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Veröffentlicht am 31.03.2019

Ein Jahrhundertbuch!!!

Das achte Leben (Für Brilka)
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Das achte Leben (für Brilka) - Nino Haratischwili


Lesegefühl:
Dieses Buch habe ich innerhalb von vierzehn Tagen (die ersten 640 Seiten) und zwei Nächten (die letzten 640 Seiten) gelesen. Ich habe beim ...

Das achte Leben (für Brilka) - Nino Haratischwili


Lesegefühl:
Dieses Buch habe ich innerhalb von vierzehn Tagen (die ersten 640 Seiten) und zwei Nächten (die letzten 640 Seiten) gelesen. Ich habe beim Lesen gelitten, geweint, gelacht, mich geärgert, gestaunt, recherchiert, innegehalten, nachgedacht und vor allem geliebt. Ich habe natürlich die Figuren und ihre Geschichten geliebt, ich habe aber auch die Sprache geliebt, die mit Wucht, Magie, einem ununterbrochenen Sog und unendlich viel Zärtlichkeit erzählt. Und ich habe jede Minute, jede Stunde geliebt, die ich mit diesem tragischen, berührenden, brutalen und fesselnden Buch verbringen durfte.

Mein persönlicher Bezug zu Georgien:
Um nur annähernd aufzeigen zu können, was genau dieses Buch in mir ausgelöst hat, muss ich zuerst ein wenig zurückgehen. Zurück in das Jahr 2013, in dem Nino Haratischwili wohl gerade beim Korrekturlesen des Manuskripts von "Das achte Leben (für Brilka)" und zurück das Jahr 2014, in dem die Menschheit endlich um eines der wohl grossartigsten Bücher unserer Zeit reicher werden durfte, als nämlich die Geschichte von Brilka endlich die Herzen zahlreicher Leserinnen und Leser eroberte.
In dieser Zeit befasste ich mich intensivst mit der Geschichte Georgiens und vor allem mit der Geschichte des Komponisten Otar Taktakischwili (1924 - 1989). Weil ich seine Sonate für Flöte und Klavier an meinem Bachelorrezital aufführen wollte und fast nichts über diesen eigentlich so wichtigen und damals auch bekannten Komponisten Georgiens finden konnte, machte ich ihn nämlich kurzerhand zum Thema meiner Thesisarbeit mit dem Titel "Zum Komponieren in der Sowjetunion am Beispiel der Flötensonate von Otar Taktakischwili" und erforschte dabei eben genau nicht Schostakowitsch, Prokofjew und Strawinski, über die man bereits zahlreiche Literatur finden kann, sondern weniger bekannte Komponistinnen und Komponisten der damaligen Sowjetunion. Ich führte gefühlt hunderte von Intervies in Englischer und Deutscher Sprache, durchforstete das Internet und eine enorme Menge an Literatur und benötigte dabei nicht selten die Hilfe einiger Komilitonen, damit ich mir auch russische und georgische Texte erschliessen konnte. Schnell kam ich in Kontakt mit der Musikhochschule in Tbilisi, die mir Einblicke in ihre Archive gewährte, schnell bekam ich Antworten von Komponistinnen und Komponisten, die mittlerweile in zahlreiche Länder emigriert waren oder immer noch in Ländern der damaligen Union leben und lebten und innerhalb von kürzester Zeit erfuhr ich aus erster Hand von Unterdrückung, Zensur, Repression, aber auch dem kleinen Glück, Deals mit dem Staat ausgehandelt zu haben, die Heimat verlassen zu haben oder nach dem Zerfall der Union plötzlich zu bemerken, dass man nicht mehr beschattet wurde. Ich blickte tief in das Leben und die Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern, die einfach nur komponieren und ihre Musik veröffentlichen und aufführen lassen wollten, die manchmal nicht mehr oder nur in Andeutungen über das ihnen widerfahrene Leid sprechen konnten und die aber auch oft froh waren, dass endlich jemand ihre Geschichte hören wollte.

Niza:
Niza, die Erzählerin dieses Buches, hat mich erinnern lassen, was ich vor fünf Jahren in meinem Leben und Arbeiten losgetreten habe. Seither nämlich hat mich die Musik von Komponisten (und natürlich auch Literatur) aus der damaligen Union nicht mehr losgelassen und begleitet mich durch meinen Alltag. Ich brauche sie richtiggehend, wie die Luft zum Atmen, weil sie so viele traurig-schöne Geschichten erzählt und weil es einfach noch so viel zu entdecken und auch aufzudecken gibt.
Aber zurück zu Niza, die in Georgien aufgewachsen ist, in einer Familie, die von ganz oben nach ganz unten fiel, manchmal nur sich selber hatte, manchmal nicht einmal mehr das. Eine typische georgische Familie wohl, welche die Wandel der Zeit, neue Machthaber, Kriege und Verrat und neben unbeschwerten, romantischen, verspielen Momenten vor allem auch sehr viel Leid, Tod und Angst erleben musste. Niza hat dies alles irgendwann hinter sich gelassen, ist ausgewandert, hat Abstand zwischen sich und ihre Geschichte gebracht. Als sie jedoch ihre zwölfjährige Nicht Brilka, die sich auf einer Tournee ihrer Tanzgruppe davongestohlen hat, aufspüren soll, muss sie sich zugleich ihrer Geschichte stellen. Wie ich mich auf eine Spurensuche gemacht habe, macht dies auch Niza, nur ist sie natürlich noch persönlich betroffen. Das Gefühl, plötzlich Antworten auf Fragen zu bekommen, die man schon gar nicht mehr zu beantworten hoffte, kenne ich aber nur zu gut.

Schreibstil und Handlung:
Fast durchgehend chronologisch erzählt Niza die Geschichte ihrer Familie und beginnt dabei bei ihrem Ururgrossvater, einem angesehenen Chocolatier, und dessen Töchter. Diese Geschichte, die sich über sechs Generationen erstreckt, ist zugleich die Geschichte eines Landes, das im Laufe einer komplizierten Zeit zum Spielball von Grossmächten wurde und stets neue Hoffnung auf neue Regierungen setzte und genau so oft bitter enttäuscht wurde. Es ist auch die Geschichte von Liebe, von starken Frauen, die das Schicksal ihrer Familie in die eigenen Hände nehmen und von jungen Menschen, die ihre Träume in die Welt hinaustragen wollen. Historische Persönlichkeiten, Künstlerinnen und Künstler und natürlich auch Politiker werden dabei gekonnt mit fiktiven Elementen und Figuren vermischt und schon nach kurzer Zeit fühlt man sich als Leser mitten im Geschehen, zu Besuch bei Familie Jaschi, ja sogar als Teil der Familie Jaschi und hört Kitty ihre Lieder von der perfekten Welt trällern und sieht Andro im Garten Engel schnitzen.
Was ich besonders an diesem Buch geschätzt habe, weil es mir so bekannt vorkam, ich so viele Formulierungen in ähnlicher Form bereits gehört und bei meinen Komilitoninnen und Komilitonen aus Georgen identische Mentalitäten, wie die überbordende Gastfreundschaft, ein wenig Trägheit und vor allem ganz viel Herzlichkeit erleben durfte, waren Nino Haratischwilis Beschreibungen ihrer Heimat. Diese 1280 Seiten sind eine einzige Liebeserklärung an ein Land und seine Bewohner und wie es auch manchmal in der Liebe sein kann, hadert man, ärgert sich, streitet sich und verletzt sich. Und doch ist da am Ende diese grosse Zärtlichkeit in Haratischwilis Sprache, die so verzeihend und hoffnungsvoll in die Zukunft blickend von trunkenen Nachmittagen, Menschen, die sich zuerst ausschlafen müssen, bevor sie demonstrieren können, von Politikern, die immer wieder enttäuschen und deren Ersatz doch jedes Mal für neue Hoffnungen sorgt und von Herzlichkeit, Nähe, Stolz und Stärke erzählt.

Meine Empfehlung:
Wenn es nur ein Buch gibt, das ihr in eurem Leben wirklich lesen SOLLT, dann ist es "Das achte Leben (für Brilka)".

