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Veröffentlicht am 04.02.2019

LEHRREICH UND TROTZDEM AMÜSANT

Luft nach oben
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„Wie richtiges Atmen uns stärker macht“ – das wollte ich unbedingt wissen!
Dr. Michael Barczok, Pneumologe in Ulm, zeigt sich mit einem Schmunzeln auf dem Cover und so liest sich auch sein Ratgeber: unterhaltsam ...

„Wie richtiges Atmen uns stärker macht“ – das wollte ich unbedingt wissen!
Dr. Michael Barczok, Pneumologe in Ulm, zeigt sich mit einem Schmunzeln auf dem Cover und so liest sich auch sein Ratgeber: unterhaltsam und amüsant.
Dabei bringt er auf 287 Seiten, die sehr gut strukturiert sind, seinen Lesern alles über ihr lebensnotwendiges Organ, der Lunge, nahe. Man staunt über die Fakten (wir atmen täglich einen ganzen Heißluftballon voller Luft ein und aus) und fühlt sich zeitweise in den Biologie-Unterricht zurückversetzt. Hat man sich erst einmal durch Aufbau und Funktion der Lunge gekämpft, wird man mit ausführlichem Wissen um Gefahren, Allergien und Krankheitsbildern konfrontiert. Wer bereits betroffen ist, findet hier Aufklärung und einige Ratschläge zur Behandlung und Verbesserung.
Ich war immer wieder überrascht, wie viele Auslöser es gibt, die unsere Lunge beeinträchtigen (können). Als Nichtraucher bleibt mir zwar schon einiges erspart, aber dass Feinstaub direkt und indirekt längst auch dazu gehört, war mir in dem Maße nicht bewusst. Natürlich ist das Thema in aller Munde und wird heiß diskutiert, aber dass wir bereits an den Auswirkungen erkranken, hat mich entsetzt. Ich verstehe jetzt auch, dass man Japaner und Chinesen mit Staubmasken sieht…
Das Thema „Allergien“ war beeindruckend, ich habe für mich viel gelernt und verstehe Zusammenhänge besser. Auch die Beschreibung der Krankheitsbilder war gut verständlich, aber ich fürchte, wer erst einmal an Asthma oder Schlimmerem erkrankt ist, braucht keinen freundlichen Ratgeber, sondern professionelle, abgestimmte Medikation.
Die von mir heiß ersehnten Ratschläge zum Untertitel fand ich dann fast erst im Anhang: Atempädagogin Susanne Menrad-Barczok informiert, gibt Ratschläge und erklärt Übungen zur effektiveren Atmung und besseren Haltung. Hierüber hätte ich gerne sehr viel mehr gelesen – für mich kommen Vorbeugung und das Lungentraining einfach zu kurz.
Mein Fazit: Dr. Michael Barczok ist auf jeden Fall ein sehr interessantes und unterhaltsames Buch gelungen. Trotz geballtem Wissen bleibt es stets spannend und humorvoll, und zu Recht kommt auch ein erhobener Zeigefinger öfters mal vor. Das Thema „Atemübungen“ ist für mich leider viel zu kurz gekommen. Insgesamt ein empfehlenswertes Buch, das dem Leser einen achtsamen Umgang mit seiner Lunge amüsant näher bringt!

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  • Wissen
Veröffentlicht am 08.11.2018

Mit gesellschaftspolitischem Tiefgang

Lenz (Ein Kommissar-Eschenbach-Krimi 6)
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Kommissar Eschenbach muss sich nach drei Monaten in den USA erst wieder in seinem Kommissariat einleben - und seine Stellung behaupten. Seine Stellvertreterin Köhler ist dominant und zeigt sich nicht gerade ...

Kommissar Eschenbach muss sich nach drei Monaten in den USA erst wieder in seinem Kommissariat einleben - und seine Stellung behaupten. Seine Stellvertreterin Köhler ist dominant und zeigt sich nicht gerade kollegial. Als Eschenbach mit seinem Kollegen Jagmetti die Wohnung eines Toten inspiziert, drängt sich ihm der Verdacht auf, dass es sich hier nicht um einen Suizid handeln kann…
Michael Theurillat erzählt eine spannende Geschichte, die mit drei Freunden beginnt und im Chaos endet. Jeder ist hochintelligent, wissenschaftlich interessiert, aber sie verlieren sich über weite Zeiträume aus den Augen. Jeder nutzt sein Können auf eine andere Weise. Politisch engagiert, verstricken sich ihre Wege am Ende wieder.
Hochbrisant und sehr aktuell ist dieser Krimi, der einen eher zum Nachdenken und Reflektieren bringt. Keine blutrünstigen Morde, keine akribische Ermittlung, aber stets fesselnd ist die Handlung. Der Autor versteht es, unaufgeregt, schnörkellos und leicht verständlich zu schreiben. Ein Krimi mit politischem Tiefgang, ein bisschen philosophisch, aber absolut spannend!

Veröffentlicht am 25.03.2018

LIEBENS- UND LESENSWERT

Sommer unseres Lebens
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Mit “Sommer unseres Lebens” ist Kirsten Wulf ein sehr liebens- und lesenswerter Frauenroman gelungen! Sie erzählt die Geschichte dreier Frauen, die ihren 25. Geburtstag durch Zufall miteinander an der ...

