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Veröffentlicht am 25.06.2026

Leben und Überleben im Sudan

Eddos goldenes Lächeln
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Stella Gaitanos Debütroman „Eddos goldenes Lächeln“ verknüpft die tragische Geschichte des Sudan in den 1980er und 1990er Jahren mit den Lebensgeschichten zweier Frauengenerationen.

Lucy wächst in einem ...

Stella Gaitanos Debütroman „Eddos goldenes Lächeln“ verknüpft die tragische Geschichte des Sudan in den 1980er und 1990er Jahren mit den Lebensgeschichten zweier Frauengenerationen.

Lucy wächst in einem kleinen südsudanesischen Dorf auf. Sie ist das erste von 10 Kindern ihrer Mutter Eddo, die überlebt hat. Aus Angst, auch sie an den Tod zu verlieren, gibt ihre Mutter ihr den abfälligen Namen „Irinu“.
Nach dem Tod ihrer Mutter Eddo heiratet Lucy Marco. Das Paar flieht vor den eskalierenden gewaltsamen Konflikten vom Süden in den muslimisch geprägten Norden, nach Khartum. Sie finden Unterschlupf bei Marcos Freund Peter und seiner Familie.

„Peters großes Haus war stets offen für Gäste, für die ganze Familie, für Freunde und Bekannte, für Studenten und für Leute, die sich in der Stadt behandeln lassen wollten, Besucher, die kamen und blieben, solange sie wollten, und wenn sie wieder gingen, waren wir genauso unverändert wie die Mauern, die Zimmer und der große Hof.
Peter beschwerte sich nie und fühlte sich nie beengt. Er war großzügig wie ein echter Vater, und er war glücklich, weil er allen ein Gefühl von Sicherheit und Zufriedenheit geben konnte. Das zumindest sagte er stets, wenn wir unsere geheimen Gespräche führten, weitab vom Getratsche der Gäste und dem Lärmen der Kinder und Frauen; besonders wenn er merkte, dass es mir unangenehm war, keine feste Arbeit zu finden, sodass ich nicht mit meiner Familie in ein eigenes Haus ziehen konnte, obwohl Lucy sein Haus wie eine Katze mit Kindern überflutet hatte.
‚Marco, du musst eines wissen: Du betrachtest die Sache natürlich vom finanziellen Standpunkt aus. Aber ehrlich gesagt, fühle ich mich durch deine Anwesenheit auch sicher und bin froh darüber. Ein Mann braucht einen Mann an seiner Seite, und du bist genau dieser Mann, den ich gewählt habe. Der Zufall wollte es, dass wir in dieser Welt alleine sind. Also, warum bilden wir dann keine Familie? Du bist mein Bruder, das ist alles, was ich will, auch wenn wir nicht aus demselben Bauch kommen. Die Welt ist wie ein großer Bauch, in dem wir alle Geschwister sind.‘“

Lucy vermisst ihr Dorf, das Leben in der Stadt ist schwer für sie. Erst als sie in Peters Frau Thereda eine Freundin findet und sie zahlreiche Kinder bekommt, findet sie ihren Platz. Die Sehnsucht nach ihrem Heimatdorf verlässt sie dendoch nicht. Doch die politischen Unruhen machen auch vor der Hauptstadt keinen Halt und bedrohen ihre Existenz.

