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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2018

Ein Leben nach der Diagnose

Dopamin - Das Buch / Parkinson - nie mehr allein!
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Immer mehr Menschen erkranken an Parkinson, zum Teil schon mit 40 Jahren oder jünger. Was macht die Krankheit mit der erkrankten Person? Wie reagieren Familienangehörige, Freunde und Arbeitgeber? Mit welchen ...

Immer mehr Menschen erkranken an Parkinson, zum Teil schon mit 40 Jahren oder jünger. Was macht die Krankheit mit der erkrankten Person? Wie reagieren Familienangehörige, Freunde und Arbeitgeber? Mit welchen Einschränkungen muss man rechnen?

In diesem Buch berichten mehr als 30 Betroffene über ihre Erfahrungen und ihren Umgang mit der Krankheit. Es sind viele Menschen dabei, die schon in jungen Jahren die niederschmetternde Diagnose „Parkinson“ hören mussten. Auch Angehörige berichten über die Veränderung des Erkrankten und über ihre Sorgen.

Es geht um ganz alltägliche Themen, wie Arbeit und Freizeit, Hoffnungen und Ängste, oder Einschränkungen und Mobilität. Viele versuchen ihre Krankheit zunächst zu verbergen, aber auf Dauer spüren sie wie ihnen die Kraft ausgeht, bei dem Versuch mit diesem großen Geheimnis zu leben. Jede Bewegung fällt schwerer, und am Ende des Tages ist die Müdigkeit teilweise unerträglich. Dazu kommen bei vielen schlaflose Nächte.

Aber die Autoren dieses Buchs berichten nicht nur von ihren Schwierigkeiten. Die Krankheit malt ihnen die Kürze des Lebens vor Augen, und sie beginnen bewusster zu leben. Viele entdecken neue oder verborgene Gaben. Andere wollen sich durch die Krankheit nicht davon abhalten lassen Träume und Ziele zu erreichen. Manche entdecken eine neue Sportart, die ihnen hilft mit weniger Beschwerden zu leben.

Dieses Buch ist eine Fundgrube voller Erfahrungen für Parkinson-Erkrankte und ihre Angehörigen, aber auch für Menschen, die beruflich mit der Krankheit zu tun haben. Authentisch und Mut machend!

Veröffentlicht am 01.05.2018

Todesangst im schaurigen November

Kluftinger
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Es ist Allerheiligen, und in diesem Jahr nimmt der stolze Großvater, Klufti, sein geliebtes Enkelkind mit zum Gedenken der Toten. Auf dem Friedhof trifft er viele Bekannte, und dann entdeckt er etwas völlig ...

Es ist Allerheiligen, und in diesem Jahr nimmt der stolze Großvater, Klufti, sein geliebtes Enkelkind mit zum Gedenken der Toten. Auf dem Friedhof trifft er viele Bekannte, und dann entdeckt er etwas völlig Unerwartetes. An einem frischen Grab ist ein Kreuz mit seinem Namen zu finden.

Mit Hilfe seiner Kollegen sucht Kommissar Kluftinger nach Hinweisen auf den Beweggrund des Täters. Denn es bleibt nicht beim Kreuz. Eine Anzeige in der Zeitung weist auf seinen Tod hin, und in der Kirche liegen Sterbebildchen aus. Klufti fühlt sich bedroht. Er spürt, dass es um seine Vergangenheit geht. Der Täter nimmt Bezug auf zwei Episoden aus Kluftis Vergangenheit. Er hat sich wohl mit seiner Arbeit einen Feind gemacht. Aber wer ist es, und kann er ihn überführen bevor er ihm zum Opfer fällt?

Neben Kluftis angefülltem Leben, mit seiner Freude über seine Frau und Enkelkind, seine Sorge um seinen geliebten Passat, der Arbeit im Polizeipräsidium und seinen Freundschaften im Ort, erfährt der Leser in diesem Buch viel aus seiner Vergangenheit. In einzelnen Rückblenden geht es vor allem um den Heranwachsenden Berti, der zusammen mit seinen Freunden etwas Schreckliches erlebt, und um den jungen Polizisten, der wegen seiner aufrechten Arbeitsweise befördert wird.

Auch wenn manche Passagen etwas ausgedehnt sind, und das ständige Fluchen stört, macht es Spaß diesen kriminalistischen Heimatroman zu lesen. Der Humor und das gut vermittelte bayerische Lebensgefühl machen den besonderen Reiz dieses Buchs aus. Die Szenen aus dem Alltag Kluftis, vor allem seine Erlebnisse mit dem geliebten Enkelkind und seinem neuen Freund, Hund Wittgenstein, machen ihn sympathisch. Umso mehr bangt der Leser mit, denn er war wohl niemals dem Tod so nahe, wie in diesem Buch.

