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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.11.2016

Spannender Kriminalfall, der erst spät gelöst wird

Gedenke mein
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Die Autorin ist bekannt für ihre Krimi-Reihe um Kommissar Dühnfort. Im vorliegenden Buch steht allerdings nicht er als polizeilicher Ermittler im Vordergrund, sondern seine Lebensgefährtin Gina Angelucci, ...

Die Autorin ist bekannt für ihre Krimi-Reihe um Kommissar Dühnfort. Im vorliegenden Buch steht allerdings nicht er als polizeilicher Ermittler im Vordergrund, sondern seine Lebensgefährtin Gina Angelucci, zu deren Aufgaben die Aufklärung von seit langen Jahren ungelösten Mordfällen gehört. Natürlich gibt es aber auch private und berufliche Verflechtungen mit Dühnfort.
Gina gibt dem Drängen der Mutter der vor zehn Jahren verschwundenen und niemals gefundenen kleinen Marie nach. Während die Mutter fest daran glaubt, das Mädchen lebt noch, will Gina nur ihre Leiche finden, damit die Mutter endlich trauern und mit dem Geschehen abschließen kann. Nachdem seinerzeit von Selbstmord des Vaters unter Mitnahme von Marie in den Tod ausgegangen wurde, tun sich jetzt für Gina völlig überraschende Spuren auf …
Die Geschichte ist äußerst spannend erzählt. Sowohl hinsichtlich des Geschehens vor zehn Jahren als auch hinsichtlich der Person des Täters bleibt der Leser lange im Unklaren, übrigens genauso die Polizei. Es kommen nach und nach furchtbare Wahrheiten ans Licht, die Ähnlichkeiten mit realen Fällen haben, die in jüngster Vergangenheit durch die Medien gingen.

Für Krimifans sehr zu empfehlen.

Veröffentlicht am 14.10.2016

Mit 80+ ist noch längst nicht Schluss

Eierlikörtage
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Ob es ihn wirklich gibt, den netten dreiundachtzigeinvierteljährigen Senior Hendrik Groen, der vom 1. Januar bis 31. Dezember 2013 fast täglich Tagebuchaufzeichnungen über sein Leben in einem Amsterdamer ...

Ob es ihn wirklich gibt, den netten dreiundachtzigeinvierteljährigen Senior Hendrik Groen, der vom 1. Januar bis 31. Dezember 2013 fast täglich Tagebuchaufzeichnungen über sein Leben in einem Amsterdamer Seniorenheim verfasst hat, die nun als Sammlung in Buchform vorliegen, oder wer sonst hinter dem Verfasser steht, lässt sich dem Buch nicht entnehmen. Auf jeden Fall klingt alles sehr authentisch und ist der Tagebuchschreiber ein wohl untypischer Seniorenheimbewohner. Er ist das ständige Gejammer seiner betagten Mitbewohner über alles und jeden überdrüssig und will sich an seinen letzten Lebenstagen – denn die Kürze der ihm verbleibenden Zeit ist ihm durchaus allgegenwärtig – noch einmal richtig erfreuen. Das gelingt ihm mit dem aus gleichgesinnten Freunden bestehenden Club Alt-aber-nicht-tot (kurz: Alanito), täglichen Ausfahrten mit seinem Elektromobil, dem Kümmern um seine gesundheitlich noch angeschlageneren Freunde und der Herausforderung des Schreibens eines Tagebuchs recht gut. Letzteres enthält Anekdötchen aus dem Heimleben, von Hendrik kommentierte Fakten der niederländischen Seniorenpolitik, seine Gedanken zur Rolle alter Leute in der Gesellschaft und eigene Ansichten zum Leben im Altersheim mit gebrechlichen, abgeschobenen, dem Tode nahen Bewohnern. Obwohl Krankheit und Tod immer wieder thematisiert werden, denn das Schicksal verschont auch Hendrik und seine Freunde nicht, liest sich alles locker und angenehm. Das ist vor allem dem wunderbaren Schreibstil Hendriks geschuldet, der an trockenem Humor und Ironie nicht spart. Am Ende wird Hendrik zu einem tollen Vorbild und es lässt sich das persönliche Fazit ziehen, dass ein Lebensabend im Altersheim nicht unbedingt das A und O ist, dort aber durchaus noch Lebensfreude zu finden ist.

