Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.06.2019

Für mich zu einseitig auf das Thema Mobbing fixiert, als Schullektüre oder Ratgeber für Eltern und Lehrer interessant

Fünf Sterne für dich
0

Konrad ist vor Kurzem mit seiner 12-jährigen Tochter Mathilda fluchtartig von Köln nach Hamburg gezogen. Er hat den Tod von Mathildas Mutter Julia nicht überwunden, zudem er beharrlich auch Mathilda gegenüber ...

Konrad ist vor Kurzem mit seiner 12-jährigen Tochter Mathilda fluchtartig von Köln nach Hamburg gezogen. Er hat den Tod von Mathildas Mutter Julia nicht überwunden, zudem er beharrlich auch Mathilda gegenüber schweigt und scheint vor der Vergangenheit davon zu laufen. Er lebt zurückgezogen, schreibt hauptberuflich Online-Bewertungen für Produkte, die er weder nutzt noch braucht und denkt auch im Alltag in seinem Bewertungssystem.
So schneidet Mathildas noch junge, unerfahrene Klassenlehrerin Pia Flemming nur mit zwei von fünf Sternen ab. Als sie davon erfährt, rächt sie sich, indem sie den neu gewählten Elternsprecher Konrad mit unangenehmen Aufgaben betraut.
In Pias Klasse 7d gibt es nicht nur Mathilda als neue Schülerin, sondern auch Finn-Lasse, der aus ärmeren Verhältnissen als der Rest der Klasse stammt und massiv ausgegrenzt wird. Mathilda ist die einzige, die sich bereit erklärt neben Finn-Lasse zu sitzen und sich den Gemeinheiten nicht anschließt. Und dann muss plötzlich Konrad nicht nur in seiner Funktion als Elternsprecher eingreifen und kommt damit auch Pia näher, von deren Engagement für die Klasse er nicht unbeeindruckt bleibt.

Wie bei den anderen Romanen zuvor ist das Buch von Charlotte Lucas, dem Alias der Thrillerautorin Wiebke Lorenz wieder wunderschön gestaltet. Gut gefallen hat mir auch, dass man mit Hannah als Freundin von Pia einer Protagonistin aus "Dein perfektes Jahr" wiederbegegnet.
Und so hatte ich mir von "Fünf Sterne für dich" eine charmant-witzige Liebesgeschichte zwischen Vater und Lehrerin erwartet, die sich nach Startschwierigkeiten und anfänglichen Reibereien einander annähern.

Für meinen Geschmack konzentrierte sich der Roman aber viel zu stark auf Schule, zwölfjährige, oberflächliche Schüler und ihr frei gewähltes Mobbing-Opfer.
Viele Charaktere wie einzelne renitente Eltern und aufmüpfige Schüler, aber auch Pias Kollege Tom als chauvinistischer, sprücheklopfender Lehrer, dem die Schüler nach Schulschluss egal sind, sind sehr überspitzt dargestellt und bedienen so manches Klischee aus dem Schulalltag. Gerade die weinerliche Pia wirkt dagegen sehr blass.
Die im Roman dargestellte Herangehensweise zur Lösung des Mobbing-Problems, um aus der 7d eine funktionierende Klassengemeinschaft zu machen, empfand ich als arg konstruiert und letztlich war die durch einen Zufall glückliche Lösung erschreckend einfach.
Für mich zogen sich die 600 Seiten durch das einseitige Schulthema etwas dahin, bis am Schluss doch noch die Liebe ins Spiel kam. Phasenweise hatte ich das Gefühl einen Eltern- bzw. Lehrerratgeber zu lesen und könnte mir dieses Buch gut als Schullektüre vorstellen, um auf das Thema Mobbing aufmerksam zu machen.

Veröffentlicht am 14.06.2019

Sprunghafte Erzählung mit sehr vielen, komplexen Themen, so dass der Roman etwas überladen wirkt. Nüchterne Darstellung und wenig Spannung mindern das Lesevergnügen

Gott wohnt im Wedding
0

Leo Lehmann kehrt nach 70 Jahren in Israel mit seiner Enkelin Nira nach Berlin zurück, um dort das Erbe seiner verstorbenen Frau zu regeln. Nira möchte er die Stadt zeigen, die Orte, die er aus seiner ...