Mit “Sommer unseres Lebens” ist Kirsten Wulf ein sehr liebens- und lesenswerter Frauenroman gelungen! Sie erzählt die Geschichte dreier Frauen, die ihren 25. Geburtstag durch Zufall miteinander an der portugiesischen Atlantikküste feiern und sich schwören, ihren 50. Geburtstag dort ebenfalls gemeinsam zu feiern. Bis dahin trennen sich ihre Wege…
Die Leserin/der Leser steigt wieder ein, als sich die drei, Hanne, Claude und Miriam, zu dem Treffen verabreden. Jede hat inzwischen ihre eigene Lebensgeschichte, ihren eigenen Lebensweg eingeschlagen. Mit zwiespältigen Gefühlen machen sie sich auf den Weg nach Portugal.
Kirsten Wulf schreibt eine Geschichte, wie sie das Leben schreiben könnte. Man ist sofort mit dabei, versteht die Gefühle - auch die kleinen Streitigkeiten und erfährt nach und nach, was vor 25 Jahren vorgefallen war und wie es die Leben der Protagonistinnen beeinflusst hat. Als Leser nimmt man gerne Teil und wundert sich dann selber, wie “Kleinigkeiten”, Erlebnisse in jungen Jahren, unser ganzes Leben bestimmen können. Es ist spannend zu sehen, wie die drei damit klarkommen und: nach einem halben Leben neue Wege einschlagen…
Ein sehr netter Roman, der von typischen Frauen erzählt, deren Erwartungen und Enttäuschungen, und dem Mut, einfach wieder anzupacken! Auf jeden Fall motivierend!

Veröffentlicht am 28.03.2026

Viel Tee, viele Spielfilme und ein Mäuserich, der vieles verändert

Eine Maus namens Merlin
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Das Cover ist einfach zauberhaft und herzerwärmend! Die zierliche Maus, voller Vertrauen, schläft in einem Hausschuh! Und Helen Cartwright, ehemalige Herzchirurgin und Kardiologin in Australien, verliert, ...

Das Cover ist einfach zauberhaft und herzerwärmend! Die zierliche Maus, voller Vertrauen, schläft in einem Hausschuh! Und Helen Cartwright, ehemalige Herzchirurgin und Kardiologin in Australien, verliert, nach sechzig Jahren heimgekehrt nach England, ihr Herz an sie.
Der Klappentext klingt vielversprechend nach einer wunderschönen, bewegenden Geschichte einer alten Dame, die den Kontakt zu ihrer Umwelt wiederfindet. Leider waren meine Erwartungen entweder zu hoch, oder ich fand einfach den Draht zur Geschichte nicht. Helen lebt ihr Leben geordnet mit viel Tee und Spielfilmen im TV, regelt ihren Tag und bricht, bis auf ein einziges Mal, nicht mit ihren Gewohnheiten. Simon van Booy legt Geduld an den Tag, er schreibt ruhig, gelassen und sehr detailreich. Stets habe ich erwartet, dass ein Wandel geschieht oder wenigstens etwas passiert. Aber es braucht Geduld und einen langen Atem, bis Helen aus sich herausgeht, um der kleinen Maus zu Hilfe zu eilen. Dann allerdings überschlagen sich die Geschehnisse doch auf überraschende Weise.
Ich war wirklich gebannt von der wunderbar warmherzigen Art, mit der Frauke Poolman dieses Buch liest. Sie hat eine wohltönende Stimme, die sie perfekt einsetzt, und sie war auch der Grund, warum ich bis zum Ende durchgehalten habe. Die Geschichte ist nett, ganz sicher, konnte mich aber leider nicht wirklich überzeugen.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Eine Flutkatastrophe und ihre Folgen

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Unfassbare Unwetter mit Starkregen ziehen über das bayerische Voralpenland und sorgen für blitzartiges, unvorhergesehenes Hochwasser, das Mensch und Tier in tödliche Gefahr bringt. Oberkommissarin Alexa ...

Unfassbare Unwetter mit Starkregen ziehen über das bayerische Voralpenland und sorgen für blitzartiges, unvorhergesehenes Hochwasser, das Mensch und Tier in tödliche Gefahr bringt. Oberkommissarin Alexa Jahn und ihr Kollege Huber sind im Dauereinsatz, vermisste Personen geben Rätsel auf. Und die Suche nach ihnen gestaltet sich gefährlich.

Das Cover zeigt reißendes Wasser in einer Klamm, der Text passt wieder hervorragend zu den Vorgängerbänden, und man erkennt sofort: Es gibt endlich wieder einen neuen Grenzfall!
Ich bin ein großer Fan von Anna Schneider und ihrem lebendigen und bildreichen Schreibstil, der bei mir immer großes Kopfkino auslöst. Und auch ihre Protagonisten konnten mich in den fünf erschienenen Bänden durch ihre Echtheit intensiv begeistern. Leider ist für mich der sechste Fall eine große Enttäuschung. Gefühlte zwei Drittel des Buches drehen sich um die Flutkatastrophe, verschiedene Erzählstränge sorgen zwar für ein kleines bisschen Spannung, verlieren sich dann aber wieder und konnten mich nicht fesseln. Das Szenario der Notlage im Oberland ist beeindruckend geschildert, ich war selbst am 23.08.2023 Augenzeuge bei dem alles zerstörenden Unwetter mit Monsterhagel in Benediktbeuern und habe ein Gefühl dafür, wie absolut machtlos man der Natur ausgeliefert ist. Aber ein fesselnder Kriminalfall wie in den Vorgängerbänden ist für mich leider nicht daraus geworden und auch ihr Grab in den Fluten ist mir irgendwie entgangen.

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