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Veröffentlicht am 14.06.2026

Der Alptraum aller Eltern

Das kalte Herz von Oxford - Ein Fall für DI Wilkins
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Die vierjährige Poppy verschwindet am helllichten Tag in Oxford. Gerade noch hat sie im Hof ihrer Kita gespielt, jetzt fehlt jede Spur von der Kleinen. Fatalerweise geht die Polizei zunächst von einer ...

Die vierjährige Poppy verschwindet am helllichten Tag in Oxford. Gerade noch hat sie im Hof ihrer Kita gespielt, jetzt fehlt jede Spur von der Kleinen. Fatalerweise geht die Polizei zunächst von einer Kindesentziehung aus und konzentriert sich auf Poppys Vater. Als dieser sich als unschuldig entpuppt, ist die Spur des Entführers kalt. Zeugen fehlen. Kann Poppy gefunden werden?

Simon Mason schickt seine beiden Wilkins aus „Ein Mord im November“ erneut auf Verbrecherjagd. Dieses Mal sind ihre Rollen anders verteilt. Während DI Ray Wilkins die Leitung der Ermittlungen übernimmt, will Ryan Wilkins, der unehrenhaft aus dem Polizeidienst entlassen wurde, herausfinden, warum sein Bekannter Mick Dick sterben musste. Auch Band 2 der Reihe hat mich gut unterhalten, weist aber kleinere Längen auf.

DI Ray Wilkins befindet sich in einer schwierigen Lage. Er steht massiv unter Druck seitens Vorgesetzten, Öffentlichkeit und Medien. Alle erwarten rasche Erfolge von ihm. Nachdem sich Poppys Vater als unschuldig erweist und die Überprüfung der Pädophilenkartei keinen Verdächtigen liefert, stagnieren die Ermittlungen. Ray hat auch privat Stress, da seine Frau Diane unter massiven Beschwerden, hervorgerufen durch ihre Zwillingsschwangerschaft, leidet. Ryan plagen andere Sorgen. Wie so oft hat er Probleme mit dem Vorgesetzten und droht seinen Job als Nachtwächter zu verlieren. Die Begegnung mit einem Bekannten, der kurz darauf stirbt, lässt ihn nicht mehr los. Wider alle Vernunft beginnt er mit Nachforschungen und gefährdet damit auch das überraschend in Aussicht gestellte Wiederaufnahmeverfahren in den Polizeidienst.

Ray und Ryan bilden ein ungewöhnliches Ermittlerduo, das wegen der Ereignisse in Band 1 in diesem Fall getrennt agiert. Erstaunt habe ich festgestellt, dass sich meine Sympathien im Fortgang der Geschichte verlagern. Während Vorzeigepolizist Ray unter Druck viel von seinem Glamour einbüßt, punktet der verhaltensauffällige Ryan mit genialem Instinkt und seiner Beharrlichkeit. Er findet heraus, dass beide Fälle zusammenhängen und ermöglicht so schließlich die Aufklärung der Entführung. Letztlich zeigt sich erneut, dass sich dieses Team gerade wegen seiner großen Unterschiede, hervorragend ergänzt und Ergebnisse liefert.

Der Fall ist schwierig und der Plot verursacht naturgemäß Gänsehaut. Mit zahlreichen Wendungen hält der Autor die Spannung bis zum Schluss aufrecht. Das britische Flair, kurze Kapitel und der gelegentlich aufblitzende Humor zeichnen diesen Krimi ebenso aus wie die beiden spannenden Hauptcharaktere. Sie besitzen kleine Schwächen und verfügen über ein Privatleben. Letzteres hat für meinen Geschmack in diesem Band zu viel Raum eingenommen. Das Thema Schwangerschaft und Kreißsaal lenkt stellenweise sehr vom Fall und den Ermittlungen ab. Die Marotte des Autors, den Leser stets detailliert über die Kleidung seiner beiden Wilkins zu informieren, hat mich weiter nicht gestört. Vielleicht entdecke ich noch den Sinn dahinter? Dagegen fand ich die Entwicklung, die Ryan wieder ins Spiel bei der Polizei bringt, clever gelöst.

