Profilbild von Booklove91

Booklove91

Lesejury Star
offline

Booklove91 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Booklove91 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.07.2017

Devil's Pocket

Shutter Man
1

Inhalt:
Seit Generationen sind die Farrens eine der gefürchtetsten Familien Philadelphias. Schutzgelderpressung, Einbruch, Schießereien,
Mord – die Liste der Verbrechen ist lang und zieht sich durch Jahrzehnte. ...

Inhalt:
Seit Generationen sind die Farrens eine der gefürchtetsten Familien Philadelphias. Schutzgelderpressung, Einbruch, Schießereien,
Mord – die Liste der Verbrechen ist lang und zieht sich durch Jahrzehnte. Als Detective Byrne in einer Mordserie ermittelt, führt die Spur wieder zu den Farrens. Und zurück in seine eigene Vergangenheit. Bereits damals wurde ein Farren mit einem Mord
in Zusammenhang gebracht, der niemals aufgeklärt wurde. Können Byrne und Balzano heute für Gerechtigkeit sorgen?

Meine Meinung:
Ein unglaublich toller ausgeklügelter Thriller der Byrne-und-Balzano-Reihe. Dies ist bereits der neunte Teil.

Um genaue Zusammenhänge zu den vorherigen Bänden zu verstehen, sollte man vermutlich schon die Bände davor lesen, da einige Anspielungen
gemacht werden. Natürlich ist dieser einzelne Band schön erklärt und klar verständlich, sodass dies kein Muss ist.

Das Cover ist sehr ansprechend und sieht verlockend aus. Außerdem passt super zum Inhalt.

Der Schreibstil ist flüssig, verständlich und spannungsgeladen und umfasst die Kapitel, welche kurz, klar und deutlich getrennt sind.

Das Buch hat mich sehr an den Film "Memento" erinnert. Wer also den Film kennt, kann sich ein wages Bild machen,
worum es in "Shutter Man" geht. Die Zusammenhänge deckt der Autor am Ende des Buches auf - Nervenkitzel pur.

Der Thriller hat mir sehr gut gefallen, jedoch denke ich nicht, dass ich die Fortsetzung der Reihe mitverfolgen werde....

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Atmosphäre
  • Figuren
  • Handlung
  • Spannung
Veröffentlicht am 13.04.2026

Machtspiele

Toxibaby
1

Meine Meinung

Toxibaby ist ein Roman, der mich gleichzeitig angezogen und ermüdet hat. Dana von Suffrin schafft es, eine Beziehung zu zeichnen, die so unheimlich intensiv, grausam ehrlich und gleichzeitig ...

Meine Meinung

Toxibaby ist ein Roman, der mich gleichzeitig angezogen und ermüdet hat. Dana von Suffrin schafft es, eine Beziehung zu zeichnen, die so unheimlich intensiv, grausam ehrlich und gleichzeitig bitterlustig ist, dass ich mich ihr kaum entziehen konnte. Herzchen und Toxi taumeln durch ein emotionales Labyrinth, das zwischen Nähe und Abgrund pendelt – ein klassisches On‑Off, das mich anfangs fasziniert hat.

Doch genau dieses On‑Off‑Prinzip zieht sich für meinen Geschmack zu sehr in die Länge. Nach einer Weile hatte ich das Gefühl dieselben Muster zu durchlaufen: Trennung, Drama, Rückfall, Hoffnung, erneuter "Absturz". Natürlich ist das realistisch – viele Beziehungen funktionieren genau so –, aber erzählerisch hätte ich mir mehr Verdichtung gewünscht.

Trotzdem hat mich der Roman nicht kaltgelassen. Er ist provokativ, manchmal schmerzhaft direkt, und er scheut sich nicht davor, seine Figuren unsympathisch, verletzlich und widersprüchlich zu zeigen. Die Autorin zielt mit den Ausagen der Figuren auch über die Grenzen hinaus.

Sprachlich mochte ich das Buch, es ist wie ein wilder Strom, ironisch, chaotisch, manchmal komisch. Die beiden Protagnisten nehmen sich beide nichts. Die Machtspiele schaukeln sich hoch und beiden ist klar es geht nicht mit und es geht nicht ohne.


Klappentext

Herzchen liebt Toxibaby und Toxibaby liebt Herzchen, die zwei ziehen sofort zusammen und adoptieren einen Hund – und trotzdem funktioniert überhaupt nichts. Herzchen ist die gefeierte Millennial-Schriftstellerin, die alles hat, noch mehr will, und doch unglücklich ist, Toxibaby ist Anfang vierzig und meint, die Last der gesamten Welt auf seinen Schultern zu tragen.

