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Veröffentlicht am 22.06.2026

Ist Tanzen alles?

Maja & Natascha
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Natascha und Maja wachsen ab 1941als Waisen bei einer Freundin ihrer Mutter auf. Da Katuscha und ihre verstorbene Mutter beide Balletttänzerinnen im Kirow-Ballett in Leningrad waren, kommen sie schon früh ...

Natascha und Maja wachsen ab 1941als Waisen bei einer Freundin ihrer Mutter auf. Da Katuscha und ihre verstorbene Mutter beide Balletttänzerinnen im Kirow-Ballett in Leningrad waren, kommen sie schon früh damit in Kontakt und beginnen ihre Ausbildung zur Tänzerin schon als kleine Mädchen.

Sie sind unzertrennlich und ihr Leben besteht nur aus Tanzen, bis Natascha ihren ersten festen Freund Iwan, ebenfalls einen Tänzer, hat und viel Zeit mit ihm verbringt. Dann kommt noch die Ankündigung, dass das Ensemble immer nur eine Person aus einer Familie zur Tournee mit ins Ausland nimmt.

Ab diesem Zeitpunkt werden die beiden zu Rivalinnen und können die durch ihre Handlungen entstandene Kluft nicht mehr überbrücken.

Die Autorin erzählt Majas und Natascha Geschichte in ihrem Debütroman nachvollziehbar und mitnehmend. Dabei fängt sie auch den Zeitgeist, die Unsicherheit, den Druck, den die Regierenden auf die Bevölkerung ausüben, und die Angst, die dies nach sich zieht, in Russland, aber auch dazu die Leichtlebigkeit im „Westen“ gekonnt mit ein, so dass man als Lesende auch die Nebenfiguren wie LehrerInnen und PolitikerInnen gut verstehen und ihre Handlungen nachvollziehen kann.

So ist ein interessanter, historischer, aber auch sehr menschlicher Roman entstanden, der sich gut und flüssig lesen lässt und das Interesse an der Geschichte stets hochhält.

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Veröffentlicht am 27.05.2026

Naturschutz und Magie

Die verwunschene Wiese
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Die Liebe zu Tieren und zur Natur ist für Kinder oft noch sehr magisch besetzt. Tiere werden in ihrer Vorstellung vermenschlicht und verniedlicht, aber genau das eröffnet auch einen Zugang, um Naturschutz ...

Die Liebe zu Tieren und zur Natur ist für Kinder oft noch sehr magisch besetzt. Tiere werden in ihrer Vorstellung vermenschlicht und verniedlicht, aber genau das eröffnet auch einen Zugang, um Naturschutz anzuregen und anzulegen.

Als Mia morgens im Halbdunklen zur Schule geht, rettet sie eine Schildkröte von der Straße und bringt sie auf eine nahegelegene Wiese. Aus dieser realen Situation entwickelt sich ein Erlebnis in einer Traumwelt, in der Mia mit vielen Tieren über die Wiese tollt, mit ihnen picknickt und sich mit ihnen unterhält, bis sie wieder zur Bahn läuft, die sie zur Schule bringen wird.

In leicht verwaschenen, liebevollen, bunten Bildern fängt die Autorin und Illustratorin die Geschichte ein. Die Illustrationen sind dabei verschieden groß, von doppelseitig bis hin zu vier kleinen Bildern auf einer Seite. Dadurch sind die Seiten sehr abwechslungsreich gestaltet und auch die Textanteile variieren von nur einem Satz bis hin zu mehreren, alle stets eingebettet in die Bilder.

Die Zeichnungen zeigen immer die Inhalte der Texte, aber dadurch, dass diese oft so kurz sind, bleibt eine breite Ausgestaltungsmöglichkeit der Geschehnisse, z. B. auf S. 20 „Kletter mit uns!“. Dort sieht man Mia in verschiedenen Positionen beim Klettern mit den Eichhörnchen im Baum auf drei Bildern. Oder S. 21 bei „Schweinchen n der Mitte!“, wo man alle Frischlinge in verschiedenen Lagen beim Spiel sieht.

So zeigt dieses Bilderbuch die Liebe zur Natur für (kleinere) Kinder verbunden mit einer traumhaften Geschichte, einer erzählten Situation, die sich viele Kinder wünschen: Mit Tieren zu spielen und zu reden.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Kindheitsträume

Sie flogen einen Sommer lang
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Kinder träumen davon, eine Superkraft zu besitzen: unsichtbar sein, fliegen können, stärker als alle zu sein, u. v. m.
Für die Kinder in dieser Geschichte wird die Superkraft „fliegen zu können“ für einen ...

