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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.02.2019

Emotionaler Roman

Dein Weg, meine Liebe
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Vika hat nach einer dreimonatigen Beziehung ihren Freund bei einem tödlichen Autounfall verloren. Um wieder zu sich selbst zu finden und dem von Trauer geprägten Alltag zu entfliehen, bucht sie einen Flug ...

Vika hat nach einer dreimonatigen Beziehung ihren Freund bei einem tödlichen Autounfall verloren. Um wieder zu sich selbst zu finden und dem von Trauer geprägten Alltag zu entfliehen, bucht sie einen Flug nach Japan. Allerdings kennt sie sich dort gar nicht aus und bekommt durch eine Freundin die Telefonnummer von Etienne. Der hat in der Vergangenheit einige Zeit in Japan gelebt und gibt ihr Reisetipps. Dabei ahnt er nicht, wie akribisch Vika jeden seiner Tipps verfolgt und die einzelnen Stationen bereist. Dabei kommt sie seinem Geheimnis näher, als er will. Nach Vikas Rückkehr lernt sie Etienne eher zufällig kennen und innerhalb kürzester Zeit steht die Welt der beiden auf dem Kopf. Es stellt sich die Frage, ob und wie sie zueinander finden können.

Alizée Korte hat mit "Dein Weg, meine Liebe" ein emotionales und berührendes Debüt geschaffen. Dabei verbindet sie zwei starke Persönlichkeiten, die jeweils mit ihrem Päckchen das Leben bestreiten: Vika hat ihren Liebsten verloren und Etienne sitzt im Rollstuhl.
Das Buch lässt sich sehr leicht und flüssig lesen. Der Schreibstil ist auf eine eigene Art berührend und ausgeglichen. Der Perspektivwechsel von Vika und Etienne ermöglicht die Wahrnehmung und beider Seiten kennenzulernen. So wird für den Leser ersichtlich, mit welchen Dingen beide zu kämpfen haben, welche Bedeutungen es für sie gibt und was ihnen wichtig ist.
Abgesehen von dem tollen Schreibstil und der zarten Liebesgeschichte, die sich zweischen Etienne und Vika anbahnt, sind die Inhalte sehr gut recherchiert. Dabei sind sowohl die einzelnen Sehenswürdigkeiten und Städte in Japan, als auch Trauerprozesse und Querschnittslähmung/Leben im Rollstuhl inbegriffen.

Ich kann den Roman all jenen empfehlen, die Lust auf eine tiefgreifende, bewegende Geschichte haben!

Veröffentlicht am 10.02.2019

Pointierter Wortwitz vom Feinsten

Die Sonnenseite des Schneemanns
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Ian ist der Inbegriff der Spießigkeit. Wie in seinem Job als Pixelmaler hat auch privat alles seine Ordnung: alltägliche Handlungen werden in festgelegten Routinen vollzogen, Gegebenheiten durch Ergebnisse ...

Ian ist der Inbegriff der Spießigkeit. Wie in seinem Job als Pixelmaler hat auch privat alles seine Ordnung: alltägliche Handlungen werden in festgelegten Routinen vollzogen, Gegebenheiten durch Ergebnisse diverser Studien erklärt. Luise ist extrovertiert, eine Partylöwin und liebt Jägermeister. Als sie den vermeintlich spießigsten Spießer Ian in der U-Bahn sichtet, liegt eine Wette nahe: Sie glaubt nicht nur daran, dass Ian auch eine coole, lockere Seite in sich trägt, sondern daran, dass sie diese zum Vorschein bringen kann.

Die Handlung ist nicht sonderlich originell und im Grunde auch tendenziell nebensächlich. Schließlich bietet sie lediglich die Basis für den schrägen Humor, den Sebastian23 in Form von Wortwitzen, cleveren Pointen und überspitzten Albernheiten auszudrücken weiß.
"Die Sonnenseite des Schneemanns" bietet exzentrische und absolut liebenswert skurrile Figuren, die in alltäglichen und weniger alltäglichen Situationen in Form von witzigen und witzigeren Dialogen und Handlungen harmonieren.
Ian lernt von "Kollege" Luise die Lässigkeit des Lebens, weicht von seinen strukturierten Verhaltensweisen ab und behält doch seine Eigenarten für sich. Oder aber: Luise zieht Ian den Stock aus dem Arsch und steckt ihn bei sich hinein.

Wer bei diesem Buch nicht dauerhaft schmunzelt, sollte gefragt werden: "Was geht'n bei dir, du ahnbarer Larry?"