Dieses Buch lässt sich auch ohne Vorkenntnisse aus den anderen Bänden lesen. Ein gutes Buch, um den beliebten Kommissar besser oder erstmals kennenzulernen.

Veröffentlicht am 29.04.2018

Die Grausamkeit des Kriegs

Roter Herbst in Chortitza
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Willi wächst in der Ukraine auf, in dem idyllischen Ort Osterwick. Vor langer Zeit fanden die mennonitischen Bewohner des Orts hier Zuflucht, und ihr tiefer Glaube prägt nun das Zusammenleben.

Der Ukrainer ...

Willi wächst in der Ukraine auf, in dem idyllischen Ort Osterwick. Vor langer Zeit fanden die mennonitischen Bewohner des Orts hier Zuflucht, und ihr tiefer Glaube prägt nun das Zusammenleben.

Der Ukrainer Maxim und sein Vater finden bei der mennonitischen Familie Berger Zuflucht. Ihre Familie wurde von Tschekisten, sowjetische Geheimpolizisten, auseinandergerissen und die anderen Familienmitglieder wurden verschleppt.

Die fast gleichaltrigen Jungen, Willi und Maxim, werden Freunde. Miteinander erleben sie wie die Idylle des Dorfs im Bürgerkrieg immer mehr zerbricht. Gewalt und Hunger sind an der Tagesordnung. Als Maxims Vater die Mutter von Willi verteidigt, kommt er ums Leben. Daraufhin verlässt der noch junge Maxim das Dorf.

Beide Jungen erleben die folgenden, bewegten Jahre der Sowjetunion ganz unterschiedlich. Willi bleibt zunächst im Dorf. Er heiratet und gründet eine Familie. Aber es gibt nur kurze Zeiten des Friedens. Nach dem Bürgerkrieg herrscht der Hunger. Die Bauern werden mit List und Tücke enteignet, die Kirche außer Betrieb gesetzt.

Dann bricht der zweite Weltkrieg herein, und die deutschstämmigen Mennoniten stehen zwischen den Fronten. Zu ihren Überzeugungen gehört Gewaltlosigkeit, aber angesichts ihrer misslichen Lage, fragen sie sich immer wieder ob sie sich zumindest wehren dürfen.

Zuletzt findet Willi mit seiner Familie in Thüringen Zuflucht, aber im Zuge der Repatriierung werden sie nach Sibirien verschleppt, wo sie viele Jahre trotz starker Entbehrungen und verzweifeltem Hunger arbeiten müssen.

Maxim macht im Sowjetregime Karriere. Bewegte ihn anfangs der Wunsch in seiner Position für Gerechtigkeit einzustehen, muss er mehr und mehr von seinen Träumen abrücken, denn ihm wird klar, entweder gehorcht er, oder er verliert sein Leben. Es dauert nicht lange, und er ist nicht mehr als ein Werkzeug des Staats.

Anhand von diesen beiden Lebensläufen erfährt der Leser in dieser spannenden Lektüre viel aus der grausamen Geschichte der Sowjetunion. Willi und seine Familie wachsen dem Leser ans Herz, aber beim Lesen kann man auch nachvollziehen warum Maxim seinen Lebensweg wählt. Die Grausamkeit der Staatspolizei und die schrecklichen Folgen des Hungers werden vor Augen gemalt. Bei Willi und den anderen Mennoniten taucht immer wieder die Frage auf, wo Gott in diesem schrecklichen Geschehen bleibt. Bis zum Schluss hält Willis Familie am Glauben fest, aber in der Geschichte überwiegt die Hoffnungslosigkeit.

Ein spannendes Buch, das auf eine wahre Lebensgeschichte beruht. Schade, dass die Hoffnungslosigkeit überwiegt. Aber es werden auch schreckliche Jahre in der Geschichte der Sowjetunion beschrieben.

Veröffentlicht am 25.04.2018

Wie kann man heute Jesus nachfolgen?

Die Wahrheit in Person
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Am Anfang dieses Buchs geht es um die Wahrheit. Der Autor untersucht die Frage, ob es eine allgemeine Wahrheit gibt, und wo diese zu finden ist. Dabei geht er auf die Denkweise unserer heutigen Zeit ein.

Im ...

Am Anfang dieses Buchs geht es um die Wahrheit. Der Autor untersucht die Frage, ob es eine allgemeine Wahrheit gibt, und wo diese zu finden ist. Dabei geht er auf die Denkweise unserer heutigen Zeit ein.

Im zweiten Teil des Buchs geht es um die Nachfolge. Nachdem der Autor im ersten Teil festgestellt hat, dass die Wahrheit in der Person Jesus zu finden ist, lädt er nun zur Nachfolge ein. Dabei geht er auf die verschiedenen Teile unserer Persönlichkeit ein, unser Denken, unsere Gefühle, unseren Willen, unser Körper und unsere Beziehungen.

