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Veröffentlicht am 30.07.2018

Wir leben. Das ist die Hauptsache

Die Zeit der Kraniche
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Wir leben. Das ist die Hauptsache (S. 434)

Zum Ende des 2. Weltkrieges werden Gebhard und seine Mutter Heide denunziert und inhaftiert. Wieder steht Freddy mit allen Problemen allein da und muss sich ...

Wir leben. Das ist die Hauptsache (S. 434)

Zum Ende des 2. Weltkrieges werden Gebhard und seine Mutter Heide denunziert und inhaftiert. Wieder steht Freddy mit allen Problemen allein da und muss sich auch noch mit dem „braunen“ Gutsverwalter auseinandersetzen. Zu der Ungewissheit über das Schicksal der beiden kommt auch noch die große Angst vor den Russen. Obwohl bei der Lebensmittelknappheit schon das Überleben aller Bewohner des Gutes nicht einfach ist werden zusätzlich auch noch ausgebombte Familien einquartiert. Dann kommen die ersten Flüchtlingstrecks aus dem Osten, darunter auch Freddys Familie, und auch die Todesmärsche aus Sachsenhausen ziehen am Gut vorbei. Gebhard kommt zum Kriegsende frei, will aber sein Land nicht verlassen. Nachdem er, diesmal von den Russen, erneut verhaftet wird muss Freddy alles zurück lassen, aber ihr gelingt in letzter Minute die Flucht mit ihren Kindern.



Auch der dritte und letzte Teil der Ostpreußen-Saga hat mich von der ersten Seite an sofort wieder komplett in seinen Bann gezogen. Es ist natürlich ein sehr emotionaler Roman, der aufwühlt und nachdenklich macht. Durch dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte hindurch habe ich mit Freddy gehofft, gebangt und mitgefiebert, oft auch mit feuchten Augen.

Freddy, was für eine starke Frau. Trotz Anfeindungen, Unterstellungen und Willkür steht sie immer ihren Mann, kämpft wie eine Löwin für Gebhard und ihre Kinder. Sie hat ein großes Herz und Standesdünkel ist ihr fremd, das Wohlergehen ihrer „Leute“ ist ihr wichtig und sie kümmert sich auch um Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, weil das ihrer Vorstellung von christlicher Nächstenliebe und Menschlichkeit entspricht. Bewundernswert finde ich ihre Kraft, ihren Durchsetzungswillen und vor allem ihr Durchhaltevermögen.

Das, was Freddy in ein paar Jahren ertragen musste, reicht eigentlich für mehrere Leben. Trotzdem zerbricht sie nicht an den Schicksalsschlägen, sondern findet immer einen Weg um weiterzumachen – auch trotz Tränen im Gesicht und gebrochenem Herzen. Sie steht für mich stellvertretend für alle Frauen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben.

Freddys Lebensweg basiert auf der wahren Geschichte der Frederike von Plato.

Vielen Dank an Ulrike Renk für diese großartige Trilogie und an Frederike von Plato für ihr Einverständnis, sie auf einem Stück ihres Lebensweges begleiten zu dürfen.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung – natürlich für alle 3 Teile – mit 5 *****

Veröffentlicht am 07.07.2018

Himmlische Mordsgaudi

Himmelfahrtskommando. Ein Mordsacker-Krimi
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Dieses Buch ist mein erster Mordsacker-Krimi, so dass mir die Vorgeschichte fehlt, was beim Lesen aber nicht störend war.
Klara Himmel hat die zwangsverordnete Landidylle gründlich satt – besteht ihr Tag ...

Dieses Buch ist mein erster Mordsacker-Krimi, so dass mir die Vorgeschichte fehlt, was beim Lesen aber nicht störend war.
Klara Himmel hat die zwangsverordnete Landidylle gründlich satt – besteht ihr Tag doch gerade nur noch aus dem Verarbeiten der Ernteerträge, die ihr Mann Paul körbeweise anschleppt. Sie sehnt sich nach Großstadtmief und Kultur oder eine andere willkommene Abwechslung. Die wittert Klara sogleich, als eine ältere Dame tot am Kaffetisch aufgefunden wird – angeblich hat sie Selbstmord begangen.
Klaras nur oberflächlich verschütteter detektivischer Spürsinn erwacht zum Leben und weckt wieder ungeahnte Energien in ihr. Es beginnt eine amüsante, fantasievolle und höchst unterhaltsame Spurensuche. Klara hat das Talent, sich immer wieder in unmögliche Situationen zu bringen, mitunter auch am Rande der Legalitat, die aber immer herrlich komisch sind.
Die Protagonistin war mir von Anfang an sympathisch. Insbesondere die Dialoge mit ihrem Ehemann Paul haben mich öfter zum Schmunzeln gebracht, kamen sie mir in Teilen doch irgendwie bekannt vor. Auch alle anderen Charaktere sind liebenswert und authentisch beschrieben, so dass ich mir die Handlung auch sehr gut bildlich vorstellen konnte. Bei mehreren Verdächtigen war lange nicht klar, wer als TäterIn in Frage kommt, so dass die Spannung sich auch bis fast zum Schluss halten konnte.

