Gut erzählt und recherchiert. Interessante Geschichte, die für mich allerdings einige Längen hatte.
Gargoyle„Gargoyle“ von Andrew Davidson ist bereits 2010 erschienen.
Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der sein bisheriges Leben mit Drogen, Alkohol und einer Pornodarstellerkarriere (und somit ...
„Gargoyle“ von Andrew Davidson ist bereits 2010 erschienen.
Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes, der sein bisheriges Leben mit Drogen, Alkohol und einer Pornodarstellerkarriere (und somit auch vielen Frauen) verbracht hat. Dies ändert sich schlagartig durch einen Autounfall, bei dem er schwerste Verbrennungen erleidet. Die Ärzte können sein Leben retten, allerdings ist er restlos entstellt und muss eine lange, schmerzvolle Therapie über sich ergehen lassen. Mit der Tatsache konfrontiert, dass sein bisheriges Leben vorbei ist und sich seine „Freunde“ von ihm abgewandt haben, schmiedet er den Plan, sich nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus das Leben zu nehmen. Noch im Krankenhaus lernt er dann allerdings eine andere Patientin aus der psychiatrischen Abteilung kennen – Marianne Engel. Sie erzählt ihm, dass die beiden vor 700 Jahren ein Liebespaar waren und sie ihn die ganzen Jahre gesucht hat. Auf der einen Seite hält er Marianne für schizophren, aber auf der anderen Seite ist er auch fasziniert von ihr und fühlt sich zu ihr hingezogen. Sie besucht ihn immer wieder, auch als sie bereits entlassen worden ist. Und mit der Zeit entwickelt sich eine gewisse Zuneigung zu ihr, auch wenn er es nicht wirklich wahrhaben will.
Die Geschichte wird aus der Perspektive des jungen Mannes (sein Name wird nie erwähnt) erzählt. Zwischendurch spricht er den Leser direkt an – ich muss zugeben, dass ich diese Variante der Erzählperspektive nicht mag, aber das ist Geschmackssache. Marianne Engel erzählt ihm immer mal wieder Geschichten aus der Vergangenheit oder tragische Erzählungen von anderen Liebespaaren, die dann aus Mariannes Sicht bzw. personaler Perspektive erzählt werden.
Der Schreibstil ist sehr bildlich und absolut schonungslos werden die entsetzlichen Ausmaße seiner Verbrennungen und der anschließenden Therapie erzählt. Es ist faszinierend, wie intensiv sich der Autor mit diesen Themen befasst haben muss, allerdings war es mir so manches Mal zu viel. Auch die Themen Schizophrenie und manische Depression werden recht ausführlich geschildert.
Die Handlung ist recht unspektakulär (von dem Unfall mal abgesehen). Es wird hauptsächlich sein Krankenhausaufenthalt und später sein Alltag mit Marianne Engel geschildert. Die Beziehung zwischen den beiden entwickelt sich sehr langsam und man darf hier auch keinerlei Gefühlsausbrüche oder sonstiges Liebesgedöns erwarten. Mal von Mariannes Erzählungen abgesehen, die etwas Abwechslung und auch mal Spannung in die Handlung reingebracht haben, hatte die Geschichte für mich so einige Längen.
Ob Marianne und der Erzähler sich wirklich schon von früher kannten oder ob das alles Mariannes Wahnvorstellungen entsprang, bleibt bis zum Schluss ungeklärt. Er nimmt es irgendwann einfach als gegeben hin, so wie er alles an Marianne hinnimmt – ihre Eigenarten, ihren Beruf. Das Ende der Geschichte ist dann etwas schräg und sein Verhalten regt zum Nachdenken an – wie hätte man sich selber verhalten?
Fazit:
Gut erzählt und recherchiert. Interessante Geschichte, die für mich allerdings einige Längen hatte.