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Veröffentlicht am 23.05.2019

Eine wilde Jagd auf Cainstorm Island

Cainstorm Island – Der Gejagte
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Der in ärmlichen Verhältnissen aufwachsende Emilio arbeitet für Eyevision, einer millionenschweren Firma auf einem anderen wohlhabenden Kontinent, indem er sich einen Chip implantieren lässt und täglich ...

Der in ärmlichen Verhältnissen aufwachsende Emilio arbeitet für Eyevision, einer millionenschweren Firma auf einem anderen wohlhabenden Kontinent, indem er sich einen Chip implantieren lässt und täglich waghalsige Aktionen durch seine Augen filmt. Doch eines Tages gerät er durch unglückliche Geschehnisse in eine tödliche Auseinandersetzung, die für den Gegner mit dem Tod endet, und das während seine Zuschauer alles miterleben. Unglücklicherweise ist der Tote ein hochangesehenes Mitglied einer gefährlichen Gang. Damit beginnt eine gefährliche und rasante Jagd über den Kontinent Cainstorm Island, angeheizt durch Eyevision und den abenteuerhungrigen Zuschauern. Kann Emilio dieses Spiel auf Leben und Tod überstehen?


Zuallererst muss ich gestehen, dass mich die Idee mit dem Filmen von Ereignissen durch die Augen eines Menschen sofort gecatched und neugierig gemacht hat. Es gibt viele dystopische Erzählungen mit hochentwickelten Technologien, doch so etwas wie in diesem Buch habe ich bisher nicht gelesen. Zu Beginn wird man schnell mitten in das Geschehen reingeworfen und ehe man sich versieht, hat Emilio auch schon den wahrscheinlichst größten und folgenschwersten Fehler seines Lebens begangen. Ab dann verfolgte ich die Geschehnisse mit zunehmender Spannung, da so viele weitere Handlungsstränge möglich waren und auf eine spannende und rasante Verfolgung hindeuteten. Mit vielen Entwicklungen, gerade auch die Anreize durch Eyevision, habe ich so nicht gerechnet und war immer wieder erstaunt wie diese verliefen und welch unerwartete Wendungen auftraten.

Die Hauptcharaktere, Emilio und seine neuen Freunde, auf Cainstorm Island konnten mich für sich gewinnen und durch die Ungleichheit zwischen den Kontinenten waren die Wut und der Hass leicht nachzuvollziehen. Emilio ist ein aufrichtiger junger Mann, der lediglich seiner Familie helfen wollte, und durch unglückliche Umstände sich und sie in Gefahr bringt. Er steht für seine Liebsten ein und würde bis zum Äußersten gehen, Hauptsache sie sind in Sicherheit. Diesen Mut und diese Willenskraft haben mich beeindruckt und seine Charakterstärke eindrucksvoll dargestellt.

Fantastisch fand ich die Thematik und di Reflexionsansätze zur Nutzung der neu entwickelten Technologien und wie diese das Leben entscheidend beeinflussen und prägen. Hier wird dies anhand eines Negativbeispiels dargestellt und scharf kritisiert, welche Gefahren bestehen wenn man bewusst die Kontrolle und eigene Entscheidungsfreiheit über sein Leben durch unberechenbare technologische Errungenschaften mit ungeahnten Konsequenzen an Dritte abgibt.

Das Worldbuilding wird leider nur angerissen und in aller Kürze dargestellt. Da habe ich mir mehr gewünscht, da nur ein oberflächlicher Vergleich zwischen den Kontinenten und ein kurzer Einblick in die historischen Entwicklungen gegeben wird. Da es sich allerdings um eine Reihe handelt, gehe ich davon aus, dass noch mehr Informationen dazu gegeben werden.

Das Ende schließt mit einer Art Cliffhanger ab, wenngleich ich den Eindruck hatte, dass die Geschichte einfach mitten in einer Handlung abbricht, sodass mir der Abschluss nicht ganz rund und wie ein richtiges Ende erschien. Das ist zwar unerheblich für die Geschichte und weckt die Neugier auf den nächsten Band, aber für mich wirkte es nicht wie ein passendes Ende.



