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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.07.2026

Liebe und Lügen

Alles Liebe
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"Alles Liebe" von Ronja von Rönne ist ein Roman, der in Episoden von verschiedenen Formen von Liebe erzählt. Doch es geht nicht nur um Liebe, sondern auch um Angst, Schmerz, Wertschätzung und dem Wunsch ...

"Alles Liebe" von Ronja von Rönne ist ein Roman, der in Episoden von verschiedenen Formen von Liebe erzählt. Doch es geht nicht nur um Liebe, sondern auch um Angst, Schmerz, Wertschätzung und dem Wunsch nach Anerkennung und Sichtbarkeit, was immer wieder zu Lügen führt.
Laura hat eine beste Freundin, die an Krebs erkrankt, doch denkt sich immer neue Geschichten aus, um interessant zu wirken. Barbara erfindet eine Beziehung zu einem Katalogmodell, Heike lebt jahrzehntelang im Haus ihrer Schwiegermutter und träumt von Gartenprojekten, die sie nie umsetzen darf. Christina ist Künstlerin und verkleinert in ihren Werken die Welt, weil ihr alles zu groß erscheint.

Ich mochte die unterschiedlichen Figuren und die Beschreibung ihrer Leben sowie ihrer Beziehungen - zu sich und zu anderen - sehr gern. Während zu Beginn jede Erzählung für sich steht und jede offen bleibt, findet Ronja von Rönne zum Schluss eine Verbindung zwischen den einzelnen Figuren und spinnt so ein großes Netz aus Liebe, Lügen und (unausgesprochenen) Wahrheiten.

Ein Roman, der mich bewegt hat, in dem viel Identifikationspotential steckt und der zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 06.07.2026

Fragen nach dem Tod

Eine Liebe ohne Sommer
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Rosa und Nikolas lernen sich an einem Regentag im Treppenhaus kennen - es funkt, die beiden verbringen immer mehr Zeit miteinander und verlieben sich ineinander. Doch ihnen bleibt nicht allzu viel Zeit, ...

Rosa und Nikolas lernen sich an einem Regentag im Treppenhaus kennen - es funkt, die beiden verbringen immer mehr Zeit miteinander und verlieben sich ineinander. Doch ihnen bleibt nicht allzu viel Zeit, bis Nikolas bei einem Unfall stirbt. Rosa bleibt mit den Fragen zurück, weshalb Nikolas ihr nie seine Freundinnen vorgestellt hat und ob sie ihn wirklich gekannt hat, bzw. wie gut sie ihn kennenlernen konnte. Nikolas' Mutter ist Rosas Nachbarin und daher noch immer ein präsenter Teil in ihrem Leben. Doch Nikolas' Freundinnen muss sie selbst ausfindig machen, bekommt von ihnen ganz unterschiedliche Visionen von Nikolas präsentiert und hat Mühe, alle Puzzleteile zusammenzusetzen.

Timothy Paul schreibt über eine kurze, intensive Liebe, die viel Potential für die Zukunft hatte, jedoch früh endete. Es geht um Trauer(bewältigung), um Sehnsüchte, Liebe, Zweifel und die Fragen, die nach dem Tod einer geliebten Person bleiben.
Der Schreibstil ist leicht, sanft und nimmt uns Leser*innen mit auf die Suche und Beantwortung von Rosas Fragen.
Da bereits von Anfang an klar war, dass Nikolas tot ist, habe ich mich gefragt, in welche Richtung sich die Geschichte wohl entwickeln wird und hätte mir an der einen oder anderen Stelle mehr Tempo gewünscht.
Insgesamt kann ich "Eine Liebe ohne Sommer" als schönen Liebesroman bezeichnen, der sich mit der Frage auseinandersetzt, wie gut wir einen Menschen kennenlernen, was nach dem Tod bleibt und zeigt, wie unterschiedlich die Einsichten sein können.

Veröffentlicht am 04.07.2026

Der Einsatz der Tekkal-Schwestern

Wut und Wärme
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Tülin, Düzen, Tuğba, Tuna und Tezcan Tekkal sind die fünf Schwestern, die hinter HÁWAR.help und GermanDream stehen. Als Töchter aus einer jesidisch-kurdischen Flüchtlingsfamilie, aufgwachsen in Hannover ...

Tülin, Düzen, Tuğba, Tuna und Tezcan Tekkal sind die fünf Schwestern, die hinter HÁWAR.help und GermanDream stehen. Als Töchter aus einer jesidisch-kurdischen Flüchtlingsfamilie, aufgwachsen in Hannover in einer Großfamilie, erzählen sie von ihrer Kindheit und Jugend, ihrem Aufwachsen, ihrem Heranwachsen und ihrem Erwachsen. Jede Schwester hat eine andere Rolle innerhalb der Familie, innerhalb der Schwesternschaft und innerhalb der Initiative. So wird wechselnd erzählt und die Leserinnen bekommen die verschiedenen Perspektiven, die inidviduellen Wege, Hoffnungen, Sorgen und Herausforderungen mit.

Ehrlich gesagt habe ich das Buch recht schnell am Stück durchgelesen, wobei es mir schwerfiel, die einzelnen Perspektiven und Erzählungen immer exakt der richtigen Schwester zuzuordnen oder für jede ein eigenes Profil während der Lektüre zu erstellen. Daher nenne ich besser keine konkreten Beispiele, um nicht falsch zuzuordnen. Was ich sehr spannend fand, sind die unterschiedlichen Charakterzüge und Eigenschaften, die immerzu in Verbindung mit dem Job und dem Verhalten innerhalb der Familie gestellt wurde. Was deutlich wird: Die fünf Schwestern brennen für ihr Engagement, geben all ihre Kräfte und Möglichkeiten in die Arbeit für den Aktivismus und die Aufklärung für Jesid
innen und jegliche Betroffene von Extremismus. Gerade die Schilderungen aus dem Irak, die Offenheit über die Gefühle, die Angst, die Wut und gleichzeitig den Antrieb und die Energie für ihre Einsätze fand ich sehr bewegend.