Schließlich werden beide Fälle logisch aufgeklärt, wobei ein, zwei Fragen offen bleiben. Die Ermittlung hat mich spannend unterhalten und ich hoffe für die Zukunft, dass die beiden Wilkins endlich als das Dream-Team agieren können, für das sie Potenzial besitzen.

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Veröffentlicht am 03.06.2026

Wolfram Siebeck. Vom Flakhelfer zum Gastrokritiker.

Siebeck – Ein sattes Leben
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Als in Deutschland der Toast Hawaii noch als raffinierte Küche galt, schrieb Wolfram Siebeck seine erste Kochkolumne. Noch ahnte er nicht, dass er damit, Ende der 1950er Jahre, bereits sein Lebensthema ...

Als in Deutschland der Toast Hawaii noch als raffinierte Küche galt, schrieb Wolfram Siebeck seine erste Kochkolumne. Noch ahnte er nicht, dass er damit, Ende der 1950er Jahre, bereits sein Lebensthema gefunden hatte. Fortan widmete er sich mit missionarischem Eifer der schwierigen Aufgabe, den Gaumen seiner Landsleute zu schulen.

Dr. Christoph Wirtz, ehemaliger Chefredakteur des Restaurantführers Gault & Millau und Kenner der Feinschmeckerszene, versucht den Menschen Wolfram Siebeck hinter der Fassade des spitzzüngigen Gastrokritikers zu zeigen. Herausgekommen ist ein Stück Zeitgeschichte zum Thema Essen in Deutschland und das Porträt eines facettenreichen Charakters.

Der kleine Wolfram verbringt seine Kindheit im Ruhrpott. 1938 wird sein Vater beruflich nach Posen versetzt. Der zehnjährige Wolfram bleibt mit der Mutter und später der ausgebombten Oma in Duisburg zurück. Geht zur Schule und zum Jungvolk, überlebt Bombennächte im Keller und wird mit 15 Jahren Flakhelfer, was ihn schließlich, 1945, noch an die Ostfront bringt. Als dort die russische Offensive beginnt, gelingt ihm die Flucht. Allein schlägt er sich 300 km Richtung Westen durch und landet für mehrere Wochen in Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Rückkehr hält es der 17-jährige Wolfram nur noch drei Tage in seiner alten Schule aus. Was ich gut verstehen kann. Diese Jahre haben Wolfram Siebeck für immer geprägt. Ohne Abschluss findet er nach mehreren Rückschlägen 1948 eine Stelle als Pressezeichner bei der WAZ. Er arbeitet jetzt für das Medium, dass zeitlebens sein Schicksal bestimmen wird.

Klug erkennt er, dass die Fotografie seinen Job überflüssig machen wird und wendet sich dem Schreiben zu, das ihm überraschend leicht fällt. Sein Talent zeigt sich schnell und so bekommt er Ende der 1950er Jahre den Auftrag eine Kochkolumne zu schreiben. Damit ist er bei seinem Lebensthema angekommen.

Der Autor beschreibt anschaulich und unterhaltsam den Werdegang des Wolfram Siebeck. Er erzählt die Geschichte von einem der auszog, Mehlschwitze und Fertigfraß zu bekämpfen und den Deutschen den Puritanismus ab- und guten Geschmack anzugewöhnen. Er lernt kochen und trainiert fortwährend seinen Gaumen. Siebeck polarisiert, aber er sorgt für Auflage und Anzeigen, das Credo aller Zeitungsverleger. Er wird geliebt und gefürchtet für eine spitze Feder und sein freches Mundwerk.Dr. Wirtz zeigt einen Menschen, der scheinbar auf die Meinung anderer pfeift und auf die meisten herabsieht. Was aber steckt tatsächlich hinter diesem Schutzschild aus Arroganz? Schüchternheit behauptet der Autor. Siebeck mag weder Menschenansammlungen noch schätzt er Small Talk. Am liebsten ist ihm die Gesellschaft seiner Frau Barbara. Ihre Ehe wird bis zu Siebecks Tod bestehen.

