Ich glaube, es wäre echt vollkommen okay gewesen, wenn Rain und er in diesem Band einfach als zufällige Freunde aufgetreten wären.

Zwischen Längen & Action – das Ende hat es nochmal rausgeholt

Der Handlungsverlauf der Geschichte lässt sich Zeit würde ich sagen. Es gibt überaus spannende Passagen und ich kann auch nicht sagen, dass es Längen gab, in denen ich nun gar nicht daran interessiert war, weiter und weiter zu lesen. Aber die Handlung hat sich schon oft ziemlich viel Zeit gelassen. Hier noch eine Szene, dort noch eine Szene. Hier noch etwas Rose, hier noch etwas Hail. Ja, das war alles wichtig und gut für die Gesamthandlung, aber manchmal hatte ich auch das Gefühl, es wird sich Zeit genommen in einer Welt, bei der Zeit nicht unbedingt das ist, was alle Figuren haben.

Dafür überschlugen sich die Geschehnisse dann am Ende und bemühten sich sehr darum, alles möglichst offen und verdreht darzustellen. Das fand ich dann aber schon wieder cool, weil es irgendwie viel passender für die Story war. Schließlich passiert im Hintergrund jeder Handlung immer etwas. Die ganze Welt, die Perspektiven der beiden Hauptfiguren, das alles ist super komplex und auch deshalb so mitreißend.

Den zweiten Band will ich also unbedingt lesen. Ich erwarte mir aber auch, dass die Emotionen da noch etwas mehr überkochen und die Geschichte etwas gezielter wird in ihrer Erzählung. (Denn ganz ehrlich: Das mit den Kindern und den Gesegneten, ist das nicht egal?)

Fazit:

Eine spannende Dystopie, die eine wirklich interessante und gut auserzählte Welt präsentiert. Die weibliche Hauptfigur ist total sympathisch und wach, die männliche Hauptfigur bringt eine zweite Perspektive rein, die für Tiefe sorgt. Emotional war mir die Geschichte noch etwas flach und einige Dinge wurden auch gerne mal nicht ganz so hinterfragt, aber ich fand es sehr spannend zu lesen und freue mich auf den nächsten Band!

4 von 5 Sterne von mir.

Vielen Dank an den Verlag und die Bloggerjury.de für das Rezensionsexemplar!



Drei Gründe, warum du dieses Buch lesen solltest:

1. Weil dich die Welt sofort reinzieht und sie auch ohne Romance auskommt

2. Weil du zwei Perspektiven bekommst, die sich perfekt ergänzen

3. Weil Gut & Böse hier nicht schwarz weiß sind und einige überraschende Wendungen auf dich zukommen.



Liebe Grüße

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Liebesgeschichte, die All in geht

Casino Durable - All in with the Devil
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Schreibstil:
Den Schreibstil von Carina Benning habe ich wirklich geliebt! Sie schreibt sehr passend zur Geschichte mit vielen raffinierten Details, jedes Wort scheint genau überlegt. So klingen ihre Dialoge ...

Schreibstil:
Den Schreibstil von Carina Benning habe ich wirklich geliebt! Sie schreibt sehr passend zur Geschichte mit vielen raffinierten Details, jedes Wort scheint genau überlegt. So klingen ihre Dialoge wie geschickte Spielpartien, ihre Gedankengänge wie ein Strudel innerer Zerrissenheit, die gar nicht groß beschrieben werden muss, und ihr Setting genauso faszinierend, wie ich es mir immer vorgestellt habe. Ich konnte mich super einfach in die Geschichte fallen lassen und war komplett gefesselt. Nur zum Ende hin übertreibt sie es vielleicht manchmal ein wenig mit den Metaphern und Gedankengängen innerhalb der Liebesgeschichte.