Leo Lehmann kehrt nach 70 Jahren in Israel mit seiner Enkelin Nira nach Berlin zurück, um dort das Erbe seiner verstorbenen Frau zu regeln. Nira möchte er die Stadt zeigen, die Orte, die er aus seiner Jugend kennt und das Haus, in welchem sein bester Freund Manfred von der Gestapo verhaftet wurde und den Zweiten Weltkrieg nicht überlebte. Leo verdächtigte Gertrud, bei der die beiden Unterschlupf fanden, Manfred verraten zu haben. Gertrud ist noch heute am Leben und wohnt nach wie vor in dem Haus im Wedding, dessen Mieter sukzessive verdrängt worden sind und das inzwischen von mehreren Sinti-Familien bewohnt wird, um die verbliebenen Mieter mürbe zu machen.
Laila ist eine der integrierten Sinti, die sich als eine Art Sozialarbeiterin einsetzt, für die Familien bei Behördengängen übersetzt und die sich auch um die alte Dame Gertrud kümmert.

Der Roman ist aus der Sicht der Hauptcharaktere Gertrud, Leo und Laila geschrieben, aber auch das Haus kommt selbst zu Wort und erzählt seine über hundertjährige Geschichte. Der Roman handelt primär davon, wie sich die Schicksale von Juden und Sinti/ Roma gleichen, Bevölkerungsgruppen, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden und bis heute mit Stigmatisierungen zu kämpfen haben.
Durch die überfrachtende Anzahl - nicht nur der aktiv handelnden Personen in der Gegenwart - sondern auch der zahllosen Rückblenden in die Vergangenheit und Erzählungen über Widersacher während des Holocaust und verstorbene Angehörige, ist es denkbar schwierig, konzentriert den Überblick zu behalten oder einen emotionalen Zugang zu einer der Hauptfiguren zu erhalten.
Die Sprunghaftigkeit der Erzählung ohne Kennzeichnung, in welchem Jahr man sich nun befindet, empfand ich als anstrengend und minderte den Lesefluss. Zudem empfand ich das Buch, das ambitioniert die Verfolgung von Minderheiten in der Geschichte Deutschlands und darüber hinaus sowie die Situation von Migranten und (illegalen) Einwanderern mit all ihren Erschwernissen in der Gegenwart schildert, zu überladen. Holocaust, Geschichte der Sinti und Roma, Rassismus, Flüchtlingsdebatte, Gentrifizierung, Armut, Heimatlosigkeit sind gewaltige Themen, mit denen es sich tiefer gehend zu beschäftigen lohnt, die aber in ihrer Gesamtheit zu viel für einen Roman sind.

"Gott wohnt im Wedding" ist keine leichte Kost. Es ist ein Roman, der voller Fakten ist, die den Leser erschlagen können, weshalb man sich mit der Lektüre Zeit lassen sollte. Es ist keine schicksalhafte Erzählung, die durch Spannung eine Sogwirkung entfaltet oder zu Tränen rührt, sondern eine nüchterne Darstellung erschreckender Tatsachen anhand fiktiver Einzelschicksale, die sich im Laufe der Geschichte allesamt in einem Haus im Wedding wiederfinden.

Veröffentlicht am 31.05.2019

Nette Geschichte um ein zum Verkauf stehendes Anwesen, die sich leicht lesen lässt, aber spannungsarm ohne Höhen und Tiefen ist

Ein Haus fürs Herz
0

Die junge Immobilienmaklerin Belinda Baxter ist glücklich, dass sie den Auftrag erhalten hat, Hunter's Moon, ein Anwesen auf dem Land wenige Kilometer von London entfernt, zu veräußern. Das Haus gehört ...