Gern hätte ich mehr Privates erfahren, z. B. über das Zusammenleben des Paars und den drei schulpflichtigen Söhnen, die Barbara mit in die Ehe gebracht hat. Ob da täglich Haute Cuisine auf den Tisch kam? Oder konnte sich der Gourmet damals in das Alltagsleben der von ihm so geschmähten Hausfrauen einfühlen?

Immerhin erfährt der Lesende, dass Siebeck die Erlebnisse in der Jugend eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Mitgliedschaften in Vereinen, Parteien, Verbänden und Abhängigkeiten jedweder Art eingebracht haben. So trifft es sich gut, dass er als freier Journalist arbeiten konnte. Auch seine Eitelkeit wird thematisiert, die ihn jedoch nicht von einem Statement abhält: Das Tragen roter Socken. Ausgerechnet ein Wahlslogan der CDU von 1994 („Auf in die Zukunft, aber nicht auf roten Socken“) hat ihn dazu inspiriert.

Wolfram Siebeck hat tatsächlich viel für die deutsche Küche getan. Sein Kampf für qualitativ hochwertige Lebensmittel war seinerzeit missionarisch und ähnelt dem heutigen Einsatz für Bio-Lebensmittel, ist also immer noch aktuell. Während das auf eine Ernährung, die auf hohem Fleischkonsum, viel Butter und Speisen wie Foie gras basiert eher nicht mehr zutrifft. Seine Eigenheit, sich nahezu ausschließlich auf die französische Küche zu konzentrieren, mutet angesichts zahlreicher hervorragender Gerichte aus anderen Ländern, seltsam, ja nahezu kleingeistig an. Warum sich derart beschränken, wenn freie Auswahl herrscht? Sollte ein „Berufsesser“ nicht deutlich offener für neue Geschmackserlebnisse sein? Siebeck liebte neben Paris immerhin noch Wien und London. Wobei es in der Stadt an der Themse nicht das Essen, sondern die Kultiviertheit der Upper Class war, die ihn anzog.

Ich habe diese Biografie gern gelesen und wurde abgesehen von kleineren Längen gut unterhalten. Das reichhaltige Bildmaterial rundet den Text passend ab.

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Veröffentlicht am 30.05.2026

Drei Frauen und der Kommissar

Ein Fenster in Copacabana
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Im Zuständigkeitsbereich von Kommissar Espinosa, dem 12. Revier nahe der Copacabana, wird ein toter Polizeiinspektor gefunden. Er arbeitete im Zentrum von Rio de Janeiro wie ein weiterer Polizist, der ...

Im Zuständigkeitsbereich von Kommissar Espinosa, dem 12. Revier nahe der Copacabana, wird ein toter Polizeiinspektor gefunden. Er arbeitete im Zentrum von Rio de Janeiro wie ein weiterer Polizist, der ebenfalls vor wenigen Tagen ermordet wurde. Die Kollegen sind verständlicherweise beunruhigt und rätseln über den vermeintlichen Polizisten-Serienkiller. Einer von ihnen, Nestor, der erst seit wenigen Tagen in Espinosas Revier arbeitet, bietet diesem seine Hilfe bei den Ermittlungen an, was dem Kommissar seltsam vorkommt. Kurze Zeit später wird Nestor tot aufgefunden - ebenfalls erschossen. Und der Killer scheint noch nicht fertig zu sein. Als nächste sind die Freundinnen der Toten an der Reihe. Der Täter scheint sich außergewöhnlich sicher zu fühlen und nimmt nach zwei weiteren Morden die dritte der Geliebten, Celeste, ins Visier.