„Ich kann alle Gerichte zubereiten, mit Zwiebeln, Öl und Gewürzen, wie Theresa es mir beigebracht hat, aber ich hatte ständig Hunger. Ich sehnte mich danach, Gemüse in Salzwasser zu kochen und es einfach so hinunterzuschlucken, solange die Blätter noch knackig waren. Erst nachdem ich den festen heißen Hirsebrei auf den Teller gegeben und in großen Bissen in mich gestopft hatte, bis mir der Schweiß herabfloss, hatte ich das Gefühl, wirklich satt zu sein.
Der Hunger in meinem Bauch war jedoch nicht der einzige Hunger, unter dem ich litt. Meine Augen hungerten danach, das Dorf zu sehen, seine Wälder und Getreidefelder. Meine Ohren hungerten nach dem Muhen der Kühe, dem Meckern der Ziegen auf den Weiden und den Rufen der Nachbarinnen durch die Schilfrohrwände hindurch. Sie waren hungrig danach, die Trommeln zu hören, das Rauschen der Bäume und das Rollen des Donners. Mein Herz hungerte danach, die Menschen dort zu treffen, meine Seele hungerte danach, das Grab meiner Mutter und die Gräber meine Geschwister zu berühren. Mein Rücken hungerte danach, die Säuglinge zu tragen und zu wiegen. Meine Hände hungerten danach, die Früchte zu pflücken und den Boden zu pflügen. Meine Füße hatten Hunger danach, die Entfernung zwischen dem Fluss und dem Dorf zurückzulegen. Mein Kopf hungerte danach, das schwere Wasser und das Brennholz zu tragen. Seit ich in dieses Land gekommen bin, bin ich immer hungrig. Aus meinem Dorf zu fliehen und die Sonne hinter mir zu lassen, die jeden Tag in der gleichen Richtung aufgeht und sich hinter den Bergen und Wäldern wieder zurückzieht, war das Schlimmste, was mir je in meinem Leben passiert ist. Ich habe mein gutes Leben hinter mir gelassen, den Regen, die Nahrungsmittel, die Tiere, Häuser und Menschen. Aber der Krieg ist natürlich noch schrecklicher.“

Erzählt wird aus wechselnden Perspektiven; dabei ist zu Beginn des Kapitels nicht immer sofort klar, wer gerade erzählt; das erfordert höchste Aufmerksamkeit. Dafür bekommt der Roman durch die verschiedenen Blickwinkel noch mehr Intensität.

„Eddos goldenes Lächeln“ ist ein bewegender, intensiver Roman über Krieg, Flucht und Traumata, patriarchale Gewalt und Emanzipation. Auch das Thema Mutterschaft wird thematisiert. Besonders die starken Frauenfiguren haben mich sehr berührt.

Vielen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 19.06.2026

Keiner kann rückwärts leben

Fünf, sechs, sieben, acht
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Der 60jährige Stepptänzer Anton lebt fürs Tanzen. Als sein Vertrag als Choreograf einer Theaterbühne unerwartet nicht verlängert wird, sondern stattdessen seine Tochter Emma den Job bekommt, ist er fassungslos. ...

Der 60jährige Stepptänzer Anton lebt fürs Tanzen. Als sein Vertrag als Choreograf einer Theaterbühne unerwartet nicht verlängert wird, sondern stattdessen seine Tochter Emma den Job bekommt, ist er fassungslos. Obwohl er stolz auf seine Tochter ist, überwiegt die Wut und Verletzung. Und wie schon vorher, beschäftigt er sich stärker mit dem Älterwerden. Dabei erinnert er sich auch wieder an Jo, seine alte große Liebe, die damals spurlos verschwand. Er konnte sie nie ganz vergessen. Daran scheiterte auch seine Ehe mit Katja.

„‘Kein so schönes Gefühl, sein Leben lang nur second best zu sein‘, sagte sie leise.
Er wollte etwas antworten, aber sie winkte ab.
‚Lass. Wir haben schon so oft darüber gesprochen. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sie gestorben wäre. Vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall hat man gegen Träume als lebendiger Mensch keine Chance. Gegen einen Traum kann man immer nur verlieren.‘“

Anton möchte den Rest seines Lebens mit der Lücke leben, die Jo hinterlassen hat.

„Jo hatte ein Loch in sein Leben gerissen, das nie wieder zuwachsen konnte. Es vernarbte an den Rändern, und irgendwann tat es nicht mehr weh. Aber es blieb ein Loch, wo vorher ein Teil seines Lebens gewesen war. Mit diesem Loch in sich wollte er nicht alt werden. Es war Zeit, etwas zu tun.“

Gemeinsam mit Emma reist er nach Irland, wo er eine Spur von Jo gefunden hat. Er hofft auf eine Antwort von Jo, möchte sich aber auch mit Emma versöhnen.

Inhaltlich möchte ich hier nichts vorwegnehmen, um nicht zu spoilern.
Antons Entwicklung und Selbstfindung durch die Reise fand ich gut gelungen; die Aufklärung von Jo’s damaligem Verschwinden war für mein Empfinden etwas arg konstruiert.

