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heinoko

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.11.2018

Ein wichtiges Buch!

Deutsches Haus
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Obwohl ich nicht oft Hörbücher „konsumiere“, weil ich beim Hören meist nicht so konzentriert bin auf den Text wie beim Lesen, habe ich mich dieses Mal ausnahmsweise für das Hörbuch entschieden, weil mir ...


Obwohl ich nicht oft Hörbücher „konsumiere“, weil ich beim Hören meist nicht so konzentriert bin auf den Text wie beim Lesen, habe ich mich dieses Mal ausnahmsweise für das Hörbuch entschieden, weil mir die Hörprobe so gut gefallen hatte. Die angenehme und lebendige Stimme von Eva Meckbach machte es mir leicht, über fast 9 Stunden die Geschichte zu verfolgen. Dennoch werde ich das Buch auch noch einmal lesen, denn es ist meines Erachtens ein sehr wichtiges Buch, das volle Aufmerksamkeit verdient.
1963: Die junge Dolmetscherin Eva wird gebeten, in einem Prozess Zeugenaussagen zu übersetzen. Verwunderlich, dass sowohl ihre Eltern als auch ihr Verlobter von diesem Auftrag abraten. Dennoch übernimmt sie, ihrem Bauchgefühl folgend, die Aufgabe an und verfolgt dadurch den ersten Auschwitz-Prozess in Frankfurt im Nachkriegsdeutschland, einen Jahrhundertprozess, der alles verändern wird, auch im Leben von Eva.
Das Buch hatte für mich - neben der geschichtlichen Relevanz – eine besondere Eindringlichkeit, denn ich war im gleichen Alter wie Eva. So viele geschilderte Szenen des täglichen Lebens dieser Zeit habe ich genauso erlebt, und das Buch rief eine Fülle an Erinnerungen wach. Ich konnte so ganz direkt die muffige Spießigkeit derer nachempfinden, die alles nur noch hinter sich lassen wollten, auch die politische Naivität so vieler junger Menschen, denen ihre Eltern das während der Kriegszeiten Erlebte nicht erzählt hatten. Intensiv und atmosphärisch dicht erzählt die Autorin von den frühen sechziger Jahren, in denen die Menschen mehrheitlich nur noch nach vorne blicken und sich mit Fragen von Schuld oder Scham nicht auseinandersetzen wollten. Faszinierend und nachvollziehbar wird die Wandlung Evas vom naiven jungen Mädchen hin zu einer gereiften jungen während des Verlaufs des Prozesses geschildert. Überhaupt werden alle im Buch geschilderten Personen sehr authentisch und psychologisch folgerichtig geschildert. Dass neben der Fiktion des Romans reale Szenen der Zeugenbefragungen aus dem Prozess sparsam eingestreut sind, lässt uns die geschehenen Grausamkeiten umso eindringlicher erahnen und wirft viele, viele Fragen auf, was Mut und Feigheit, Verantwortlichkeit und Wegschauen betrifft und wie es heute um unsere Mitmenschlichkeit bestellt wäre, wenn wir nur unter Gefahren dafür einstehen könnten.
Ein wichtiges Buch, dem ich viele, viele aufgeschlossene Leser wünsche.

Veröffentlicht am 01.11.2018

Krimödie in Vollendung

Stick oder stirb!
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Vorweg: Langsam gehen mir die Worte aus. Denn ich habe schon alles Lob über die bisher von mir gelesenen Bücher meiner Lieblingsautorin ausgeschüttet, dessen ich fähig bin. Eigentlich brauche ich nur ...


Vorweg: Langsam gehen mir die Worte aus. Denn ich habe schon alles Lob über die bisher von mir gelesenen Bücher meiner Lieblingsautorin ausgeschüttet, dessen ich fähig bin. Eigentlich brauche ich nur noch von mir selber abzuschreiben, denn auch dieses Buch hat mich wiederum voll und ganz begeistert. Ich kenne keinen Autor, der Krimödien in dieser Vollendung schreiben kann.
Der im Ruhestand befindliche Ex-Kommissar Siegfried Seifferheld tut Gutes. Er bringt einem erlesenen Grüppchen an Insassen der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall das Sticken bei. Welch eine begeisternde Auswahl an Stickmotiven hier ihrer Fertigstellung harrt, lässt tief in die Seelen der Knastbrüder blicken. Doch in die heile Welt des Stickkränzchens dringt das eigentlich gar nicht so Böse in Person eines russischen Mafiabosses, der für eine spektakuläre Flucht Seifferheld als Geisel mitgehen lässt. Und der ist und bleibt verschwunden samt seinem Schnüffler-Kompagnon, dem Hovawart Onis.
Die Handlung in all ihren herrlichen Details, urkomischen Windungen und Verwicklungen nüchtern zu erzählen, macht in meinen Augen wenig Sinn. Denn egal wie viele Turbulenzen uns handlungstechnisch aufgetischt werden – was auch dieses Buch wiederum auszeichnet, ist sein grandioser Ideenreichtum, das Jonglieren mit schrägen Wortschöpfungen und Gags. Dass Seifferheld in jungen Jahren das Küssen an harten Eiern geübt hatte, ist noch eine der harmloseren Pointen. Was ich an der Autorin ganz besonders liebe und schätze, ist der hinter all den vordergründig slapstickartigen Schilderungen liegender intelligenter Humor, der aus Wissen und scharfer Beobachtungsgabe resultiert und mit gekonnter Feder daraus Krimödien in Vollendung schafft.