Die junge Immobilienmaklerin Belinda Baxter ist glücklich, dass sie den Auftrag erhalten hat, Hunter's Moon, ein Anwesen auf dem Land wenige Kilometer von London entfernt, zu veräußern. Das Haus gehört dem älteren Ehepaar Sally und Alexander Willoughby, die dort seit über 50 Jahren gemeinsam leben. Es ist das Elternhaus von Alexander, dessen Mutter die berühmte Schriftstellerin Margot Willoughby ist. Schweren Herzens müssen sie das Familienerbe aufgrund der Erkrankung Alexanders aufgeben. Während Belinda durch einen "Tag der offenen Tür" versucht, den perfekten Interessenten für das Anwesen zu finden, fühlt sie sich an ihre eigene jüngste Vergangenheit erinnert, als sie aufgrund ihrer Scheidung gezwungen war, ihr geliebtes Zuhause aufzugeben.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen in der Gegenwart und in der Vergangenheit im Jahr 1967 erzählt. 1967 begegnet Sally zufällig Alexander Willoughby und wird von dessen Familie spontan als Haushälterin engagiert. Beide fühlen sich seit ihrer ersten Begegnung zueinander hingezogen, aber es dauert, bis die beiden sich ihre Liebe eingestehen und ein Paar werden. Solange versucht Sally den Haushalt der skurrilen Familie mit der exzentrischen Bestseller-Autorin Margot an der Spitze, die an einer Schreibblockade leidet, in den Griff zu bekommen.
Der Teil in der Vergangenheit ist eine etwas märchenhafte Geschichte: mittelloses Mädchen erobert die Herzen einer reichen Familie im Sturm und findet ihren Traumprinz.

In der Gegenwart ist Belinda eine Frau, die sich mit einem Maklerbüro selbstständig gemacht hat und nach einer schlimmen Enttäuschung mit einem Ehemann, der sie nicht nur emotional sondern auch finanziell hintergangen hat, allein für ihren Traumberuf lebt und sich nach dem Verlust ihres ersten Eigenheimes zum Ziel gesetzt hat, wieder ein Zuhause zu finden, das sie als Kind so schmerzlich vermisst hatte.

"Ein Haus fürs Herz" ist eine zuckersüße Geschichte um das Anwesen Hunter's Moon und die Familie Willoughby, die sich flüssig und leichtfüßig lesen lässt, die aber auch ohne jegliche Höhen und Tiefen auskommt und mir deshalb nicht weiter im Gedächtnis bleiben wird. Die Charaktere sind allesamt nett, ohne Ecken und Kanten.
Auch wenn es an der Geschichte, bis auf die fehlende Spannung nicht wirklich etwas zu kritisieren gibt, fehlte mir ein herausragendes Merkmal, was den Roman zu etwas Besonderem gemacht hätte. Die Handlung plätschert auf beiden Erzählebenen ohne Tiefgang dahin, ohne dass ich von einem der Schicksale emotional gepackt worden wäre.

Veröffentlicht am 01.05.2019

Zwei Schicksale in einem Tatsachenroman - leider nur eins davon aufwühlend

Über alle Grenzen
0

Ende der 1950er-Jahre zieht die Familie Alexander von Bernau am Chiemsee nach Thüringen, wo Werner eine Anstellung als Zoo-Direktor in Erfurt erhalten hat. Die Kinder freuen sich auf die Tiervielfalt, ...

Ende der 1950er-Jahre zieht die Familie Alexander von Bernau am Chiemsee nach Thüringen, wo Werner eine Anstellung als Zoo-Direktor in Erfurt erhalten hat. Die Kinder freuen sich auf die Tiervielfalt, der studierte Tropenmediziner und Landtierarzt auf seine neue Stelle - nur die Mutter ist traurig, ihre bayerische Heimat verlassen und in der DDR ein neues Leben beginnen zu müssen. Vom Mauerbau und der zunehmenden Abriegelung des Staats und Einschränkung der persönlichen Freiheiten konnte zum damaligen Zeitpunkt niemand etwas ahnen.
Mit der Flucht des Sohnes Bruno beginnt für die Familie eine Abwärtsspirale, die nicht nur die Verhaftung von Bruno und später des Vaters wegen Beihilfe zur Republikflucht, sondern auch eine Bespitzelung von Brunos Schwester Lotte und ihrem bisher staatstreuen Ehemann Paul sowie einer Schikane ihrer beiden Töchter zur Folge hat.

Erst 2010 wird Lotte ihren gebrochenen Bruder Bruno wieder sehen, der sich in einem Pflegeheim in Neumünster befindet. Ihre Liebe zu ihm ist grenzenlos und so beschließt sie, ihn zu sich nach Bayern zu holen, um sein verbleibendes Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.

