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Veröffentlicht am 03.04.2018

Die olympischen Götter von der Leine gelassen

Die Chaos-Götter 1: Die Götter sind los
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Wer die Götter des griechischen Pantheon vorher nicht gekannt hat, lernt die Olympier in diesem turbulenten Jugendbuch von ihrer menschlichsten Seite kennen: Denn sie stehen einem sympathischen Jungen ...

Wer die Götter des griechischen Pantheon vorher nicht gekannt hat, lernt die Olympier in diesem turbulenten Jugendbuch von ihrer menschlichsten Seite kennen: Denn sie stehen einem sympathischen Jungen zur Seite, der eigentlich nur seiner kranken Mum helfen will, aber schließlich nichts weniger als die Welt retten muss.

Elliot Hooper ist ein Zwölfjähriger mit außerordentlichen Problemen: Seine Mum ist dement, sein Vater unbekannt, der Familienhof verschuldet, sein Lehrer Mr Boil so ungerecht, wie nur die schlimmsten Lehrer sein können, und dann fällt auch noch das Sternbild Virgo vom Himmel und verwickelt Elliot in das rasanteste Abenteuer. Gemeinsam mit Virgo befreit er versehentlich Thanatos, den Widersacher der olympischen Götter, der sogleich seinen Weltenzerstörungsplan wieder aufnimmt und sich an Zeus rächen will. Elliot, Virgo und Zeus‘ engste Familie eilen nun durch die Handlung, um Thanatos und seinem irren Bruder Hypnos immer einen geflügelten Schritt voraus zu sein. Dabei enthüllt sich andeutungsweise, dass Elliot von einem tiefen Geheimnis umgeben ist, das ihn zur Schlüsselfigur im Kampf der Götter gegen die Dämonen bestimmt hat. Keine Frage - Elliot und seine göttliche Rasselbande schaffen es in diesem ersten Teil, Thanatos‘ Pläne zu durchkreuzen, und man darf gespannt sein, wie die Geschichte in folgenden Bänden weitergeht.

Maz Evans gelingt es, die antiken Götter mit wahrhaft homerischem Gelächter auszustatten und mit vielen kleinen und großen Einfällen eine fantastische und fantasievolle Geschichte zu erzählen. Die naive Neugier, mit der Virgo die Welt der Sterblichen erkundet, wartet mit den entzückendsten Entdeckungen auf; Hermes als tuntiger Modegott sorgt für anhaltende gute Laune; Zeus als sorgloser Lebemann sowie seine immerfort zankenden Töchter Aphrodite und Athene haben ständig tolldreiste Einfälle; und Hephaistos ist der wahre McGywer unter den Olympiern. Aber auch die Menschen haben ihre herausragenden Köpfe: Die Queen von England rockt den Buckingham Palace, als Hypnos seine Tricks versucht, während die verschlagene Nachbarin Mrs Porshley-Plum sich als weitere, ernstzunehmende Widersacherin beweist.

Dass zum Ende hin die Handlung holterdiepolter ein wenig durcheinander gerät und der Klamauk womöglich zu schrill durch die Seiten zwischen den als Blickfänger gestalteten Buchdeckeln gellt, verzeiht man der bunten Erzähllust der Autorin gern. Auch angesichts solcher Sätze wie dieser:
„Es blieb ein ewiges Rätsel, ob Hypnos blinzeln konnte oder nicht, weil niemand die Augen lange genug aufhalten konnte, um ihm auf die Schliche zu kommen.“ (S. 197)

„Ein Unsterblicher, der seine kardia verliert, kann sterben! Er kann getötet - oder noch schlimmer - Buchhalter werden!“ (S. 57)

„Die Götter sind los“ sind ein witziges, geistreiches Abenteuer nicht nur für junge Leser oder Leser, die vom Lateinunterricht gezeichnet sind, sondern für alle, die einen sympathischen Helden und seine göttliche Rasselbande beim Retten der Welt begleiten wollen.

Veröffentlicht am 03.04.2018

Urlaubskabarett der farbechten Klischees

In der ersten Reihe sieht man Meer
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Alexander Klein hat einen echten Trip vor sich: Er verreist mit Frau und Kindern sowie seinen Eltern mit dem Auto nach Italien, wie früher in der 80ern, als die Blechkolonnen anfingen, die Passstraßen ...