Luiz Alfredo Garcia-Roza war ein brasilianischer Psychologieprofessor, der 30 Jahre lang Theorie der Psychoanalyse unterrichtete und Fachbücher schrieb. Im Ruhestand entdeckte er ein neues Genre für sich, den Kriminalroman. Seine Kommissar Espinosa-Reihe, die er mit Anfang Sechzig begann, war auch international erfolgreich. Mehrere Bände wurden ins Deutsche übersetzt. Für sein Krimidebüt bekam er 1997 den Prêmio Jabuti, einen brasilianischen Literaturpreis. Sein zweiter Krimi wurde 2007 verfilmt (Die Tote von Ipanema). Ich war gespannt auf diesen Autor und wurde nicht enttäuscht.

Der Kommissar stellt ein kleines Ermittlerteam aus drei Polizisten zusammen: Oberinspektor Ramiro, Artur, frisch von der Akademie und Inspektor Welber. Vorbehaltlos vertraut er nur Welber. Die Ermittlung gestaltet sich schwierig, da der Täter clever agiert und ein Meister der Tarnung ist. Das Team stößt bei den Kollegen der Toten, also ebenfalls Polizisten, auf eine Mauer des Schweigens. Wer von ihnen gehört zur „Faulen Bande“ wie die Presse korrupte Polizisten bezeichnet?

Espinosa ist ein spannender Charakter. Seit seiner Scheidung vor zehn Jahren lebt er als Single und hat eine Geliebte, Irene, die wie er Unabhängigkeit schätzt. Der Kommissar träumt davon, irgendwann die Polizei zu verlassen und ein Buchantiquariat zu eröffnen. Seine kleine Wohnung dekorieren meterhohe Bücherstapel, tausend Bände, die ihm seine Großmutter hinterlassen hat. Wenn er zur Ruhe kommt, greift er zu seiner Lektüre, dem Thriller-Klassiker "Phantom-Lady" von Cornell Woolrich. Die anderen Charaktere bleiben eher flach. Drei Frauen, neben seiner Geliebten Irene, die Zeugin Serena und das potenzielle Opfer, die dritte Geliebte Celeste, spielen wichtige Rollen im Krimi.

Garcia-Roza schreibt spannend, aber ziemlich nüchtern. Die allgegenwärtige Korruption bei der Polizei wird ebenso thematisiert wie die sozialen Unterschiede innerhalb der brasilianischen Gesellschaft. Espinosas Viertel Copacabana wird bildhaft beschrieben. Hier ist der Autor aufgewachsen und hat die Entwicklung vom malerischen Dorf zum berühmtesten Stadtteil Rio de Janeiros miterlebt.

Offiziell wird der Fall nicht aufgeklärt, doch Espinosa entlarvt den Täter. Er erzählt Irene die Auflösung des Falls und wie er auf den Täter gekommen ist. Der Kommissar ist sicher, dass die Zeit für ihn arbeitet und er den Killer noch zu Strecke bringen wird.

„Ein Fenster zur Copacabana“ ist ein spannender, manchmal etwas spröder Krimi, der mich gut unterhalten hat. Die Einblicke in die brasilianische Gesellschaft fand ich aufschlussreich. Überrascht aber überzeugt hat mich die Identität des Täters. Vermutlich war das nicht der letzte Krimi dieses Autors für mich.

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Tödliche Feier

Akte Nordsee - Die letzte Predigt
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Tammo Gerdes, der Pastor von Estherwiek, wird tot in einem Priel gefunden. Am Vortag hat er noch anlässlich der Feier einer Silbernen Konfirmation aufwühlend über Verrat gepredigt. Unfall oder Suizid? ...

Tammo Gerdes, der Pastor von Estherwiek, wird tot in einem Priel gefunden. Am Vortag hat er noch anlässlich der Feier einer Silbernen Konfirmation aufwühlend über Verrat gepredigt. Unfall oder Suizid? Die Polizei beginnt zu ermitteln.

