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EstherStu

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.11.2018

Was würdest du tun...

Die Unsterblichen
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Die vier Geschwister der Familie Gold besuchen Ende der 60er Jahre in New York eine Wahrsagerin, die angeblich das Todesdatum voraussehen kann. Alle Kinder bekommen unterschiedliche Nachrichten, die älteste, ...

Die vier Geschwister der Familie Gold besuchen Ende der 60er Jahre in New York eine Wahrsagerin, die angeblich das Todesdatum voraussehen kann. Alle Kinder bekommen unterschiedliche Nachrichten, die älteste, Varya, sterbe somit im hohen Alter, während der jüngste, Simon früh sterben soll. Schnell gerät der Besuch in Vergessenheit oder wird als Scharlatanerei abgetan, bis die Geschwister sich zum Tod ihres Vater im Erwachsenenalter noch einmal daran erinnern. Es soll der letzte Abend sein, an dem alle vier zusammen treffen.
An dieser Stelle endet der Prolog des knapp 470 Seiten-Romans von Chloe Benjamin. Was folgt sind die Lebensgeschichten der vier Geschwister jeweils vom Startpunkt des Todes eines Geschwisters bis zum eigenen Tod.
Die Autorin zeigt vier Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während sich die, die ihren Tod früh erwarten ins Leben stürzen und jede Sekunde genießen, wiegen die älteren ihr Leben in Sicherheit, Ordnung und Konservative. Der Gedanke an den eigenen Tod aber ist seitdem allgegenwärtig. Als Leser steht natürlich die Frage permanent im Raum: Möchte ich wissen, wann ich sterbe? Würde das mein Leben verändern?
Mir hat das Buch wirklich sehr gut gefallen. Die vier Figuren haben eine unglaubliche Tiefe und ihr Lebensweg wird eindringlich beschrieben. Für mich eins der besten Bücher des Herbstes.

Veröffentlicht am 02.11.2018

Junge Frau geht ihren weg

Deutsches Haus
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Im Mittelpunkt des Buches steht die junge Eva, die als Übersetzerin für Polnisch in Frankfurt lebt. Sie wird für die anstehenden Prozesse gegen die Verbrechen in Auschwitz (eher kurzfristig als Ersatz) ...

Im Mittelpunkt des Buches steht die junge Eva, die als Übersetzerin für Polnisch in Frankfurt lebt. Sie wird für die anstehenden Prozesse gegen die Verbrechen in Auschwitz (eher kurzfristig als Ersatz) engagiert. Ihre Familie und ihr Verlobter Jürgen sind dagegen, dennoch nimmt Eva die Stelle an.
Im Laufe der Prozesse dringt die Protagonistin immer weiter ein in die Verbrechen innerhalb des KZs, die bis dato nicht bekannt und aufgearbeitet waren. Plötzlich sieht sie sich konfrontiertz mit der Geschichte ihres Landes und bald auch mit der ihrer eigenen Familie.
Insgesamt liest sich dieses Buch sehr flüssig und gut, auch wenn der Inhalt überwiegend beklemmend ist. Durch die detaillierten Zeugenaussagen Überlebender wird einem die Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust erschreckend nah gebracht. Umso unverständlicher ist für den Leser die Haltung der Bevölkerung, die zum großen Teil von dem Prozess und der Aufarbeitung absieht, ja ihn sogar verteufelt und ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte verdrängt. Aus heutgier Sicht unvorstellbar, aber durch das Buch gut aufgezeichnet. Es zeigt, dass in den 60er Jahren jeder sich mit der eigenen Kriegsgeschichte auseinanderzusetzen hatte.
Meiner Meinung nach fängt die Autorin die Stimmung gut ein, verknüpft den Prozessverlauf mit der Geschichte der selbstbewussten Eva.
Ein empfehlenswertes Buch für Leser von Romanen jüngerer deutscher Geschichte wie Carmen Korn oder "Wenn Martha tanzt" von Tom Saller.

Veröffentlicht am 20.09.2018

Fake in der Pfalz

Wie ich fälschte, log und Gutes tat
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In der Provinz der Oberpfalz ist dieser Roman von Thomas Klupp angesiedelt, genauer in Weiden. Und genauso provinziell wie es klingt ist es auch. Obwohl Weiden wie ein Vorzeigekaff daher kommt, brodelt ...

In der Provinz der Oberpfalz ist dieser Roman von Thomas Klupp angesiedelt, genauer in Weiden. Und genauso provinziell wie es klingt ist es auch. Obwohl Weiden wie ein Vorzeigekaff daher kommt, brodelt es unter der Oberfläche gewaltig. Lügen und Fassade sind bei allen Dorfbewohnern an der Tagesordnung. Mittendrin die Hauptfigur Benedict Jäger und seine Freunde. Sie stecken mitten in der Pubertät und interessieren sich weniger für die Schule als für Mädchen und Partys. Auch ihnen entfährt dafür die ein oder andere Schummelei.
Thomas Klupp ist mit diesem Buch eine wahnwitzige Satire auf das bayrische Dorfleben gelungen, bei dem man beim Lesen laut auflachen muss und bei vielen Figuren an lebende Vorbilder denkt. Besonders die Mutter von Benedict hat es mir dabei angetan, nach vorne Charitylady, aber in Wahrheit eine nach Anerkennung strotzende Mutter. Sehr lesenswert!

Veröffentlicht am 06.09.2018

Eine Frau voller Durchsetzungskraft

Manhattan Beach
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Die Geschichte dreht sich um Anna, die in den 40er Jahren in New York lebt. Als Arbeiterin in der Fabrik sorgt sie für ihre Familie, bis sie sich eines Tages entschließt, als erste Frau überhaupt als Taucherin ...

Die Geschichte dreht sich um Anna, die in den 40er Jahren in New York lebt. Als Arbeiterin in der Fabrik sorgt sie für ihre Familie, bis sie sich eines Tages entschließt, als erste Frau überhaupt als Taucherin im Hafen große Kriegsschiffe zu reparieren.
Dieses Buch strotzt nur so vor weiblicher Kraft und Durchsetzungsvermögen. Wie Anna sich in einer völlig männerdominierten Branche zu behaupten weiß, und dabei dennoch so zurückhaltend bleibt, ist bemerkenswert.
Hinzu kommt ein hervorragend recherchierter Rahmen. Der Beruf des Tauchers und Mechanikers wird historisch so gut beleuchtet, dass man glaubt, man sei dabei gewesen. Es macht das Buch sehr glaubwürdig und lebendig.
Insgesamt fand ich den Titel von Jennifer Egan sehr atmosphärisch. Das New York der 40er Jahre inmitten von Kriegswirren und nach schwierigen Zeiten der Börsencrashs wird hier auf faszinierende Weise zum Leben erweckt.

Veröffentlicht am 06.09.2018

Tolles Rundumpaket

Tel Aviv by Neni. Food. People. Stories.
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Über dieses Kochbuch habe ich mich wirklich gefreut. Man erhält hier ein tolles Rundumpaket aus Tel Aviv, eine Stadt, die ichleider noch nicht bereist habe, beim Blättern durch dieses Buch aber sofort ...

Über dieses Kochbuch habe ich mich wirklich gefreut. Man erhält hier ein tolles Rundumpaket aus Tel Aviv, eine Stadt, die ichleider noch nicht bereist habe, beim Blättern durch dieses Buch aber sofort Lust darauf bekomme.
Verfasst ist das Buch von Haya Molcho und ihren Söhnen, die gemeinsam das Restaurant "Neni" in Tel Aviv betreiben und sich auf levantinische und mediterrane Küche fokussieren.
Als Kochbuch enthält "Tel Aviv" natürlich in erster Linie Rezepte. Besonders schön fand ich, dass jedes Rezept mit einem großen Farbfoto ausgestattet ist, bei dem einem sofort das Wasser im Mund zusammen läuft, einfach wunderschön angerichtet, ohne überkandidelt zu wirken. Die Rezepte selbst sind recht gut nachkochbar. Was mich besonders gefreut hat war, dass sie kaum exotische Zutaten enthalten, die man wirklich überall bekommt.
Neben den Rezepten finden sich aber auch tolle Hintergrundstorys zur Stadt und ihren Einwohnern. So werden verschiedene Persönlichkeiten aus Tel Aviv zu Wort gelassen. Auch hier sind tolle Bilder eingefügt, die das ganze Buch zu einem wunderschönen Bildband ergänzen.
Sollte jemand einen Besuch in der Stadt planen, kann dieses Buch auch hervorragend als Reisevorbereitung genutzt werden. Aber auch für ganz einfache Fans der mediterranen Küche ist das Buch ein Gewinn.