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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.12.2018

Eine besondere Augenweide

Good Night Stories for Rebel Girls 2
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Frauen, die in irgendeiner Weise die Weltgeschichte nachhaltig beeinflusst haben, auch wenn die Nachwelt das nicht immer richtig honoriert: In diesem Buch sind die Geschichten von 100 Frauen versammelt, ...

Frauen, die in irgendeiner Weise die Weltgeschichte nachhaltig beeinflusst haben, auch wenn die Nachwelt das nicht immer richtig honoriert: In diesem Buch sind die Geschichten von 100 Frauen versammelt, die ihr Leben selbst in die Hand genommen haben. Von Madonna über Hillary Clinton bis hin zu weniger bekannten Frauen sind Kurzporträts versammelt, die Mut machen, das eigene Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Sehr spannend sind diese Kurzporträts, wundervoll illustriert von 60 Künstlerinnen, die ihren eigenen Stil in die Geschichten einbringen. Sehr unterschiedliche Frauen sind hier versammelt, aus den verschiedensten Bereichen und über die ganze Welt verstreut. Zum Schluss kann frau ihre eigene Geschichte ins Buch schreiben, mit den Worten, die den größten Teil dieser Geschichten beginnen lassen: „Es war einmal…“ Eine sehr schöne Idee, die jeder Leserin zugesteht, ihre eigene Geschichte als etwas Besonderes aufzufassen.

Die Sammlung der Geschichten und die Aufmachung des Buches sind sehr gelungen, jede Geschichte ist eine besondere Augenfreude. Ein gelungenes Geschenk für jede Frau, unbedingt empfehlenswert.

Veröffentlicht am 27.12.2018

Die Weihnachtsgeschichte in lustiger Variante

Das letzte Schaf
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Die Schafe sind in heller Aufregung: Ihre Hirten sind verschwunden, und in dieser Nacht soll ein Mädchen geboren worden sein. Gemeinsam machen sich die Schafe auf, um bei diesem Fest teilzunehmen. Unterwegs ...

Die Schafe sind in heller Aufregung: Ihre Hirten sind verschwunden, und in dieser Nacht soll ein Mädchen geboren worden sein. Gemeinsam machen sich die Schafe auf, um bei diesem Fest teilzunehmen. Unterwegs treffen sie ein paar Tiere, die ihnen bei der Suche weiterhelfen.

Die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht der Schafe erzählt – das ist eine ganz fabelhafte Idee, die manches nochmal in ein ganz anderes Licht setzt. Wie die Schafe sich ganz ohne Plan auf den Weg machen, ohne die fürsorgliche Hilfe ihrer Hirten, wie sie auf dem Weg Gefahr laufen, eines der Schafe zu verlieren, dann aber doch vollzählig ankommen am Stall, das ist sehr lustig und komisch erzählt von Ulrich Hub und wunderbar passend illustriert von Jörg Mühle. Jedes der Schafe ist einzigartig geraten, die Geschichte mit viel Sprachwitz erzählt.

Da kann man ganz leicht mal Pause machen vom vorweihnachtlichen Stress – oder nach Weihnachten entspannt auf die Weihnachtstage zurücksehen. Das alles mit einem liebevollen Augenzwinkern.

Veröffentlicht am 25.12.2018

Geht direkt ins Herz

Die Schneeschwester
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Julian ist ein Weihnachtskind, er hat genau an Heiligabend Geburtstag. Bisher war dies ein wunderschönes Fest in seiner Familie, doch in diesem Jahr ist alles anders. Seit dem Tod seiner Schwester vor ...

Julian ist ein Weihnachtskind, er hat genau an Heiligabend Geburtstag. Bisher war dies ein wunderschönes Fest in seiner Familie, doch in diesem Jahr ist alles anders. Seit dem Tod seiner Schwester vor einigen Monaten hat die Trauer in der Familie Einzug gehalten, und seine Eltern scheinen Weihnachten vergessen zu haben: Es gibt keine einzige Weihnachtsdekoration im Haus, und das scheint sich drei Tage vor Weihnachten auch nicht mehr zu ändern. Da trifft er die lebenslustige Hedvig, die Weihnachten über alles liebt und ihn mit allem mitzieht, was sie vorschlägt. Gemeinsam bauen sie eine Schneefrau, die Julians Schwester Juni zum Verwechseln ähnlich sieht. Doch Hedvig hat ein riesiges Geheimnis…

Dieses Buch ist wunderschön geschrieben und phänomenal illustriert. Beim Lesen konnte ich richtig mitleben mit Julian und Hedvig: Ich spürte die Trauer, die wie ein Schatten über Julians Familie liegt, fühlte Hedvigs Lebenslust, und gleichzeitig ahnte ich schon ziemlich bald, dass hier etwas ganz seltsam ist. Durch die 24 Kapitel kann die Geschichte zu einem Adventskalender umfunktioniert werden, doch das hätte ich kaum erwarten können, ich musste es in einem Rutsch auslesen. Es ist eine Weihnachtsgeschichte, die direkt ins Herz geht, aber auch Trost spendet zu jeder anderen Jahreszeit.