Veröffentlicht am 31.03.2019

Für Musikerinnen und und Musiker ein MUSS

Musik als Klangrede
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Musik als Klangrede - Nikolaus Harnoncourt


Warum ich beschlossen habe, wesentlich mehr und bewusster zu Fachliteratur zu greifen:
Nach sieben Studienjahren und zwei Masterabschlüssen hatte ich irgendwann ...

Musik als Klangrede - Nikolaus Harnoncourt


Warum ich beschlossen habe, wesentlich mehr und bewusster zu Fachliteratur zu greifen:
Nach sieben Studienjahren und zwei Masterabschlüssen hatte ich irgendwann das Gefühl (und vor Studenabschluss auch schon die Befürchtung für die Zukunft), nun bildungstechnisch ein wenig im luftleeren Raum zu schweben. Fachliteratur habe ich auch schon während meiner Studienzeit sehr gerne und oft gelesen. Aber jetzt, wo Mentoren, Dozenten, Professoren gänzlich aus meinem Alltag verschwunden sind, habe ich noch viel bewusster begonnen, mich mit Sach- und vor allem Fachbüchern rund um die Themen Musik, Musikpädagogik, Musiker, Interpretationspraxis, Quellenkunde und Musikwissenschaften zu beschäftigen und versuche dabei, täglich mindestens ein Kapitel in meiner aktuellen Lektüre zu bearbeiten. Und warum soll ich diese Bücher hier nicht auch erwähnen? Schliesslich gehören sie genauso zu meinem Leseverhalten dazu, wie alle anderen und vielleicht kommt jemand von euch sogar auf den Geschmack


Meine Meinung zum Buch:
"Musik als Klangrede" hat mir mein Hauptfachprofessor (und nicht nur er) schon während meiner Studienzeit empfohlen. Ich habe das Buch gekauft und pflichtbewusst einzelne Kapitel daraus gelesen. Diese Kapitel nämlich, die mich interessierten und die ich für mein Musizieren gerade benötigte. Im Januar dieses Jahres dann habe ich mir das Buch noch einmal ganz vorgenommen und begonnen, Kapitel für Kapitel durchzuackern und habe mich dabei auch oft darüber mit Mitmusikerinnen und Mitmusikern ausgetauscht, sowie einzelne Überlegungen und Ideen schon in mein tägliches Üben integrieren können. Nikolaus Harnoncourt erwähnt in seiner Sammlung von Aufsätzen nämlich vor allem, wie er selber sich alte Meister erarbeitet hat und wie er diese Arbeit auf das Dirigieren von ganzen Orchestern übertragen konnte. Dies wirkt manchmal dogmatisch und kann durchaus diskutiert werden, aber sogar dann, wenn dieses Buch auch nur als Diskussionsgrundlage dient, ist sein Zweck schon vollständig erfüllt.

Harnoncourt liefert nämlich auch spannende biografische Verknüpfungen zwischen verschiedenen Komponisten und ihren Lebensumständen und den Werken, die sie - manchmal eben genau so aufgrund genau dieser jeweiligen Lebensumstände - geschaffen haben. Diese Denkweise liegt mir sehr nahe, habe ich doch auch schon während meiner Studienzeit versucht, Musik in ihrem Kontext, biografisch, gesellschaftlich, ökonomisch zu sehen und entsprechend zu interpretieren und was Harnoncourt für spannende Beispiele und manchmal auch Anekdoten liefert, macht gleich Lust, weitere Literatur zu den Themen Raumakustik und Instrumentenkunde, wie auch Biografien diverser Komponisten zu lesen.


Meine Empfehlung:
Dieses Buch richtet sich spezifisch an Interpretinnen und Interpreten, Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker, welche sich gerne intensiver mit der Interpretation früherer Werke, der Spielpraxis, Instrumentenkunde und Aufführungspraxis auseinandersetzen möchten. Es ist meiner Meinung nach ein absolutes Muss und ein sinnvoller Leitfaden (oder zumindest eine Diskussionsgrundlage) für alle Musikerinnen und Musiker dieser Welt und bietet viele Denkanstösse und Lösungsansätze für "Probleme" unseres Alltags.