Eva Almstädt lässt in „Akte Nordsee - Die letzte Predigt“, dem 4. Band ihrer Nordsee-Reihe, Journalist Niklas John und Anwältin Fentje Jacobsen erneut gemeinsam ermitteln. Der neue Fall hat mich, abgesehen von kleineren Abstrichen, gut unterhalten.

Mit einer Reihe von Ereignissen beginnt der Krimi eher gemächlich. Erst die Trennung von Fentje und Niklas, dann eine kranke Katze, später die Feier zur Silbernen Konfirmation in Estherwiek. Lena, eine der damaligen Konfirmandinnen, macht in Sankt Peter-Ording eine überraschende Beobachtung, die sie zu einem langen Gespräch mit Pastor Gerdes bewegt. Am folgenden Tag ist dieser tot und Lena verschwindet über Nacht, ohne ihr Fremdenzimmer zu bezahlen.

Der neue Fall bietet Einblicke ins Dorfleben mit Klatsch und Tratsch. Ehemalige Einwohner, Zugezogene und Auswärtige haben hier zuweilen keinen leichten Stand. Der Mord am beliebten Pastor wirft genauso Fragen auf wie der Auftritt und das Verschwinden von Lena, die in Estherwiek aufgewachsen ist. Die Ermittlungen der Polizei und auch Fentjes Recherchen lassen Ereignisse aus der Vergangenheit wieder wachwerden. Hängt der Tod des Pfarrers mit einem Unfall in einem Ferienlager vor über 20 Jahren zusammen oder hat der Mörder jüngere Motive? In der zweiten Hälfte gewinnt der Krimi deutlich an Tempo und Spannung.

Viele Personen, viele Namen. Nicht alle spielen tatsächlich eine Rolle für die Handlung. Eva Almstädt schreibt gewohnt bildhaft und mit viel Lokalkolorit. Ihr Ermittlerpaar Niklas und Fentje funktioniert hervorragend, solange es nicht privat wird. Denn da haben die beiden ihre Probleme, die sie in diesem Band nicht angehen. Dagegen kommen sie dem Täter auf die Spur, lange vor der Polizei. Prompt gerät Fentje in Lebensgefahr.

„Akte Nordsee - Die letzte Predigt“ lässt mich etwas zwiespältig zurück. Der Krimi ist gut zu lesen, in der zweiten Hälfte kommt auch Spannung auf, doch manches Motiv und die daraus resultierende Handlung hat mich nicht völlig überzeugt. Die Hauptcharaktere, vor allem Fentje, sind glaubwürdig. Wobei Niklas` „Gutmenschentum“ mitunter etwas übertrieben wirkt und ihn wiederholt in Schwierigkeiten (schwerkranke Katze, Mordverdacht) bringt. Auch die Motive für die letzten Morde waren für mich nicht wirklich einleuchtend.

Letztendlich wird der Fall gelöst und die Umstände, die zu den Gewalttaten führten, aufgeklärt. Ich habe den Krimi gern gelesen und er hat mich gut unterhalten. Aber er ist nicht der stärkste der Reihe.

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Veröffentlicht am 21.05.2026

Mord und Vorurteile

Strandopfer
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Im kleinen Misdroy, einem beliebten Touristenort an der polnischen Ostsee wird ein toter Deutscher am Strand gefunden. Anscheinend ertrunken. Joachim Hundt hat zusammen mit seiner Frau und drei befreundeten ...

