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Veröffentlicht am 23.04.2018

Auf der Suche nach der eigenen Geschichte

Das Glück kurz hinter Graceland
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Cory Ainsworth ist Sängerin und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Als sie im alten Schuppen ihrer Eltern den Blackhawk, das legendäre Auto von Elvis Presley, entdeckt, ist das für sie ...

Cory Ainsworth ist Sängerin und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Als sie im alten Schuppen ihrer Eltern den Blackhawk, das legendäre Auto von Elvis Presley, entdeckt, ist das für sie der Beweis: Elvis muss ihr biologischer Vater sein! Vor Corys Geburt war ihre Mutter Backgroundsängerin bei Elvis und kehrte nach einem Jahr Abwesenheit reumütig in ihre Heimatstadt zurück, wo sie dann ihre Jugendliebe heiratete und nach 7 Monaten Schwangerschaft Cory zur Welt brachte. Kurzentschlossen startet Cory mit dem legendären Blackhawk auf eine Reise in die Vergangenheit und erfährt vieles über ihre Mutter und die Zeit in Tennessee.

Ich mochte Cory von der ersten Zeile dieses Romans an sehr. Sie ist sich bewusst, dass ihre Leistung im Leben bisher eher wenig aufsehenerregend ist. Als ihr zufällig der Blackhawk in die Hände fällt und sie sich auf diesen Roadtrip der besonderen Art macht, fand ich das sehr amüsant und unterhaltend. Auch die fiktive Geschichte rund um Elvis und das Treiben in Graceland hat mich amüsiert, aber auch ein bisschen wehmütig gemacht, weil man immer wusste, dass es die letzten Tage im Leben des King sind, von denen hier erzählt wird. Auch wenn man sich bewusst ist, dass es nur ausgedacht ist, konnte ich mir die ganze Entourage rund um Elvis sehr gut vorstellen. Das „Was wäre wenn“, das über dem ganzen Buch liegt, fand ich wirklich sehr spannend.

Ich mochte auch, wie die Geschichte einmal aus Corys Sicht im Heute und einmal aus der Sicht ihrer Mutter in 1977 erzählt wird. Man bekam einen guten Eindruck von beiden Reisen und ist dabei, als Cory die ungewöhnliche und spannende Vergangenheit ihrer Mutter aufdeckt und dabei auch einige Weggefährten von einst aufspürt, aber auch sehr viel über sich selbst erfährt.

Eine tolle Reise einer Tochter auf den Spuren ihrer Mutter, bei der ich Cory sehr gerne begleitet habe.

Veröffentlicht am 21.04.2018

Ein altes Geheimnis

Das letzte Ritual
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Der deutsche Student Harald Guntlieb wird in der Universität von Reykjavik ermordet aufgefunden, seine Leiche wurde übel zugerichtet. Ein Täter wurde gefasst, doch Haralds Eltern misstrauen den Ermittlungen ...

Der deutsche Student Harald Guntlieb wird in der Universität von Reykjavik ermordet aufgefunden, seine Leiche wurde übel zugerichtet. Ein Täter wurde gefasst, doch Haralds Eltern misstrauen den Ermittlungen und bitten die Anwältin Dora Gudmundsdottir, in dem Fall zu ermitteln. Zusammen mit Matthias Reich, einem deutschen Anwalt, der für die Familie Guntlieb arbeitet, taucht sie ein in Haralds Welt voller Hexenkult und alten Dokumenten über die Hexenverfolgung in Europa. Wurde Harald das Opfer seiner eigenen okkulten Spielchen?

Das Thema des Krimis ist mal ein ganz anderes. Haralds Thema seiner Doktorarbeit ist die Hexenverfolgung in Deutschland und Island im Mittelalter. Er war besessen von diesem Thema und macht sich in Island auf die Suche nach alten Dokumenten. Dora und Matthias folgen einer Spur nach einem alten Buch, von dem Haralds Freunde glauben, dass er es gefunden hat. Die Arbeit von Dora und Matthias hat mir Spaß gemacht, weil die beiden zunächst wie Hund und Katze sind, sich dann aber zusammenraufen. Ihre Gespräche haben mir immer sehr viel Spaß gemacht. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, mehr Bücher zu lesen, in denen die beiden Fälle lösen, aber das wird sicher nicht passieren, denn sie kamen ja nur aufgrund der Umstände zusammen, um an diesem Mordfall zu arbeiten. Schade eigentlich.