Ein von mir uneingeschränkt empfohlener Roman für Leser aller Altersgruppen.

Veröffentlicht am 26.09.2016

Spannender Rachefeldzug einer gedemütigten Frau

Der Rache süßer Atem
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Kurz vor ihrem 40. Geburtstag steht die über Eichendorff promovierte Maria vor den Trümmern ihres Liebeslebens. Wie sehr sehnt sie sich nach dem Mann fürs Leben und einem Kind. Stattdessen wurde sie in ...

Kurz vor ihrem 40. Geburtstag steht die über Eichendorff promovierte Maria vor den Trümmern ihres Liebeslebens. Wie sehr sehnt sie sich nach dem Mann fürs Leben und einem Kind. Stattdessen wurde sie in den vergangenen zehn Jahren von sieben Männern gedemütigt, betrogen und belogen. Unter Zuhilfenahme eines ererbten illegalen Waffenarsenals will sie in einem Rachefeldzug alle früheren Lover erschießen. Schon bald gerät sie ins Visier des ermittelnden mysteriösen Kommissars Tesoro …

Mit einem Mörder zu sympathisieren, ist eigentlich überhaupt keine Option. Hier aber ist die Figur der Protagonistin Maria so geschickt beschaffen, dass es schwer fällt , in ihr allein die böse Verbrecherin zu sehen. Und gerade dieser Widerspruch macht den Reiz des Buches aus. Nach und nach ist zu erfahren, was die Motive und Hintergründe für Marias Taten sind. Da geht es um eine verkorkste Mutter-Tochter-Beziehung und vor allem um ganz furchtbare Demütigungen durch die Männer. Dass für Maria dann einfach das Maß voll ist, ist irgendwo verständlich, wenngleich sich natürlich die Frage stellt, warum sie immer wieder auf die Maschen der Männer anspricht. Ihre Mordtaten sind blutig beschrieben, aber nicht so, dass man von ihnen vor lauter Grausamkeit besser nicht lesen will. Nebenbei erhält man viel Nachhilfe in Waffenkunde und erfährt, zu welchem Zweck welche Waffe geeignet ist. Die Autorin hat hier gute Recherchearbeit geleistet. Zum Ende hin überstürzen sich die Ereignisse und ein Teil der verbleibenden Taten wird recht hastig erzählt. Das steht aber in Einklang mit den erfolgreichen Ermittlungen der Polizei, die ihr Netz immer enger um Maria auslegt. Auf Seiten der Polizei wird übrigens noch eine Überraschung parat gehalten. Der Schluss ist zwar offen, kann aber eigentlich nur in einer Weise zu Ende gedacht werden. Der Erzählstil ist sehr flüssig; daran ändern auch nicht die zahlreich eingewobenen Fremdwörter, deren Bedeutung nicht unbedingt geläufig ist.

Ein spannender Roman, den ich für absolut lesenswert halte.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein Notizkalender mit enormer Wirkung

Dein perfektes Jahr
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Unter den Pseudonymen Wiebke Lorenz und Anne Hertz ist die Autorin sicherlich schon vielen Leserinnen bekannt. Jetzt liefert sie als Charlotte Lucas einen einmal mehr unterhaltsamen Roman ab. Er ist durchmischt ...