Doch für Herzchen ist er der Mann, der ihr alles bedeutet und der ihr alles nimmt. Er ist schön, brillant, wütend auf die Welt – und auf sie. Was als rauschhafte Liebe beginnt, wird zu einem Kampf um Nähe und Selbstbehauptung, ein Spiel aus Hingabe, Abhängigkeit und intellektuellem Kräftemessen.

Über die Autorin

Dana von Suffrin wurde 1985 in München geboren. Studium in München, Neapel und Jerusalem. 2017 Promotion mit einer Arbeit zur Rolle von Wissenschaft und Ideologie im frühen Zionismus. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Klaus-Michael-Kühne-Preis (2019), dem Ernst-Hoferichter-Preis (2020), dem Förderpreis des Friedrich-Hölderlin-Preises (2020), dem Tukan-Preis (2024) und dem Chamisso-Preis (2025). Sie lebt in München.

(Quelle KiWi)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2026

Wildenhains Westberlin

Das Ende vom Lied
0

Meine Meinung

"Das Ende vom Lied" hat mich sofort in ein Berlin hineingezogen, das rau, verletzlich und voller Sehnsüchte ist. Ich habe den Protagonisten, der zwischen einer zerfallenden Familie und der ...

Meine Meinung

"Das Ende vom Lied" hat mich sofort in ein Berlin hineingezogen, das rau, verletzlich und voller Sehnsüchte ist. Ich habe den Protagonisten, der zwischen einer zerfallenden Familie und der Härte der Straße aufwächst, intensiv erlebt. Man spürt als Leser:in die Orientierungslosigkeit, die Wut und das verzweifeltes Bedürfnis nach Nähe. Wildenhains schroffe, direkte und kraftvolle Sprache ist für mich das stärkste Element.. Das Buch an und für sich nicht ganz so leicht zu lesen. Die Beziehung zu Körschi (Vorbild und Bedrohung zugleich) hat mich fasziniert. Auch Alina, die zwischen beiden steht, bringt eine leise Zärtlichkeit in die Geschichte.

Der Roman ist nicht leicht. Manche Szenen sind hart und bedrückend.Man erlebt mit dem Werk auf jeden Fall ein ganzes Stück Berliner Zeitgeschichte.

Für mich ist "Das Ende vom Lied ein intensiver, mutiger Roman" der nachwirkt und zeigt, wie schmerzhaft und gleichzeitig schön das Erwachsenwerden sein kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2026

Toxische Anziehung

Ultramarin
0

Meine Meinung

Ich war aufgrund des Klappentextes neugierig auf "Ultramarin". Das Setting mit Ferienhaus am Meer und sommerlichen Stimmung klang erstmal sehr vielversprechend. Ich hatte das Gefühl, dass ...

Meine Meinung

Ich war aufgrund des Klappentextes neugierig auf "Ultramarin". Das Setting mit Ferienhaus am Meer und sommerlichen Stimmung klang erstmal sehr vielversprechend. Ich hatte das Gefühl, dass es ein ruhiger, vielleicht etwas poetischer Roman mit ein paar kleinen Geheimnissen wird. Diese Erwartung wurde auch teilweise erfüllt – vor allem, was die Atmosphäre angeht. Die Beschreibungen von Hitze, Meer und dem Ferienhaus fand ich wirklich gelungen, ich konnte mich gut hineinversetzen.

Gleichzeitig hat sich aber relativ schnell gezeigt, dass unter dieser Oberfläche ziemlich viel Spannung steckt. Die "Beziehung" zwischen Lou und Raf war für mich dabei der zentrale Punkt und auch unerträglich beinahe zu lesen. Die toxische Art von Raf, die Situationen aus denen man Lou am liebsten herausziehen möchte. Lou liebt Raf so sehr und gibt sich immer mehr auf. Lou ist unsicher, teilweise panisch wenn Raf nicht in seiner Nähe ist / verschwindet. Raf ist narzisstisch und manipulativ und sieht Lou als Besitz. Er macht sich Späße aus der Panik von Lou.

Eigentlich wäre Sophie, Rafs Schwester mit in den Urlaub gefahren, nun fährt nur Nora, ihre Freundin mit und mit Nora verändert sich für mich die ganze Stimmung noch einmal. Durch sie gerät alles aus dem Gleichgewicht, und die ohnehin schon fragile Situation kippt langsam. Spätestens als Nora verschwindet, bekommt die Geschichte für mich eine ganz andere Qualität. Wie ein düsterer Schleier der sich ausbreitet.