Alexander Klein hat einen echten Trip vor sich: Er verreist mit Frau und Kindern sowie seinen Eltern mit dem Auto nach Italien, wie früher in der 80ern, als die Blechkolonnen anfingen, die Passstraßen Richtung Adria zu verstopfen. Doch es kommt anders, als er denkt: Beseelt vom italienischen Rotwein träumt er sich zurück in die 80er Jahre, in einen dieser berüchtigten Urlaube. Er ist wieder 14 Jahre alt, pummelig und pickelig – aber er hat die Erinnerung an die seitdem vergangenen dreißig Jahre noch. Das ist ein gelungener Kunstgriff, um aus der Diskrepanz der Lebenswelt der 1980er, in denen es noch keine UV-Licht-Panik gab, keine Political Correctness oder Latte Macchiato an jeder Bude in Wuppertal, humoristisches Kapital zu schlagen.
Was auch immer die Familie Klein im „traumhaften“ Italienurlaub erlebt – es ist witzig gebrochen durch die Kommentare und erschrockenen Bewertungen des träumenden Alex. Kapitelweise tanzen die Klischees des deutschen Massentourismus durch die Szenerie. Sie wirken frischer als ihr Ruf. Überhaupt gelingt den Autoren ein lustiges, frisches, buntes Buch mit Herz und Witz, obwohl die Klischees abgegriffen und häufig benutzt sind. Die Familie Klein benimmt sich wie der leibhaftige Furor Teutonicus im Bermudahemd, erlebt Familien- und Strandabenteuer und freundet sich schließlich – Alex' weltmännische Erfahrung als Werbefachmann sei Dank – mit der Familie Berlusconi an, deren Kiosk auf den Geschmack der deutschen Touristen abgestimmt wird. Die immer wieder glutvoll durchs Bild gleitende Tante Maria ist ein weiterer gelungener Regieeinfall des Autorenduos.
Der Roman ist ein leichtes Spiel mit Vorurteilen und Klischees, die mit wenigen Ausnahmen nicht wie wiedererweckte Mumien wirken, sondern den Leser immer wieder mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontieren. Wer auch noch eigene Erinnerungen an vergleichbare Italienfahrten hat, dürfte umso mehr auf seine Kosten kommen. Insgesamt 3,5 Sterne, die sich auf vier aufplustern, weil gerade Urlaubszeit ist.

Veröffentlicht am 03.04.2018

Was gehen euch meine Lumpen an?

Wer ist B. Traven?
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Wie ist es, mit Humphrey Bogart am Set von „Der Schatz der Sierra Madre“ Drambuie zu schlürfen und Hollywood-Gerüchte auszutauschen? Wie unheimlich ist es, einem belesenen Zwergen von ungarischem Adel ...

Wie ist es, mit Humphrey Bogart am Set von „Der Schatz der Sierra Madre“ Drambuie zu schlürfen und Hollywood-Gerüchte auszutauschen? Wie unheimlich ist es, einem belesenen Zwergen von ungarischem Adel durch das kriegszerstörte Wien zu folgen, um eine geheime Bibliothek aufzustöbern? Schon einmal von einem mexikanischen Luchador vermöbelt worden oder in einer finsteren Maya-Höhle verschwunden, wo die letzte Stunde schlägt?
Diese Abenteuer lassen sich in Torsten Seifferts Roman „Wer ist B. Traven?“ erleben, in dem sich der Journalist Leon Borenstein auf die Suche nach dem mysteriösen Schriftsteller B. Traven macht, dessen Leben so abenteuerlich gewesen zu sein scheint wie seine Bücher und dessen Pseudonym bis heute ein Mysterium ist, das nicht letztgültig aufgeklärt wurde. „Was gehen euch meine Lumpen an“, singt das „Tanzlied des Totenschiffs“. Man muss B. Travens Texte gar nicht kennen, um sich in dessen „Totenschiff“, den „Schatz der Sierra Madre“ oder die „Brücke im Dschungel“ zu vernarren. Anschließend will man sie lesen.
Seifert ist ein starkes Buch gelungen, das nicht der Marotte verfällt, unbedingt alle Informationen zu liefern, die sich aus der Autorenrecherche ergeben haben, sondern locker und leicht Hintergründe und Schauplätze verbindet und mit einem romantischen Schleier versieht.

Veröffentlicht am 03.04.2018

Afghanistan (Horror) Picture Show

Afghanistan Picture Show oder Wie ich die Welt rettete
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Vollmann beschreibt „eine Geschichte von einem, der auszog, die Welt zu retten, und den Notleidenden zur Last fiel“: wie er als 23-Jähriger in das von den Russen besetzte Afghanistan reiste um in Erfahrung ...

