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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.04.2021

Liebe und Wahnsinn liegen nah beieinander

DEBORAHS GARTEN
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Im Rhein-Sieg-Kreis wird eine Tote gefunden und den erst kurz zusammenarbeitenden Ermittlern Isolde Bachmann und Roman Pfaff wird schnell klar, dass der Täter eine Botschaft senden möchte. Aber welche? ...

Im Rhein-Sieg-Kreis wird eine Tote gefunden und den erst kurz zusammenarbeitenden Ermittlern Isolde Bachmann und Roman Pfaff wird schnell klar, dass der Täter eine Botschaft senden möchte. Aber welche? Als eine zweite Tote aufgefunden wird, verbeißt sich Isolde Bachmann in die Idee, dass dieser Fall etwas mit ihr zu tun haben könnte. Ihr Partner ist davon nicht überzeugt und so nimmt das Unheil seinen Lauf.

Ich habe schwer in das Buch reingefunden. Der Prolog hat mich zwar neugierig gemacht, aber ganz verstanden habe ich ihn nicht, was wahrscheinlich gewollt ist. Die Kapitel dann springen zwischen den Zeiten; mal sind wir 1993 in Herten, mal 2020 im Rhein-Sieg-Kreis, mal macht die Geschichte einen Sprung ins Jahr 2018 nach Griechenland. Diese Zeitsprünge und die wechselnden Perspektiven haben mich anfangs etwas überfordert und mir den Lesespaß vermiest, weil ich nicht immer sofort wusste, ob es nun um Opfer, Täter oder einen der Ermittler geht. Ja, die Schriftarten sind anders, dennoch war ich oft verunsichert, wer denn nun dran ist. Als ich dann aber nach dem ersten Drittel einige lose Fäden verbinden konnte, hat mich der Psychothriller gepackt und ich konnte mitfiebern. Wer der Täter ist, wurde mir schon sehr früh klar, auch seine Motive blieben für mich nicht lange im Dunklen. Dies tut der Spannung aber keinen Abbruch, geht es eher um die psychologische Komponente und die Ermittlung an sich. Die Kindheit des Täters, das „Warum“ sind interessant dargestellt und die Tragik dahinter oft erschreckend und traurig. Was macht uns zu dem, was wir sind und haben wir Einfluss drauf, wer wir werden?

Ich habe mich trotz anfänglicher Schwierigkeiten gut unterhalten gefühlt, vergebe 4 Sterne und bin gespannt, wann Bachmann und Pfaff wieder ermitteln. Ich wäre gerne wieder dabei.

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Veröffentlicht am 21.03.2021

zweiter Fall für Cyrus Haven

Fürchte die Schatten
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Cyrus wird bei den Ermittlungen zum Tod eines ehemaligen Detectives um Hilfe gebeten. Was anfangs wie ein Selbstmord aussieht, entpuppt sich ziemlich schnell als Mord. Als sich dann Hinweise ergeben, dass ...

Cyrus wird bei den Ermittlungen zum Tod eines ehemaligen Detectives um Hilfe gebeten. Was anfangs wie ein Selbstmord aussieht, entpuppt sich ziemlich schnell als Mord. Als sich dann Hinweise ergeben, dass das Verbrechen mit der Vergangenheit von Evie zusammenhängt, ist Cyrus entschlossen, alles zur Aufklärung beizutragen. Dass er dabei gleichzeitig dazu beiträgt, den Feinden von Evie ihren Aufenthaltsort zu verraten, hat dramatische Folgen. Denn die Beteiligten von damals sind fest entschlossen, Evie zum schweigen zu bringen, und dabei ist ihnen jedes Mittel recht.

