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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.04.2019

Gut erzählt und recherchiert. Interessante Geschichte, die für mich allerdings einige Längen hatte.

Gargoyle
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„Gargoyle“ von Andrew Davidson ist bereits 2010 erschienen.

Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der sein bisheriges Leben mit Drogen, Alkohol und einer Pornodarstellerkarriere (und somit ...

„Gargoyle“ von Andrew Davidson ist bereits 2010 erschienen.

Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der sein bisheriges Leben mit Drogen, Alkohol und einer Pornodarstellerkarriere (und somit auch vielen Frauen) verbracht hat. Dies ändert sich schlagartig durch einen Autounfall, bei dem er schwerste Verbrennungen erleidet. Die Ärzte können sein Leben retten, allerdings ist er restlos entstellt und muss eine lange, schmerzvolle Therapie über sich ergehen lassen. Mit der Tatsache konfrontiert, dass sein bisheriges Leben vorbei ist und sich seine „Freunde“ von ihm abgewandt haben, schmiedet er den Plan, sich nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus das Leben zu nehmen. Noch im Krankenhaus lernt er dann allerdings eine andere Patientin aus der psychiatrischen Abteilung kennen – Marianne Engel. Sie erzählt ihm, dass die beiden vor 700 Jahren ein Liebespaar waren und sie ihn die ganzen Jahre gesucht hat. Auf der einen Seite hält er Marianne für schizophren, aber auf der anderen Seite ist er auch fasziniert von ihr und fühlt sich zu ihr hingezogen. Sie besucht ihn immer wieder, auch als sie bereits entlassen worden ist. Und mit der Zeit entwickelt sich eine gewisse Zuneigung zu ihr, auch wenn er es nicht wirklich wahrhaben will.

Die Geschichte wird aus der Perspektive des jungen Mannes (sein Name wird nie erwähnt) erzählt. Zwischendurch spricht er den Leser direkt an – ich muss zugeben, dass ich diese Variante der Erzählperspektive nicht mag, aber das ist Geschmackssache. Marianne Engel erzählt ihm immer mal wieder Geschichten aus der Vergangenheit oder tragische Erzählungen von anderen Liebespaaren, die dann aus Mariannes Sicht bzw. personaler Perspektive erzählt werden.

Der Schreibstil ist sehr bildlich und absolut schonungslos werden die entsetzlichen Ausmaße seiner Verbrennungen und der anschließenden Therapie erzählt. Es ist faszinierend, wie intensiv sich der Autor mit diesen Themen befasst haben muss, allerdings war es mir so manches Mal zu viel. Auch die Themen Schizophrenie und manische Depression werden recht ausführlich geschildert.

Die Handlung ist recht unspektakulär (von dem Unfall mal abgesehen). Es wird hauptsächlich sein Krankenhausaufenthalt und später sein Alltag mit Marianne Engel geschildert. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich sehr langsam und man darf hier auch keinerlei Gefühlsausbrüche oder sonstiges Liebesgedöns erwarten. Mal von Mariannes Erzählungen abgesehen, die etwas Abwechslung und auch mal Spannung in die Handlung reingebracht haben, hatte die Geschichte für mich so einige Längen.

Ob Marianne und der Erzähler sich wirklich schon von früher kannten oder ob das alles Mariannes Wahnvorstellungen entsprang, bleibt bis zum Schluss ungeklärt. Er nimmt es irgendwann einfach als gegeben hin, so wie er alles an Marianne hinnimmt – ihre Eigenarten, ihren Beruf. Das Ende der Geschichte ist dann etwas schräg und sein Verhalten regt zum Nachdenken an – wie hätte man sich selber verhalten?

Fazit:
Gut erzählt und recherchiert. Interessante Geschichte, die für mich allerdings einige Längen hatte.

Veröffentlicht am 03.03.2019

Wunderbare Aufmachung des Buches und eine faszinierende Geschichte – mit ein paar kleineren Mängeln

Ein Meer aus Tinte und Gold (Das Buch von Kelanna 1)
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Um das Buch „Ein Meer aus Tinte und Gold“ von Traci Chee, erschienen im April 2018, schleiche ich schon ziemlich lange herum. Das Cover in auffälligem Gold mit dem offenen Buch, aus dem ein Schiff, eine ...

