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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.01.2017

Kurzweilig, schnell verschlungen

Zu Asche verbrannt
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In einer Stadt an der Elbe geht ein Serienmörder um. Und wie es scheint, nicht zum ersten Mal. Kein Wunder, dass die Polizei, angeführt von Ernest Verhoef und Henrick Rudenko, in Alarmbereitschaft versetzt ...

In einer Stadt an der Elbe geht ein Serienmörder um. Und wie es scheint, nicht zum ersten Mal. Kein Wunder, dass die Polizei, angeführt von Ernest Verhoef und Henrick Rudenko, in Alarmbereitschaft versetzt wird, als ein junger Erwachsener in der Nähe des Friedhofs vor den Augen zweier Freunde angezündet wird und hilflos in den Flammen umkommt.
Die Befragungen und Untersuchungen führen zu einer Schrottverwertungsanlage. Scheinbar hat fast jeder, der dort arbeitet oder dort verkehrt, eine Verbindung zur Tat und die Ermittler treiben nach und nach eine Menge Verdächtige auf. Leider passieren weitere Morde und es wird klar, dass die Lösung weiter zurückliegt, als alle zuerst angenommen hatten.

Dass es Rache als Motiv nicht nur unter älteren Personen gibt, setzt der Autor hier gekonnt in Szene. In diesem E-Book stehen Jugendliche und jungen Erwachsene im Fokus sowie eine besondere Clique, deren Mitgliedern ein Unbekannter scheinbar grundlos nach dem Leben trachtet. Auf lange Einleitungen und allzu blumige Details verzichtet Arnold Clancy und kommt zügig zur Sache. Somit ist die Krimigeschichte schnell gelesen und kann trotzdem mit Spannung und ein paar pikanten Nebenhandlungen aufwarten, die man so möglicherweise nicht erwartet hätte.

Veröffentlicht am 14.10.2016

Langwierige Ermittlungen, aber nettes Katz-und-Maus-Spiel

Dreimal schwarzer Kater (Roussillon-Krimi 1)
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Gar nicht mal so viel französisch/spanisches Flair kommt bei diesem Krimi durch, was wohl auch daran liegt, dass in den mehr als 450 Seiten einfach anderes Vorrang hat. Die Ermittlungen stehen im Vordergrund, ...

Gar nicht mal so viel französisch/spanisches Flair kommt bei diesem Krimi durch, was wohl auch daran liegt, dass in den mehr als 450 Seiten einfach anderes Vorrang hat. Die Ermittlungen stehen im Vordergrund, der Leser ist hautnah bei jeder Besprechung und jedem bereicherndem oder nicht bereicherndem Zwiegespräch im Büro dabei und lernt die Polizisten von beruflicher und privater Sicht kennen.
Auf sie kommt kein so leichter Fall zu, als es zunächst scheint. Und auch ein Mord zu Beginn des Buches bleibt lange unter dem Radar. Er wird dann eine Rolle spielen, wenn niemand mehr damit rechnet. Nicht berechenbar wirkt auch der Täter, den es schlussendlich zu überführen gilt und Georget zeigt in diesem Buch deutlich, dass die Arbeit der Kriminalpolizei viel öfter einem Puzzlespiel gleicht, das sehr verworren sein kann, als jenen Krimiserien die das Fernsehen oft zeigt. Es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das, weil über weite Strecken, gut aufgebaut, darüber hinwegtäuschen kann, dass eben nicht nach Action-Film-Manier ständig „etwas passiert“ und viel Blut fließt. Vielmehr geht es auch darum, ein Motiv zu finden, herauszufinden, wie der Täter tickt. Und davor noch: Wer der Täter überhaupt ist. Das herauszufinden gelingt dem Leser schneller als der Polizei, aber es bleibt ein nettes Lesevergnügen, zu verfolgen, wie es auch die Polizei schafft.