Veröffentlicht am 10.12.2025

Spannend und vielschichtig

Auf Treu und Glauben
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Inhalt:
Brunetti leidet unter der Hitze der sommerlichen Stadt und freut sich auf eine Auszeit in den Bergen mit seiner Familie. Nur leider machen ihm ein Leichenfund und skrupellose Betrüger einen Strich ...

Inhalt:
Brunetti leidet unter der Hitze der sommerlichen Stadt und freut sich auf eine Auszeit in den Bergen mit seiner Familie. Nur leider machen ihm ein Leichenfund und skrupellose Betrüger einen Strich durch die Rechnung. Mühsam kämpft er gegen die Hitze und korrupte Verbrecher an und wirbelt dabei richtig viel Staub auf.

Meine Meinung:
Das Verbrechen scheint zu ruhen, aber Ruhe ist nie ein gutes Zeichen in der Serenissima. Und so entwickelt sich schon bald ein spannender, politisch und gesellschaftlich brisanter Fall, dem sich Brunetti mit viel Fingerspitzengefühl und Finesse annimmt. Der Aufbau vieler Brunetti-Romane ist ähnlich. Anfänglich scheint nichts zusammenzupassen, aber irgendwie ist doch alles miteinander verbunden. Auch in diesem Roman entwickelt sich dies ähnlich: Vianellos Besorgnis um seine Tante, welche das ganze Geld der Familie auszugeben droht sowie einige verdächtige Vorgänge und Versäumnisse am Gericht hängen auf den ersten Blick nicht zusammen. Zudem macht die Hitze Brunetti so richtig zu schaffen, was ihn ein wenig langsam in die Gänge kommen lässt. Tatsächlich hat es auch bei mir ein wenig gedauert, bis ich verstanden habe, wie alles zusammenhängt und ich denke, dass dieser Roman den wohl bisher ausgeklügeltsten Fall beinhaltet. Trotzdem kommen die beliebten Restaurantbesuche, das augenzwinkernde Ärgern des Vice-Questore Patta und Szenen aus dem Privatleben Brunettis auch in diesem Buch nicht zu kurz.

Meine Empfehlung:
Auch wenn dieser Krimi von der Jahreszeit her gar nicht in den Dezember gepasst hat, hat mich dieser Fall sehr gut unterhalten und besonders intensiv rätseln lassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.11.2025

Überraschend und spannend

Melody
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Inhalt:
Tom Elmer tritt eine neue Stelle als Nachlassverwalter bei Dr. Stotz an. Der sehr wohlhabende Alt-Nationalrat hat nicht mehr lange zu leben und erzählt Tom in langen Sitzungen vor seinem Kamin ...

Inhalt:
Tom Elmer tritt eine neue Stelle als Nachlassverwalter bei Dr. Stotz an. Der sehr wohlhabende Alt-Nationalrat hat nicht mehr lange zu leben und erzählt Tom in langen Sitzungen vor seinem Kamin von seiner grossen Liebe und damaligen Verlobten Melody, die kurz vor der Hochzeit spurlos verschwand. Gemeinsam mit den anderen Angestellten von Dr. Stotz und mit seiner Grossnichte Laura macht sich Tom daran, die unzähligen Dokumente aus Dr Stotz' Vergangenheit zu ordnen und beginnt dabei auch, nach Melody zu suchen. Schnell wird klar, dass nicht alle Kamingeschichten der Wahrheit entsprachen und dass sich die Geschichte doch ganz anders zugetragen haben könnte, als vermutet.

Meine Meinung:
Wenn ich mich richtig erinnere, ist dies mein erster Roman von Martin Suter und als Schweizerin ist dieser Autor natürlich Pflicht für mich. Ich muss ehrlich sagen, dass ich anfangs skeptisch war, weil ich bereits sehr unterschiedlichen Meinungen zu Suters Werk begegnet bin. Eine Freundin hat mir aber dieses Buch empfohlen und geliehen und die spannende Geschichte hat mich sofort begeistert.
Von Anfang an habe ich mitgefiebert und gerätselt und wollte unbedingt wissen, ob und wie die Geschichte aufgelöst wird. Dabei haben mir vor allem die fein gezeichneten Figuren (allen voran Dr. Stotz' Köchin Mariella, die mich mit ihren grandiosen Rezepten verzaubert und Laura, welche stets voller Liebe mit und über ihren Grossonkel gesprochen hat) und mit ihren Ecken und Kanten für diverse unterhaltsame und auch berührende Szenen gesorgt.

