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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.07.2018

Mitreißend und authentisch

Wenn wir wieder leben
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Im vornehmen Ostseebad Zopot versuchen die vier Freunde Gundi, Lore, Julius und Erik in den 1920er Jahren als Band groß herauszukommen. Doch es dauert eine Weile, bis sie wirklich durchstarten können. ...

Im vornehmen Ostseebad Zopot versuchen die vier Freunde Gundi, Lore, Julius und Erik in den 1920er Jahren als Band groß herauszukommen. Doch es dauert eine Weile, bis sie wirklich durchstarten können. Gundi, die bereits als Kind ein Sonnenschein war, ist die Frontfrau der Band, und ein Lied, „Morgen am Meer“, bringt den Durchbruch. Bald werden sie angeheuert für das Kreuzfahrtschiff Wilhelm Gustloff. Doch dann kommen die Wirren des Krieges dazwischen und verändern ihre Lebenspläne. Auch wenn die Freunde als gefeierte Künstler lange begünstigt bleiben, wird die Realität sie bald einholen. - 40 Jahre später begibt sich Wanda auf die Spuren ihrer Familiengeschichte, fragt nach der Rolle ihrer Mutter während der Kriegstage.

Schmerzhaft wird Wandas Suche, sie ist emotional hoch belastet. Bedeutende Nazi-Prozesse stehen an, in Deutschland versuchen die Menschen nach den dramatischen Ereignissen im Krieg nach vorn zu sehen. Es gibt auch die anderen, die nach Aufarbeitung schreien, wie der jüdische Student Andras, der durch den Krieg seine Familie verloren hat und nun ganz verzweifelt versucht, die Schuldigen einer gerechten Strafe zuzuführen. Die beiden zeitlichen Ebenen hat die Autorin Charlotte Roth sehr gut und eindrücklich dargestellt, der Leser erhält einen guten Einblick in die damalige Zeit. Auch die örtlichen Eigenheiten in Danzig und in Zopot sind gut recherchiert.

Der Autorin gelingt es sehr gut, einen schwierigen Stoff in eine bewegende Geschichte mit viel Dramatik umzuwandeln. Man merkt, dass sie in diese Geschichte sehr viel Herzblut hineingesteckt hat. Sie wertet die Handlungen ihrer Protagonisten nicht, lässt deren Taten für sich selbst sprechen. Damit gelingt ihr eine sehr authentische Geschichte, die den Leser von Anfang an mitreißt. Manches hätte man vielleicht etwas straffen können, doch insgesamt bleibt der Spannungsbogen von Anfang bis Ende sehr hoch. Ich vergebe 4,5 von 5 Punkten und eine unbedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.06.2018

Einsames Uff sucht Gleichgesinnte

Das wilde Uff, Band 4: Das wilde Uff braucht einen Freund
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Uff vermisst seinen Freund Lio, der so oft anderweitig unterwegs ist. Da quasslt das Urzeitwesen, was das Zeug hält, um sich selbst einen Freund zu finden. Und bald erhält es tatsächlich Signale – ob es ...

Uff vermisst seinen Freund Lio, der so oft anderweitig unterwegs ist. Da quasslt das Urzeitwesen, was das Zeug hält, um sich selbst einen Freund zu finden. Und bald erhält es tatsächlich Signale – ob es wohl wirklich noch ein weiteres überlebendes Uff gibt?

Dieses Buch ist bereits das vierte über das blaue Urzeitwesen Uff, das bei Familie Peppel gelandet ist und dort das Zusammenleben durcheinanderbringt. Auch wenn die Geschichte für sich allein gelesen werden kann, ist es dringend zu empfehlen, die Reihe chronologisch zu beginnen, das erhöht das Lesevergnügen ungemein. Uff ist es zu verdanken, dass wieder eine Reihe unvorhersehbarer Ereignisse voller Situationskomik entstehen, bei denen sich der Leser kringelt vor Lachen. Aber auch das Gefahrenmoment ist durchaus gegeben, denn nach wie vor gibt es einen bösen Gegenspieler. Die Illustrationen ergänzen auf wunderbare Weise die Geschichte, sie fangen den Charme der jeweiligen Situation gekonnt ein.

Ich habe dieses Buch meinen Kindern (7 und 10) vorgelesen, wie auch schon die Bände zuvor, und wir hatten einen großen Spaß dabei. Es macht sowohl beim Lesen wie auch beim Vorlesen eine große Freude, deshalb gibt es auch diesmal wieder ganz klar eine Leseempfehlung von uns allen.

Veröffentlicht am 14.07.2026

Viel Potenzial und Luft nach oben

Eine Maus namens Merlin
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In ihren 83 Lebensjahren hat Helen Cartwright viel erlebt; einen Teil ihres Lebens hat sie in Australien verbracht. Doch nun ist sie zurückgekehrt in einen kleinen Ort in der Nähe von Oxford, wo sie geboren ...

In ihren 83 Lebensjahren hat Helen Cartwright viel erlebt; einen Teil ihres Lebens hat sie in Australien verbracht. Doch nun ist sie zurückgekehrt in einen kleinen Ort in der Nähe von Oxford, wo sie geboren wurde. Sie erwartet sich nichts mehr vom Leben. Doch dann ändert sich ihr Leben, als eine kleine Maus in ihr Leben tritt...

Die Geschichte beginnt eher unauffällig, erzählt vom Leben einer alten Frau, die ihre Zeit hinter sich wähnt und eigentlich nur noch auf den Tod wartet. Sie hat Verluste erlebt, man fragt sich, wo denn ihr Mann und ihr Sohn geblieben sind, warum sie nicht miteinander leben. Helens Einsamkeit ist fast körperlich spürbar. Nur nach und nach gibt das Buch ihre Geschichte preis. Schade, dass Helen deshalb anfangs eher naiv erscheint; mich hat das ungemein gestört. Für mich ist ihre Entwicklung zwar nachvollziehbar, aber nicht mit dieser anfänglichen Naivität. Dass die Maus ihr Leben verändert, erinnert ein bisschen an ein Märchen, und doch ist die Geschichte hier in sich stimmig.

Das Buch hat mich ab der zweiten Hälfte überzeugen können, so dass ich letztendlich 4 von 5 Sternen vergebe. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter, wenn auch mit einigen Einschränkungen.

Veröffentlicht am 07.07.2026

Spannender Reihenauftakt

Vega Varg – Das Schweigen der Insel
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Ermittlerin Vega Varg wird zu einem Mord auf der Insel Südkoster gerufen, unweit der Grenze zu Norwegen. Sie kennt den Toten, Fredde, war er doch gut befreundet mit einem ihrer Söhne und regelmäßig bei ...

Ermittlerin Vega Varg wird zu einem Mord auf der Insel Südkoster gerufen, unweit der Grenze zu Norwegen. Sie kennt den Toten, Fredde, war er doch gut befreundet mit einem ihrer Söhne und regelmäßig bei ihrer Familie in seiner Kindheit; später allerdings ist der Kontakt zu Fredde abgebrochen. Die Ermittlungen laufen, als eine norwegische Zeugin spurlos verschwindet. Vega bittet ihren Kollegen Leopold zu den Ermittlungen dazu, er ist ihr bester Freund und arbeitet seit einiger Zeit bei der Polizei in Oslo. Während der Ermittlungen tauchen Erinnerungen auf an die Zeit, als Fredde des öfteren bei ihnen zu Gast war, aber auch an die Zeit, als Vegas Mann ermordet wurde. Der damalige Täter wurde nie gefunden. Haben die Fälle etwas miteinander zu tun?

