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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2019

Scheiß auf Intelligenz

Scheiß auf Intelligenz
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"Scheiß auf Intelligenz" berichtet von Miriams Erfahrung, die viel Unglück mit Männern und Beziehungen zu ihnen hatte. Sie beschließt ab jetzt nicht mehr intelligent zu sein und krempelt ihren gesamten ...

"Scheiß auf Intelligenz" berichtet von Miriams Erfahrung, die viel Unglück mit Männern und Beziehungen zu ihnen hatte. Sie beschließt ab jetzt nicht mehr intelligent zu sein und krempelt ihren gesamten Lebensstil um, damit sie endlich den "richtigen" Mann findet.

Der Klappentext hat mich sofort angesprochen, weil er pure Unterhaltung implizierte. Zu Beginn fand ich es etwas schwierig, in die Geschichte hineinzufinden, da ich mich nicht mit dem Gedanken abfinden wollte, dass eine Frau sich dumm stellen muss, damit sie den Männern gefällt und so gut wie alle Klischees erfüllt wurden. Dieser Handlungsansatz passte nicht ganz in meinen emanzipatorischen Ansatz. Allerdings dachte ich mir dann "Ich scheiß auf Emanzipation" und habe mich in die Geschichte hineinfallen lassen.
Das gelang sehr gut, da der Schreibstil nicht nur sehr flüssig zu lesen ist, sondern in ihm schon ein sehr unterhaltsamer Unterton mitschwingt, der mich zum Weiterlesen motiviert hat. Nach dem holprigeren Anfang habe ich das Buch dann innerhalb von zwei Abenden verschlungen.
Da Miriam im Mittelpunkt steht, wird auf ihre Charakterzüge und Gedankengänge detailliert eingegangen, was ermöglicht hat, diese und ihr Verhalten nachzuvollziehen. Auch die anderen Charaktere konnte ich mir (bildlich) sehr gut vorstellen. Marie hat sich zu meinem Liebling gemausert.
Besonders schön finde ich, dass die Eingangsthese widerlegt wird und meinen emanzipatorischen Ansatz im Nachhinein nicht getrübt hat :D

Veröffentlicht am 09.02.2019

Feministin sagt man doch!

Feministin sagt man nicht
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Hanna Herbst widmet sich mit ihrem Buch "Feministin sagt man nicht" sowohl den positiven als auch den kritischen Seiten von Feminismus.
Einleitend sei gesagt, dass es sich bei dem Begriff "Feminismus" ...

Hanna Herbst widmet sich mit ihrem Buch "Feministin sagt man nicht" sowohl den positiven als auch den kritischen Seiten von Feminismus.
Einleitend sei gesagt, dass es sich bei dem Begriff "Feminismus" oder "Feministin" um einen meist negativ konnotierten handelt, in dem viele männerhassende, haarige, emanzipierte Frauen sehen.
Doch Hanna Herbst räumt mit diesem Klischee auf und erklärt, dass es sich dabei weder um eine Beleidigung noch um Hass handelt. Vielmehr werden Strukturen im Patriarchat offengelegt, die Frauen benachteiligen und eine Gleichberechtigung in vielen Bereichen (noch) behindert.
Dabei geht die Autorin beispielsweise auf Frauen ein, die sich zuhause um die Kinder kümmern (müssen), weil der Mann mehr verdient als sie, die metoo-Debatte oder die Stereotype und Rollenbilder, die Pornographie vermittelt.
Anstatt plakativ mit Hass gegen bestehende Strukturen oder Männer im Allgemeinen vorzugehen, legt sie Fakten und Studien offen, erklärt und zeigt diejenigen Situationen und Bereiche auf, in denen Feminismus sinnvoll ist. Dabei gibt sie Ausblicke auf mögliche Verbesserungen, lobt andererseits, was Vorreiter*innen bereits erreicht haben.
Untermalt wird der faktenbasierte Schreibstil von humorvollen und sarkastischen Tönen und Zitaten berühmter Persönlichkeiten, die Hanna Herbsts Aussagen unterstützen oder pointiert formulieren.

Ich habe in letzer Zeit das ein oder andere Buch über Feminismus gelesen, von denen dieses hier eindeutig das beste war. Es ist inhaltlich sehr gut, vermittelt ein positives und bestärkendes Gefühl, gibt konkrete Sachverhalte und Ansätze an die Hand und kommt vor allem zu dem Schluss, dass man Feministin auf jeden Fall sagen sollte.

Veröffentlicht am 06.07.2026

Liebe und Lügen

Alles Liebe
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"Alles Liebe" von Ronja von Rönne ist ein Roman, der in Episoden von verschiedenen Formen von Liebe erzählt. Doch es geht nicht nur um Liebe, sondern auch um Angst, Schmerz, Wertschätzung und dem Wunsch ...

"Alles Liebe" von Ronja von Rönne ist ein Roman, der in Episoden von verschiedenen Formen von Liebe erzählt. Doch es geht nicht nur um Liebe, sondern auch um Angst, Schmerz, Wertschätzung und dem Wunsch nach Anerkennung und Sichtbarkeit, was immer wieder zu Lügen führt.
Laura hat eine beste Freundin, die an Krebs erkrankt, doch denkt sich immer neue Geschichten aus, um interessant zu wirken. Barbara erfindet eine Beziehung zu einem Katalogmodell, Heike lebt jahrzehntelang im Haus ihrer Schwiegermutter und träumt von Gartenprojekten, die sie nie umsetzen darf. Christina ist Künstlerin und verkleinert in ihren Werken die Welt, weil ihr alles zu groß erscheint.