Es werden immer wieder Handlungsstränge aus der Vergangenheit gezeigt, was ich sehr positiv fand. Mit jedem Rückblick erfährt man ein mehr von dieser toxischen Beziehung und aufgrund des Prologs bereits klar, dass es nicht gut enden wird.

Die Geheimnisse, die verdrängt wurden, und ans Licht gekommen sind haben zusätzlich für Spannung gesorgt. Das Ende war überraschend!

Die Thematik / der Abschnitt mit dem Brand, die dann doch keine Rolle mehr gespielt zu haben schien, hat für mich Fragezeichen aufgeworfen.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Sätze knapp und direkt und dies trägt viel zur Stimmung bei.

Insgesamt ist "Ultramarin" für mich ein solides Buch mit starken Momenten, vor allem was die Stimmung und die Darstellung von zwischenmenschlichen Abhängigkeiten angeht.


Klappentext

Die Sommer gehören Lou und seinem charismatischen Freund Raf, dessen Anziehungskraft sich niemand entziehen kann, am allerwenigsten Lou. Doch diesmal ist es anders: Auch die blonde Nora steigt mit ins Auto an die dänische Küste. In einem alten Ferienhaus in den Dünen leben die drei in den Tag hinein, springen in die Wellen, rauchen, kochen, streichen umeinander herum. Was von außen wie ein unbeschwerter Urlaub scheint, eröffnet in dieser neuen Konstellation langsam dunkle Abgründe. Lou ist sich auf einmal nicht mehr sicher: Will Raf noch seine Nähe oder verachtet er ihn für seine Ergebenheit? Und warum verschwindet Nora eines Nachmittags ohne ein Wort?


Über die Autorin

Ann-Christin Kumm Ann-Christin Kumm arbeitet als Gärtnerin und Texterin und lebt in Berlin. "Ultramarin" ist ihr erster Roman. (Quelle Hanser)

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.03.2026

leise, eindringliche Familiengeschichte

Das gute Leben
0

Meine Meinung

"Das gute Leben" ist ein ruhiger, nachdenklicher Generationenroman über vier Frauen, deren Leben zwischen Rumänien und Deutschland miteinander verwoben sind. Im Mittelpunkt steht Christina, ...

Meine Meinung

"Das gute Leben" ist ein ruhiger, nachdenklicher Generationenroman über vier Frauen, deren Leben zwischen Rumänien und Deutschland miteinander verwoben sind. Im Mittelpunkt steht Christina, die nach dem Tod ihrer Großmutter Anni in das alte Haus zurückkehrt. Wir begleiten sie und die ganzen Erinnerungen die ihr geblieben sind.

Die Atmosphäre des Spätsommers, die reifen Trauben im Garten, das langsame Öffnen der Vergangenheit fand ich gut umgesetzt. Man erfährt mehr, auch die Art, wie Annis Leben sichtbar wird ist toll umgesetzt. Ihre Flucht aus Rumänien, ihr Neubeginn in Deutschland, die harte Arbeit beim Quelle‑Versand, das Alleinsein, das Pflichtgefühl ... Ich habe beim Lesen oft gedacht, wie viel Kraft in einem Leben stecken kann, das von außen unspektakulär wirkt.

Die Sprache des Romans empfand ich als ruhig, klar und flüssig und teilweise poetisch. Schön fand ich auch, dass der Titel des Buches sich in mir in eine Frage gewandelt hatte, nämlich: Was bleibt von einem Leben? Was geben wir weiter? Und was bedeutet es überhaupt, ein „gutes Leben“ geführt zu haben?

Am Ende blieb bei mir ein Gefühl von Wehmut, aber auch von Dankbarkeit. Der Roman hat mich daran erinnert, wie sehr die Geschichten unserer Mütter und Großmütter in uns weiterleben, selbst wenn wir sie erst spät wirklich verstehen. Und vielleicht geht es vielen Leser:innen auch wie mir, dass man durch das Buch wieder an seine Großeltern (und die, die das Glück haben durftern die Urgroßeltern noch kennenzulernen auch an diese) zurückzudenken. Der Roman wirkt durch Atmosphäre und viele Erinnerungen, weniger durch Handlung.



Über die Autorin

Nadine Schneider, geboren 1990 in Nürnberg, stammt aus einer rumäniendeutschen Familie. Sie studierte Musikwissenschaft und Germanistik in Regensburg, Cremona und Berlin. Ihr erster Roman »Drei Kilometer« wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Literaturpreis der Stadt Fulda. 2021 las sie beim Ingeborg-Bachmann-Preis. Im selben Jahr erschien ihr zweiter Roman »Wohin ich immer gehe«. Nadine Schneider lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Nürnberg.

Quelle: Verlag / vlb

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere