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Waschbaerin

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Veröffentlicht am 03.04.2019

Von Zweibeinern mit ihren Vierbeinern - oder umgekehrt?

Wer erzieht hier eigentlich wen?
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Das vorliegende Buch "Wer erzieht hier eigentlich wen?" von Gernot Beger ist ein humorvoller Unterhaltungsroman mit viel wahrem Hintergrund. Die Realität übertrifft ja oftmals die Fantasie und ist schon ...

Das vorliegende Buch "Wer erzieht hier eigentlich wen?" von Gernot Beger ist ein humorvoller Unterhaltungsroman mit viel wahrem Hintergrund. Die Realität übertrifft ja oftmals die Fantasie und ist schon deshalb urkomisch. Dieses Buch ist etwas fürs Herz - egal ob meinen Hund hat oder auch nicht.

Die Erzählerin ist Chaka, eine Ridgeback-Hündin, die ihr Herrchen Gernot bei Spaziergängen an der Leine mitlaufen lässt. Doch vor der Metzgerei hat eindeutig Gernot das Sagen. Chaka muss draußen bleiben und darf sabbernd die ganzen Leckereien hinter der Scheibe begierig anschmachten. Wer wie ich nicht weiß was ein Ochsenziemer ist, bekommt zu diesem Hundeleckerlie Aufklärung. Chaka ist entzückt von diesem nach Mist stinkenden Etwas, welches sie abkauen darf - was aber der Männerkochrunde am Abend den Genuss ihrer neuen Kochkreation beeinträchtigt, da sich ein unangenehmer Geruch über deren Geschmacksnerven legt. Aber für was gibt es Rotwein zum Nachspülen?

Auf den gemeinsamen Spaziergängen zeigt Chaka mal gleich anderen Vierbeinern wer hier das Sagen hat und wo der Hammer hängt. Man muss sich ja Respekt verschaffen. Und andere Hundehalterinnen die sich dumm benehmen, werden gleich mal angeknurrt bis sie parrieren. Für die kleinen "Sandpupser" (Hunde mit kurzen Beinen) hat Chaka wenig übrig. Gleichzeitig hat sie aber auch Mitleid mit den vollgestopften Vierbeinern, die bei Kälte in Strickpullover gesteckt werden und nicht herumtollen können.

Dass Herrchen Gernot seine Hundespaziergänge auch mal gerne auf dem Fahrrad erledigt, hat ungewollte Folgen. Immerhin ist es gar nicht so einfach, sein Rad samt Hund in der Balance zu halten. So enden solche Spazierfahrten für Gernot ab und zu mit einem Sturz in den Straßengraben. Zu Fuß ist sowieso gesünder. Vor allem, man trifft auch andere, nette Leute sowie deren Hunde und es tun sich ungeahnte Möglichkeiten auf. Besonders der Mischlingsrüde Einstein hat es Chaka angetan. Sein Frauchen ist auch nicht von schlechten Eltern und wenn Gernot mit Frauchen Jule - so könnte auch Chaka mit Rüde Einstein. Und schon fängt das Hundehirn an und arbeitet.

Doch was sein Herrchen meint, wenn er "Sitz, Sitz" ruft, weiß sie dann doch nicht. Soll sie sich setzen, wieder aufstehen und wieder setzen? Oder was meint Gernot? Damit der Umgang mit seiner Hündin besser klappt, geht er mit Chaka in die Hundeschule. Gernot lernt dort, was seine Vierbeinerin braucht. Chaka weiß ja schon, was Hunde so benötigen. Dabei ist sie ganz liebenswert, macht ihrem Herrchen im Bett genügend Platz, damit auch er dort schlafen kann.

Vor unseren Augen entwickelt sich eine liebenswerte Wohn- und Lebensgemeinschaft von Vier- und Zweibeinern. Wer das eigentliche Sagen in der Wohnung hat, ist bis zum Ende nicht ganz klar. Herrchen mag geschlossen Türen, wogegen Chaka auf ihre Art protestiert. Am Ende bleiben die Türen offen. Wer sagt's denn!

