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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2019

Momente und Erfahrungen

Kaffee und Zigaretten
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Meine Meinung und Inhalt
Nachdem ich alle veröffentlichten Bücher von Ferdinand von Schirach bereits gelesen hatte, stand für mich fest, dass ich auch sein neustes Werk "Kaffee und Zigaretten" lesen muss.

Dieses ...

Meine Meinung und Inhalt
Nachdem ich alle veröffentlichten Bücher von Ferdinand von Schirach bereits gelesen hatte, stand für mich fest, dass ich auch sein neustes Werk "Kaffee und Zigaretten" lesen muss.

Dieses Buch war nach meinem Empfinden wirklich anders als seine Vorgänger.
Natürlich war da der unverkennbare Erzählstil von Schirach, jedoch konnte mich dieses Buch nicht wirklich überzeugen.

Positiv fand ich die vielen persönlichen Einflüsse. In "Kaffee und Zigaretten" verwebt Schirach autobiographische Erzählungen, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln.

Insgesamt sind es 48 kurze Texte, die alle sehr unterschiedlich sind.

"Der Kampf um Würde des Angeklagten wird noch heute geführt, er muss es, Tag für Tag, aber vieles ist leichter geworden." (ZITAT)

Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat, um Kunst und Gesellschaft.

Man begleitet den Autor auf seinen unterschiedlichen Reisen (London, Brasilien, Berlin ...) und seine Treffen auf Menschen, die er verteidigt hat und mit denen er verbunden ist.

"Es stimmt. Wir müssen verstehen, wie wir wurden, wer wir sind. Und was wir wieder verlieren können." (ZITAT)

Das Cover harmoniert super zu seinen vorherigen Büchern und gefällt mir sehr gut.

Veröffentlicht am 17.03.2019

Anatomie eines Skandals

Anatomie eines Skandals
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Meine Meinung und Inhalt
In dem Buch "Anatomie eines Skandals" inszeniert die Autorin das Thema sexuelle Gewalt und ihre juristischen Konsequenzen fesselnd und brilliant zu einem furiosen Gefühlsdrama ...

Meine Meinung und Inhalt
In dem Buch "Anatomie eines Skandals" inszeniert die Autorin das Thema sexuelle Gewalt und ihre juristischen Konsequenzen fesselnd und brilliant zu einem furiosen Gefühlsdrama um zwei starke Frauen.

Es geht unter anderem um Sophie, Ehefrau von dem charismatischen Parlamentspolitiker James.
Dieser begeht eine Affäre mit seiner Assistentin, welche ihn dann wegen Vergewaltigung verklagt.

"Sie lächelte schwach; ihr Mund verzog sich zu einer Seite; ein Ausdruck trauriger Resignation, der zu sagen schien: Aber das reicht nicht oder? Sie hat in Cambridge studiert und ist nicht auf den Kopf gefallen. Doch man braucht keinen Universitätsabschluss, um zu begreifen, was ihr widerfahren ist: Nach einer Vergewaltigung verliert man ganz schnell den glauben an Anstand und Gerechtigkeit und daran, dass man mit Achtung behandelt wird." (ZITAT)

Staatsanwältin Kate sieht die Anklageschrift mit großem Interesse auf ihren Schreibtisch flattern. Ab dem Zeitpunkt beginnt ein Prozess, welcher mit unerwartetem Finale Loyalitäten auf den Prüfstand stellt und nicht nur das Leben von Sophie und James verändert....
Die Kapitel in den unterschiedlichen Zeiten sind übersichtlich und lassen sich aufgrund des guten Schreibstils von Vaughan sehr gut lesen. Der Beginn hat mir allerdings etwas Schwierigkeiten bereitet, in das Buch hineinzufinden, da äußert lang und breit die Kleidung der Anwältin etc. geschildert wurde. Details sind gut, allerdings sollte in diesem Buch nach dem Motto etwas weniger ist mehr gehandelt werden.
Die wechselnden Perspektiven, in denen James, Sophie, Holly und Kate im Mittelpunkt stehen machen das Buch durchaus abwechslungsreich und so schleicht sich keine Langeweile ein. Sehr gefallen hat mir, dass ein großer Teil der Story im Gerichtssaal stattfindet. Die Verhandlung rund um die Vergewaltigung ist äußerst gut geschrieben. Die Welt des Strafrechts, die Geschworenen, das Urteil sind sehr interessant und spannend.

Vaughan greift viele aktuelle Themen aus und hat einen durchaus gelungenen Roman geschaffen.

"Während sie versucht, das alles durchdringende Unwohlsein in ihrem Magen und den Satz, der ihr wie ein böses Mantra im Kopf hallt, zu ignorieren, umspielt ein starres Lächeln ihren Mund, und ihr Herz ist ein harter, trauriger Kiesel." (ZITAT)

Das Cover finde ich ausgesprochen gut gefällt und sehr passend.


Veröffentlicht am 18.02.2019

Mörder oder Kämpfer

Parceval - Seine Jagd beginnt
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Meine Meinung und Inhalt
Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut und sticht ins Auge. Meiner Meinung nach ist es zum Genre und Inhalt passend gewählt.