Veröffentlicht am 10.02.2019

Berührende Herzensgeschichte zum Verschlingen!

Versuchen wir das Glück
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Endlich ist es soweit: Barbara Leciejewskis neuer Roman ist erhältlich! Und wie nach der Lektüre ihrer bisher erschienenen Romane las ich die letzte Seite wieder mit dem Gedanken: "Sie kann es einfach."

Helene ...

Endlich ist es soweit: Barbara Leciejewskis neuer Roman ist erhältlich! Und wie nach der Lektüre ihrer bisher erschienenen Romane las ich die letzte Seite wieder mit dem Gedanken: "Sie kann es einfach."

Helene und Ludwig laufen sich im Münchner Hauptbahnhof über den Weg. Seit ihrem letzten Treffen sind 25 Jahre vergangen. Was sie verband waren innere Freundschaft, Liebe und schließlich eine Trennung. Während sie sich nun gegenüber stehen, spüren beide noch immer Gefühle aus ihrer Vergangenheit. Die nächsten Stunden verbringen sie gemeinsam in einem Restaurant und blicken in die Vergangenheit, die Gegenwart und wenn sie das Glück versuchen, vielleicht auch in die Zukunft?

Da ich die Bücher von Barbara Leciejewski unglaublich gern lese, war ich mir absolut sicher, dass mich auch "Versuchen wir das Glück" begeistern kann. Die Geschichte, dass sich zwei Menschen aus den Augen verlieren, sich zufällig nach vielen Jahren wieder treffen und ein langes Gespräch führen, klingt als könne sie tatsächlich so passieren.
Dieses Gefühl wird während des ganzen Buches aufrecht erhalten. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen: Zum einen ist da der Gesprächsverlauf an Tisch 10 im Restaurant und zum anderen die Jahre ihrer Kindheit, Jugend und früher Erwachsenenzeit. Die Autorin nimmt den Leser mit in die Vergangenheit von Helene und Ludwig. Begonnen wird mit dem Kennenlernen, bei dem schnell klar ist, dass beide sehr starke Persönlichkeiten sind. Jeder von ihnen hat sein eigenes Trauma, das er mit sich herumträgt und verarbeiten muss. Helene fällt durch rebellisches Verhalten auf, sie hat starke Prinzipien und tritt für sich und andere ein. Ludwig brennt für den Journalismus. Parallel dazu reflektieren die beiden ihre Gefühle, Erlebnisse und Erfahrungen - sowohl die damaligen als auch die derzeitigen.

Barbara Leciejewski hat einen wundervollen Schreibstil, der den Leser an die Hand nimmt und durch die Zeilen führt. Die Dialoge sind grandios authentisch, mal unbeschwert locker, mal ernsthaft bedrückend. Die Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sind fließend. Der Leser lernt Helene und Ludwig mit all ihren Stärken, Schwächen und vor allem ihren Gefühlen (füreinander) kennen. So ist verständlich, was sie geprägt hat, wie sie sich verhalten und was sie verbindet.
Zwischen den Wörtern ist eine einzigartige Intensität zu spüren. So knistert es teilweise förmlich, verknotet sich vor Bedrücken etwas in der Magengegend oder löst Heiterkeit aus.

"Versuchen wir unser Glück" nimmt den Leser mit zu einem bedeutenden Treffen, wichtigen Erkenntnissen und einschneidenden Erlebnissen. Dabei gibt es humorvolle, bedrückende und vor allem herzberührende Momente. Es verleiht einem den reflektierten Blick auf das eigene Leben und lässt eigene Begegnungen und Beziehungen hinterfragen. Die Geschichte von Helene und Ludwig berührt zutiefst - und das ohne Kitsch und Klischees!

Veröffentlicht am 10.02.2019

Intelligenter Thriller, der rasantes Tempo vorgibt

Projekt Orphan
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Evan Smoak wurde unter dem Decknamen "Orphan X" von der US-Regierung als effizienter Killer ausgebildet. Nach seinem Ausstieg ist er als "Nowhere Man" unterwegs und hilft Menschen in Not. Er ist berühmt ...

Evan Smoak wurde unter dem Decknamen "Orphan X" von der US-Regierung als effizienter Killer ausgebildet. Nach seinem Ausstieg ist er als "Nowhere Man" unterwegs und hilft Menschen in Not. Er ist berühmt berüchtigt und hat sich unter seinem neuen Decknamen einen enormen Ruf erarbeitet, doch er muss sich im Untergrund bewegen, denn die anderen Orphans jagen ihn. Bei der Rettungsaktion eines Mädchens, das Evan aus den Händen eines Mädchenhändlerrings befreit, wird er überwältigt und entführt. Nun liegt es an ihm, all sein Können und seine Fähigkeiten einzusetzen, um sich selbst zu befreien.