"Wer erzieht hier eigentlich wen?" ist ein allerliebstes Unterhaltungsbuch, das mich viel zum Schmunzeln und Lachen brachte.

Veröffentlicht am 31.03.2019

Es gibt 2 Arten von Büchern: Fiktionen und gebundenes Leben

Die verborgenen Stimmen der Bücher
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Wer hätte sich nicht schon einmal gewünscht, schlimme Erlebnisse, schmerzhafte Erfahrung hinter sich zu lassen, vergessen zu können? In dem vorliegenden Hörbuch "Die verborgenen Stimmen der Bücher" wird ...

Wer hätte sich nicht schon einmal gewünscht, schlimme Erlebnisse, schmerzhafte Erfahrung hinter sich zu lassen, vergessen zu können? In dem vorliegenden Hörbuch "Die verborgenen Stimmen der Bücher" wird dies wahr - mit all seinen Folgen.

Emmett Farmer lebt und arbeitet auf dem Hof seiner Eltern. Seit Monaten ist er kränklich, fällt in Ohnmacht und hat Fieberschübe. Der Beginn dieser Krankheit liegt für ihn in einem dichten Nebel. Die Familie ist ratlos, der Vater ungehalten. Ein Brief der Buchbinderin Seredith, dass sie Emmett als Lehrling haben will gibt seinem Leben eine Wende. Abgeschoben fühlt sich Emmett, als er vom Vater gezwungen wird die Lehrstelle bei der "Hexe" wie man diese Buchbinder nennt, anzunehmen. Mit der Pferdekutsche wird er dorthin gebracht.

Doch die Ausbildung entpuppt sich für ihn als Glücksfall. Seredith hat einen Namen für seine Krankheit: Buchbinderfieber. Emmett darf zwar an Leder üben, doch das Binden bleibt ihm verborgen. Was hat es mit den verschlossenen Zimmern auf sich? Mit den Unglücklichen, die zu Seredith kommen, in diese Zimmern eintreten, um sie später als befreite Menschen zu verlassen? Wer ist Lucien Darney, dieser verstörte junge Mann mit dem bleichen Gesicht und schwarzen, schattenumrandeten Augen, der Emmett so intensiv betrachtet?

Emmett erfährt, was es mit dem "Binden" auf sich hat. Menschen können ihre Erlebnisse von Buchbindern wie Seredith in spezielle Bücher binden lassen und dabei ihre unerträgliche Vergangenheit vergessen. Fühlen sich danach wie ein unbeschriebenes Blatt, frei von quälenden Gedanken. Doch was ist schlimmer, sich zu erinnern oder weiße Flecken im Lebenslauf?

Der Roman macht eine Rolle rückwärts. Wir sind wieder auf dem Bauernhof von Emmetts Eltern. Seine Schwester Alta lässt sich in ein Gewässer fallen, nur um von dem schönen und reichen Adligen Lucien Darney gerettet zu werden. Auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Sie ist hin und weg vor Liebe. Emmett fühlt sich als großer Bruder, der seine Schwester vor den sexuellen Wünschen eines gelangweilten Adligen glaubt schützen zu müssen. Trotzdem, Lucien ist nun fast täglich Gast auf dem Hof, wo er so gar nicht hinpasst. Höflich und wie ein großer Bruder zu Alta. Hilft bei der Hofarbeit, steht dabei im Weg, ist liebenswürdig und allgegenwärtig. Gehört irgendwann dazu. Man kann nicht anders als ihn zu mögen und fragt sich, welches dicke Ende da noch kommen mag.

Der Hörer erlebt eine der romantischsten Liebeswerbungen, die man sich denken kann. Ohne die Hast moderner Liebesromane, bei denen alles sofort sein muss. Die Liebe entwickelt sich langsam, voller Geduld, abwartend, werbend, zärtliche Blicke und liebevolles Lächeln. Romantik pur. Annäherung. Der erste Kuss....Umarmung....

Wechsel: Emmett wird in das Haus der Darneys gerufen um Nelly, ein misshandeltes Dienstmädchen zu binden. Durch Zufall findet er in diesem Haus, im Beisein von Lucien sein Buch, verbrennt es, was zur Folge hat, dass er sich erinnert. Tiefempfundene Gefühle, verbotene Liebe, Glück. Die Erinnerung setzt wieder ein.

Doch wir tauchen auch ein in eine hässliche, graue Welt. Werden mit einem adligen Vater konfrontiert, der seinen Sohn zutiefst verachtet, quält, seinem Sohn droht, ihn auf ewig hinter den Mauern einer Irrenanstalt verschwinden zu lassen, falls er sich nicht beugt. Gewalt pur, ohne Reue. Sexuelle Gewalt gegen Bedienstete. Einer Mutter, die ihre Augen vor den Qualen ihres Sohnes verschließt, der irgendwann weiß, auch gebunden worden zu sein. Was war für ihn so unerträglich? Bin ich wie mein Vater, fragt sich Lucien Darney entsetzt. Womöglich ein Vergewaltiger, ein Mörder? Angst vor der Wahrheit.

Die menschliche Seele kann voller Zärtlichkeit und Liebe, aber auch voller Hass und der Freude an der Zerstörung sein. Wir erleben in diesem Hörbuch die ganze Bandbreite.

Ich stehe weder sonderlich auf Fantasy noch historische Romane. Doch von diesem Werk war ich total fasziniert, teilweise zutiefst verzaubert. Da spielt eher Mystik als Fantasy eine Rolle. Es passt einfach alles. Eine gute Vorlage und vor allem wurde mit Frank Stieren ein excellenter Sprecher gewählt.

Von mir gibt es eine absolute Hörempfehlung!

Veröffentlicht am 23.03.2019

Da wird man als Erwachsener wieder zum Kind

Stell dir vor, du wärst...ein Tier im Garten
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Als ich das Buch „Stell dir vor, du wärst... ein Tier im Wald“ von Bärbel Oftring in Händen hielt, war mein spontaner Eindruck, ‚was für ein faszinierendes Kinderbuch‘. Es fängt schon mit dem ansprechenden ...

Als ich das Buch „Stell dir vor, du wärst... ein Tier im Wald“ von Bärbel Oftring in Händen hielt, war mein spontaner Eindruck, ‚was für ein faszinierendes Kinderbuch‘. Es fängt schon mit dem ansprechenden Cover an. Da prangt das Foto eines Waldes. Doch das wäre ja nichts Besonderes, hätte man nicht eine Illustration, bestehend aus einem großen Laubbaum, darunter ein Dachs, eine Wildschweinmama mit gestreiftem Frischling, einem Specht und eine Baumhöhle aus der die Augen einer Eule neugierig blicken, in den Vordergrund platziert. Diese Mischung aus Mattdruck und Hochglanz ergibt eine gute Mischung. Im Buchladen hätte ich ganz spontan danach gegriffen.

Der Inhalt des Buches ist allerliebst. Da wird man als Erwachsener wieder zum Kind und hat seine Freude beim Lesen. Auch da wieder diese Mischung aus Foto und Illustration. Jedes Tier wird einzeln vorgestellt.

Nehmen wir als Beispiel den Fuchs: Zuerst kommt eine allgemeine Vorstellung dieses nachtaktiven Tieres. Dass sich auch hier Fotos und Illustrationen ergänzen, versteht sich von selbst. „Die nächtliche Tour durchs Revier“ ist zeitlich genau aufgelistet, mit allem was der Fuchs in diesen Stunden erlebt. Vom Fressen über das spätere Markieren mit Urin und Kot. In Gedanken kann man dem Fuchs auf seinen nächtlichen Streifzügen folgen. In dem Kästchen „Das bist du“ Wird der heimische Fuchs mit Körperlänge, Gewicht, Alter, Auffälligkeiten, die Geschwindigkeit die er erreichen kann und am Ende die Tragezeit und Geburt vorgestellt. Weiter geht es mit „Dein Wohnort“ „Deine Familie“ „Von morgens bis abends“, „Seine Lieblingsspeisen“, „Waschen“, der „Klo“ darf natürlich auch nicht fehlen und dann deine „Superkräfte“. Die sind ganz wichtig. Immerhin gibt es auch Feinde.