Unter den Pseudonymen Wiebke Lorenz und Anne Hertz ist die Autorin sicherlich schon vielen Leserinnen bekannt. Jetzt liefert sie als Charlotte Lucas einen einmal mehr unterhaltsamen Roman ab. Er ist durchmischt mit lustigen, aber auch traurigen Elementen. Letztere sind vielleicht beeinflusst durch den noch frischen Tod der Mutter der Autorin, der sie dieses Buch passenderweise auch widmet. Ohne viel vorwegnehmen zu wollen, geht es kurz um Folgendes:
An einem Neujahrsmorgen findet der Verlagserbe Jonathan – Stinkstiefel und Erbsenzähler – ein Notizbuch mit Einträgen für jeden Tag. Ein Vierteljahr zuvor macht sich die stets optimistische Hannah mit einer Kita selbständig, sehnsüchtig auf den Heiratsantrag ihres passiven Freundes wartend, der leider schwer erkrankt. Bindeglied zwischen allen ist eben jener Kalender – von einem der drei abgefasst, von einem abgelehnt, von einem befolgt, für alle drei komplett lebensverändernd.
Schreibtechnisch werden zwei zu verschiedenen Zeiten angesiedelte und aus den jeweiligen Perspektiven der beiden Protagonisten Jonathan und Hannah erzählte Handlungsstränge ganz allmählich miteinander verbunden und zu einem schlüssigen und befriedigenden Ende geführt. Das geschieht, ohne dass schon allzu viel zu frühzeitig vorhersehbar ist, so dass man das Buch nur ungern wieder aus der Hand legt, um den Fortgang zu erfahren. Die Geschichte weckt viele Emotionen, vor allem weil sich glückliche und traurige Momente abwechseln. Humorvolle Passagen fehlen nicht. Philosophische Botschaften regen zum Nachdenken an. Der Liebesgeschichtenanteil wirkt überhaupt nicht kitschig. Gefallen hat mir, dass die Geschichte in Hamburg spielt und man manche erwähnte Örtlichkeit erkennt.

Ein unterhaltsamer Roman.

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Veröffentlicht am 15.09.2016

Lebst du wirklich nur einmal?

Noah will nach Hause
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Die allein erziehende Janie will sich mit der Diagnose Schizophrenie bzgl. ihres vierjährigen Sohnes Noah nicht abfinden. Doch was verbirgt sich hinter seinen Verhaltensauffälligkeiten? Immerhin hat er ...

Die allein erziehende Janie will sich mit der Diagnose Schizophrenie bzgl. ihres vierjährigen Sohnes Noah nicht abfinden. Doch was verbirgt sich hinter seinen Verhaltensauffälligkeiten? Immerhin hat er eine Wasserphobie und Wissen, das er weder von Janie noch von anderen bekommen haben kann (über Reptilien, Waffen, Harry Potter). In Alpträumen jammert er immer wieder, dass er zu seiner Mama nach Hause will. Im Internet stößt Janie auf den Psychiatrieprofessor Dr. Anderson. Seit Jahrzehnten forscht dieser an Fällen von Kindern, die glauben, vor ihrem gegenwärtigen Leben schon einmal ein anderes Leben geführt zu haben. Selbst unter einer seltenen Form der Aphasie leidend, will Dr. Anderson sein Lebenswerk mit einem Buch über das Phänomen Reinkarnation/Wiedergeburt beenden, um die ihm nie zuteil gewordene Anerkennung zu erhalten. Noahs Fall soll der noch fehlende starke Fall aus Amerika sein. Aber ist Noah tatsächlich die Reinkarnation eines einige Jahre zuvor verschwundenen Jungen, wie es Dr. Anderson annimmt?

Egal, wie man persönlich zum Thema Reinkarnation steht und welcher Glaubensrichtung man sich zuzählt, dieses Buch zieht jeden in seinen Bann. Als fiktive Geschichte aufbereitet, erhält sie einen plausiblen, quasi wissenschaftlichen Touch durch zahlreiche Einschübe, die die Autorin dem Sachbuch „Life Before Life: Children’s Memories of Previous Lives“ von Dr. Jim B. Tucker entnommen hat und in denen logisch nicht erklärbare Fälle reinkarnierter Kinder vorwiegend im asiatischen Raum geschildert werden. Diese sind es denn auch, die einen am Wahrheitsgehalt von Noahs verblüffender Lebensgeschichte nicht zweifeln lassen. Neben dem beherrschenden Thema der Reinkarnation wartet das Buch auch mit einem spannenden Kriminalfall auf und thematisiert sehr berührend die engen Bindungen zwischen Mutter und Kind, Trauer und Krankheit.

Ein wirklich lesenswerter Debütroman.