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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.06.2018

Wunderbar erzählter Roman über eine besondere Freundschaft

Ein Pfundskerl namens George
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Colin Campbells Buch über seine Freundschaft zu George, dem riesigen Neufundländer, besticht für mich vor allem durch seine schöne Erzählweise. Colin klingt sehr ehrlich in diesem Buch und scheut sich ...

Colin Campbells Buch über seine Freundschaft zu George, dem riesigen Neufundländer, besticht für mich vor allem durch seine schöne Erzählweise. Colin klingt sehr ehrlich in diesem Buch und scheut sich auch nicht zuzugeben, dass ihn die Trennung von seiner Frau so sehr aus der Bahn geworfen hat, dass er professionelle psychologische Betreuung in Anspruch nehmen musste. Um die Leere in Haus und Herz zu kompensieren, rät ihm ein Freund zu einem Hund. Colin versucht es – und schenkt einem Hund aus schwierigen Verhältnissen eine zweite Chance auf Liebe. Nach einem holprigen Start lernt er, dass die Liebe, die er dem Tier gibt, hundertfach zu ihm zurückkommt, denn George wird zu seinem treuen Gefährten.

Es ist einfach toll zu lesen, wie Colin durch die Aufgabe, George ein Heim zu bieten und ihn zu erziehen, wieder aus seiner Lebenskrise herausfindet. Und es ist noch toller zu lesen, wie George von einem verängstigten Nervenbündel zu einem fröhlichen und unbeschwerten Tier wird, das sich in seiner Haut und seiner Umgebung rundum wohl fühlt. Dass die beiden am Schluss sogar zusammen surfen gehen und an einem Spaß-Surf-Wettbewerb für Hunde teilnehmen, ist noch das i-Tüpfelchen dieses Buches.

Von solchen Geschichten darf es ruhig mehr geben!

Veröffentlicht am 14.06.2018

Wenn’s um die Wurst geht, versteht der Fickel keinen Spaß!

Grillwetter
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Ehrlich gesagt – wenn die berühmte Thüringer Rostbratwurst in Gefahr ist, würde ich auch unter Aufbietung aller Kräfte versuchen, das wohlschmeckende Kulturgut vor der Ausrottung zu retten Deshalb kann ...

Ehrlich gesagt – wenn die berühmte Thüringer Rostbratwurst in Gefahr ist, würde ich auch unter Aufbietung aller Kräfte versuchen, das wohlschmeckende Kulturgut vor der Ausrottung zu retten Deshalb kann ich es schon irgendwie verstehen, dass der träge Anwalt Fickel in seinem 4. Fall zur Hochform aufläuft und sogar seine neue Flamme ein ums andere Mal versetzt.

Hans-Henner Hess hat mal wieder einen humorvollen und zuweilen auch kuriosen Kriminalroman geschrieben, der – wie immer – von seinen drolligen Figuren und der zuweilen eingestreuten Ostalgie lebt, die man als Thüringer nun mal mitbringt. Ich als Sächsin kann den Nationalstolz schon verstehen, denn wo der Thüringer seine Wurscht verteidigt, würde ich für den Dresdner Christstollen oder meine heißgeliebte Eierschecke kämpfen Vielleicht kann der Herr Hess den Herrn Fickel demnächst ja mal ins Nachbarbundesland schicken? hüstel

Okay, zurück zum Buch: der Fickel rutscht mal wieder mehr oder weniger bewusst in eine Kriminalgeschichte hinein und es ist eine Wonne, ihn bei seinen Ermittlungen zu begleiten. Er wirkt ständig leicht überfordert, aber trotzdem irgendwie sympathisch. Eine große Rolle nimmt diesmal auch seine Exfrau, die (mittlerweile) Leitende Oberstaatsanwältin Gundelwein, ein. Ihre Midlife Crisis ist fast genauso amüsant wie das Herumgestochere vom Fickel im undurchsichtigen Insolvenzrecht.

Also, kurz gesagt: einfach lesen!

Veröffentlicht am 14.06.2018

„Das Leben ist eine dringliche Angelegenheit“

Frauen, die Blumen kaufen
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Es gibt Bücher, bei denen ich es unheimlich schade finde, dass sie so wenig bekannt sind und mir wünschen würde, dass sie viel mehr Aufmerksamkeit erhalten würden. Dieses hier ist eins davon. „Frauen, ...

Es gibt Bücher, bei denen ich es unheimlich schade finde, dass sie so wenig bekannt sind und mir wünschen würde, dass sie viel mehr Aufmerksamkeit erhalten würden. Dieses hier ist eins davon. „Frauen, die Blumen kaufen“ ist ein unheimlich kluges, feinfühliges und doch modernes Buch, das von einer wunderbar poetischen Sprache lebt. So viele Sätze sind mir aufgefallen – um sie sich alle zu merken, hätte ich jede dritte Seite des Romans abfotografieren müssen.

Ich bin wirklich begeistert von dieser Geschichte, die so ganz anders war als ich es erwartet hatte und doch voll und ganz alle Lese-Erwartungen erfüllt hat. Da geht es zunächst um Marina, die neu im Viertel ist und auf einen wunderschönen Garten samt Blumenladen stößt. Die Besitzerin stellt Marina kurzerhand als Aushilfe ein und öffnet ihr damit einen neuen Lebensweg. Denn Marina hatte sich nach dem Tod ihres Mannes fast aufgegeben. Die Stammkundinnen, die bald zu Freundinnen werden, haben alle ihre ganz eigenen Gründe Blumen zu kaufen – aber nach drei Monaten sind aus allen andere Menschen geworden. Eigentlich klingt diese Story wie ein x-beliebiger Frauenroman, den man mal an einem Wochenende durchliest. Dass aus dieser Geschichte eine solche Perle entstehen kann, hat mich schwer beeindruckt. Denn Vanessa Montfort beschreibt die Entwicklung ihrer „Frauen, die Blumen kaufen“ manchmal einfühlsam, manchmal sehr direkt. Aber irgendwie immer auf dem Punkt.