"Über alle Grenzen" ist der neue Tatsachenroman von Hera Lind, der auf persönlichen Erfahrungen mit dem Unrechtsstaat DDR bzw. mit Pflegeheimen in der Gegenwart beruht. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive geschrieben und handelt in den Jahren 2010/2011, als sich Lotte ihrem Bruder Bruno aufopferungsvoll annimmt und blickt dabei zurück auf die Jahre 1960 bis 1985.

Schockierend ist zu lesen, welche Auswirkungen die Entscheidung des Sohnes bzw. Bruders Bruno auf ihn als Republikflüchtling und auf die in der DDR verbliebene Familie hat. Würde der Roman nicht auf einem wahren Schicksal beruhen, könnte man kaum fassen, was die Familie von der Elterngeneration bis hin zu den Enkelkindern durchmachen muss. Die Geschichte, wie die Familie am Leid, das ihr in Form von psychischem Druck oder körperlicher Misshandlung widerfährt, zu zerbrechen droht, macht betroffen.

Der Roman rückt die Familie Alexander in den Fokus, lässt dabei aber alle politischen Vorgänge und den Alltag in der DDR außen Acht. Ich hätte mir gewünscht, dass die Geschichte stärker in den historischen Kontext eingebunden gewesen wäre. Dies hätte bei mir vielleicht auch das Verständnis für Brunos in meinen Augen sehr egoistischen Entscheidungen erhöht. Ich empfand die Protagonisten phasenweise sehr naiv und die Darstellung etwas einseitig. Während der Teil der Protagonisten die sich für ihre Rechte und ihre Freiheit engagierten, aber auch rücksichtslos waren und die fatalen Folgen ihrer Handlungen ausblendeten, wurden die vorsichtigen und angepassteren Familienmitglieder unterschwellig mit Vorwürfen überzogen.

Geradezu nervig empfand ich es, wie Lotte in der Gegenwart beweihräuchert wird, ihren "Burschi" verhätschelt, jedes Verhalten seinerseits sie erfreut, selbst wenn er statt in die Windel sein großes Geschäft direkt ins Pflegebett verrichtet oder die Zahnprothese mutwillig zerstört. Lotte behandelt ihren Bruder so, als würde sie ihm etwas schulden.
Begreifen konnte ich ihr Verhalten erst, nachdem ich die Nachworte des Romans gelesen habe. Als mir klar wurde, dass die Geschichte nicht von einer Familie handelt, sondern tatsächlich die Erlebnisse von zwei verschiedenen Frauen und ihren familiären Schicksalen nacherzählt wurden, war ich etwas ernüchtert.
Vielleicht ist dies eine Generationenfrage, aber ich empfand die Darstellung der Vergangenheit viel interessanter, aufwühlender und selbstverständlich auch spannender als die rührselige Pflege des "Burschi" in der Gegenwart. Auch wenn ich Respekt für die Schwester habe, die sich so aufopferungsvoll und selbstlos um ihren pflegebedürftigen, behinderten Bruder gekümmert hat, fand ich diesen Teil als Roman ungeeignet und letztlich überflüssig. Stattdessen hätte die Geschichte der Familie Alexander von den 1960er bis zu den 1980er-Jahren mit historischen Fakten oder einer stärkeren Involvierung der beiden anderen Schwestern in das Geschehen weiter ausgeschmückt werden können, um die Geschichte rund zu machen.

Veröffentlicht am 29.04.2019

Lügen, Geheimnisse, Intrigen, Leidenschaft und viel Drama sorgen für Abwechslung und Unterhaltung, bleiben allerdings nur oberflächlich geschildert

Das bedrohte Glück
0

"Das bedrohte Glück" setzt als Band 2 der Hansen-Saga "Eine neue Zeit" nahtlos im Jahr 1894 fort. Die Geschäfte des Hansen-Kontors unter Leitung des neuen Familienoberhaupts Robert Hansen florieren weiterhin. ...

