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Veröffentlicht am 17.12.2018

Ergreifende Novelle ohne jedes Pathos - lesenswert

Wir und Es
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Es gibt sie manchmal, die Kleinode, die sich hinterrücks in den Kopf schleichen. "Wir und es" ist so ein Kleinod. Gerade einmal 103 umfasst das schmale Bändchen und doch wird es mich noch lange beschäftigen.

Larissa ...

Es gibt sie manchmal, die Kleinode, die sich hinterrücks in den Kopf schleichen. "Wir und es" ist so ein Kleinod. Gerade einmal 103 umfasst das schmale Bändchen und doch wird es mich noch lange beschäftigen.

Larissa Schwarz hat ein tolles Buch abgeliefert und ich bin ihr ausgesprochen dankbar, dass sie sich gegen jeden Kitsch und jede Rührseligkeit, jedes Aufblasen entschieden hat. Das macht dieses Buch so gut und herzzerreißend.

Ich persönlich mag keine Schmonzetten und dieses Büchlein ist zum Glück keine. Ich mag, dass Larissa Schwarz ihre Leser*innen als intelligente Wesen wahrnimmt, denen man nicht alles servieren muss. Die Geschichte hat Lücken, es gibt Zeitsprünge, der jeweilige Ich-Erzähler wechselt permanent und all das hat mir Spaß gemacht, weil ich mich nicht für dumm verkauft gefühlt habe.

Auch dass Larissa Schwarz ihrer Geschichte vertraut hat und sie nicht unnötig aufgeblasen hat, sie nicht unnötig romantisiert oder gar ins Schnulzige hat abdriften lassen, trägt zum positiven Eindruck bei.

Und dann ist da die Geschichte: Eigentlich sind es fünf Geschichten, denn fünf Freunde erzählen von sich. Und das ist spannender, als man zunächst annehmen mag. Denn wie sich die Wege kreuzen, wie sich deren Leben auseinander entwickelt und wie es doch immer wieder zu Überschneidungen kommen, wie die Realität sie einholt, diese grausame Realität, wie sich alles zusammenfügt, das ist wunderbar zu lesen.

Im letzten Drittel werden nicht nur den Ich-Erzählern (und speziell der Anwaltstochter), sondern auch uns die Augen geöffnet - und das ist herzzerreißend.

Und dann ist da das Ende und natürlich ist auch das frei von Rührseligkeit und ich danke Larissa Schwarz, dass sie das Buch und speziell das Ende genau so geschrieben hat, wie sie es geschrieben hat.

Am Ende ist das Buch zwar ein Plädoyer für mehr Toleranz und Offenheit "anderen" gegenüber, es ist aber auch ein Buch über Identität an sich, über die Entwicklung, die Menschen durchmachen.

Veröffentlicht am 06.12.2018

Unterhaltsam und kurzweilig

»Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« und »Einladung zum Klassentreffen«
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Martin Schörle hat in diesem Band gleich zwei Theatertexte veröffentlicht, die recht unterschiedlich ausfallen, aber beide auf ihre Weise unterhaltsam sind.


Den Auftakt macht "Nichtalltägliches aus dem ...

Martin Schörle hat in diesem Band gleich zwei Theatertexte veröffentlicht, die recht unterschiedlich ausfallen, aber beide auf ihre Weise unterhaltsam sind.


Den Auftakt macht "Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten". Dieser Text ist insofern leicht zu lesen, weil es sich um einen Monolog handelt, der nur selten unterbrochen wird. Auch die Regieanweisungen sind eher sparsam, so dass ich den Text fast normal lesen konnte. Während ich den Monolog stellte ich erstaunt fest, dass ich den Text einerseits altmodisch und andererseits total passend fand. Ich schätze, das hat mit meinen Vorurteilen Beamten gegenüber zu tun - die hier durchaus bedient werden, wenn auch nicht so, wie ich erwartet hatte. "Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten" ist witzig und tragisch zugleich, aber letztlich überwiegt der Witz und ich hatte beim Lesen oft den Wunsch, diesen Monolog tatsächlich auf der Bühne zu sehen. Mir hat es sehr gefallen, auch wenn nicht jeder Witz meinen Geschmack getroffen hat!

Der zweite Text ist die "Einladung zum Klassentreffen" - und so beginnt das Stück auch mit ebenjener Einladung. Hier wurde mit meinen Erwartungen gespielt. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das im Sinne Martin Schörles war. Im Grunde genommen hatte ich nämlich etwas ähnliches wie "Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten" erwartet, allerdings diesmal nicht als Monolog. Deshalb habe ich den Anfang des Stücks auch eher witzig in Erinnerung. Aber ob das einfach meine Wahrnehmung durch das vorangegangene Stück war oder ob es so von Martin Schörle geplant war, kann ich wirklich nicht sagen. Jedenfalls änderte sich das im Lauf des Stückes. Vielmehr gibt es zwar einzelne Szenen, die wirklich amüsant sind, aber letztlich ist "Einladung zum Klassentreffen" eine sehr schöne Fusion von Tragik und Witz, Romantik und Realismus - eben das, was so ein Leben ausmacht. Mich hat das Stück berührt, vor allem das Ende, das ich wundervoll fand.