Im dritten Teil geht es um die gemeinsame Nachfolge. Wie können wir als christliche Gemeinden Menschen zum Glauben einladen und zur Nachfolge ermutigen? Der vierte Teil ruft den Leser dazu auf, sich in der Gesellschaft für christliche Werte einzusetzen.

Der Autor versteht es den Leser auf eine gedankliche Reise mitzunehmen. Mit passenden Geschichten und Beispielen, gewürzt mit einer Prise Humor, lässt sich das Buch schnell lesen, und man kann die Überlegungen des Autors gut nachvollziehen. Wie er selbst schreibt, haben zwei amerikanische Autoren seine Gedanken geprägt, Dallas Willard und John Ortberg.

Jörg Ahlbrecht ist manchen vielleicht als Mitarbeiter bei Willowcreek Deutschland bekannt. Einige Erfahrungen aus dieser Arbeit ließen auch in das Buch ein. Wie bei der ursprünglichen Willowcreek Gemeinde in Chicago, spürt man Ahlbrechts Liebe zur Ortsgemeinde. Einzelne Menschen, die Jesus nachfolgen, so erklärt er, können als Teil der Ortsgemeinde wichtige Veränderungen in unserer Gesellschaft bewirken.

Entgegen der Beliebigkeit unserer Zeit, zeigt Jörg Ahlbrecht wie wichtig es ist, dass wir ein festes Fundament für unser Leben und unsere Gesellschaft haben. Die Wahrheit ist letztlich eine Person, Jesus, und wenn wir ihm wirklich nachzufolgen, trägt das entscheidend zum Gelingen unseres Lebens bei.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Einmal Indien und zurück

Die Magnolienfrau
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Sabrina wächst bei ihrer Oma auf. Wegen einer Wirbelsäulenverkrümmung, verbringt sie die ersten Lebensjahre starr in einem Gipskorsett. Als sie davon befreit wird, muss sie erst mühsam lernen zu laufen ...

Sabrina wächst bei ihrer Oma auf. Wegen einer Wirbelsäulenverkrümmung, verbringt sie die ersten Lebensjahre starr in einem Gipskorsett. Als sie davon befreit wird, muss sie erst mühsam lernen zu laufen und Berührungen zu ertragen. Ihre Mutter sieht sie nur selten, bis sie mit sieben Jahren die geliebte Oma verlassen muss, um bei ihrer Mutter und ihrem neuen Mann zu leben.

Später geht sie in ein katholisches Internat, und leidet dort unter der strengen Erziehung. Als Erwachsene entschließt sie sich die Welt zu bereisen. Sie verbringt mehrere Jahre in asiatische Länder. Ihren Lebensunterhalt verdient sie mit der Herstellung von Schmuck. Aber obwohl sie sich an den Stränden Thailands sehr wohl fühlt, fehlt etwas in ihrem Leben. Sie entschließt sich nach Indien zu gehen.

Auf einsamen Gebirgswegen, in hinduistischen Klöstern, und bei gastfreundlichen Familien ist Sabrina immer auf der Suche. Sie wandert bis ihre Füße voller Schrunden sind. Sie ist immer wieder in Lebensgefahr, weil sie alleine ist und schwerkrank wird. Sie findet verschiedene Ruhepole in der Geschäftigkeit Indiens. Aber etwas treibt sie immer weiter an.

In einem kleinen Dorf am Rande des Himalajas findet sie ihren Seelenverwandten. Obwohl dieser Mann sich der Askese verschworen hat, und damit auch auf Sex verzichtet, fühlt sich Sabrina schnell bei ihm daheim. Sie entschließt sich selbst hinduistische Priesterin zu werden, damit sie als Jüngerin bei ihm bleiben kann. Aber es gibt in der Umgebung auch Neider. Ist das der Grund, dass sie schließlich unschuldig im Gefängnis landet?

Diese Lebensgeschichte lässt den Leser nicht los. Auch wenn die Autorin Entscheidungen trifft, die nicht so leicht nachzuvollziehen sind, ist es beeindruckend, wie sie sich auf die Lebensweise in Indien einlässt. Sie scheut Entbehrungen nicht, in ihrer stetigen Suche nach der Erfüllung ihrer Sehnsüchte. Dabei beschreibt sie auch ganz offen ihre Zweifel angesichts mancher religiösen Rituale und der Unterdrückung der Frauen in ihrer Umgebung.

An der Seite der Autorin kann der Leser in die exotische, faszinierende Welt Indiens reisen. Dabei sind Seiten des Landes zu sehen, die sich dem Touristen normalerweise nicht erschließen. Spannend geschrieben, leidet der Leser mit der Autorin mit und fragt sich zum Schluss, wie es wohl nach der Freilassung weitergegangen ist.