Die Geschichte – Betrügerin betritt das prestigeträchtigste Casino Monacos, um zu verlieren

Mit einem kleinen Zwei- oder Einzeiler vorweg, der Andeutungen auf die Vergangenheit oder Gegenwart macht und direkt aus den Gedanken der beiden Hauptfiguren stammt, beginnt jedes Kapitel entweder erzählt aus der Perspektive von Dawn oder Gabriel. Der Einstieg im Buch fiel mir durch diese erste Andeutung aus dem Zweizeiler und der unmittelbaren Erzählung von Dawns Eintritt ins Durable unheimlich leicht. Ich war sofort verzaubert von dem wirklich gut beschriebenen Setting. Dabei wird gar nicht so sehr der Fokus auf das Aussehen von allem gemacht, sondern vielmehr schafft es die Autorin am Anfang direkt, den besonderen Vibe, den das Casino versprüht, rüberzubringen: teuer, klassisch, elitär, aber auch gut durchdacht, präzise und bewusst fernab der Realität. Es geht ums Spielen, ums Loslassen, aber auch ums Angeben und gesehen werden.

Dawn – Gestaltswandlerin, die sich selbst unter all den Masken verloren hat

Keine Angst, hier wird es jetzt nicht tierisch, das Buch hat keine Fantasyelemente. Mit Gestaltswandlerin ist vielmehr gemeint, dass Dawn eine Künstlerin darin ist, sich zu maskieren. Sich immer wieder in neue Rollen zu versetzen und ihr Äußeres denen entsprechend anzupassen. So kommt Dawn in das Casino und tatsächlich bekommt man auch gleich mit, dass sie ihre ganze Aufmachung erdacht hat, aber Dawn selbst lernt man nicht direkt kennen. Man weiß nur, dass sie Angst hat.

Und das ist dann auch der Kern der ganzen Geschichte: Dawn hat Angst vor jemandem und hat irgendwie den Moment verpasst, je sie selbst ohne Maske zu sein. Das ist jetzt kein Spoiler, sondern wird direkt auf den ersten Seiten klar. Wenn sie jetzt auf euch schwach klingen mag, dann ist das aber gar nicht das, was Dawn ausstrahlt. Denn ihr Hirn denkt unheimlich systematisch. Sie entdeckt Details, die keiner sieht, hat ein unheimlich gutes Gespür für das Spiel und für die Menschen um sie herum. So ist es einfach unglaublich faszinierend und spannend, sie zu verfolgen.

Dazu kommt, dass ihr Charakter nur nach und nach aufgebrochen und sichtbar wird. Dazwischen zeigt sie immer wieder, wie maskieren nicht nur mit dem Färben der Haare zu tun hat, sondern auch damit, zu lachen, wenn man eigentlich heulen möchte. Und das glaubhaft. Also wirklich eine Gestaltswandlerin und für mich eine der faszinierendsten Protagonistinnen, von denen ich jemals gelesen habe.

Die Angst ist aber dennoch nicht zu verleugnen. Sie bringt eine weitere Komponente in die Geschichte, die allem einen fast kriminalistischen, actionreichen Touch verpasst. Denn ein Mysterium bedroht das Durable und Dawn steckt mitten drin. Ich mochte es sehr, wie sie ihre Fähigkeiten nutzte, um dem Casino zu helfen und gleichzeitig immer auf der Hut vor anderen Möglichkeiten war. Man merkte, wie sehr sie und alle um sie herum mit dem Feuer spielten, was die Spannung stets hoch hielt.

Gabriel als Liebhaber – der Inbegriff des Durables: arrogant, verschlossen, allein

Gabriel ist so eine typische Figur, bei der man gleich merkt, dass es da eine sehr harte Schale zu knacken gibt. Trotzdem fand ich ihn überaus sympathisch, denn er zeigte sich mit seinen Brüdern, die definitiv ihre eigenen Bücher verdient haben, denn sie haben soo viel Charakter!, stets sehr freundlich und sensibel. Dawn zeigt er diese Seite natürlich nicht gleich. Für ihn zählt in erster Linie das Durable und dabei vergisst er nicht nur oft sich selbst, sondern übersieht in seiner Arroganz und seinen Traditionen auch Dinge, die ihm eigentlich auffallen könnten. Während Dawn ihr Inneres nach außen kehrt und sichtbar macht im Laufe der Geschichte, muss Gabriel seinen Panzer abwerfen, um richtig sehen zu können. Alles darunter ist eigentlich schon längst edelmütig und liebevoll.