Insgesamt ist „Fünf, sechs, sieben, acht“ ein warmherziger Roman übers Älterwerden, die Frage nach dem „Was wäre wenn“ des Lebens und über Vater-Tochter-Beziehungen, der zwar teilweise sehr klischeehaft war, mir insgesamt aber sehr gut gefallen hat.

Vielen Dank an den DuMont Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 18.06.2026

Welches Leben sie wohl geführt hätten, wenn sie woanders geboren worden wäre?

Maja & Natascha
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Leningrad, 1958. Maja und Natascha sind Zwillinge, ihre Mutter nahm sich nach der Geburt das Leben. Seitdem sind sie unzertrennlich. Schon ihre Mutter war Tänzerin und auch die beiden Schwestern haben ...

Leningrad, 1958. Maja und Natascha sind Zwillinge, ihre Mutter nahm sich nach der Geburt das Leben. Seitdem sind sie unzertrennlich. Schon ihre Mutter war Tänzerin und auch die beiden Schwestern haben nur einen Traum: gemeinsam beim Kirow-Ballett tanzen und auf Amerikatournee zu gehen. Doch ein neues Gesetz während des Kalten Krieges bestimmt, dass Familienmitglieder nicht gemeinsam ins Ausland reisen dürfen: Nur eine der Schwestern darf mit nach Amerika und damit werden sie zu harten Konkurrentinnen.

Historisch war dieser Roman sehr interessant, auch die Einblicke in das harte Leben der Tänzer*innen des sowjetischen Balletts in den 1950er Jahren haben mich fasziniert.

„Eine Tänzerin zu sein, heißt, in Widersprüchen zu leben. Eine Tänzerin muss ihre Muskeln aufbauen, um schwerelos zu erscheinen. Sie muss sich ihrer Kunst anpassen, aber die Einzigartigkeit ihres Körpers respektieren. Und dennoch muss jede Tänzerin – egal wie klein, wie groß, wie schnell, wie agil sie ist – lernen, eine Partnerin zu sein, und an der Waganowa lernten sie das von Madame Karinska.“

Maja und Natascha sind zwei interessante Protagonistinnen; zwei Schwestern, die eine so tiefe Verbindung haben und sich dann so Schlimme antun, um ihre jeweiligen Träume zu verwirklichen.

„Als Natascha später am Abend versuchte einzuschlafen, zuckte sie bei der Erinnerung an ihre Worte zusammen und redete sich ein, dass sie sie nicht so laut hatte murmeln wollen und dass sie Maja mit der Anspielung auf ihre Jungfräulichkeit ganz bestimmt nicht hatte wehtun wollen, doch in Wahrheit hatte sie genau das gewollt. Sie hatte Maja von sich wegstoßen wollen.
Als die Mädchen noch sehr jung waren, lernte die gesamte Klasse Walzer tanzen. Da es wie immer an Jungen mangelte, stellte die Lehrerin Maja und Natascha als Paar zusammen. ‚Du führst‘, sagte sie und zog Nataschas Schultern zurück. ‘Und du folgst‘, wies sie Maja an. Am Anfang war Natascha stolz auf ihre Rolle – ebenso erfreut darüber, ausgewählt worden zu sein, wie darüber, dass Maja nicht ausgewählt worden war –, aber nach ein paar Minuten langweilte sie die Führungsrolle. Die Musik schwoll in Natascha an, und sie wollte sich losreißen und allein tanzen, aber Maja, ängstlich darauf bedacht, keinen Fehler zu machen, klebte mit verschwitzten Händen an ihr. Sie waren aneinandergebunden, ein unvermeidliches Hin und Her. Wo immer Natascha sich bewegte, folgte Maja ihr.
So würde es immer laufen – Natascha zog sich zurück, Maja jagte ihr hinterher. Ihr Erfolg bedeutete Majas Versagen und Majas ständige Abhängigkeit von ihr. Sie würde niemals frei sein.“