Dies ist der zweite Teil der Reihe um den forensischen Psychologen Cyrus Haven. Man muss den ersten Teil nicht gelesen haben, würde sich aber erstens eine tolle Geschichte entgehen lassen und zweitens würden viele Andeutungen mehr Sinn machen. Die wichtigsten Einzelheiten werden hier aber alle wiederholt, ohne dass man das Gefühl hat, eine Wiederholung zu lesen. Wieder erfahren wir aus der Perspektive von Cyrus und Evie den Ablauf, bekommen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle. Das Buch geht spannend los, die Spannung lässt dann aber leider schnell nach. Zwar ist es sehr interessant, endlich zu erfahren, was mit Evie passiert ist, dennoch war der Spannungsbogen für mich erstaunlich flach, kein Vergleich mit dem ersten Teil, den ich nicht aus der Hand legen konnte. Trotzdem ist es eine tolle Story, unterhaltsam und wichtig, um den ersten Teil abzuschließen, wenn auch nicht endgültig, da tatsächlich einige Fragen offen blieben. Ich freue mich jetzt schon auf eine Fortsetzung und gebe verdiente 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 13.02.2021

Protokoll eines Verbrechens

Die siebte Zeugin
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Nikolas Nölting, ein unscheinbarer Beamter, verheiratet, ein Kind, verlässt an einem Sonntagmorgen das Haus, um Brötchen zu holen. Vor der Bäckerei angekommen, schlägt er einen Polizisten nieder, entwendet ...

Nikolas Nölting, ein unscheinbarer Beamter, verheiratet, ein Kind, verlässt an einem Sonntagmorgen das Haus, um Brötchen zu holen. Vor der Bäckerei angekommen, schlägt er einen Polizisten nieder, entwendet dessen Dienstwaffe, betritt die Bäckerei und schießt um sich. Ein Mensch stirbt, zwei weitere werden verletzt. Nach der Tat lässt er sich widerstandslos festnehmen und schweigt. Ein Motiv ist nicht erkennbar. Dies wird für den Strafverteidiger Rocco Eberhardt, den die Frau des Täters beauftragt, kein einfacher Fall werden.

Jedes der kurz bis ganz kurz gehaltenen Kapitel ist mit Ort und Uhrzeit versehen, so entstand bei mir der Eindruck eines Protokolls des Verbrechens. Das hat mir unglaublich gut gefallen. Hierbei begleiten wir nicht nur den Strafverteidiger, sondern auch andere Beteiligte, was abwechslungsreich und interessant ist. Das fundierte Fachwissen kommt dabei nicht von ungefähr, hat Florian Schwiecker viele Jahre in Berlin als Strafverteidiger gearbeitet und Michael Tsokos ist Professor für Rechtsmedizin, was man der Story anmerkt. Eine richtige Ermittlung findet nicht statt, es dreht sich alles um den Strafprozess und die Verteidigung des Täters. Obwohl dieser schweigt und sich sogar weigert, mit seinem Anwalt über die Tat zu sprechen, ist dieser bemüht, ihm die bestmögliche Verteidigung zu bieten sowie die niedrigste Verurteilung zu erreichen. Mit Hilfe seines Freundes, der eine Detektei hat, sowie in Gesprächen unter anderen mit dem Rechtsmediziner Dr. Jarmer versucht er, herauszufinden, welches Motiv der Tat zugrundeliegt. Ich fand das Buch spannend, die Story nachvollziehbar und die Wendungen schlüssig sowie realitätsnah. Bemängeln möchte ich hier lediglich manche Dialoge zwischen den Beteiligten; diese waren teilweise hölzern, seltsam holprig und fast plastisch. Das hat mir nicht gefallen, weil es so gar nicht zum restlichen Schreibstil passte und mich irritierte. Ansonsten ist es ein lesenswerter und außergewöhnlicher Justizkrimi, der mir tolle Lesestunden beschert hat. Von mir gibt es 4 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 17.08.2026

Das Dorfleben

Mirabellentage
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Der Ortspfarrer Josef ist tot, er starb plötzlich und unerwartet, Mitten in der Nacht verließ er die Welt. Seine Haushälterin Anna hat keine Zeit zum Trauern, vieles muss organisiert werden und ein neuer ...

Der Ortspfarrer Josef ist tot, er starb plötzlich und unerwartet, Mitten in der Nacht verließ er die Welt. Seine Haushälterin Anna hat keine Zeit zum Trauern, vieles muss organisiert werden und ein neuer Pfarrer ist bereits auf dem Weg. Dazu muss die Asche von Josef unbemerkt aus dem Ort geschmuggelt werden, schließlich wollte dieser eine Beerdigung am Meer. Seine Haushälterin versprach ihm eine Seebestattung, aber wie die Reise zu bewerkstelligen ist mit ihrem Mofa, das weiß sie noch nicht. Wie gut, dass in der Garage der Mercedes des Pfarrers steht, allerdings sind die Fahrstunden Jahrzehnte her und Gelegenheit zum Fahren gab es seither nicht. Es folgen Reisevorbereitungen, die - genauso wie die Fahrt - unterbrochen werden von Erinnerungen und Anekdoten, das Dorf und seine Menschen betreffend.

»Er war ja gerade mal siebenundfünfzig. Außerdem hat er in letzter Zeit sogar ab und an Sport gemacht, also, wenn man Spazierengehen mit Skistöcken so nennen will.« (Seite 24)

Vor einer Weile konnte mich die Autorin mit ihrem Debütroman »Mühlensommer« restlos begeistern, nun war ich sehr gespannt auf das Nachfolgewerk. Auch im vorliegenden Buch gibt es Zeitsprünge, die Erinnerungen an vergangene Zeiten nehmen viel Raum ein, dazu kommt ein Humor, der die Geschichte auflockert. Tatsächlich habe ich letzteres nicht erwartet, bin nämlich kein Fan von lustigen Büchern. Dennoch kann ich sagen, dass ich angenehm überrascht darüber bin, wie gut der Humor zur Geschichte passte. Eine Erzählung über das Dorfleben, die Menschen, Freundschaft und dass man seine Träume ausleben soll. Ich empfehle Taschentücher, da man Tränen lachen wird. Viel Spaß dabei!

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Veröffentlicht am 03.08.2026

Hat mir gefallen

Drei Frauen
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Drei Frauen leben unter einem Dach, Großmutter, Mutter und Tochter, die auch Enkelin ist. Die sechzigjährige Gesuina pfeift auf ihr Alter und auf die Konventionen, solange sie lebt, will sie das Leben ...

Drei Frauen leben unter einem Dach, Großmutter, Mutter und Tochter, die auch Enkelin ist. Die sechzigjährige Gesuina pfeift auf ihr Alter und auf die Konventionen, solange sie lebt, will sie das Leben genießen und dabei nicht prüde sein. Ihre Tochter Maria liebt Bücher, in der Literatur fühlt sie sich wohl. Ihren Freund sieht sie nur alle paar Monate, wenn sie gemeinsam in den Urlaub fahren, ansonsten schreiben sie sich Briefe, ganz altmodisch mit der Hand. Ganz anders Lori, Tochter und Enkelin, die noch zur Schule geht und rebelliert. Das Zusammenleben bekommt erste Risse, als ein Mann die Bühne betritt.

»Der lächerliche Franzose ist da, der bei näherem Hinsehen gar nicht so lächerlich wirkt, mon amour sieht richtig gut aus und Mama umschwärmt ihn, ist über beide Ohren verliebt.« (Seite 53)

Ein Jahr und einen Monat lang habe ich die drei Frauen begleitet, jede von ihnen hatte viel zu berichten, ein paar Überschneidungen gehörten dazu. Es war interessant, wie unterschiedlich gleiche Situationen interpretiert wurden, einem Voyeur gleich hörte ich bei allen dreien fasziniert hin. Die Kapitel sind mit dem jeweiligen Datum versehen, aber wer gerade erzählte, kristallisierte sich erst beim Lesen heraus. Die Großmutter nutzte dafür ein Diktiergerät, die Tochter wählte die Briefform und die Enkelin das gute alte Tagebuch. Eine ungewöhnliche Geschichte, die mich amüsiert und gut unterhalten hat, bis ein Verrat zur Tragödie führte und das Drama seinen Lauf nahm. Nah am Leben und schmerzhaft, drei Generationen und ich mittendrin. Gerne schaue ich mir nun weitere Bücher der mir bisher unbekannten Autorin an.

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