Vollmann beschreibt „eine Geschichte von einem, der auszog, die Welt zu retten, und den Notleidenden zur Last fiel“: wie er als 23-Jähriger in das von den Russen besetzte Afghanistan reiste um in Erfahrung zu bringen, was die Muschaheddin benötigen, um sich in ihrem Elend selbst zu helfen. Die Antwort: Waffen. Die kann der „Junge Mann“ ihnen nicht geben, wie er überhaupt nicht helfen kann. Um die Flüchtlingslager macht er lange einen großen Bogen, in den Interviews kratzt er an der Oberfläche, fast die ganze Zeit bleibt er in Pakistan, weil ihm die beschwerliche Einreise nach Afghanistan nicht gelingt. Als sie ihm gelingt, ist sein Ausflug ein peinliches Fiasko.
Vollmann ist ein Profi im Erzählen. Er nutzt die schonungslose Naivität des „Jungen Mannes“, also seiner selbst, um dem Leser stets einen noch dümmeren Spiegel vorzuhalten. Seine Fehltritte, Unhöflichkeiten, Unwissenheiten, hoffnungslos verkopften Vorstellungen von der Welt sind auch Mittel zum Zweck des Erzählens: Der Leser lernt dabei viel über die Mentalität der Afghanen und Pakistani, über die überkommenen Stammesstrukturen, den mittelalterlichen Islam und die archaischen Traditionen, die es dem Westen so schwer machen, in Afghanistan verlässliche Verbündete zu finden. Vollmanns Chronik des Scheiterns als jugendlicher Weltverbesserer ist ein Buch zum Weiterdenken, zum Nachgrübeln und zum Fragenstellen. Bedenkend, dass Vollmann zu einer Zeit in Afghanistan war, zu der die CIA gerade erst anfing Mudschaheddin zu Kämpfern gegen den Kommunismus auszubilden, etwa Osama bin Laden, hätte man sich gewünscht, dass viele Außenpolitiker dieses Buch aufmerksam gelesen hätten, ehe sie sich am Hindukusch militärisch einmischten. Oft war in bei der Lektüre auch an den Film „Charlie Wilson’s War“ erinnert, der einen erfolgreicheren naiven Helfer der Mudschaheddin ebenfalls am End escheitern lässt.
Schwierig zu lesen ist Vollmanns literarische Reportage, weil er seine Erfahrungen vor, in und nach seiner Reise verschränkt mit anderen persönlichen Erfahrungen („Alaska“), und hier ist der Fokus auf ihn als Person bisweilen bemüht.
Wer wissen will, warum Europas Freiheitskampf am Hindukusch nur mit den Mitteln der Zivilisation erfolgreich sein kann, er lese unbedingt Vollmanns „Afghanistan Picture Show“.

Veröffentlicht am 03.04.2018

Kriminelle im Surferparadies

Kings of Cool
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Old guys rule – das steht nicht nur auf dem T-Shirt eines alten Knackers, der Chon, Ben und O die Tour vermasseln will, sondern es steht auch für ein System, das die Drei zum kotzen finden. Sie wollen ...

Old guys rule – das steht nicht nur auf dem T-Shirt eines alten Knackers, der Chon, Ben und O die Tour vermasseln will, sondern es steht auch für ein System, das die Drei zum kotzen finden. Sie wollen nur astreines Dope anbauen und sich nicht mit den gemeingefährlichen Rauschgiftfuzzis einlassen, nicht mit den korrupten Cops, den Dealern, den Schmugglern und den großen Ganoven. Aber diese alten Kerle gönnen den drei gutaussehenden, sonnengebräunten kalifornischen Selbständigen im Marihuanageschäft den Profit nicht, obwohl er ein Witz ist im Vergleich zum großen Geschäft mit den harten Sachen. Ben, Chon und O sind aber nicht nur Gärtner THC-haltiger Grünpflanzen, sondern sie sind auch noch modern, knallhart und – cool. Und deshalb setzen sie sich zur Wehr, um sich nicht aus dem Geschäft drängen zu lassen. Was sie nicht wissen: Die alten Kerle sind nicht nur irgendwelche Kriminellen, sie sind mit ihrer eigenen Familiengeschichte, mit der Geschichte ihrer Eltern verbunden.

Don Winslows „Kings of Cool“ ist rasant, wendungsreich, witzig und cool. Die Sprache ist ein cineastischer Genuss, der Plot nicht an allen Stellen vorhersehbar, ohne dass uns die Geschichte auf nervtötende Weise notwendige Details vorenthält (was eine wohltuende Abwechslung zum zeitgenössischen Krimikram ist) und die drei Start-up-Botaniker lassen uns den krassen Kontrast von Surferparadies und Gewalt erleben. Dass Winslows Roman in seinem kalifornischen Kriminalkosmos spielt und alle Figuren auch in anderen Romanen die Handlung bestreiten, ist ein weiteres Plus. „Kings of Cool“ macht Spaß!