"Das bedrohte Glück" setzt als Band 2 der Hansen-Saga "Eine neue Zeit" nahtlos im Jahr 1894 fort. Die Geschäfte des Hansen-Kontors unter Leitung des neuen Familienoberhaupts Robert Hansen florieren weiterhin. An seiner Seite ist unermüdlich seine Tochter Luise, die in ihrer Arbeit für das Familienunternehmen aufgeht. Aus strategischen Gründen hatte sie Hans Petersen, den Erben einer Hamburger Kaffeehausbesitzerkette, geheiratet, ohne zu wissen, dass ihr geliebter Hamza sie in Kamerun nicht im Stich gelassen, sondern aufgrund widriger Umstände nur knapp vor ihrer Abreise verpasst hatte.
Nun ist Hamza zur Ausbildung in Hamburg. Die beiden treffen sich heimlich und beginnen eine leidenschaftliche Affäre. Als Luise schwanger ist, schmiedet sie zusammen mit Hamza den Plan, zurück in ihr geliebtes Kamerun zu gehen. Je näher der Geburtstermin rückt, desto mehr Bedenken kommen Luise, ihr angesehenes Leben in Hamburg, ihre Arbeit für das Kontor und ihre Familie aufzugeben.

In Wien wird Therese von ihrer Freundin und Angestellten Frieda hintergangen, doch Dank ihres Mannes Karl und ihres Bruder Florentinus können sie Frieda und deren Geliebten stellen und die Beute zurückholen. Therese ist glücklich, Karl als ihre große Liebe und verlässlichen Partner an ihrer Seite zu haben, denn sie ahnt nichts von seinem Geheimnis. Auch Karl liebt seine Frau und seine beiden Kinder, kann sich jedoch nicht gegen seine Neigungen wehren. Als er erpresst wird, sieht er nur eine Möglichkeit, die ihm Erlösung bringen soll.

Im dritten Teil der Hansen-Saga stehen Luise in Hamburg und Karl in Wie, ihre persönlichen Probleme und dunklen Geheimnisse im Vordergrund, die das angesehene Familienunternehmen bedrohen. Aber auch die weiteren Familienmitglieder Therese, Frederike, Robert, Elisabeth und Martha bleiben nicht außen vor. Die Geschichte bleibt aufgrund der Vielzahl der Charaktere und ihrer persönlichen Befindlichkeiten abwechslungsreich und unterhaltsam zu lesen. Jedoch werden die einzelnen Erzählstränge nicht sehr vertieft, Probleme werden sehr schnell und einfach gelöst, die Charaktere machen kaum eine Entwicklung durch und wirken zum Teil sehr stereotyp.

Wie schon in Band 2 vermisste ich Kamerun als Schauplatz, das den Roman zu etwas Besonderem in einer Reihe von historischen Familiengeschichte gemacht hätte, aber auch ein Gefühl für die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts. Politische Ereignisse im Zusammenhang mit der Kolonialisierung werden nur zusammenhanglos in Form von Briefen aus Kamerun berichtet, während die Politik im Deutschen Reich kaum eine Erwähnung findet.

Luise büßt für mich in diesem Band einige Sympathien ein. Ihr plötzlich sprunghafter Charakter und ihre damit verbundenen Handlungen empfand ich als unglaubwürdig und auch Karls Problem, das seit Band 2 immer wieder in den Vordergrund rückt, langweilte bald durch Wiederholungen.

Liebe und Leidenschaft - egal in welcher Ehe oder Beziehung werden zwar bildhaft durch viele Worte geschildert, sind aber nicht spürbar, so dass man als Leser nicht so mit den Charakteren mitfühlt, mitlacht oder mitleidet wie es vorstellbar gewesen wäre.

Dass die Hansen-Saga nun noch mit mindestens einem vierten Roman fortgesetzt wird, bestätigt meine Einschätzung zu Band 1, dass die Hansen-Saga den Charakter einer Seifenoper hat: Lügen, Geheimnisse, Intrigen, Liebe, Leidenschaft und viel Drama sorgen für Abwechslung und gute Unterhaltung, bleiben allerdings nur oberflächlich geschildert, Figuren und ihre Geschichten sind vereinfacht Schwarz-Weiß dargestellt.
Mir fehlten Emotionen, ein Gefühl für die Zeit, politische Hintergründe und Erkenntnisse zum Kaffee- und Kakaohandel zwischen Europa und den weit entfernten Kolonien.
Der Fokus auf einen oder zwei Protagonisten pro Band, deren Geschichte dann auch einmal abgeschlossen wäre, würde der Familiengeschichte meiner Meinung nach besser zu Gesicht stehen.