So absurd in beiden Stücken einzelne Szenen sind, so sind die Stücke selbst sehr bodenständig. Sicher kann man viel hineininterpretieren. Man kann sich aber auch einfach von ihnen unterhalten lassen. Beide Stücke haben meiner Meinung nach ihre Berechtigung, mir persönlich hat aber das zweite Stück besser gefallen - sowohl inhaltlich als auch sprachlich.

Ich bin gespannt, ob Martin Schörle noch weitere Stücke veröffentlichen wird. Talent hat er jedenfalls.

Veröffentlicht am 24.03.2026

Viel verschenktes Potential

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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Matthias Edvardssons "Tatort Trelleborg" ist der Auftakt zu einer Krimi-Reihe rund um Gunni Hilding. Der Verlag Blanvalet bezeichnet den Kriminalroman auf der Rückseite des Romans als "Auftakt der neuen ...

Matthias Edvardssons "Tatort Trelleborg" ist der Auftakt zu einer Krimi-Reihe rund um Gunni Hilding. Der Verlag Blanvalet bezeichnet den Kriminalroman auf der Rückseite des Romans als "Auftakt der neuen hoch spannenden Ermittlerkrimireihe (...)". Um es vorweg zu nahmen: "Hoch spannend" ist für mich anders.

"Tatort Trelleborg" kommt zunächst schnell zur Sache: Ein Kind wird ermordet aufgefunden, das Dezernat für Gewaltverbrechen übernimmt naturgemäß den Fall und Gunni Hilding, die bei der Schutzpolizei arbeitet, wird in das Ermittllungsteam aufgenommen.

Matthias Edvardsson schafft es, in nur wenigen Worten seine Charaktere und das ländliche Schweden auferstehen zu lassen. Seine unaufgeregte Erzählweise hat mir durchweg zugesagt. Mit Gunni hat er außerdem eine sympathische Protagonistin geschaffen. Ich fand allerdings die Fokussierung auf ihre Vergangenheit auf Dauer etwas ermüdend. Anfangs ergab das noch Sinn für mich, um sie besser zu verstehen, am Ende war es aber ein bisschen zu viel des Guten, zumal sich dann herausstellte, dass es nicht nur darum ging, uns Gunni nahezubringen, sondern auch einen Cliffhanger zum zweiten Teil vorzubereiten. Mich hat dieser Fakt verärgert.

Sehr gut herausgearbeitet wurde, was fehlerhafte Ermittlungsergebnisse mit dem Leben derjenigen anrichten, die fälschlicherweise als Täter gebrandmarkt wurden. Auch, wie die Mutter des ermordeten Kindes mit dem Verlust umgeht, wird einfühlsam aufgegriffen.

Ansonsten ist der Krimi in vielerlei Hinsicht durchwachsen. Durch die bereits erwähnten ausführlichen Betrachtungen Gunnis Vergangenheit und Privatlebens geraten die Ermittlungen selbst immer wieder in den erzählerischen Hintergrund. Sie verlangsamen das ohnehin schon tendenziell gemächliche Tempo und nehmen viel Spannung. Außerdem bleiben ihre KollegInnen blass, weil sie für den Autor offenbar eher Staffage sind - zumindest werden sie so behandelt.

Die Kapitel sind meistens sehr kurz. Das hat den Vorteil, dass es einlädt, weiterzulesen, andererseits waren viele Kapitel so kurz, dass der Wechsel zum nächsten Kapitel (und damit Themenfeld) mir persönlich teilweise zu abrupt kam.

Schade ist, dass das Ende - gemessen am vorangegangenen gemächlichen Erzähltempo - sehr plötzlich kam und vor allem sehr schnell und sehr oberflächlich abgehakt worden ist. Ich muss nicht alles lang und breit und bis ins kleinste Detail vorgekaut bekommen, aber dieser Abschluss des Mordfalls wirkte auf mich überhastet. Ich habe es als alles in allem unbefriedigend empfunden. Immerhin lag ich in meiner These, wer der Mörder ist, richtig.

Ich bin kein Fan von Cliffhangern, insofern begeistert mich der Cliffhanger am Ende dieses Romans nicht, ist aber insofern erträglich, als der Kriminalfall selbst abgeschlossen ist.

Fazit: Es wurde viel Potential verschenkt. Ich hätte mir mehr Ermittlungsarbeit und weniger persönliche Gunni-Befindlichkeiten gewünscht. Von der vom Verlag versprochenen "hoch spannenden Ermittlerkrimireihe" kann keine Rede sein. Ein netter Krimi für zwischendurch ist "Tatort Trelleborg" dennoch.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Fundiert und sehr detailreich

Geschichte der Ukraine
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Fundiert und detailreich. Meiner Meinung nach nicht geeignet für Menschen, die einfach nur einen ersten (groben) Einblick in die Geschichte der Ukraine wollen.

Fundiert und detailreich. Meiner Meinung nach nicht geeignet für Menschen, die einfach nur einen ersten (groben) Einblick in die Geschichte der Ukraine wollen.

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Veröffentlicht am 06.11.2025

Wirklich gut

Die Einkreisung
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Ein gelungener historischer Kriminalroman, teilweise langatmig, aber es macht Spaß, den Ermittlungen zu folgen.

Ein gelungener historischer Kriminalroman, teilweise langatmig, aber es macht Spaß, den Ermittlungen zu folgen.

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