Wer blutige Krimis bevorzugt und sich nicht mit dem Ergebnis des Sauerkirschmassakers zufrieden geben möchte, der sollte die Finger von diesem Buch lassen.
Für Freunde und Freundinnen unblutiger Krimis voller Humor und Situationskomik ist es auf jeden Fall die richtige Wahl. Von mir gibt es natürlich eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 14.06.2018

Die Kraft der Freundschaft

Du und ich und das Meer
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1954 lernen sich Dottie und Mary, beide 8 Jahre alt, in Brighton kennen und beschließen, von nun an Freundinnen auf immer und ewig zu sein. Dottie, ein eher scheues und zurückhaltendes Mädchen, die aufgrund ...

1954 lernen sich Dottie und Mary, beide 8 Jahre alt, in Brighton kennen und beschließen, von nun an Freundinnen auf immer und ewig zu sein. Dottie, ein eher scheues und zurückhaltendes Mädchen, die aufgrund ihrer Figur immer gehänselt wird, und Mary, eine kleines und zierliches Persönchen, da aber bereits jetzt schon ganz genaue Vorstellungen vom Leben hat und sich nichts gefallen lässt. Zwei so grundverschiedene Freundinnen, die vielleicht genau deswegen so gut zueinander passen und sich ergänzen.
Über den Zeitraum von 11 Jahren begleiten wir die beiden Freundinnen. Durch ihre Schul- und Jugendzeit erleben wir ihre Entwicklung und erfahren dabei neben ihrem familiären Umfeld auch ihre Hoffnungen und Träume und sind sogar bei der ersten großen Liebe mit dabei.
Dottie erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht in der Ich-Form; Marys Eindrücke stehen am Ende jedes Kapitels in Form von Tagebucheintragungen. Diese Art der Darstellung hat mir sehr gut gefallen, da dadurch beide „zu Wort“ kommen und ihre eigenen Wahrnehmungen wiedergeben können. Der Schreibstil ist leicht und der Roman lässt sich flüssig lesen. Während der ersten Abschnitte plätschert die Handlung eher so dahin, es gibt immer wieder kleine Höhen und Tiefen, eben die alltäglichen Probleme in Beruf und Familie. Spannend wird es erst, als sich beide verlieben und es zu einem Vertrauensbruch kommt. Doch nicht nur dadurch wird die Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.
„Wir waren uns beide genug“ – dieser Satz von Dottie beschreibt sehr zutreffend diese ganz besondere Freundschaft zwischen ihr und Mary und es wird sich zeigen, wie krisenfest sie ist.
Es ist ein leiser Roman über Freundschaft und Liebe, der berührt und aufwühlt, in dem aber auch der Humor nicht zu kurz kommt, eine Geschichte, die inne halten lässt und zum Nachdenken anregt. Und es ist die Entwicklung von einem zurückhaltenden Mädchen zu einer jungen Frau mit dem Herz am rechten Fleck, die an einem Vertrauensbruch nicht zerbricht sondern daran wächst.

Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung und 5 Sterne

Veröffentlicht am 23.05.2018

Eine kleine Auszeit zum Wegträumen

Die Inselgärtnerin
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Sonjas Leben befindet sich gerade auf Talfahrt – vom untreuen Ehemann getrennt wird ihr nun auch noch ihr Job als Landschaftsarchitektin gekündigt. Als Rettungsanker zum erforderlichen Tapetenwechsel erweist ...

Sonjas Leben befindet sich gerade auf Talfahrt – vom untreuen Ehemann getrennt wird ihr nun auch noch ihr Job als Landschaftsarchitektin gekündigt. Als Rettungsanker zum erforderlichen Tapetenwechsel erweist sich die Erbschaft ihrer nach Florida ausgewanderten Tante Sandra(Sandy) : ein Strandhaus auf Dolphin Island, dessen Verkaufserlös Sonja für ihren beruflichen Neustart nutzen möchte.
Aber es kommt ja irgendwie immer alles ganz anders als geplant. Das Grundstück erweist sich als kleines Stück vom Paradies, die Nachbarschaft als gesellige, offenherzige und hilfsbereite Runde, und dann tauchen auch noch völlig unerwartet Schmetterlinge in Sunnys, wie sich Sonja jetzt nennt, Bauch auf. Wenn das kein Grund zum Bleiben ist! Aber da das dann doch zu einfach wäre gilt es mit Hilfe der neuen Freunde viele Klippen zu umschiffen.