Auch wenn am Ende einiges in Bezug auf die Täterperson klarer wird, bleibt diese leider doch noch ein wenig zu blass. Man hätte diesem Charakter und seiner Entwicklung mehr Zeilen widmen können und dafür weniger Augenmerk auf die privaten Probleme der Hauptfigur verwenden. Inspecteur Gilles Sebag mag von Zeit zu Zeit ein genialer Ermittler sein, hat in den eigenen vier Wänden aber scheinbar wenig zu sagen und kann sich nicht entscheiden, ob er wissen will, was seine Frau so ohne ihn treibt. Das ist grundsätzlich verständlich, muss aber nicht jedes zweite Kapitel ausgebreitet werden. Ebenso wie seine genehmigten und angeordneten Erholungspausen zuhause, weil ihn der scheinbar unlösbare Fall so sehr mitnimmt.
Ein großer Kritikpunkt ist auch der gewählte Titel des Buches, der auch bis zum Ende hin nichts mit der Geschichte zu tun hat. Es mag schon vorkommen, dass sich ein Titel nicht vor der Lektüre erschließt, aber er sollte den Leser nicht danach noch ratlos zurücklassen. Zum Teil mag das an der Übersetzung liegen, die keine ist. Im Original heißt das Buch doch so viel wie „Im Sommer langweilen sich die Katzen“, was man besser zum Buch in Beziehung setzen kann. Die Handlung spielt im Hochsommer und das Katz-und-Maus-Spiel entwickelt sich und hat auch mit Langeweile zu tun (mehr wird nicht verraten). Für mich ist dagegen der deutsche Titel misslungen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Entweder vorhersehbar oder verwirrend

Night Falls. Du kannst dich nicht verstecken
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Eine grundsätzlich gute Idee (harmonische Familie wird von der Vergangenheit in Form eines unberechenbaren Häftlings eingeholt) wird hier ein wenig sprunghaft und konfus dargestellt. Zudem kann sich über ...

Eine grundsätzlich gute Idee (harmonische Familie wird von der Vergangenheit in Form eines unberechenbaren Häftlings eingeholt) wird hier ein wenig sprunghaft und konfus dargestellt. Zudem kann sich über weite Strecken die Spannung nicht komplett Thriller-typisch entwickeln, da den Gefühlen und Gedanken der Hauptpersonen viel Platz eingeräumt wird und die Zeit im Buch daher nicht voranschreitet. Wer diese Art der „Zeitlupen-Erzählung“ mag, kommt sicher gut mit diesem Werk zurecht, ansonsten geht wenig vorwärts. Gegen Ende, als mehr Tempo hinzukommt und weniger Details angesprochen werden, kann das Buch ein wenig mehr überzeugen. Leider zieht sich das nicht immer ganz nachvollziehbare Verhalten der Charaktere wie ein roter Faden durch das Buch, oft bleiben Intentionen im Dunklen und Wendungen sind sehr sprunghaft und verwirrend eingearbeitet. Trotz des grundsätzlich positiven Endes kann man als Leser dann aber nicht befreit durchatmen, sondern bleibt mit vielen Fragen und Stirnrunzeln zurück.

Gesamt bleibt zu sagen, dass einerseits vieles vom Leser vorhersehbar ist, und das, was überraschend kommt, eher verwirrend ist als verblüffend. Durch das eigenartige Verhalten der Personen kann man sich kaum mit einer oder mehreren identifizieren, sie bleiben trotz der vielen gefühlsbetonten Einschübe ein wenig unnahbar und rätselhaft.
Einige gute Abschnitte sind jedoch gelungen, diese befassen sich meist mit der Vergangenheit und sollen nebenbei ein wenig andeuten und erklären, warum die Familie aktuell ist dieser furchtbaren Situation steckt. Leider sind die Andeutungen hier auch etwas zu stark ausgefallen, sodass man kaum raten muss und aus diesen Abschnitten auch keine Überraschungen entstehen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Licht am Ende des Buches

Skin
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Mit einem guten Protagonisten muss sich der Leser identifizieren können. Was Bücher betrifft, ist das eine Binsenweisheit. Aber muss das so sein? Veit Etzold wagt hier mit dem Unternehmensberater Christian ...

