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Veröffentlicht am 18.06.2026

Bissige Satire und Hommage an Kafkas Verwandlung

Die Kakerlake
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Jim Sams ist der Premierminister von Großbritannien - und als dieser wacht eines Tages in seinem Körper ein Wesen auf, das eigentlich eine Kakerlake ist... Gemeinsam mit anderen verwandelten Kabinettsmitgliedern ...

Jim Sams ist der Premierminister von Großbritannien - und als dieser wacht eines Tages in seinem Körper ein Wesen auf, das eigentlich eine Kakerlake ist... Gemeinsam mit anderen verwandelten Kabinettsmitgliedern hat er eine Mission, die er - anders als sein menschlicher Vorgänger - durchsetzen will mit allen Mitteln!
Schon am Namen und diesem Satz merkt man, Ian McEwan verneigt sich mit seinem Kurzroman vor dem großen Kafka und dessen Meisterwerk "Die Verwandlung". Anders als dort ist es hier eine Kakerlake, also ein Käfer, der eine menschliche Gestalt bewohnt und nicht ein Mensch, der als Käfer aufwacht. Jim Sims, der Käfer, kommt auch sehr viel schneller mit seiner Verwandlung klar, als es Kafkas Samsa tat. Der schmale Band hat es in sich - eine bissige Politsatire auf die britische Regierung, sehr deutliche Anspielungen auf andere internationale Politikgrößen und ein Plot, der haarsträubend ist und mich sehr, sehr amüsiert hat.
Klare Leseempfehlung für eine intelligente Lektüre, die sehr satirisch und sehr gut lesbar ist.

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Veröffentlicht am 18.06.2026

Über das Alt werden...

Fünf, sechs, sieben, acht
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ls der 60jährige Anton seinen Job als Choreograph und künstlerischer Leiter an der Bühne seiner Heimatstadt ausgerechnet an seine Tochter Emma verliert, stürzt er in eine Lebenskrise, die - wenn er ganz ...

ls der 60jährige Anton seinen Job als Choreograph und künstlerischer Leiter an der Bühne seiner Heimatstadt ausgerechnet an seine Tochter Emma verliert, stürzt er in eine Lebenskrise, die - wenn er ganz ehrlich ist - bereits angefangen hatte. Verbittert, verunsichert und wütend stellt er sein Leben und seine Entscheidungen in Frage und versucht, seine verschwundene Jugendliebe wiederzufinden, in der Hoffnung, dass dies sein Leben verändern wird. 

Ewald Arenz schreibt so wunderschön, dass ich mir am liebsten ständig Zitate highlighten würde (was ich aber grundsätzlich nicht tue). Sein Protagonist Anton ist kein einfacher Charakter, ich habe ihn streckenweise nicht sehr gemocht und fast die Geduld mit ihm verloren. 

Zum Glück gibt es aber auch starke Nebencharaktere, wie seine Exfrau Katja, die gemeinsame Tochter Emma, aber auch Aya, Antons Schülerin.
Die Geschichte entwickelt sich anders als ich es erwartet habe und sie hat mich im positiven Sinne überrascht! Es geht im wesentlichen darum, wie jemand sein Leben reflektiert und sich damit abzufinden beginnt, dass er sterblich ist, wie jeder Mensch, und dass das Altern ein Prozess ist, dem niemand entgehen kann, der lange leben möchte. 

Eine berührende Geschichte, die wirklich wunderschön geschrieben ist und die ich gerne und von Herzen weiter empfehle!

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Veröffentlicht am 14.06.2026

Enemies to Lovers in einer apokalyptischen Welt

Soulmates and Other Ways to Die
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Zoe und Milo leben im Jahr 2045. Sie leben als Teenager in einer Welt, in der sich eine Genmutation unter den Menschen durchgesetzt hat, die dafür sorgt, dass jede und jeder Mensch einen "KinTwin" besitzt, ...

Zoe und Milo leben im Jahr 2045. Sie leben als Teenager in einer Welt, in der sich eine Genmutation unter den Menschen durchgesetzt hat, die dafür sorgt, dass jede und jeder Mensch einen "KinTwin" besitzt, die Seelenverwandte sind und bis über den Tod hinaus miteinander verbunden bleiben. Empfindet einer der beiden KinTwins Schmerzen, so fühlt der andere diese auch, wenn auch abgeschwächt. Stirbt einer der beiden, stirbt auch der andere.

Als Zoe und Milo feststellen, dass sie KinTwins sind, sind sie überzeugt, dass das ein Fehler ist. Denn sie sind einfach viel zu unterschiedlich! Zoe ist ein Kontrollfreak und überlebt mit ihrer Mutter in einer Art Prepper-Zuhause, geht nur mit Maske und Notfallbeutel aus dem Haus und versucht, allem Gefährlichen aus dem Weg zu gehen. Milo dagegen liebt gefährliche und abenteuerliche Erfahrungen wie Klippenspringen und sehnt sich sehr danach wie seine Eltern den perfekten KinTwin zu finden, mit der er sein Leben glücklich und voller Abenteuer leben kann.

Gemeinsam versuchen Zoe und Milo nun, eine Heilung für diese Genmutation zu finden, denn die Alternative, gemeinsam zu leben, ist absolut nicht akzeptabel!