Das Inhaltverzeichnis zu Beginn des Buches erleichtert die Suche nach einem bestimmten Tier. Am Ende ein Glossar, das den Kindern schwierige Wörter einfach erklärt, damit sie auch ohne Hilfe Erwachsener dieses wunderschöne Werk lesen können.

Doch mein Tipp an die Erwachsenen ist, dieses Buch den Kindern vorzulesen, denn ich weiß nicht wer mehr Freude daran hat – die Kleinen oder die Großen. Dabei bietet sich eine wunderbare Gelegenheit, Kindergarten- als auch Grundschulkindern anhand dieses Kinder-Sachbuches (oder ist es doch ein Bilderbuch?) die Tiere in unserem Wald nahe zu bringen.Vielleicht begegnet man beim nächsten Spaziergang einem Reh oder Hasen und kann anschließend gemeinsam in dem Buch nachschlagen.

Ich habe mich jedenfalls auf Anhieb in dieses Buch verliebt. Deshalb gibt es von mir auch eine absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 06.03.2019

Vom Fjord über das Fjell

Die Glocke im See
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Das vorliegende Hörbuch "Die Glocken im See" von Lars Mytting ist durchdrungen von nordischer Mystik, die dem Hörbuch etwas Geheimnisvolles verleiht.

Wir befinden uns gegen Ende des 19. Jahrhunderts ...

Das vorliegende Hörbuch "Die Glocken im See" von Lars Mytting ist durchdrungen von nordischer Mystik, die dem Hörbuch etwas Geheimnisvolles verleiht.

Wir befinden uns gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Butangen, einem kleinen Ort in Norwegen und abgeschieden vom Rest der Welt. Die meisten Menschen leben von dem, was sie in der Landwirtschaft erarbeiten und sind genügsam. Hunger ist in den langen Wintermonaten fast täglicher Begleiter.

Wer jemals durch Norwegen gereist ist, dem sind sowohl die Fjorde für ewig in Erinnerung, als auch das Fjell - ein meist karges Hochland und nahezu unbewohnt. Noch heute überziehen mehrere Gletscher das Land und reichen mitunter bis fast ins Tal. Eine unwirtliche, raue Landschaft voller Schönheit. Sind heute die einzelnen Täler durch kilometerlange Tunnels verbunden, mussten die Menschen in früheren Jahren hohe Berge überwinden, wollten sie in ein anderes Tal gelangen. Überall im Land gab es jahrhundertealte Stabkirchen, die jedoch abgerissen wurden, weil etwas Modernes her sollte. Viele Menschen erkannten deren düstere Schönheit nicht. Dass es sich bei diesen Kirchen um außergwöhnliche Bauwerke handelte, dessen war sich kaum jemand bewusst. Vor diesem Hintergrund spielt der Roman. Dem Autor gelang es, all diese Besonderheiten Norwegens in dieses Buch zu packen und dem Hörer so nahe zu bringen, dass einen beim Hören eine gewisse Sehnsucht nach diesem Flecken Erde packt.