Mit einem guten Protagonisten muss sich der Leser identifizieren können. Was Bücher betrifft, ist das eine Binsenweisheit. Aber muss das so sein? Veit Etzold wagt hier mit dem Unternehmensberater Christian König viel, denn mit dessen naiv-nerviger Art können sich wohl die wenigsten Leser identifizieren. Aber: Christian bleibt im Gedächtnis. Bekommt man aufgrund seines Verhaltens auch des Öfteren Kopfweh vom vielen Schütteln desselben, so setzt man sich dennoch mit der Person auseinander, überlegt, was an ihm so stört. König ist auf jeden Fall ein Charakter, der nicht kalt lässt und das zeichnet eine gut gestrickte Hauptperson auch irgendwie aus.
Ähnlich ambivalent kann man dem Hauptermittler, Frank Deckhard, gegenüberstehen. Er scheint zu Beginn ein umsichtiger, verlässlicher Typ zu sein. Als das Team dann mehrere Leichenfunde zu bearbeiten hat und seltsame Verbindungen zu König auftauchen, riskiert er Kopf und Kragen, weil er so sehr von der Schuld des Beraters überzeugt ist.
Zwischen diesen beiden Persönlichkeiten ist wenig Platz für einen packenden Thriller, zumal noch viele Details und allgemeines Wissen über die Wirtschaftswelt und die Beraterbranche Buchseiten belegen. Wer das mag oder wer gut damit klarkommt, dem eröffnet sich ein Fall, währenddessen Christian König von unbekannter Seite Taten angelastet und erschreckende Botschaften zugesendet werden. Die Schlinge, die ohnehin eng ist, wird durch Königs Verhalten leider auch nicht weiter, er manövriert sich mit Lügen und Fluchtversuchen immer tiefer in die Sache hinein.
Statt sich über Christian zu ärgern, kann man sich als Leser auch die Zeit damit vertreiben, mitzuraten, wer denn der Täter sein könnte und bekommt gegen Ende des Buches noch eine schöne Portion Spannung geboten. Das Ende kann somit noch einiges wiedergutmachen; wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Christians Vater noch einen Stein ins Rollen bringen kann?
Ich werde, was Veit Etzold betrifft, aber bei der Reihe um Clara Vidalis bleiben, da mich da die eine oder andere Leseprobe schon sehr angesprochen hat und man über diese Bücher viel Gutes hört.

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Veröffentlicht am 14.05.2022

Ein Student ermittelt

Frost
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Mit “Dunkel”, “Insel” und “Nebel” kannte ich vor diesem schon drei Krimis von Ragnar Jónasson. Diese drei bilden eine Trilogie um Kommissarin Hulda Hermannsdóttir. Mir gefielen die Bände und ich war überrascht, ...

Mit “Dunkel”, “Insel” und “Nebel” kannte ich vor diesem schon drei Krimis von Ragnar Jónasson. Diese drei bilden eine Trilogie um Kommissarin Hulda Hermannsdóttir. Mir gefielen die Bände und ich war überrascht, den Namen Hulda im Zusammenhang mit “Frost” noch einmal zu lesen, da die Trilogie abgeschlossen war. So hatte ich das verstanden.

Also war ich neugierig, ob “Frost” so eine Art Hulda-4 werden könnte. Die Geschichte ist an sich in Ordnung und teilweise auch spannend, aber für mich ist sie deutlich schwächer als die Hulda-Bücher. Hulda selbst kommt vor aber nur sehr wenig.

2012 steht sie kurz vor ihrer Pensionierung und trifft auch nie auf den Protagonisten in “Frost”. Dieser ist Helgi, ein Kriminologiestudent der kurz vor seinem Abschluss steht und dessen schriftliche Arbeit sich um einen - seiner Meinung nach - ungelösten Fall von 1983 dreht.

Damals gab es in einem nicht mehr betriebenen Sanatorium eine Leiche. Nur wenige Personen hatten Zugang zum Gebäude, doch die Polizei fand nichts heraus. Damals ermittelte Hulda als Kollegin des Ermittlungsleiters. Sie wäre also die perfekte Ansprechpartnerin für Helgi.

Doch dieses Zusammentreffen fehlt leider. Helgi spricht mit den noch lebenden Beteiligten und ermittelt auf eigene Faust. Der für eine Hauptperson doch recht unspektakuläre Charakter soll durch einen bestimmten Kniff spannender gemacht werden, doch auch das gelingt nicht sehr gut.

Die 300 Seiten hat man dennoch schnell durch. Dem Vergleich mit den anderen Krimis kann dieser nicht standhalten und auch ohne die “Hulda-Trilogie” wirkt diese Geschichte seltsam vereinfacht und nicht recht glaubwürdig. Island als Schauplatz kommt leider auch nicht zur Geltung.