Yrsa Sigurdardottir mag ich sehr durch ihre letzten Krimis „DNA“ und „SOG“, bei denen mich ihr Schreibstil schon fasziniert und begeistert hat. Doch auch dieser alte (und ich glaube auch erste) Roman von ihr braucht sich dahinter nicht verstecken.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Das Thema ist schwer verdaulich, aber auch faszinierend. Es bietet sich wohl kein Land mehr für diese Art des Hexenkultes an als Island. Guter Krimi mit einigen faszinierenden Charakteren. Ich ahnte zwar früh, wer hinter dem Mord steckt, trotzdem überraschte mich die komplette Aufklärung des Falls.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Ein Verbrechen

Der Augenblick
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Es ist ein schöner Tag, an dem eine Mutter mit ihren Baby spazieren geht. Total erschöpft schläft sie an einem Weg ein. Als sie wieder aufwacht, ist der kleine Marcel aus dem Kinderwagen verschwunden. ...

Es ist ein schöner Tag, an dem eine Mutter mit ihren Baby spazieren geht. Total erschöpft schläft sie an einem Weg ein. Als sie wieder aufwacht, ist der kleine Marcel aus dem Kinderwagen verschwunden. Nach einer groß angelegten Suche wird das Kind zwei Tage später tot aufgefunden. Die Ermittlungen werden nach einem Jahr ergebnislos eingestellt, bis sich plötzlich eine Frau bei der Polizei stellt, die das Verbrechen zugibt. Was treibt eine Frau dazu, ein solches Verbrechen zu begehen? In einer Studie soll diese Frage beantwortet werden.

Wir alle kennen das: Die Bilder eines schlimmen Verbrechens, bei dem man sich direkt fragt, wie der Täter zu so etwas fähig sein konnte. In diesem Buch wird das Verbrechen nicht von der „normalen“ Ermittlerseite erzählt, sondern lässt den Leser tief eintauchen in die Welt der Mörderin. Kann man verstehen, was eine Frau dazu treibt, ein fremdes Kind zu töten? Die Therapiesitzungen, wie sie im Buch geschildert werden, werfen ein neues Licht auf die Frau und bringen den Leser dazu, sich ganz in ihre Welt und ihre Sicht auf die Dinge einzulassen. Auch wenn man es nicht will, ist man berührt von den Schilderungen.

Irene Matt gelingt es, ein Verbrechen auf eine ungewöhnliche Weise zu erzählen. Das Buch ist spannend, auch wenn es kein klassischer Krimi ist. Hier ist die Täterin von Anfang an bekannt und ihre Tat lange unverständlich. Der Blick auf die Schicksale der Teilnehmer an den Gesprächssitzungen und die tiefen Einblicke in ihre Psyche machen nachdenklich und bringen immer wieder die Frage nach dem Verständnis für die Tat und die Handlungsweise der Täter auf.

Ein ungewöhnlich erzählter Krimi, der einen auch nach dem Lesen noch beschäftigt.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Die Sache mit der Zeit

Wie man die Zeit anhält
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Tom Hazard ist Anfang 40, zumindest sieht er so aus, denn in Wahrheit ist er schon über 400 Jahre alt. Durch einen Gendefekt altert er langsamer als andere Menschen, was ihn immer wieder in Gefahr bringt, ...

Tom Hazard ist Anfang 40, zumindest sieht er so aus, denn in Wahrheit ist er schon über 400 Jahre alt. Durch einen Gendefekt altert er langsamer als andere Menschen, was ihn immer wieder in Gefahr bringt, wenn er sich zu lange an einem Ort aufhält. In der Gegenwart lebt er in London und ist Geschichtslehrer – was läge näher, hat er doch viele der Ereignisse, die er seinen Schülern näherbringt, selbst miterlebt. Und er gerät in Gefahr, denn seine Kollegin Camille, Französischlehrerin an seiner Schule, bringt einen Grundsatz ins Wanken: Verliebe dich nie.