Um das Buch „Ein Meer aus Tinte und Gold“ von Traci Chee, erschienen im April 2018, schleiche ich schon ziemlich lange herum. Das Cover in auffälligem Gold mit dem offenen Buch, aus dem ein Schiff, eine dunkle Person und Vögel aufsteigen, hat es mir sofort angetan und auch der Klappentext klingt vielversprechend. Es handelt sich bei dem Buch um den ersten Teil einer Trilogie (Das Buch von Kelanna) und das war auch der Grund für mein Zögern. Ich mag es nicht, so lange auf die Fortsetzungen zu warten. Da jetzt mittlerweile der zweite Teil erschienen ist und der Erscheinungstermin für Teil 3 in absehbarer Zeit ist, konnte ich mich nicht mehr länger zurückhalten.

Sefia lebt mit Nin auf der Flucht, seit ihr Vater ermordet wurde. Ihre Mutter ist bereits ein paar Jahre vorher gestorben. Als sie (gut versteckt) miterleben muss, wie auch Nin entführt wird, muss sie sich alleine durchschlagen. Sie will Nin retten und sich rächen. Ihr einziger Begleiter ist ein Buch, das Einzige, das sie aus dem Haus ihrer Eltern mitgenommen hat. Sie bringt sich selber das Lesen bei. Auf ihrer Reise rettet sie einen stummen Jungen und fortan sind sie zu zweit auf der Suche nach dem magischen Zeichen, das auch auf dem Buch zu finden ist.

Die Geschichte wird von einem allwissenden Erzähler berichtet, der einem auch gleich das Wichtigste über das Land Kelanna erzählt – Legenden werden nur mündlich verbreitet, das schriftliche Wort ist, mit Ausnahme von sehr Wenigen, unbekannt. Dementsprechend ist das Buch das wertvollste und geheimnisvollste, was es in Kelanna gibt.

Mittenhineingeworfen in das Geschehen findet man sich relativ schnell zurecht. Was ich allerdings recht verwirrend fand, waren die Zeitstränge. Es gibt verschiedene, die aber nicht explizit als solche benannt sind, so dass man erst zum Ende hin bemerkt, dass manche Kapitel in der Vergangenheit spielen.

Der Schreibstil ist leicht zu lesen und die Seiten fliegen nur so dahin. Besonders gelungen finde ich die Idee mit den Wörtern am Ende der Kapitel, die dann zusammengesetzt ihre eigene Geschichte erzählen. Das macht das Buch zu etwas Besonderem. Die Charaktere und Handlungen werden bildlich beschrieben, teilweise sind mir die Handlungen etwas zu brutal, gerade für ein Jugendbuch wäre hier evtl. weniger mehr gewesen.

Wie ich schon befürchtet habe, endet auch dieses Buch mal wieder in einem Cliffhanger und lässt den Leser mit jeder Menge Fragen zurück. Von daher bin ich froh, dass ich das Buch nicht schon gleich zum Erscheinungstermin gelesen habe.

Fazit:
Wunderbare Aufmachung des Buches und eine faszinierende Geschichte – mit ein paar kleineren Mängeln.

Veröffentlicht am 19.02.2019

berührende Geschichte, allerdings hat mir der Schreibstil nicht wirklich zugesagt

Wohin wir gehören
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„Wohin wir gehören“ von Cathrine Ryan Hyde ist eine berührende Geschichte, über ein autistisches Mädchen und ihre Schwester Angie. Das Buch ist im Jahr 2016 erschienen.

Angie ist zu Beginn des Buches ...

„Wohin wir gehören“ von Cathrine Ryan Hyde ist eine berührende Geschichte, über ein autistisches Mädchen und ihre Schwester Angie. Das Buch ist im Jahr 2016 erschienen.