„Maja und Natascha“ von Elyse Durham ist ein faszinierender Roman über die Bürde der Herkunft, Schwesternliebe, den Konflikt zwischen Loyalität und Freiheitsdrang und vor allem über die Frage, wie weit man für einen Traum gehen würde. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Vielen Dank an die Verlagsgruppe HarperCollins, Vorablesen.de und an NetGalley für die Rezensionsexemplare! 📚💚

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Veröffentlicht am 17.06.2026

Tierisch süßer Reim- und Zählspaß

Gans, Gans, Elch - Ein tierischer Zählspaß
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„Gans, Gans, Elch - Ein tierischer Zählspaß“ von Kael Tudor und Nicola Slater ist ein sehr süß illustriertes Kinderbuch zum Vorlesen und Zählen lernen.

Die Geschichte ist leicht zusammenzufassen:
Im Sommer ...

„Gans, Gans, Elch - Ein tierischer Zählspaß“ von Kael Tudor und Nicola Slater ist ein sehr süß illustriertes Kinderbuch zum Vorlesen und Zählen lernen.

Die Geschichte ist leicht zusammenzufassen:
Im Sommer sehnen sich alle Tiere nach einem Eis zur Abkühlung. Doch als der kleine Gänse-Eisverkäufer gewissenhaft durchzählt, steht da zwischen den Gänsen plötzlich ein riesiger Elch in der Reihe: „Gans eins, Gans zwei ... Elch drei?!“

Ein herrlich turbulentes Durcheinander nimmt seinen Lauf, das seinen Höhepunkt durch den Auftritt einer kleinen Maus erreicht.

Der Text ist kurz und sehr witzig gereimt; das macht einem auch als Erwachsene beim Vorlesen Spaß!
Das besondere Highlight sind auf jeden Fall die süßen und witzigen Illustrationen von Nicola Slater, die uns besonders gut gefallen haben.

Meiner Meinung nach ist das Buch gut geeignet zum Vorlesen für Kinder ab 2-3 Jahren.
Es kann das Zählen lernen und die Konzentration fördern, aber vor allem macht es Spaß!

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Veröffentlicht am 15.06.2026

Praxisorientierter Beziehungsratgeber mit hilfreichen Impulsen

Love, Peace & wir
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„Love, Peace & wir“ ist ein moderner und sehr praxisorientierter Beziehungsratgeber.
Anhand zahlreicher Fallgeschichten aus seinem beruflichen Alltag zeigt der Sexual- und Paartherapeut Carsten Müller ...

„Love, Peace & wir“ ist ein moderner und sehr praxisorientierter Beziehungsratgeber.
Anhand zahlreicher Fallgeschichten aus seinem beruflichen Alltag zeigt der Sexual- und Paartherapeut Carsten Müller auf, welche unterschiedlichen Probleme und Unzufriedenhzeiten es in Beziehungen geben kann – und wie man eine für beide Parteien zufriedenstellende Lösung finden kann.
Am Ende jedes Fallbeispiels gibt es dazu passende Fragen, Übungen oder Checklisten, mit denen man das Gelesene bei Bedarf auf das eigene Leben bzw. die eigene Beziehung übertragen kann.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert: „Über uns reden“, „Eure Körper wahrnehmen“ und „Wenn der Alltag am ‚Wir‘ knabbert“. Der Aufbau ist gut strukturiert.
Den Schreibstil empfand ich als sehr sympathisch, sensibel und gut verständlich. Durch die zahlreichen, unterschriedlichen Beispiele aus der Praxis können sich bestimmt viele Paare wiederfinden, die vielleicht ähnliche Probleme haben.

Ideal wäre es, wenn beide Partner*innen das Buch lesen, wie der Autor vorgeschlagen hat; nur so können beide von den Tipps und Impulsen profitieren und es für die eigene Beziehung umsetzen.
Am „Wir“ kann man schließlich nur gemeinsam arbeiten.

Auch dieser Ratgeber erzählt grundsätzlich nichts wirklich Neues, aber die Umsetzung ist sensibel, auf Augenhöhe, sehr praxisorientiert und sympathisch. Ich vergebe für diesen Ratgeber daher 4 von 5 Sternen.

Vielen Dank an den EMF Verlag und an Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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