Ralf Parceval.
Er wurde zu lebenslänglich verurteilt. ...

Meine Meinung und Inhalt
Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut und sticht ins Auge. Meiner Meinung nach ist es zum Genre und Inhalt passend gewählt.

Ralf Parceval.
Er wurde zu lebenslänglich verurteilt. Er hat fünfzehn Menschenleben auf dem Gewissen. Nach deutscher Rechtsauffassung ist er ein Mörder. Ein Mann der selbst für Gerechtigkeit kämpfen will. Wider dem Gesetz.
Ihm geht es darum, dass Menschen, die solche Verbrechen anordneten und dabei noch Geld verdienten, daran gehindert werden mussten, es noch
einmal zu tun oder die Früchte ihres Tuns genießen zu können.
Es geht ihm darum, dass in seinen Augen ihr Tod einfach eine Notwendigkeit war.

Das Buch spielt in Berlin.
Dort wird die Tochter eines reichen Unternehmers entführt.
Der Täter wird bei der Geldübergabe geschnappt, doch die Polizei bekommt kein Wort aus ihm heraus. Die Zeit für das Mädchen wird knapp, und der Chef der Berliner Kripo greift zu verzweifelten Mitteln: Er holt Ralf Parceval aus dem Knast und bittet ihn um Hilfe.

"Je länger er das Fahrzeug betrachtete, desto unnatürlicher schien es ihn. Zuerst war es nur ein Gefühl gewesen, das man hatte, wenn man etwas aus dem Augenwinkel wahrnahm. Etwas war unstimmig, eine so nebensächliche Kleinigkeit, dass man sie übersah, wenn man nicht direkt hinblickte, weil der Mensch, wenn er etwas aus dem Augenwinkel betrachtete, es nicht nur mit den Augen, sondern vor allem mit seinem Fluchtreflex wahrnahm, und dieser Reflex erkannte Dinge, die das normale Bewusstsein nicht registrierte." (ZITAT)

"Das Innere des Wagens wurde mit Beton ausgegossen, mit dem Toten auf dem Fahrersitz." (ZITAT)

Der Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut, die Spannung kommt nicht zu kurz und der Protagonist ist gut dargestellt.

Die Story ist meiner Meinung nach rund, die Verbindungen zur Vergangenheit deutlich und der Schluss sehr gelungen.
Langgezogen Textstellen sind vorhanden und mildern die Spannung partiell.

"Diese Tadschiken waren vielleicht unerfahrene Krieger, aber sie haben einen der größten Coups der letzten Jahre durchgezogen. Sie haben sich Polizeiuniformen besorgt, haben eine Feier in der Polizeistation infiltriert, für die Parceval verantwortlich war, alle Polizisten und ihre Söhne erschossen, und während alle dachten, es handle sich um einen Terroranschlag, ging es eigentlich um die Frauen, Schwestern und Töchter der Polizisten. Es war zugleich ein Raubzug und eine Warnung." (ZITAT)

Ein solider Thriller, teilweise ausbaubar, aber dennoch wert, ihn zu lesen.

Veröffentlicht am 07.02.2019

Neschume - Seele

Stella
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Inhalt
Es ist 1942. Friedrich, ein stiller junger Mann, kommt vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in die geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ...

Inhalt
Es ist 1942. Friedrich, ein stiller junger Mann, kommt vom Genfer See nach Berlin. In einer Kunstschule trifft er Kristin. Sie nimmt Friedrich mit in die geheimen Jazzclubs. Sie trinkt Kognak mit ihm und gibt ihm seinen ersten Kuss. Bei ihr kann er sich einbilden, der Krieg sei weit weg. Eines Morgens klopft Kristin an seine Tür, verletzt, mit Striemen im Gesicht: »Ich habe dir nicht die Wahrheit gesagt.« Sie heißt Stella und ist Jüdin. Die Gestapo hat sie enttarnt und zwingt sie zu einem unmenschlichen Pakt: Wird sie, um ihre Familie zu retten, untergetauchte Juden denunzieren?

Meine Meinung
Normalerweise bin ich, nachdem ich ein Buch beendet habe, mir immer relativ schnell sicher, wie ich es bewerten möchte.
"Stella" von Takis Würger, musste ich eine Weile verdauen um dies zu können.
Unentschlossenheit und Unsicherheit plagten mich.
Das Buch von Würger hielt bereits einige Kritiker in Schach - wurde mehrfach debattiert und regelrecht zerrissen. Dies nicht zuletzt wegen der realen Thematik natürlich.
Liebesgeschichte vs. Verrat, eine Story gepaart mit Fakten von der echten Stella Goldstein, teilweise wirkt es zusammengebastelt und lieblos dargeboten, herausgefiltert aus dem Archiv. Wahre Begebenheiten zu genannten Zeiträumen an Kapitelanfängen - meist Aufzählung was zu diesem Zeipunkt stattgefunden hatte (z.B. April 1942: Wegen Schwarzschlachtens wird ein Berliner Fleischhauer zum Tode durch den Strick verurteilt. Frauen werden in Deutschland zur Arbeit in Rüstungsbetrieben verpflichtet. Roger Chapman wird geboren. Benito Mussolini besucht Adolf Hitler auf dem Obersalzberg. Josef Goebbels lässt den Schlager Lili Marleen verbieten, als er herausfindet, dass dessen Sängerin Liese-Lotte Helene Berta Wilke, genannt Lale Andersen, mit Schweizer Juden befreundet ist." - ZITAT)