Eine solch ergreifende und tieftraurige, aber auch Trost spendende Geschichte um das Thema Trauerbewältigung habe ich selten gelesen. Deshalb kann ich es nur allen Erwachsenen ans Herz legen, aber auch älteren Kindern, die einen Verlust zu verkraften haben. Am liebsten würde ich mehr als die fünf möglichen Sterne verteilen.

Veröffentlicht am 20.12.2018

Aufrüttelnd

Deutsches Haus
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Frankfurt, 1963. Die junge Dolmetscherin Eva steht kurz vor ihrer Verlobung. Da wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Durch ihre Arbeit beginnt sie, sich mit den Aussagen ...

Frankfurt, 1963. Die junge Dolmetscherin Eva steht kurz vor ihrer Verlobung. Da wird sie gebeten, bei einem Prozess die Zeugenaussagen zu übersetzen. Durch ihre Arbeit beginnt sie, sich mit den Aussagen zum ersten Auschwitz-Prozess auseinanderzusetzen. Doch seltsamerweise sind sowohl ihr Verlobter wie auch ihre Eltern dagegen. Eva widersetzt sich und nimmt die Herausforderung an, nicht ahnend, wie sehr dieser Prozess sowohl das Land wie auch ihr eigenes Leben verändern wird.

Sehr eindringlich und gleichzeitig gut verständlich nimmt sich die Autorin Annette Hess dem Thema Schuld an: die Schuld, die eine ganze Nation auf sich geladen hat. Es ist immer noch ein schwieriges Thema, wobei der Umgang damit zu jener Zeit noch viel ungeübter war als heute. Die Autorin schafft es hervorragend, die Atmosphäre um den Auschwitz-Prozess heraufzubeschwören und dem Grauen dazu einen Namen zu geben. Wie auch für Eva ist es nicht leicht, darüber zu lesen, doch die Protagonisten sind gut getroffen und lassen den Leser die Geschehnisse gut miterleben. Sehr differenziert wird die Problematik von verschiedenen Seiten gezeigt.

Ein historischer Roman, der sich kompetent und einfühlsam mit dem Auschwitz-Prozess um die Verantwortlichen an den Gräueltaten des Holocaust auseinandersetzt. Die Menschen, die selbst in dieser Auseinandersetzung steckten, sind sehr gut dargestellt, ihre Ängste und Hoffnungen erhalten genau den richtigen Raum.

Ein Buch, das zu Recht noch lange nachwirkt. Deshalb empfehle ich es unbedingt weiter und vergebe alle fünf möglichen Sterne.

Veröffentlicht am 19.12.2018

Das faszinierende Leben des Johann Georg Faustus

Der Spielmann (Faustus-Serie 1)
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Im Jahr 1486 sieht der kleine Johann Faustus, wie in seinen Heimatort eine Gauklertruppe Einzug hält. Unter ihnen ist der Spielmann und Magier Tonio del Moravia, und noch ahnt der Junge nicht, welche Rolle ...

Im Jahr 1486 sieht der kleine Johann Faustus, wie in seinen Heimatort eine Gauklertruppe Einzug hält. Unter ihnen ist der Spielmann und Magier Tonio del Moravia, und noch ahnt der Junge nicht, welche Rolle dieser in seinem Leben spielen wird. Denn Johann wird sich dem Magier nach dem Tod seiner Mutter anschließen, wird bei ihm in die Lehre gehen. Wissbegierig saugt Johann alles auf, was er von Tonio lernen kann. Doch es gibt auch eine unheimliche Seite an Tonio, und bald kann sich Johann des Gedankens nicht mehr erwehren, dass von den Lehren seines Lehrers große Gefahr ausgeht…

Das Leben des Johann Georg Faust, der mit dem Teufel einen Pakt abgeschlossen habe – eine faszinierende Geschichte aus dem Mittelalter, die nicht nur Goethe, sondern auch viele andere in ihren Bann gezogen hat. Auch Oliver Pötzsch, bekannt für seine Romane um die „Henkerstochter“, hat sich von dieser Faszination anziehen lassen. Mit viel Hintergrundwissen lässt er die Zeit im 15. Jahrhundert auferstehen, lässt den Leser teilhaben am Leben der fahrenden Gaukler, der Studierenden, überhaupt der Menschen der damaligen Zeit. Sehr schnell kann der Leser in diese uns Heutigen unbekannte Welt abtauchen, lernt hier Margarethe kennen, Johanns Freundin noch aus Kinderzeiten, dort den Studienfreund Valentin, und zieht mit Johann durch die Lande. Mit Johann bangt er um seine geliebte Margarethe und wegen der Gefahren am Wegesrand, macht sich Sorgen um die Zukunft oder sogar schon um die nächste Mahlzeit. Der Autor versteht es, seine Leser zu umschmeicheln wie es die Gaukler der Geschichte nicht besser könnten.

Man merkt dem Autor an, wie sehr ihn der Stoff fasziniert hat, und in einem Nachwort gibt er einige Erklärungen dazu ab. Alles in allem ist dieser historische Roman allen zu empfehlen, die sich für die Geschichte des Johann Faust sowie überhaupt für Romane mit einem fundierten historischen Hintergrund interessieren. Da schmelzen auch die knapp 800 Seiten recht schnell dahin. Von mir gibt es alle fünf möglichen Sterne!