Kinder träumen davon, eine Superkraft zu besitzen: unsichtbar sein, fliegen können, stärker als alle zu sein, u. v. m.
Für die Kinder in dieser Geschichte wird die Superkraft „fliegen zu können“ für einen Sommer lang Wirklichkeit – mit allem, was dazu gehört.

Charlotte und ihre kleine Schwester Emma treffen eines Tages auf ihrem Schulweg einen seltsamen Jungen, der Ähnlichkeiten mit einem Vogel hat und nicht zur Schule geht, ihnen aber bald anbietet, das Fliegen beizubringen.

Dieses Versprechen hält er auch und bringt es sogar noch ihrer ganzen Klasse bei. So folgt für alle ein toller Sommer, nicht ohne Streit und Ärger mit Eltern, aber doch in einer nie gekannten Freiheit und Leichtigkeit durch das Fliegen.

Doch als der Sommer zu Ende geht, muss Charlotte für alle entscheiden, wie es weitergehen soll.
Dieses Kinderbuch ist eine Neuauflage mit neuer Übersetzung der (fast) zeitlosen Geschichte, die die Autorin 1962 in England veröffentlichte und die 1987 auch auf Deutsch erschien.

Die Träume und das Leben der Kinder kurz vor dem Erwachsenwerden werden hier aufgegriffen, denn den geheimnisvollen Jungen können – bis auf ihre Klassenlehrerin - nur die Kinder sehen. Der letzte, unbeschwerte Sommer – hier noch mit dem Fliegenkönnen unterstrichen – gilt als Sinnbild für das Ende der Kindheit, dem sich alle irgendwann stellen müssen.

Als der Junge am Ende – wie in Rattenfängermanier (S. 148) - den Kindern verspricht, wenn sie mit ihm kämen, könnten sie für immer fliegen, stellt sich ihm nur Charlotte in den Weg. Sie ahnt, dass es so nicht gehen kann und darf, denn das Erwachsenwerden geschieht einfach, auch wenn wir es nicht wollen, und wir müssen das Beste daraus machen. Keiner kann für immer Kind bleiben.

Das Buch hält seine Spannung bis zum Ende, auch wenn es nicht die Rasanz heutiger Kinderbücher bietet. Es erzählt in einem ruhigen, fließenden Tempo, in dem auch Gefühle und Landschaften zum Zuge kommen.

Untermalt wird dies durch die Illustratorin, die das träumerische und märchenhafte der Erzählung in ihren ab und an verschieden groß eingestreuten, verwaschenen Zeichnungen aufgreift. Leider sind diese im Gegensatz zum Cover nur in schwarz-weiß gehalten, was ihnen oft einen leicht düsteren Touch verleiht.

Eine märchenhafte, ruhige Parabel auf das Erwachsenwerden.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Was ist wirklich wichtig im Leben?

ZIMMER 706
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Kate und James haben seit sechs Jahren eine Affäre, von der ihre Ehepartner nichts wissen. Alle paar Monate treffen sie sich in einem Hotel, das er aussucht. Doch diesmal ist ihr Schäferstündchen nicht ...

Kate und James haben seit sechs Jahren eine Affäre, von der ihre Ehepartner nichts wissen. Alle paar Monate treffen sie sich in einem Hotel, das er aussucht. Doch diesmal ist ihr Schäferstündchen nicht ruhig und friedlich einfach vorbei, sondern ihr Hotel wurde von Terroristen überfallen und nun sie sitzen zusammen in ihrem Zimmer 706 fest.

In dieser Situation fängt Kate an darüber nachzudenken, was ihr wirklich wichtig ist im Leben. Sie regelt letzte Dinge für ihre Familie und schreibt ihnen Abschiedsbriefe. Mit James hat sie sich fast nichts zu sagen. Insgeheim hofft sie, dass ihr Mann Vic trotz dieser schlimmen Situation nie von der Affäre erfahren wird, egal, ob sie überlebt oder stirbt.

Das Buch beginnt mit einem rasanten, packenden Einstieg in die „Gefangenensituation“ und nimmt die Leser dabei emotional total mit. In Rückblenden werden Szenen aus Kates Leben früherem Leben in näherer Vergangenheit, aber auch in fernerer eingestreut, die den Lesenden ihre Gefühle, Erlebnisse und Entscheidungen erklären (sollen).