Angie ist zu Beginn des Buches 14 Jahre alt und kümmert sich um ihre Schwester Sophie, die autistisch ist, nicht spricht und sehr schnell zu langanhaltenden Schreianfällen neigt. Deren Mutter ist sichtlich überfordert mit der Situation. Sie ist alleinerziehend und hat nur einen schlecht bezahlten Job, zudem wohnen sie übergangsweise bei der Tante, da sie aufgrund der Anfälle aus der alten Wohnung rausgeflogen sind. Als Sophie die Nachbarshündin Rigby kennenlernt, ist sie wie ausgewechselt und will ständig in ihrer Nähe sein. Doch dies erweist sich als schwierig, weil der Besitzer keinen Kontakt zu anderen möchte. Doch Angie freundet sich mit ihm an und geht regelmäßig mit Rigby und Sophie spazieren, bis zu dem Moment als Rigby und ihr Herrchen umziehen.

Die Geschichte wird aus Angies Sicht erzählt, was sich auch in einem recht einfachen Schreibstil widerspiegelt. Es lässt sich gut lesen, ist aber sehr simpel gehalten.

Angie ist sehr erwachsen für ihr Alter und übernimmt viel Verantwortung.

Die Mutter erscheint total überfordert, benimmt sich eher wie ein Kind denn wie eine Mutter. Dies hat bei mir so manches Mal für Unverständnis und Augenrollen gesorgt. Sie wirkt absolut unfähig und ihr Verhalten Angie und Sophie gegenüber ist nicht nachvollziehbar.

Sophie hat eine schwere Form von Autismus. Sie spricht nicht, nimmt an ihrer Umgebung so gut wie keinen Anteil und hat ständig Schreiattacken, die sich kaum stoppen lassen.

Ein Highlight sind definitiv Paul und seine Dogge Rigby. Pauls scheinbar mürrische Art, der aber eigentlich total herzlich und hilfsbereit ist, und die ruhige Rigby, die ein feines Gespür für die menschlichen Gefühle und Bedürfnisse hat, sind sehr anschaulich beschrieben.

Insgesamt ist es eine sehr berührende Geschichte, allerdings hat mir der Schreibstil nicht wirklich zugesagt und die Mutter hat mir das Buch ebenfalls verleidet.

Deswegen gibt es von mir nur 3,5 Sterne

Veröffentlicht am 20.10.2018

Ein schonungsloser Roman, der polarisiert.

Der Junge, der Träume schenkte
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„Der Junge, der Träume schenkte“ von Luca di Fulvio ist im Jahr 2011 erschienen.


Selten ist mir eine Rezension zu schreiben und ein Buch zu bewerten so schwergefallen wie bei diesem Buch.


Das Positive ...

„Der Junge, der Träume schenkte“ von Luca di Fulvio ist im Jahr 2011 erschienen.


Selten ist mir eine Rezension zu schreiben und ein Buch zu bewerten so schwergefallen wie bei diesem Buch.


Das Positive an diesem Buch:
Der Schreibstil ist sehr gut. Die Geschichte wird flüssig erzählt, die Charaktere sind sehr detailliert ausgearbeitet und man bekommt einen guten Einblick in die Zeit und das Leben in den armen Vierteln von New York in den 1920ern.


Das Negative:
Trotz des gelungenen Schreibstils musste ich das Buch immer wieder nach wenigen Seiten weglegen und mich etwas anderem widmen, weil mich die schonungslose Erzählweise über Gewalt, Vergewaltigungen, Mord abgeschreckt und angeekelt hat.


Bei dem Klappentext hatte ich ehrlich gesagt, etwas anderes erwartet. Christmas (früher Natale) hat zwar einen Charme, dem sich nur wenige Charaktere widersetzen können, und schafft es trotz einiger Rückschläge etwas aus seinem Leben zu machen. Dennoch konnte ich mit ihm nicht warm werden, erst zu einem späten Zeitpunkt wurde er mir etwas sympathischer, wobei er auch dann immer noch sehr spezielle Anwandlungen hatte.