Schreibstil und Aufbau:
Die Hauptfigur ist eigentlich Tom Elmer, der sich komplett ahnungslos, was dieser Job für ihn überhaupt bedeuten wird, die Arbeit bei Dr. Stotz antritt. Aber der gute Lohn und die geheimnisvolle Geschichte haben ihn das Angebot einfach nicht ablehnen lassen. Nach und nach erfahren wir mit ihm gemeinsam, welche Dimensionen die Geschichte um Melody eigentlich hat. In drei Abschnitten wird beschrieben, wie Toms Alltag aussieht und dabei reisen wir durch die Geschichten von Dr. Stotz auch immer wieder in die Vergangenheit. Dies hat mir sehr gut gefallen.

Meine Empfehlung:
Dieser Roman steckt voller Überraschungen und kulinarischen Entdeckungen und ich empfehle euch die Geschichte mit Sogwirkung sehr gerne weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.11.2025

Spannend, skurril, unterhaltsam

Wackelkontakt
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Inhalt:
Franz Escher liebt Puzzles und Mafiageschichten, führt aber sonst ein eher langweiliges und geordnetes Leben als Trauerredner. Während er auf den Elektriker wartet, liest er eine Geschichte über ...

Inhalt:
Franz Escher liebt Puzzles und Mafiageschichten, führt aber sonst ein eher langweiliges und geordnetes Leben als Trauerredner. Während er auf den Elektriker wartet, liest er eine Geschichte über Elio Russo, der die Mafia dank eines Zeugenschutzprogramms verlassen und sich ein neues Leben aufbauen kann.
Elio Russo ist Kronzeuge in einem millionenschweren Mafiaprozess und wartet darauf, das Land und sein aktuelles Leben verlassen zu können. Er liest ein Buch über Franz Escher, der auf den Elektriker wartet. Was wie eine harmlose Erzählung zweier zufällig verbundener Leben beginnt, wird zu einem mitreissenden Strom, der sich wie Eschers Puzzles zusammenzufügen beginnt.

Meine Meinung:
Wie so viele von euch hat auch mich das Cover zuerst abgeschreckt und ich denke, dass ich nie zu dieser kurzen Geschichte gegriffen hätte, wenn ich das Buch nicht von einer Bekannten geliehen bekommen hätte. Ohne grosse Erwartungen - und ohne zu wissen, wovon die Geschichte handelt - stürzte ich mich ins Leseabenteuer und war innerhalb von kürzester Zeit komplett begeistert und überzeugt.
Mir hat gefallen, wie sich die Figuren Franz Escher und Elio Russo auf wenigen Seiten entwickeln, wie Nebenfiguren und Schauplätze mit einer grossen Leichtigkeit eingeflochten werden und wie sich nach und nach ein packender Sog entwickelt.

Schreibstil und Aufbau:
Die beiden Erzählstränge gehen stetig ineinander über. Greift Escher zum Buch, springt die Handlung sofort zu Russo und umgekehrt. Keine Kapitel, Überschriften und Absätze trennen die anfangs längeren und dann immer kürzer werdenden Szenen voneinander und trotzdem ist es problemlos möglich, den gekonnten Verstrickungen zu folgen.
Wolf Haas schreibt mit einer grossen Lust am Erzählen und Fantasieren und es ist ein riesiges Vergnügen, sich diesem atemlosen Schauspiel hinzugeben. Bis zum Ende habe ich mitgefiebert und auch wenn die Figuren durchaus ein wenig skurril daherkommen, habe ich sie gerne durch die Geschichte begleitet.

Meine Empfehlung:
"Wackelkontakt" ist mein erstes Buch von Wolf Haas, aber ich möchte definitiv noch mehr von ihm lesen und möchte euch diese durchdachte, gekonnt erzählte und spannende Geschichte unbedingt ans Herz legen.

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