Veröffentlicht am 29.10.2018

Ein Buch mit Suchtpotenzial

Glitzer-Glotzies
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Da liegt es vor mir, dieses großformatige Buch, von dessen Cover mich drei Kuschelgestalten mit großen, mit riesengroßen funkelnd-glitzernden Augen so klar und direkt anschauen, als würden sie mitten ...


Da liegt es vor mir, dieses großformatige Buch, von dessen Cover mich drei Kuschelgestalten mit großen, mit riesengroßen funkelnd-glitzernden Augen so klar und direkt anschauen, als würden sie mitten in mich hineinsehen. Und in dem Moment, in dem ich ihren Blick erwidere, ist es um mich geschehen. Obwohl ich das Buch noch gar nicht geöffnet habe, weiß ich bereits mit schlafwandlerischer Sicherheit, dass die Glitzer-Glotzies alle bereit sind, mein Leben mit mir zu teilen. Hilfe!
Wie Sie meinen ersten Sätzen anmerken: Dieses Buch ist kein nüchtern-sachliches Anleitungsbuch. Es ist viel mehr. So zum Beispiel ein liebenswertes Bilder-Geschichten-Erzähl-Buch, in dem wir mehr über den idyllischen Ort Glitzer-Glotzingen erfahren und über die spezielle Art der Flauschis, die Welt so zu sehen, wie sie einem gefällt. Sie verbreiten gute Laune, weil sie an allem Freude haben, sogar an Regen. Die aufwändige Gestaltung des Buches fällt ins Auge und lässt es zum idealen Geschenkbuch für alle Häkelfreunde werden, die Kinder oder sich selbst mit den Glitzer-Glotzies beglücken möchten.
Die langen, ausführlichen Anleitungen mögen erst einmal erschrecken oder gar abschrecken. Aber ich versichere Ihnen, dass Ihnen gutes Gelingen sicher ist, wenn Sie einfach nur vertrauensvoll Zeile für Zeile nacharbeiten, genau so, wie es dasteht. Mit einem Blatt Papier und Stift ausgerüstet, können Sie sich mit kleinen Strichlisten helfen, um die Orientierung, in welcher Runde Sie sich gerade befinden, nicht zu verlieren. Bei dem plüschigen Material ist es nämlich nahezu unmöglich, im Nachhinein die Runden zu zählen. Oder Sie fertigen sozusagen im Trainingslager aus glatter Baumwolle erst einmal einen Nackt-Glitzer-Glotzie. Mit ihm bzw. an ihm können Sie genauer mitzählen und sind sich dann beim Wechsel zu den Flausch-Glotzies gleich viel sicherer. Am Ende des Buches finden Sie zur Erinnerung noch einen kurzen Häkel-Grundkurs, auch zum Magic Ring. Und nicht zu verachten: Sie werden anhand von Videos (Code zum Freischalten am Ende des Buches) bei dem Grundkurs und all seinen Themen unterstützt. Dass auch noch Glitzer-Iris für die Glotzie-Augen beiliegen, ist eine zusätzliche nette Dreingabe. Da Glitzer-Glotzies Herdentiere sind, gute Laune verbreiten und den Häkel-Sucht-Virus in sich tragen, werden Sie bald Ihr eigenes Dörfchen Glitzer-Glotzingen gestaltet haben!

Veröffentlicht am 28.10.2018

Ein grandioses Buch, das jeder lesen sollte

Die Vergessenen
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Das vorliegende Buch ist für mich eines der wichtigsten und packendsten Romane dieses Lesejahres!
Es ist bereits viel, sehr viel darüber geschrieben worden, deshalb nutze ich ausnahmsweise für den Inhalt ...