Das Buch ist schnell lesbar, sehr schön gestaltet mit einem tollen Farbschnitt, der den Satz Love is a choice beinhaltet, der eine Art Motiv des Buches ist. Die Sichtweise wechselt zwischen Zoe und Milo hin und her und beide haben ihre eigene Stimme. Sie sind beide sehr sympathisch und ich konnte mit ihnen mit fühlen. Die Geschichte hat ein tolles Setting - ich liebe apokalyptisch, dystopische Szenarien - und wirklich viel Tempo. Der Lesefluss wird durch den hoch gehaltenen Spannungsbogen und die Perspektivwechsel sehr positiv beeinflusst. Als YA Roman haben wir natürlich ein paar Tropes und typische Situationen, die einfach dazu gehören, womit das Ende etwas vorhersehbar ist. Aber zum Glück verzichtet die Autorin auf einen langatmigen "die Protagonisten missverstehen sich und alles zieht sich ewig bis zum Happy End" Mittelteil. Was mir noch sehr gut gefallen hat, ist, wie die Autorin über den Seelenverwandten-Gen-Mutation-Strang sich generell dem Thema, wer liebt wen und warum und auch, dass Liebe eine Wahl ist (siehe Farbschnitt) und auch sein sollte.

Eine klare Leseempfehlung und vielen Dank an Kerstin aka Ilikestories für unseren Tausch und das tolle Buch!!!

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Veröffentlicht am 07.06.2026

Aufwühlender Abschluss- und Bonusband

Westend
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Nach Moabit und Mitte ist Westend der letzte der Lieblingsbücher-Reihe rund um Gereon Rath. Die Originalreihe habe ich nicht gelesen, aber alle 3 Minibücher, die ich auch wegen ihrer Illustrationen unbedingt ...

Nach Moabit und Mitte ist Westend der letzte der Lieblingsbücher-Reihe rund um Gereon Rath. Die Originalreihe habe ich nicht gelesen, aber alle 3 Minibücher, die ich auch wegen ihrer Illustrationen unbedingt haben und sammeln wollte.

In Band 3 nun besucht ein Dr. Singer Gereon Rath im Jahr 1973 im Seniorenheim und zeichnet ihre Gespräche auf Kassette auf. Diese Kassetten werden im Jahr 2025 transkribiert und sind hier zu lesen - so die Geschichte um die Geschichte.

Der Text ist also ausschließlich ein Gespräch zwischen Singer und Rath mit einem kleinen Twist, einer Überraschungsperson, am Schluss des Textes.

Für alle, die die gesamte Reihe kennen, sind die Informationen vermutlich nochmal wichtiger als für mich. Aber durch Moabit kannte ich Charly, durch Mitte Charly, Hannah und Fritz und durch Westend nun sehe ich nochmal die Zusammenhänge und vor allem, was aus den Personen wurde, die ich nun seit 1927 erlesen durfte.

Die Figuren haben eindeutig ihre eigenen Stimmen, vor allem die Überraschungsfigur am Schluss. Die Geschichte selbst hat mich auf jeden Fall sehr fasziniert und war für mich ein guter und stimmiger Schluss der Trilogie.

Und wie immer - wunderschöne Illustrationen, die das Buch wie alle von Kat Menschik illustrierten Bücher zu einem Sammelstück machen und eine Leseempfehlung von mir!

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Veröffentlicht am 07.06.2026

Perfekt illustrierter Briefroman aus der Rath-Reihe

Mitte
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In "Mitte" dem mittleren der drei von Kat Menschik illustrierten Kurzromanen rund um Gereon Rath lesen wir ausschließlich Briefe von Friedrich (Fritz) Thormann - an seine Freundin Hannah Singer und an ...

In "Mitte" dem mittleren der drei von Kat Menschik illustrierten Kurzromanen rund um Gereon Rath lesen wir ausschließlich Briefe von Friedrich (Fritz) Thormann - an seine Freundin Hannah Singer und an Charly Rath, seine ehemalige Ziehmutter. Eingerahmt werden die Briefe von insgesamt 3 Amtsschreiben, die dem Lesenden aufzeigen, was im Dezember 1936 mit Fritz und Hannah geschehen ist.

Die Briefe lesen sich teilweise kindlich-naiv, da sie von dem noch nicht 16jährigen Fritz geschrieben wurden. Auch ohne Vorwissen um die Geschehnisse um und mit Gereon Rath konnte ich dem Inhalt gut folgen und habe an vielen Stellen Gänsehaut bekommen.

Die kurze Zeit von Oktober 1936 bis Dezember 1936 in Fritz´ Leben ist sehr turbulent und wirklich gefährlich. Abgesehen von dem, was ihm zustoßen wird, ist es aber auch ein Stück Zeitgeschichte - man liest, wie ein Kohlejunge im Winter in Berlin wirklich knochenharte Arbeit verrichten musste und dennoch nicht seine Zuversicht und Hoffnung verliert, ein besseres Leben führen zu können. In den Briefen an Hannah spürt man die Liebe und damit verbundene Verletzlichkeit, die Fritz für sie fühlt.

Wie schon im ersten Band der Reihe sind die unfassbar schönen Illustrationen von Kat Menschik die Veredelung des Romans, die ihn zu einem echten Sammler- und Schmuckstück machen. Von mir auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

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