Einen kleines i-Tüpfelchen birgt das Buch in einer Szene, als die Schriftstellerin selbst im Roman den Blumenladen betritt und ihre Figuren kennenlernt. Das habe ich in dieser Form noch in keinem Buch gelesen und fand es sehr reizvoll.

Ich kann diesen Roman einfach nur jedem ans Herz legen und inständig hoffen, dass er eine große Leserschaft findet. Es wäre sonst unheimlich schade, denn ich finde wirklich, dass er eine kleine Kostbarkeit ist.

Veröffentlicht am 26.05.2018

Delfine, Motown und Hemingway - ein Buch zum Träumen!

Die Inselgärtnerin
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Wenn Sie sich „Die Inselgärtnerin“ kaufen und auch zufällig gerade überlegen, wohin der nächste Urlaub gehen soll, dann kann ich Ihnen jetzt schon prophezeien, wo Sie landen werden: Florida. Wer bei diesem ...

Wenn Sie sich „Die Inselgärtnerin“ kaufen und auch zufällig gerade überlegen, wohin der nächste Urlaub gehen soll, dann kann ich Ihnen jetzt schon prophezeien, wo Sie landen werden: Florida. Wer bei diesem Roman kein Fernweh bekommt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Mich hat die Geschichte um Gartenarchitektin Sonja („Sunny“) absolut gepackt und besonders das wunderschöne Setting im Sunshine State haben diesen Roman zu etwas Besonderem werden lassen. Florida ist als Kulisse für solche Bücher erfrischend unverbraucht (im Gegensatz z. B. zu Cornwall oder der Provence), und so war es ein Genuss, sich mit Hilfe des Buches dorthin zu träumen.

Auch in dieser Geschichte steht – wie so oft – eine Erbschaft und ein Neuanfang auf unbekanntem Terrain im Mittelpunkt. Und obwohl ich solche Bücher schon oft gelesen habe, war ich von diesem hier doch wieder fasziniert, da es – dem Setting sei Dank – neue Themen aufbrachte, wie z. B. den Umweltschutz bzw. die zum Teil fragwürdige Haltung von Delfinen für touristische Zwecke. Schön, wie so etwas ganz nebenbei in einer Geschichte untergebracht werden kann. Ohne Zeigefinger, aber mit Wirkung. Das hat mir gut gefallen. Auch der Hemingway-Lookalike-Contest war eine interessante Nebenhandlung – und den gibt es tatsächlich!

Dieses war mein erster Roman von Sylvia Lott, aber es wird mit Sicherheit nicht mein letzter sein. Ich habe hier eine Autorin kennengelernt, die mich unterhält und mich zum Träumen einlädt. Zum Glück hat sie schon fünf Romane geschrieben und ich kann auch nach der „Inselgärtnerin“ noch fast aus dem Vollen schöpfen. Ich hoffe, auch die anderen Geschichten sind so wunderbar erzählt wie diese.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Für mich jetzt schon eins der Lesehighlights 2018!

Fräulein Hedy träumt vom Fliegen
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Fräulein Hedy ist ne Wucht! Die resolute Persönlichkeit hat ihren neuen Physiotherapeuten eingestellt, weil er so gut Papierflieger faltet. Sie besteht darauf, im hohen Alter von 88 Jahren mit „Fräulein ...

Fräulein Hedy ist ne Wucht! Die resolute Persönlichkeit hat ihren neuen Physiotherapeuten eingestellt, weil er so gut Papierflieger faltet. Sie besteht darauf, im hohen Alter von 88 Jahren mit „Fräulein von Pyritz“ angesprochen zu werden, und das, obwohl sie eine Tochter hat. Sie tritt nachts auf ihren Balkon und ruft laut „Timbuktu!“ Schrullen einer senilen alten Dame? Man könnte es vermuten, und doch steckt da in Fräulein Hedy soviel Gewitztheit und sogar Berechnung.

Im Laufe des Buches erfährt der Leser nicht nur Hedys Lebensgeschichte, sondern auch die Gründe für die oben genannten „Schrullen“. Und die sind weitaus ernster, als man sich auf den ersten 50 Seiten vorzustellen vermag! Im Laufe der stolzen 524 Seiten dieses Buches kippt der Ton dieser Geschichte von komisch zu ernst und es werden viele schwierige Themen angesprochen. So viele, dass ich mich gefragt habe, ob die Geschichte damit nicht ein wenig zu überladen ist. Andererseits – als ich fertig war mit dem Lesen dieses Buches, empfand ich es als eine runde Geschichte und auch als ein Buch, das in mir nachklingen wird.

Der Ton des Romans ist mal leicht und mal schwer, amüsante bzw. zum Teil wirklich witzige Szenen (ich sage nur: das Gespräch mit der Gutachterin) wechseln sich mit ernsten, unbequemen Szenen ab. Trotzdem konnte ich kaum aufhören zu lesen und habe den Roman förmlich verschlungen. Für mich ist es kein Buch, das man nach dem Lesen einfach ins Regal stellt und vergisst. Ich werde beim Anblick des orangenen Umschlags immer gewisse Bilder vor Augen haben und genau das soll ein Buch ja tun: Bilder im Kopf erzeugen, die möglichst nachwirken. Deshalb denke ich schon heute sagen zu können: es ist eins meiner Lesehighlights 2018. Und ich empfehle es hier gerne weiter.