Im kleinen Misdroy, einem beliebten Touristenort an der polnischen Ostsee wird ein toter Deutscher am Strand gefunden. Anscheinend ertrunken. Joachim Hundt hat zusammen mit seiner Frau und drei befreundeten Paaren in der Nähe Urlaub gemacht. Da einer aus der Clique im deutschen Innenministerium arbeitet, wird Lena Schuldt, Kriminaloberkommissarin vom BKA, nach Misdroy geschickt. Sie soll abklären, ob es sich tatsächlich nur um einen Unfalltod ohne Fremdeinwirkung handelt. Als sie und ihr polnischer Kollege Adam Krawczyk die Leiche untersuchen, entdecken sie ein großes geschliffenes Stück Bernstein in der Kehle des Toten. Außerdem ist Luisa, die zehnjährige Tochter eines der Paare spurlos verschwunden. Schwierige Ermittlungen beginnen.

„Strandopfer“ ist der Auftakt zu Frank Goldammers neuer Reihe mit einem polnisch-deutschen Ermittlerduo. Schon die Leseprobe hat mich in ihren Bann gezogen, doch wurden meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt.

Die Suche nach Luisa läuft auf Hochtouren, gleichzeitig ermitteln Schuldt und Krawczyk im Mordfall Hundt. Während sie einen Racheakt der polnischen Bernsteinmafia vermutet, glaubt Adam, dass der Täter einer der Reisegefährten sein könnte. Die Zeit drängt und bald ist ein weiteres Opfer zu beklagen.

Hier ist nichts so wie es scheint. Weder klappt die Zusammenarbeit zwischen Schuldt und Krawczyk besonders gut, noch kooperieren die Freunde des Toten mit der Polizei. Vorurteile, Misstrauen, Klischees und Kompetenzgerangel erschweren die Ermittlungen in hohem Maß. Es liest sich erschreckend, wie wenig die letzten Jahrzehnte und eine Europäische Union in den Köpfen der Menschen bewirkt haben. Das gilt für die Polizisten genauso wie für die Urlauber.

Während Adam fließend Deutsch spricht, versteht Lena kein einziges polnisches Wort, obwohl sie ganz in der Nähe aufgewachsen ist. Dies macht ihr neben ihren zahlreichen Vorurteilen gegenüber Polen, von Beginn an zu schaffen. Unterstellt sie doch Adam nicht korrekt zu übersetzen, ohne dafür einen Beweis zu haben. Außerdem hat sie Schwierigkeiten damit, dass er das Kommando hat.

Keiner der Protagonisten ist sonderlich sympathisch. Die Ermittler machen Fehler, da sie nicht vernünftig zusammenarbeiten und ihren Vorurteilen frönen. Lena hat eine traumatische Kindheit und Jugend hinter sich und hasst die Region. Ihren Flashbacks wird sehr viel Raum gegeben. Adams gescheiterte Ehe mit einer Deutschen hat ihre Spuren hinterlassen. Die Mitglieder der Reisegruppe sind einander lange nicht so zugetan, wie sie den Anschein erwecken wollen. Sie verschweigen wichtige Beobachtungen und Vorkommnisse. Einig sind sie sich nur in der Beurteilung der kleinen Luisa, die als schwieriges, verzogenes Gör beschrieben wird. Ich habe mich wiederholt gefragt, warum diese Gruppe freiwillig ihren Urlaub gemeinsam und in Polen verbringt.

Der Autor schildert den Fall mit bilderreichem Lokalkolorit, was mir sehr gefällt. Die teilweise düstere Atmosphäre passt gut. Der Fall an sich ist spannend, doch die zahlreichen Rückblicke Lenas und das ständige Aufblitzen von Vorurteilen, führen zu Längen. Ich denke, dass dies der Einführung geschuldet ist. Letztendlich wird das Verbrechen aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Teilweise hat mich das Ende überrascht. Ich hatte zwar eine Ahnung in diese Richtung, aber die Perfidität des Täters hat mich doch verblüfft.

Im Epilog klingt an, dass Adam und Lena sich besser verstehen lernen und erfolgreich ihre Vorurteile bekämpfen wollen. Das lässt mich auf eine Fortsetzung hoffen, die das Potenzial des Plots voll ausschöpft.

Ein Glossar am Ende mit polnischen Begriffen rundet das Buch ab.

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