Sonja/Sunny ist eine sehr sympathische Protagonistin, die sich im Laufe der Handlung von der deprimierten grauen Maus zur selbstbewussten ideensprühenden Frau entwickelt. Auch alle anderen Mitwirkenden wirken authentisch und haben ihre eigene kleine Geschichte.
Der Schreibstil ist wunderbar leicht, dabei aber ausdrucksstark, und ich bin durch die Seiten geflogen. Fasziniert haben mich immer wieder die detaillierten Landschaftsbeschreibungen, die eine ganz eigene Atmosphäre hatten. Obwohl ich in Florida bisher nur mit dem Finger auf der Landkarte war kam es mir so vor, als hätte ich auch schon einige Urlaube dort verbracht. Während des Lesens hatte ich „Kopfkino“ und das Gefühl, dabei zu sein, egal ob bei Fahrten quer durch Florida, bei den Sonnenuntergängen oder den Mondscheinnächten am Strand oder beim Planen und Gestalten der faszinierenden Dünengärten. In die Handlung eingeflochten gibt es dann ganz nebenbei auch noch viele Informationen zu artgerechter Delfinhaltung, Umweltschutz und Klimawandel.
Das ist ein Buch zum Seele baumeln lassen, ein Roman zum Wegträumen, Genießen und Wohlfühlen für eine kleine Auszeit oder auch als Sommerlektüre.


Veröffentlicht am 30.04.2018

Sommerroman, der nach Sommer, (Meer)-Salz u. Zitronen duftet

Zwischen dir und mir das Meer
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Nachdem mich „Immer wieder im Sommer“ schon begeistern konnte, war meine Erwartungshaltung an dieses Buch schon recht hoch. Um es gleich vorweg zu nehmen: sie wurde noch übertroffen.


Die bodenständige ...

Nachdem mich „Immer wieder im Sommer“ schon begeistern konnte, war meine Erwartungshaltung an dieses Buch schon recht hoch. Um es gleich vorweg zu nehmen: sie wurde noch übertroffen.


Die bodenständige Lena sowie ihre jüngere Schwester Zoe sind nach dem tödlichen Badeunfall ihrer italienischen Mutter von ihrer Oma aufgezogen worden. Während Lena sich ihrer Familie verpflichtet fühlt und alle eigenen Wünsche immer hinten an stellt zieht es die freiheitsliebende und chaotische Zoe durch die Weltgeschichte.
Zufällig trifft Lena mit dem Italiener Matteo zusammen, der sie sofort fasziniert und über den sie mehr erfahren möchte. So plötzlich wie er aufgetaucht ist verschwindet er auch wieder, lässt aber ein Fotoalbum mit Bildern ihrer Mutter liegen, das Lena in die Hände fällt.
Da Lena sehr wenig über die Vergangenheit ihrer Mutter weiß beschließt sie, auf Spurensuche an die Amalfiküste zu gehen und wird spontan von ihrer Schwester begleitet.

Katharina Herzogs Schreibstil ist leicht und lebendig, so dass ich mir sehr schnell ein Bild über die bzw. von den Figuren machen konnte.

Die Geschichte gliedert sich in 2 Handlungsstränge – einen für Mariella, die Mutter, den anderen für Lena, die Tochter. Auf diese Weise reist man in die Vergangenheit und erfährt eine Menge über Mariellas Jugendzeit und begleitet parallel dazu Lena auf ihrer Reise nach Italien. Beide Erzählstränge ergänzen sich optimal und lassen sich flüssig lesen. Dabei fällt es schwer, das Buch wieder aus der Hand zu lesen, nicht nur wegen der sich anbahnenden wunderschönen Liebesgeschichte, sondern vor allem wegen der persönlichen Entwicklung, die Lena durchlebt. Das Ganze geschieht dann auch noch in der bezaubernden Landschaft der Amalfiküste – Leserherz, was willst du mehr. Und es gibt auch noch zum Ende eine für mich nicht vorhersehbare Überraschung, die den Buchtitel erklärt und mich sehr berührt hat.

Schade, dass es noch keine duftenden Bücher gibt. Dieses würde für mich nach einer Mischung aus Sonne, (Meer-)Salz und Zitronen duften.

Die perfekte Sommer-, Urlaubs-, Wohlfühllektüre