Die anderen Charaktere in diesem Buch haben mich auch eher abgestoßen, als dass ich sie wirklich leiden konnte. Obwohl es der Autor schafft, selbst dem schlimmsten Gangster und dem härtesten Zuhälter irgendwo einen weichen Kern zu bescheren, war ich doch froh, als die Geschichte zu Ende war – auch wenn das letzte Drittel oder Viertel etwas besser wurden.


Anfangs springt der Autor oft zwischen den Zeiten hin und her, das bringt auf der einen Seite etwas Abwechslung, aber auch immer wieder etwas Unruhe in den Roman. Später wechseln dann nur noch die Schauplätze.


Trotz der vielen schweren Schicksalsschläge, die die Protagonisten erleiden müssen, schafft es Christmas, die Hoffnung zu wahren und an seine Freunde weiterzugeben. Neben dem ganzen Leid wird auch von der wahren Freundschaft und von der echten großen Liebe erzählt, die alles überwindet. Insofern ist der Titel passend gewählt, auch wenn es mir bis zu der Hälfte des Buches nicht so vorkam, aber Christmas hält an seinem Traum fest und er bestärkt auch alle anderen, an ihre Träume zu glauben und einen Weg zu finden, diese zu verwirklichen.


Fazit:
Ein schonungsloser Roman, der polarisiert. Wer mit den Gewaltszenen umgehen kann, wird hier einen beeindruckenden Roman zu lesen bekommen. Wer eher zart besaitet ist, sollte die Finger von diesem Buch lassen.

Veröffentlicht am 27.08.2018

Wer Kitsch und überzogene Charaktere mag, kommt hier aber auf seine Kosten.

Schmetterlingsflügel
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„Schmetterlingsflügel – Liebe nach Plan“ ist ein Liebesroman von Patricia Vonier.

Lina ist eine alleinstehende Immobilienmaklerin, die bei einer Freundin zur Untermiete wohnt, seitdem sie sich von ihrem ...

„Schmetterlingsflügel – Liebe nach Plan“ ist ein Liebesroman von Patricia Vonier.

Lina ist eine alleinstehende Immobilienmaklerin, die bei einer Freundin zur Untermiete wohnt, seitdem sie sich von ihrem langjährigen Freund getrennt hat. Mit der Trennung ist für sie ihr Traum von einer gemeinsamen Familie zerplatzt. Doch als sie bei einer Wohnungsbesichtigung den reichen Geschäftsmann Daniel kennenlernt, funkt es zwischen ihnen. Leider hat er aufgrund schlechter Erfahrungen der Liebe abgeschworen und will eine Familie nach Plan.

Der Einstieg in die Geschichte gelingt gut und man erfährt auch schnell die Gründe für Linas Leben in der winzigen Einliegerwohnung, sowie ihre Einstellung zu ihrem Job und ihren Kollegen. Erzählt wird aus der personalen Sicht von Lina.

Der Roman ist insgesamt gut geschrieben (eins, zwei kleinere (Logik-)Fehler, die aber nicht übermäßig ins Gewicht fallen), der Schreibstil ist flüssig und die Charaktere gut geschildert – auch wenn sie sehr kitschig und damit unrealistisch sind – aber es soll eben ein Liebesroman sein, der die Frauenherzen höher schlagen lässt.

Die Beziehung von Lina und Daniel baut sich rasant schnell auf und verläuft dann trotz deren Vorgeschichten und damit verbundenen Ängsten extrem harmonisch. Lediglich zum Ende wird mit einer etwas haarsträubenden Wendung versucht Spannung in die Beziehung zu bringen. Allerdings verläuft auch hier alles sehr schnell und unkompliziert.

Das Cover ist sehr schön, verspielt und ebenso wie der Roman leicht kitschig. Der Titel und der Schmetterling passen gut zum Inhalt des Buches, da die Schmetterlinge immer wieder in der Geschichte aufgegriffen werden.

Fazit:
Mir persönlich war es zu viel „Eitel Sonnenschein“ und der in jeder Hinsicht perfekte Mann. Ich hätte mir ein paar Ecken und Kanten mehr gewünscht, die etwas Salz in die Suppe geben.

Wer Kitsch und überzogene Charaktere mag, kommt hier aber auf seine Kosten.