Gregg Hurwitz hat mit "Projekt Orphan" einen fantastischen zweiten Teil der Reihe um Evan Smoak geschrieben. Ich habe erst beim Lesen erfahren, dass es bereits einen Vorgänger gibt. Dass ich diesen nicht gelesen habe, hat mir jedoch überhaupt keine Schwierigkeiten bereitet. Denn der Autor versteht es, mit Spannung und Nervenkitzel in die Geschichte hinein- und den Leser in rasantem Tempo durch die Story zu führen.

Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig zu lesen. Da Gregg Hurwitz inhaltlich so schnell vorgeht, Evan in Sekundenschnelle handelt, weil er so strategisch und analytisch vorgeht, überträgt sich diese Schnelligkeit der Inhaltsebene auch auf das Lesetempo. Die Kapitel sind angenehm kurz, enden meist mit einem kleinen Cliffhanger und ermutigen so zum stetigen Weiterlesen.

Obwohl der Spannungsbogen bereits auf den ersten Seiten beginnt, hält Gregg Hurwitz ihn erfolgreich im Laufe des gesamten Buches aufrecht, lässt ihn mit jedem Kapitel mehr ansteigen, und endet in einem fulminanten, ereignisreichen und überraschendem Finale.

"Projekt Orphan" ist ein absolut gelungener, intelligenter und verständlicher Thriller, der innerhalb kürzester Zeit gelesen ist, weil er so mitreißt. Und obwohl er gut einzeln gelesen werden kann, empfehle ich doch, den Vorgänger "Orphan X" zu lesen - einfach aufgrund des gesteigerten Lesegenusses!

Veröffentlicht am 10.02.2019

Harry Hole ermittelt wieder und sorgt für Spannung

Durst
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Eine junge Anwältin wird nach einem Tinder-Date ermordet in ihrer Wohnung gefunden. Der Mörder ist brutal vorgegangen und scheint eine Vorliebe für das Blut seines Opfers zu hegen. Die Tatwaffe ist schnell ...

Eine junge Anwältin wird nach einem Tinder-Date ermordet in ihrer Wohnung gefunden. Der Mörder ist brutal vorgegangen und scheint eine Vorliebe für das Blut seines Opfers zu hegen. Die Tatwaffe ist schnell identifiziert und sorgt nach dem Auftauchen einer weiteren Leiche bei Polizeichef Mikael Bellmann für den Drang nach schnellen Ermittlungen. Die taffe Polizistin Katrine Bratt und ihr Team ermitteln. Doch zusätzlich beauftragt Bellmann ehemaligen Ermittler Harry Hole. Er hatte eine erfolgreiche Karriere, ist jedoch nach einem ungelösten Fall an die Polizeiakademie gewechselt und unterrichtet dort. Nun kehrt er für diesen Fall zurück und trägt zu den Ermittlungen dieser brutalen Morde bei.

Jo Nesbø weiß, wie ein Thriller funktioniert. Er baut von der ersten Seite an Spannung auf, sorgt mit vielen Charakteren und Erzählwechseln für Neugier und Verwirrung. Verwirrung, weil es so viele Ermittler gibt, über die im Laufe des Buches immer mehr Hintergrundinformationen folgen, und der Leser sie auch erst im Laufe des Geschehens in ein Beziehungsgefüge einsortieren kann. Zwischenzeitlich gibt es immer wieder Erzählpassagen aus Sicht des Mörders, dessen Gedanken und Vorgehen beschrieben wird. Gerade in diesen Situationen knisterte es nur vor (An-)Spannung beim Lesen.
Der Thriller ist brutal, spannend und lässt den Leser nur so durch die Kapitel fliegen.

Gerade im letzten Drittel nimmt das Buch erheblich an Spannung zu, nachdem der Fall vermeintlich geklärt ist und plötzlich neue Hinweise auftauchen. Es folgen überraschende Wendungen, die Ereignisse überschlagen sich und enden in einem rasanten Finale.
Die englische Übersetzung ist angenehm und flüssig zu lesen.

Bei "The Thirst" handelt es sich um meinen ersten Jo Nesbø und um meinen ersten Harry Hole, jedoch definitiv nicht um meinen letzten!