Doch nun zur Handlung: Neu in dem Ort ist der junge Pfarrer - Kai Schweigaard. Schon nach kurzer Zeit hat er entschieden, die alte Stabkirche ist für den Ort zu klein. Auch ihm fehlt der Blick für dieses Kleinod. Es muss eine neu, moderne Kirche her und so leitet er alles Notwendige in die Wege. Jung und ungestüm ist er. Was es mit den mystischen Schwesternglocken auf sich hat die immer dann von selbst läuten, wenn ein Unglück bevorsteht, interessiert ihn recht wenig. Die Bewohner werden nicht groß gefragt was sie wollen. Ehe sie richtig begreifen was ihnen geschieht, ist der "Architekt" Gerhard Schönauer aus Deutschland auch schon angekommen. Die Stabkirche wird von ihm genau vermessen und jedes noch so kleine Detail in seinen Unterlagen vermerkt und gezeichnet, damit später in Dresden, wohin die Kirche verkauft wird, ohne Probleme der Aufbau durchgeführt werden kann. Kaum hat Gerhard Schönauer alles skizziert, wird die Kirche auch schon abgebaut.

Und da ist Astrid, die intelligente junge Frau, die auf keinen Fall dieses vorgezeichnete und trostlose Leben der Frauen in dieser Abgeschiedenheit Norwegens teilen will. Ist sie anfangs dem Pfarrer zugetan, wendet sie sich jedoch von ihm ab als sie erkennen muss, dass weder die Legende der Schwesternglocken Gunhild und Halfried, noch die Stabkirche samt Tradition ihm etwas bedeuten. Dagegen fühlt sie sich von Gerhard Schönauer angezogen, weil er all das sieht und auch zu Papier bringt, was Kai verborgen bleibt.

Astrid, Kai und Gerhard sind alle Kinder ihrer Zeit. Der Pfarrer war zwar eine Respektsperson. Sein Wort hatte Gewicht. Doch ansonsten waren die Menschen obrigkeitshörig. Und in diesem Roman bedeutet das, dem Willen der Professoren oder auch Ärzten ausgeliefert zu sein. Mehr will ich über die Handlung nicht preisgeben.

Die ersten Tracks hörte ich mehrmals, damit ich die handelnden Personen, als auch den damaligen Zeitgeist in allen Facetten erfassen konnte. Doch was wäre eine gute Hörbuch-Vorlage ohne großartige Specherin (Beate Rysopp). Da es sich um eine Familien-Saga handelt, bin ich neugierig auf die Fortsetzung.

Für mich war es jedenfalls ein ganz besonderer Hörgenuss.

Veröffentlicht am 06.02.2019

Wölfe - wilde Tiere in ihrem Familienverbund

Die Weisheit der Wölfe
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"Die Weisheit der Wölfe" von Elli H. Radinger ist für mich ein Buch mit Wow-Effekt.

Die Autorin, früher Anwältin für langweilige Ehescheidungen und sonstige juristischen Streitereien hatte nach einigen ...

"Die Weisheit der Wölfe" von Elli H. Radinger ist für mich ein Buch mit Wow-Effekt.

Die Autorin, früher Anwältin für langweilige Ehescheidungen und sonstige juristischen Streitereien hatte nach einigen Jahren diese Eintönigkeit in der Kanzlei satt und beschäftigte sich von da an mit dem, was sich als ihre Berufung herausstellte: Sie beobachtete und erforschte Wölfe. Ich kann nach Lektüre dieses Buches nur sagen, "das war die richtige Entscheidung".

Elli H. Radinger nimmt uns mit in den Yellowstone Ntl. Park und dort speziell ins Lamar Valley, ein Paradies für wilde Tiere. Da ich im vergangen Jahr selbst 3 Tage dort war, hatte ich alles genau vor Augen. Leider war dies in der haupten Reisezeit und wir bekamen nicht mal den Hauch eines Wolfes vors Gesicht.

Jedem Kapitel dieses Buches sind wunderschöne Bilder zugeordnet. Dazu ein einprägsamer Ausspruch. Z. B. "Was du dir einmal vertraut gemacht hast, für das bist du zeitlebens verantwortlich." (S. 13) Der Titel der Einleitung - "Wie ich einen Wolf küsste und süchtig wurde". Das Foto, auf dem sie tatsächlich einen Wolf küsst ist umwerfend. Süchtig nach Wölfen kann man in der Tat werden, wenn man sich auf diese Lektüre einlässt. Der böse Wolf, der die Großmutter vom Rotkäppchen oder die sieben Geißlein frisst, gehört ins Reich der Märchen. So, die Autorin.