Durch die Erzählungen aus ihrer Kindheit und Jugend, den Kämpfen, die sie seit jeher führen - im Privaten und im Beruflichen - machen nachvollziehbar, wie sie zu denen geworden sind, die sie heute sind. An erster Stelle stehen Zusammenhalt und Gemeinschaft für eine bessere Welt.

Ein bewegendes Buch mit vielen Einblicken, durch das ich mehr über die Hintergründe von HÁ erfahren habe.WAR.help und GermanDream

Veröffentlicht am 30.06.2026

Unterhaltsame Lektüre zur Einstimmung in die nächsten Jahrzehnte

Bin in der Lebensmitte. Komme klar.
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Tanja Mairhofer erzählt von ihrem Leben zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr. Sie erzählt davon, was sich geändert hat, was ihr weniger wichtig wurde und mittlerweile egal ist, wie sie es geschafft hat, ...

Tanja Mairhofer erzählt von ihrem Leben zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr. Sie erzählt davon, was sich geändert hat, was ihr weniger wichtig wurde und mittlerweile egal ist, wie sie es geschafft hat, loszulassen und entspannter zu werden. Trends bleiben Trends, denen sie nicht mehr hinterherrennt und Falten und graue Haare gehören für sie eben dazu. Dabei spielt zum einen das Äußere aber auch das Selbstbild eine große Rolle. Tanja Mairhofer setzt in ihren Schilderungen auf Selbstbewusstsein, Reflexion und Humor. Auch die Themen Kinder und Familie spielen gerade in Bezug auf Glück, Zufriedenheit und Selbstverwirklichung eine große Rolle. Dabei ist es wichtig, das eigene Bewusstsein und die Wahrnehmung zu schärfen und Grenzen zu setzen.

Wenn ich Tanja Mairhofer so zuhöre, dann stelle ich es mir umso entspannter vor, je älter wir werden - die Altersdiskriminierung außen vor gelassen. Das Buch erzählt locker und humorvoll davon, wie es sich in der Lebensmitte anfühlt, wie der Weg dorthin und von da an weiterlaufen kann.

Ein humorvolles Buch, das Lust aufs Erreichen der Lebensmitte macht.

Veröffentlicht am 20.06.2026

Beziehungsroman im Großbritannien der 2010er und frühen 2020er Jahre

Wir in zehn Jahren
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Jessica Stanley entblättert in "Wir in zehn Jahren", die Beziehung von Coralie und Adam in Großbritannien vom Zeitraum 2013 bis 2023 vom Kennenlernen, übers Verliebtsein bis hin zum Familienalltag und ...

Jessica Stanley entblättert in "Wir in zehn Jahren", die Beziehung von Coralie und Adam in Großbritannien vom Zeitraum 2013 bis 2023 vom Kennenlernen, übers Verliebtsein bis hin zum Familienalltag und dem Aushandeln von Prioritäten.

Coralie ist in ihren 20ern, ist gerade von Australien nach London gezogen und lernt 2013 den Politjournalist -autor Adam kennen. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut, verlieben sich ineinander und ziehen zusammen. Adam bringt die vierjährige Tochter Zora mit in die Beziehung, die im Wechselmodell bei Adam und ihrer Mutter Marina (später mit neuem Partner und weiterem Kind) lebt. Coralie und Zora lieben sich, doch Coralie wünscht sich weitere, eigene Kinder. Wir verfolgen die ersten Jahre des Zusammenlebens, die Entwicklung der Patchworkfamilie durch die Geburt zweier Kinder und das komplexe Beziehungsgeflecht.

Während Coralie sich der Care-Arbeit widmet und ihre Bedürfnisse, Wünsche und Träume immer wieder hintenanstellt, versucht, eine Balance zu finden und immer wieder hadert, stehen für Adam zig neue Projekte und Jobverpflichtungen an: Er berichtet über den Brexit-Vorentscheid, über Boris Johnson, den Brexit und die politischen sowie gesellschaftlichen Entwicklungen. Außerdem nimmt die Covid-Pandemie einen beträchtlichen Anteil ein. Coralie träumt noch immer von ihrem eigenen Buch, doch die Kapazitäten des Schreibens sind rar. "Wir in zehn Jahren" ist ein ständiger Balanceakt, das Aushandeln, Hadern und Wachsen an- und miteinander. Zu den Nebenfiguren gehören neben Marina und ihrem neuen Partner auch Coralies Vater und ihr Bruder samt Partner und Hund.

Es hat zu Beginn etwas gedauert, bis ich die Figurenkonstellationen richtig zuordnen und die geschilderten Erlebnisse und Rückblicke einordnen konnte.

Es hat mir große Freude bereitet, den Figuren beim Wachsen zuzusehen und den Prozess vom Verliebtsein über junge Liebe bis hin zur intensiven Beziehungsarbeit und Herausforderungen innerhalb der zehnjährigen Beziehung zwischen Coralie und Adam sowie allen Beteiligten zu verfolgen.

Ein intensiver Roman, den ich fälschlicherweise als leicht zu lesenden Sommerroman verbucht habe, der mir hervorragende Lesestunden beschert hat und mir tiefere Einblicke in die Geschehnisse Großbritanniens geliefert hat.