Das Buch ist der erste Band der Ermittlerinnen Vega und Leopold, die zunächst bei derselben Dienststelle arbeiteten, bis Leopold nach Oslo versetzt wurde. Er ist zuständig für Kriminalfälle im Grenzgebiet von Schweden und Norwegen. Außerdem war er schon immer ihr bester Freund und seinerzeit bei den Ermittlungen zu dem Mord an Vegas Mann tätig. Vega ist eine äußerst kompetente und sympathische Ermittlerin, der man gerne sowohl die Emotionen zum Tod ihres Mannes wie auch ihren scharfen Verstand bei den Ermittlungen glaubt. Die Spannung steigt durch die Verwicklungen ihrer Familie mit dem vorliegenden Mordfall. Interessant ist das Setting auf der Insel, wo jeder jeden kennt und alles über den anderen weiß – und doch konnte der Mord an Vegas Mann jahrelang nicht aufgeklärt werden. Das erzeugt eine ganz besondere Atmosphäre, die neugierig macht auf die weiteren Fälle mit dieser Ermittlerin. Die Aufklärung baute sich langsam auf, hat allerdings auch mit einigen überraschenden Wendungen aufgewartet.

Ich bin schon ganz gespannt auf weitere Kriminalfälle mit Vega Varg. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe starke 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 07.07.2026

Interessantes Ermittlerduo

Strandopfer
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Weil ein deutscher Tourist tot am Strand bei Swinemünde liegt, soll die Ermittlerin Lena Schuldt die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei übernehmen. Schnell stellt sich heraus, dass ...

Weil ein deutscher Tourist tot am Strand bei Swinemünde liegt, soll die Ermittlerin Lena Schuldt die Ermittlungen in Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei übernehmen. Schnell stellt sich heraus, dass es nicht einfach ein Badeunfall ist, sondern Mord dahintersteckt. Vermisst wird zudem die zehnjährige Luisa, die mit dem Toten zusammen an den Strand gefahren war. Gemeinsam mit dem polnischen Kommissar Adam Krawczyk stellt Lena schnell fest, dass die Freunde und Angehörigen des Toten, die gemeinsam in einem Ferienhaus Urlaub machen, wohl etwas zu verbergen haben. Dann taucht eine weitere Leiche auf, auch diesmal wieder mit einem Bernstein im Rachen...

Das Buch ist der erste Band der Grenzfall-Reihe um die deutsche Ermittlerin Lena Schuldt und den polnischen Kommissar Adam Krawczyk. Beide sind geprägt von ihren eigenen Erfahrungen im Leben. Hinderlich sind auch die vielen Vorurteile, die beide gegenüber den Bürgern der anderen Nation entgegenbringen; verstärkt wird dies noch dadurch, dass die Ermittlungsarbeit der polnischen Kommissare sich doch in mancherlei Hinsicht von denen der deutschen Polizei unterscheidet. Doch die beiden so unterschiedlichen Kommissare wachsen in ihre Rolle hinein; es wird interessant sein, sie in ihren weiteren Fällen zu begleiten. Sie wirken dabei sehr authentisch; selbst wenn die Geschichte aus Lenas Sicht erzählt wird, gelingt es ihr sehr gut, auch Adams Sichtweise mit einzubinden. Der Fall selbst ist spannend angelegt, vielfach scheinen die Ermittler auf der Stelle zu treten. Die mühsame Ermittlungsarbeit färbt auch auf einige Partien des Buches ab, wenn es scheinbar so gar nicht weitergeht. Gelungen finde ich, wie sich die Regionalität dieses Krimis in der Handlung spiegelt, sei es durch einzelne polnischen Sätze (Glossar am Ende des Buches), durch das kulinarische Angebot oder schlicht das Milieu, das zum einen die Touristik der Landschaft schildert, aber auch eintaucht in das Leben derer, die dort dauerhaft wohnen.

Mich hat dieser Krimi neugierig gemacht auf die weiteren Fälle dieses spannenden Ermittlerduos. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.