Im Yellowstone waren Wölfe ausgerottet und wurden vor Jahren erst wieder angesiedelt, da das natürliche Gleichgewicht in der Natur aus den Fugen geraten war. Deer und Wapiti setzten durch ihre Überpopulation den Pflanzen und Kleinslebewesen so zu, das viele für immer zu verschwinden drohten. Seitdem der Wolf wieder durch die Wälder streift und unter Großtieren seine Beute reißt, stellt sich wieder ein biologisches Gleichgewicht ein. Die Wolfspopulation hat sich bestens angesiedelt und integriert. Das Wolfsprogramm wird wissenschaftlich begleitet. Mit Senderhalsbändern verfolgt man ihre Wanderungen. Z. B. "Casanova", der Druid - Frauenschwarm. (Seite 39 ) Welch ein Prachtexemplar! Kein Wunder das die Herzen der Wölfinnen schneller schlugen, als er ihnen den Hof machte.
Die Autorin, als Beobachterin immer mit am Ort des Geschehens.

Wölfe leben in einem Familienverbund und bleiben oftmals über Jahre zusammen. Eine Wolfsfamilie braucht keine Frauenquote, denn Führung ist weiblich. Das Leitpaar trifft Entscheidungen grundsätzlich zusammen, lesen wir auf S. 50. Innerhalb der Familie gibt es ein großes Harmoniebdürfnis. Der Begriff "Alpha-Wolf" ist längst überholt. (S.51) Was ein Wolf auszeichnet ist Geduld. Die muss er auch haben, will er erfolgreich Wild jagen. Dabei erweist sich, das Wölfe denken und planen können. Die jungen Wölfe lernen das Jagen von den alten. Sie lernen auch, dass der Mensch nicht auf ihren Speiseplan gehört. Jedoch muss sich auch der Mensch an die Spielregeln halten und darf kein Futter auslegen um Tiere anzulocken. In den USA und Kanada ist dies unter Strafe gestellt.

Dass Wölfe sehr soziale Tiere sind und füreinander sorgen, darüber lässt die Autorin keinen Zweifel. Paare sind viele Jahre zusammen und wenn einer stirbt trauert der Partner, zieht sich oftmals in die Einsamkeit zurück. Es kann sogar sein, dass er an "Broken Heart" verstirbt. Sage noch einmal jemand, Tiere haben keine Seele.

Am Beispiel der She-Wölfin zeigt uns die Autorin den blinden Hass vieler Menschen/Rancher rund um den Yellowstone Ntl. Park auf. She-Wölfin war ein außergewöhnliches Tier, galt als besonders intelligent und an ihrem Leben nahmen viele Wolfsliebhaber Anteil. Doch leider denkt ein Wolf nicht in unseren räumlichen Grenzen und She-Wolf wanderte ins ungeschützte Umland des Yellowstone. Dort wurde sie in blindem Hass sinnlos erschossen.

Elli H. Radinger macht dem Leser in dem vorliegenden Sachbuch auch klar, dass National Parks kein Disneyland sind. Wölfe reißen ihre Beute und scheuen sich auch nicht, ihnen Fleischstücke aus dem Körper zu beißen, wenn diese noch leben. Eine sehr blutige und brutale Art. Ein Wolf mit bluttriefenden Lefzen ist nichts für schwache Gemüter. Hier kommt der Satz voll zum Tragen: "Fressen und gefressen werden". Die Wildnis ist eben nichts für Feiglinge, schreibt sie.

Wölfe sind scheue Tiere und es ist ein seltener Glücksfall, einen Wolf in freier Natur zu sehen. Wie die Autorin schreibt, bleibt wohl niemand von der Schönheit dieser Tiere unbeeindruckt.