Das vorliegende Buch ist für mich eines der wichtigsten und packendsten Romane dieses Lesejahres!
Es ist bereits viel, sehr viel darüber geschrieben worden, deshalb nutze ich ausnahmsweise für den Inhalt den Klappentext: „1944. Kathrin Mändler tritt eine Stelle als Krankenschwester an und meint, endlich ihren Platz im Leben gefunden zu haben. Als die junge Frau kurz darauf dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, fühlt sie sich unweigerlich zu ihm hingezogen. Zu spät merkt sie, dass Landmanns Arbeit das Leben vieler Menschen bedroht – auch ihr eigenes.
2013. In München lebt ein Mann für besondere Aufträge, Manolis Lefteris. Als er geheimnisvolle Akten aufspüren soll, die sich im Besitz einer alten Dame befinden, hält er das für reine Routine. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das Generationen überdauert hat ...“
Grundlage des Buches ist die akribische Recherche historischer Faktoren bestimmter Örtlichkeiten, verbunden mit der fantasievollen Ausgestaltung von Geschehnissen, die dennoch auch jenseits der Fiktion in ähnlicher Weise geschehen sein könnten. Genau das hebt den Roman aus dem Romanhaften heraus und macht uns Leser schaudern, aber auch nachdenklich werden über die Frage, die uns letztlich die Protagonisten stellen: Was hätte ich in dieser oder jener Situation getan? Es ist leicht, sich heute vorzugaukeln, man hätte damals moralisch lobenswert gehandelt. Aber wie integer sind wir noch unter Angst, unter Lebensbedrohung?
Dass hinter dem Pseudonym Ellen Sandberg die erfolgreiche Autorin von Kriminalromanen Ingrid Löhnig steckt, spürt man diesem tiefgründigen Roman auf jeder Seite an. Der Handlungsaufbau ist routiniert ausgearbeitet, die Protagonisten sind psychologisch nachvollziehbar gezeichnet. Der Roman ist insgesamt so packend geschrieben, so intensiv in seiner Wirkung, dass man sich dem Buch nicht entziehen kann und geradezu atemlos von Seite zu Seite getragen wird.
Fazit: Gekonnt geschrieben und eindringlich in Szene gesetzt wird in diesem Roman ein Kapitel aus einer noch nicht so lang vergangenen Zeit des Grauens. Der Autorin ist es meisterhaft gelungen, einen außerordentlich wichtigen und gleichzeitig fesselnden Roman zu schreiben, der lange, lange über das Lesen hinaus in uns Wirkung zeigt. Ein grandioses Buch, das jeder, wirklich jeder lesen sollte!

Veröffentlicht am 27.10.2018

Magisch, verzaubernd und klug

Unendlich mal unendlich mal mehr
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Was für ein unglaublich intensiver, ungewöhnlicher Debütroman. Er hat mich regelrecht verzaubert, in seinen Bann geschlagen und begeistert!
Die zwölfjährige Petra hat sich ihr Leben gut zurecht gelegt. ...


Was für ein unglaublich intensiver, ungewöhnlicher Debütroman. Er hat mich regelrecht verzaubert, in seinen Bann geschlagen und begeistert!
Die zwölfjährige Petra hat sich ihr Leben gut zurecht gelegt. Solange Zahlen, ihre große Liebe, aufgehen, d. h. sich teilen lassen, ohne dass sie zerstört werden, ist der Tag in Ordnung. Nicht in Ordnung ist alles, was nicht aufgeht oder nicht zu kontrollieren ist, wie z. B. Primzahlen oder Wasser, dieses unberechenbare Element. Petra ist ein ungewöhnliches Mädchen. Sie unterliegt vielen Zwängen, um ihr Leben im Griff zu halten. So müssen Schuhe immer genau parallel nebeneinander stehen, ohne sich zu berühren. Oder es muss für alles eine gerade Zahl an Wiederholungen geben. Die Mutter Malin ist alleinerziehend und muss sehr viel arbeiten, dadurch hat sie wenig Zugang zur Innenwelt von Petra. Petra wiederum besitzt eine feine Beobachtungsgabe für andere Menschen, bewertet sie dabei aber nicht, nimmt sie einfach wie sie sind. Wenn zum Beispiel Chris, ihrem treuen Freund, als Stotterer die Wörter im Hals stecken bleiben, dann wirft er stattdessen mit Radiergummis oder randaliert. Petra versteht ihn und mag seine Augen, die besser sprechen als sein Mund. Oder an Freundin Melika, aus Afghanistan geflüchtet, von der Klasse abgelehnt, liebt sie ihr Lachen. Der Schulpsychologe bemüht sich, Petra’s Zwänge, ihr magisches Denken, aufzulösen. Aber erst Thomas, der sich so selbstverständlich im Wasser bewegt, schafft den Zugang zur inneren Angstwelt von Petra und damit die Chance zur Wandlung.
So vieles kann man in diesem Buch finden: Toleranz, Sensibilität, Freundschaft, Angst, Verletzung, Verhaltensauffälligkeiten, Zwänge, Liebe, Verantwortung. Wichtige Themen, die ganz locker in die Geschichte eingebunden sind, ohne Drama, und doch sehr, sehr wirkungsvoll. Und diese nachhaltige Wirkung beruht auf dem außerordentlich feinfühligen Schreibstil der Autorin, auf die reduzierte und dadurch unglaublich intensive Erzählweise. Das Buch verzaubert, es ist magisch, es enthält nichts als magische Formeln des Lebens. Die Wörter, die knappen Sätze – alles ist magisch kraftvoll, bezaubernd, verzaubernd und dabei klug wie eine unauslotbare Primzahl.