Teile dieser Geschichte sind wahr, wie Würger zu Beginn erwähnt. In dem Buch erscheinen kursiv gedruckte Textstellen. Bei diesen handelt es sich um Auszüge aus den Feststellungen eines sowjetischen Militärtribunals. Die Gerichtsakten liegen heute im Landesarchiv Berlin.


Der Roman spielt in Berlin zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und Friedrich, ein etwas blauäugiger junger Schweizer, mittendrin. Er erlebt, was das Naziregime mit den Menschen und der Stadt macht. Möchte dies sogar hautnah erleben.
Doch er bemerkt kaum die wirklich harten Seiten, denn er ist geschützt durch seinen schweizerischen Pass und dem Geld, welches er von zu Hause zugeschickt bekommt.

Er lernt Kristin (Stella) kennen und lieben und doch weiß kaum etwas über sie.

Er versteht nicht, was in Deutschland geschieht, warum Bomben fallen, warum Juden gehasst werden und wie er hineingeraten war in diesen Krieg.

"Diese Frau trug so viele Rollen in sich, das Aktmodell, die Sängerin mit der dünnen Stimme, die Schönheit in meiner Badewanne, die Büßerin, die Lügnerin, das Opfer, die Täterin. Stella Goldschlag, die Greiferin, meine Frau.
Ich weiß nicht, ob es falsch ist, einen Menschen zu verraten, um einen anderen zu retten.
Ich weiß nicht, ob es richtig ist, einen Menschen zu verraten, um einen anderen zu retten.
Ich wollte mich irgendwo verkriechen, weil ich wusste, dass ich dem Schicksal nicht gewachsen war, aber es mischte sich ein anderes Gefühl dazu. Ich spürte eine Verbundenheit mit Stella. Sie tat etwas, für das andere Menschen sie hassten, und ich stand bei ihr. Ich verstand sie nicht, aber ich stand." (ZITAT)

Ein dünnes Buch, mit einer Bedeutungsschwere, wie es nur manche auf den wenigen Seiten bewirken können, dem Leser dies so zu vermitteln.
Das schlichte Cover ist absolut passend und gefällt mir sehr gut.

Veröffentlicht am 15.01.2019

Milliarden Webadressen und nur ein Versteck

Stream - Gehst du offline, ist sie tot
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Meine Meinung
In diesem Buch geht es um den NATO-Agenten, Frank Banta und seine Crew, die sich auf die Bekämpfung von Cyberkriminalitäten verschrieben haben.


Kaum haben sie eine Geisel befreit und alles ...

Meine Meinung
In diesem Buch geht es um den NATO-Agenten, Frank Banta und seine Crew, die sich auf die Bekämpfung von Cyberkriminalitäten verschrieben haben.


Kaum haben sie eine Geisel befreit und alles scheint gut zu laufen, gerät die Gruppe bei einem augenscheinlich harmlosen Spiel (Chatroulette) in einen Albtraum. Dort sehen sie die totgelaubte Freundin und Kollegin Anna, welche grausam misshandelt wurde.
Jemand spielt mit Ihnen.

Als Banta erfährt, dass Anna nur noch wenige Stunden zu leben hat, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Kann er und sein Team es schaffen, Hinweisen aus dem Stream nachzugehen um Anna zu retten.
Er muss er sie um jeden Preis finden. Unter keinen Umständen darf der Stream abreißen, sonst ist Anna verloren …

"Er hatte sich gezwungen, diesen ekelhaften Stream als eine Art Hollywoodfilm zu betrachten, als etwas Fernes, das bloß inszeniert
ist - keine wirklichen Qualen, kein wirkliches Blut, keine wirklichen Schmerzen. Aber die Selbsttäuschung hat nicht funktioniert. Allein der Gedanke, dass Anna seit ihrem Rumänien-Einsatz von einem Perversen malträtiert wird...." (ZITAT)

Derek Meister studierte Film- und Fernsehdramaturgie an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam/Babelsberg. Bekannteste Werke sind die historischen Kriminalromane um den Lübecker Kaufmann Rungholt. Der Band Rungholts Ehre wurde für den Friedrich-Glauser-Preis in der Sparte „Bestes Krimi-Debüt“ nominiert.

Weitere Thriller von Derek Meister:

- Der Jungfrauenmacher Blanvalet Verlag, 2015
- Die Sandwitwe Blanvalet Verlag, 2016
- Blutebbe Blanvalet Verlag, 2017

Mir hat das Buch wirklich gut gefallen, vor allem die überraschende Wendung am Ende. Der Schreibstil war packend und der Zeitdruck spürbar.