Dabei lernt man vor allem sie selbst und Vic, ihren Ehemann, besser kennen. Als Erzählstil hat die Autorin in ihrem Debütroman die auktoriale Erzählperspektive aus Sicht von Kate gewählt, was sie einem auch ein wenig auf Distanz hält.

Im weiteren Verlauf des Buches erfahren die Lesenden nicht viel Neues, was die Jetzt-Zeit betrifft, denn die Situation verändert sich nicht, so dass man noch auf einen Clou wartet, der aber letztendlich nicht eintritt.

Durch die Rückblenden bekommt man aber immer mehr Einblick in das Kennenlernen und Verlieben von Kate und Vic mit.

In den Anmerkungen der Autorin am Ende des Romans werden ihre Beweggründe für das Schreiben dieser Geschichte gut greifbar, da sie vieles von Kates Situation selbst durchlebt hat.

Für mich hat dieses Buch eine tolle Grundidee, wird dieser aber im Laufe der Handlung nicht mehr gerecht und so verpufft sie leider, denn z. B. Kates Überforderung mit Arbeit, Haushalt und Kindern, scheint ein selbstgemachtes Problem zu sein, dass sie nicht angeht, sich stattdessen in eine Affäre flüchtet. Auch das vergangene „Burn out“ von Vic scheint diesen nicht mehr zu beeinflussen, und so könnte sie mehr Verantwortung an ihn abgeben, wenn sie darüber mit ihm sprechen würde.

Kate kommt trotz aller Liebe zu ihrem Mann und ihren Kindern zu dem Schluss, dass sie die Entscheidung, mit James eine Affäre zu beginnen, wieder treffen würde.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Gesehen werden

Mit anderen Augen
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In ihrem Debütroman greift die Autorin ein aktuelles, soziales Thema auf kreative Weise auf.

Ihre Hauptprotagonistin Tilda entdeckt eines Morgens, dass ihr kleiner Finger nicht mehr zu sehen ist, obwohl ...

In ihrem Debütroman greift die Autorin ein aktuelles, soziales Thema auf kreative Weise auf.

Ihre Hauptprotagonistin Tilda entdeckt eines Morgens, dass ihr kleiner Finger nicht mehr zu sehen ist, obwohl sie ihn fühlen kann und er wie immer funktioniert. Voller Schreck geht sie zu ihrer Ärztin und erhält die Diagnose „Unsichtbarkeit“ als Krankheit. Diese würde besonders bei Frauen ab ungefähr 40 Jahren verstärkt auftreten, sehr selten bei Männern, wäre kaum erforscht und es gäbe keine Heilung. Manche Frauen würden ganz unsichtbar werden, andere nur teilweise.

Was sich zuerst für Tilda als Schock erweist, lässt sie später anfangen zu kämpfen und Wege zu suchen, um ihr Verschwinden aufzuhalten oder sogar – so ihre wachsende Hoffnung – umzukehren.

Was hier sinnbildhaft als Krankheit beschrieben wird, empfinden heute viele Frauen, die zwischen Arbeit, Kindern, Haushalt, Beziehungsarbeit und/oder Care-Arbeit für Eltern aufgerieben werden, genau so: Sie fühlen sich nicht mehr gesehen und/oder sehen sich selbst nicht mehr.

Dieses gesellschaftliche Problem wird hier also in eine märchenhafte Allegorie verpackt.

Tildas Kampf gegen die Krankheit wird als Selbstfindungsprozess beschrieben. Sie geht zu einer Therapeutin, bekämpft - oder besser - verändert ihre PAULA (Programm Aller Unhinterfragten Langzeit-Automatismen), beginnt zu meditieren, tut sich Gutes, nimmt sich wieder ganz neu wahr und last - but not least - verliert bei allem ihren Humor nicht.

Dabei stehen ihr ihre alten und neuen Freundinnen stets zur Seite und auch eine neue Liebesgeschichte bahnt sich an.

So verläuft ihr „Kampf“ für die Lesenden durchaus abwechslungsreich, hat nur manchmal seine Längen, wenn das Buch ins Ratgeberhafte verrutscht.

Die Autorin beschreibt ihre Motivation zu diesem Buch in einigen Anmerkungen und einem Interview am Ende des Buches. Diese sind inspirierend und lassen die Lesenden auch besser verstehen, warum das Thema „Meditation“ einen ziemlich großen Raum einnimmt. Gut ist, dass sie auch andere wichtige Themen mit ihrem Roman streift.

Ein lesenswertes Debüt, um die Situation von Frauen Ü40 ins Rampenlicht zu rücken und besser zu verstehen!

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