Ich mochte die unterschiedlichen Figuren und die Beschreibung ihrer Leben sowie ihrer Beziehungen - zu sich und zu anderen - sehr gern. Während zu Beginn jede Erzählung für sich steht und jede offen bleibt, findet Ronja von Rönne zum Schluss eine Verbindung zwischen den einzelnen Figuren und spinnt so ein großes Netz aus Liebe, Lügen und (unausgesprochenen) Wahrheiten.

Ein Roman, der mich bewegt hat, in dem viel Identifikationspotential steckt und der zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 06.07.2026

Fragen nach dem Tod

Eine Liebe ohne Sommer
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Rosa und Nikolas lernen sich an einem Regentag im Treppenhaus kennen - es funkt, die beiden verbringen immer mehr Zeit miteinander und verlieben sich ineinander. Doch ihnen bleibt nicht allzu viel Zeit, ...

Rosa und Nikolas lernen sich an einem Regentag im Treppenhaus kennen - es funkt, die beiden verbringen immer mehr Zeit miteinander und verlieben sich ineinander. Doch ihnen bleibt nicht allzu viel Zeit, bis Nikolas bei einem Unfall stirbt. Rosa bleibt mit den Fragen zurück, weshalb Nikolas ihr nie seine Freundinnen vorgestellt hat und ob sie ihn wirklich gekannt hat, bzw. wie gut sie ihn kennenlernen konnte. Nikolas' Mutter ist Rosas Nachbarin und daher noch immer ein präsenter Teil in ihrem Leben. Doch Nikolas' Freundinnen muss sie selbst ausfindig machen, bekommt von ihnen ganz unterschiedliche Visionen von Nikolas präsentiert und hat Mühe, alle Puzzleteile zusammenzusetzen.

Timothy Paul schreibt über eine kurze, intensive Liebe, die viel Potential für die Zukunft hatte, jedoch früh endete. Es geht um Trauer(bewältigung), um Sehnsüchte, Liebe, Zweifel und die Fragen, die nach dem Tod einer geliebten Person bleiben.
Der Schreibstil ist leicht, sanft und nimmt uns Leser*innen mit auf die Suche und Beantwortung von Rosas Fragen.
Da bereits von Anfang an klar war, dass Nikolas tot ist, habe ich mich gefragt, in welche Richtung sich die Geschichte wohl entwickeln wird und hätte mir an der einen oder anderen Stelle mehr Tempo gewünscht.
Insgesamt kann ich "Eine Liebe ohne Sommer" als schönen Liebesroman bezeichnen, der sich mit der Frage auseinandersetzt, wie gut wir einen Menschen kennenlernen, was nach dem Tod bleibt und zeigt, wie unterschiedlich die Einsichten sein können.

Veröffentlicht am 04.07.2026

Der Einsatz der Tekkal-Schwestern

Wut und Wärme
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Tülin, Düzen, Tuğba, Tuna und Tezcan Tekkal sind die fünf Schwestern, die hinter HÁWAR.help und GermanDream stehen. Als Töchter aus einer jesidisch-kurdischen Flüchtlingsfamilie, aufgwachsen in Hannover ...

Tülin, Düzen, Tuğba, Tuna und Tezcan Tekkal sind die fünf Schwestern, die hinter HÁWAR.help und GermanDream stehen. Als Töchter aus einer jesidisch-kurdischen Flüchtlingsfamilie, aufgwachsen in Hannover in einer Großfamilie, erzählen sie von ihrer Kindheit und Jugend, ihrem Aufwachsen, ihrem Heranwachsen und ihrem Erwachsen. Jede Schwester hat eine andere Rolle innerhalb der Familie, innerhalb der Schwesternschaft und innerhalb der Initiative. So wird wechselnd erzählt und die Leserinnen bekommen die verschiedenen Perspektiven, die inidviduellen Wege, Hoffnungen, Sorgen und Herausforderungen mit.

Ehrlich gesagt habe ich das Buch recht schnell am Stück durchgelesen, wobei es mir schwerfiel, die einzelnen Perspektiven und Erzählungen immer exakt der richtigen Schwester zuzuordnen oder für jede ein eigenes Profil während der Lektüre zu erstellen. Daher nenne ich besser keine konkreten Beispiele, um nicht falsch zuzuordnen. Was ich sehr spannend fand, sind die unterschiedlichen Charakterzüge und Eigenschaften, die immerzu in Verbindung mit dem Job und dem Verhalten innerhalb der Familie gestellt wurde. Was deutlich wird: Die fünf Schwestern brennen für ihr Engagement, geben all ihre Kräfte und Möglichkeiten in die Arbeit für den Aktivismus und die Aufklärung für Jesid
innen und jegliche Betroffene von Extremismus. Gerade die Schilderungen aus dem Irak, die Offenheit über die Gefühle, die Angst, die Wut und gleichzeitig den Antrieb und die Energie für ihre Einsätze fand ich sehr bewegend.

Durch die Erzählungen aus ihrer Kindheit und Jugend, den Kämpfen, die sie seit jeher führen - im Privaten und im Beruflichen - machen nachvollziehbar, wie sie zu denen geworden sind, die sie heute sind. An erster Stelle stehen Zusammenhalt und Gemeinschaft für eine bessere Welt.

Ein bewegendes Buch mit vielen Einblicken, durch das ich mehr über die Hintergründe von HÁ erfahren habe.WAR.help und GermanDream