Es ist spannend, Tom in seinem jetzigen und den früheren Leben zu begleiten. In Rückblenden erzählt er von seinem Leben und den aus der Geschichte bekannten Personen, denen er begegnet ist. Und er erzählt von seiner einzigen großen Liebe Rose, mit der er eine Tochter hat, die seinen Gendefekt geerbt hat und nach der er auf der Suche ist. Nach und nach wird dem Leser klar, wie gefährlich es für Menschen wie Tom war, wenn sie in Verdacht gerieten, mit dem Teufel im Bunde zu sein, da den Nachbarn auffiel, dass er nicht altert … aber auch, wie einsam so ein Leben sein kann, in dem man sich nicht binden darf, weil der Partner altert, während man selbst immer noch jung aussieht.

Doch jetzt verliebt sich Tom in Camille und sie beide geraten in Gefahr. Es gibt eine Gesellschaft, die verhindern will, dass ihre „Krankheit“ ans Licht gezerrt wird, und die alles dafür tut, um es zu verhindern.

Ich habe Tom gerne durch sein langes Leben begleitet, auch wenn mir viele der Erzählungen aus der Vergangenheit etwas zu langatmig waren und auch unnötig erschienen. Hier ging es oft nur darum, dem Leser bekannte Persönlichkeiten aus einer gewissen Epoche nahezubringen, was der Roman aber – meiner Meinung nach – nicht gebraucht hat.

Das Buch ist sehr berührend und schön zu lesen, allerdings hätte ich lieber mehr Zeit mit Tom im Heute verbracht und dabei viel mehr über seine beginnende Beziehung mit Camille erfahren … auch wenn diese Art der Geschichtsstunde, die Toms Leben ist, besonders und lehrreich war!

Veröffentlicht am 15.04.2018

Ein Roman, zwei Geschichten

Die Morde von Pye Hall
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Als die Lektorin Susan Ryeland das neueste Manuskript des Autors Alan Conway bekommt, freut sie sich auf eine neue spannende Geschichte mit dem Detektiv Atticus Pünd. In dem Manuskript muss Pünd die Morde ...

Als die Lektorin Susan Ryeland das neueste Manuskript des Autors Alan Conway bekommt, freut sie sich auf eine neue spannende Geschichte mit dem Detektiv Atticus Pünd. In dem Manuskript muss Pünd die Morde von Pye Hall aufklären. Doch zu Susans Erstaunen fehlen die letzten Kapitel und damit die Aufklärung der Morde. Da der Autor verschwunden ist und alle von einem Selbstmord ausgehen, macht sich Susan selbst auf, um zum einen das Manuskript zu vervollständigen und damit die Morde von Pye Hall aufzuklären und zum anderen das Verschwinden des Autors aufzuklären.

Das Buch ist so aufgebaut, dass der Leser zunächst durch Susan über das Manuskript und den Autor aufgeklärt wird, bevor die Geschichte der Morde von Pye Hall beginnt. Hier lesen wir das Manuskript, wie Alan Conway es abgeliefert hat. Bis etwa zur Hälfte des Buches bleiben wir in der fiktiven Geschichte, bevor wir wieder zurück zu Susan in die Realität zurückkehren und ihrer weiteren Geschichte lauschen. Das Buch ist toll aufgebaut und verwebt geschickt die beiden Kriminalfälle, wobei ich das Manuskript und damit den ersten Teil des Buches etwas mühsam zu lesen fand, obwohl es durchaus unterhaltend und wie ein alter Hercule Poirot-Film daherkommt. Das kleine englische Dorf und die verschiedenen Bewohner, von denen viele ein Motiv haben, sind spannend gezeichnet und lassen viel Raum für Spekulationen.

Insgesamt hat mich der Erzählstil fasziniert und die Geschichte in der Geschichte begeisterte mich. Die Aufklärung des aktuellen Falles und auch die Aufklärung der Morde aus dem Manuskript sind geschickt miteinander verwoben und spannend erzählt. Auch wenn ich das Buch insgesamt etwas zu ausführlich fand, hat mich die Geschichte rund um die Morde von Pye Hall gut unterhalten.