Die Charakterentwicklung bei beiden hat mich so wirklich überzeugt und auch ihre Anziehung zueinander fand ich sehr gut fassbar. Was vielleicht etwas schwierig war und damit mein eigentlicher Kritikpunkt an dem Buch ist, ist, dass die Liebesgeschichte zu sanft zu viel Platz einnahm. Da wohl Gabriel Edelmut gegenüber seinen Brüdern zeigt und stets das Wohl des Durables im Sinn hat, da ist er gegenüber Dawn verständnisvoll und gleichzeitig fordernd, denn die beiden verstehen es, über Probleme zu reden. So ist Vertrauen in ihrer Beziehung tatsächlich kein Problem. Und das fand ich außerordentlich gut gemacht. Nichts mag ich weniger als wenn die Figuren nicht miteinander reden und sich dann infolgedessen kindisch verhalten.
Die Liebesgeschichte hat aber dort ein wenig von ihrer Essenz verloren, wo sie sich zu sehr in Dawn fehlender Nähe zu sich selbst verlor. Immer wieder wurde das Thema aufgewühlt. Und ja, sowas ist ein Prozess, dem ich auch gerne mehrere Seiten gönne, aber zwischendurch verlor es sich dann doch etwas in Wiederholungen und Metaphern, die wie Drumherumgerede wirkten.

Zudem nahm dieser Fokus leider ein wenig den Fokus von den Geschehen im Casino, die mich zuvor noch so fasziniert hatten.

Das Durable in Gefahr – der actiongeladene, überlegte Teil dieser Geschichte

Denn dort, wo es anfangs noch um viele Details geht, Vermutungen angestellt und Hinweise aufgedeckt werden, konzentriert sich der Mittelteil irgendwann nur noch sehr auf Dawn. Gabriel selbst sagt, seine Prioritäten haben sich verschoben und das ist auch alles nachvollziehbar dargestellt, aber gerade in Verbindung mit den ausschweifenden Gesprächen, hat das einfach dazu geführt, dass die Raffinesse etwas verloren ging und sich der Mittelteil etwas zog.
Auch das Ende hat dies dann leider nicht mehr wirklich aufgenommen. Zwar nahm die Geschichte nochmal Fahrt auf, aber sie konnte nicht wieder zu dem ursprünglichen Glanz zurückfinden. Zumal die Auflösung dann relativ einfach war und so viel komplexer hätte sein können.

Trotzdem habe ich das Buch bis zur letzten Seite sehr gerne gelesen, denn die Beziehung zwischen Gabriel und Dawn ist wirklich schön, die zu seinen Brüdern auch und ich fand es auch ganz schön, dass es diese Metaphern überhaupt gab und Dawn und Gabriel in diesem Band wirklich Beziehungsarbeit geleistet haben. So kann ich mir eine Zukunft für die beiden vorstellen und das ist mir persönlich am Ende einer Liebesgeschichte immer sehr wichtig.

Fazit:
Ein sehr cooles Setting, ein Schreibstil, der klug ist und die Liebe im Detail zeigt, schlagfertige, intelligente Hauptfiguren und liebeswerte Nebenprotagonisten – ich war sofort gefangen und habe die Geschichte sehr gerne gelesen. Es gibt sowohl Actionelemente als auch etwas zum Mitdenken, was die Spannung die meiste Zeit über sehr hoch gehalten hat. Im Mittelteil zieht sich die Geschichte etwas, da die Liebesgeschichte sehr ruhig und ausschweifend in ihren Dialogen wird. Dabei verlor sich dann etwas die sonstige Spannung. Am Ende eine solide Geschichte mit vielen Pluspunkten, die ich sehr gerne gelesen habe.

Von mir gibt es 4 von 5 Sterne.

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