Fazit: Eine actionreiche, aufregende und brutale Jagd, die überraschende Wendungen bereithält und die Gefahren neuer Technologien darstellt, wenn diese aus niederen Profitgründen schamlos ausgenutzt werden.

Veröffentlicht am 22.05.2019

Geheimnisse über Geheimnisse

Broken Puppet - Elite Kings Club
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Die erschütternden Erkenntnisse des Elite King Clubs und ihrer eigenen Rolle in allem vertreiben Madison aus ihrem bekannten Leben, raus in die weite Welt. Hauptsache so weit wie möglich vom Club und Bishop ...

Die erschütternden Erkenntnisse des Elite King Clubs und ihrer eigenen Rolle in allem vertreiben Madison aus ihrem bekannten Leben, raus in die weite Welt. Hauptsache so weit wie möglich vom Club und Bishop entfernt. Doch schon bald muss sie feststellen, dass sie ihnen und vor allem Bishop nicht entkommen kann. Denn sie braucht ihn genauso wie er sie und die Suche nach der Wahrheit und den Hintergründen des King Clubs gehen weiter und halten einige unerwartete und unfassbare Offenbarungen bereit, die alles verändern...



Nach den unglaublich aufregenden Ereignissen am Ende des vorherigen Buches musste ich einfach weiterlesen. So viele Geheimnisse, bruchstückhafte Informationen, mit denen noch nicht viel anzufangen ist und das Gefühl das aus jeder beantworteten Frage zehn neue entstehen. All das macht den Bann dieser Reihe aus. Und es geht spannend weiter. Es werden zwar einige Hintergründe grob geschildert und diesbezüglich Informationen gegeben, allerdings trifft Madison nach wie vor auf eine Wand aus Schweigen. Keiner darf ihr aus irgendwelchen ominösen Gründen Genaueres sagen und es ist so mühselig immer nur ein paar Happen zugeworfen zu bekommen, die kein einheitliches Bild ergeben. Das ist fast zum Verrücktwerden und die Auflösung scheint noch so fern. Dank des Buches, welches Madison aus der Schulbücherei mitnimmt, werden weitere hierarchische Strukturen des Clubs beschrieben, doch es fehlt immer noch der Durchblick.

Bishop und Nate waren mir wesentlich sympathischer. Der Club spielt immer noch gerne Spielchen, aber es geht insgesamt nicht so brutal und sexistisch zu wie im ersten Band. Weniger grenzwertige Situationen und die Atmosphäre ist nicht mehr so rau und grob. Dadurch empfand ich es als angenehmer zu lesen. Einige vollkommen unerwartete Charaktere tauchen auf und der Strudel aus Geheimnissen dreht sich immer schneller um Madison, Richtung Abgrund. Ich habe den Eindruck die Lüftung all der Lügen und Heimlichkeiten wird sie teilweise zerstören. Wie das Ganze aufgelöst wird, ist mir noch schleierhaft, aber es wird bestimmt intensiv und unglaublich. Ich bin gespannt wie die Autorin all die losen Fäden zu einem sinnvollen einzelnen Strang verknüpfen wird und was sich wirklich hinter dem sektenartigen Club verbirgt.

Fazit: Steht dem ersten Band in nichts nach und der Sog rund um den Club nimmt weiter zu. Noch mehr Geheimnisse, noch mehr Fragen und die Gewissheit scheint so nah und doch so fern.

Veröffentlicht am 21.05.2019

Fünf Frauen, fünf Schicksale

Die Liebe im Ernstfall
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Dieses dünne Büchlein beschreibt die ganz eigene und individuelle Geschichte von fünf Frauen, die sich nach einem glücklichen und zufriedenen Leben sehnen, vor allem in der Liebe. Doch diese gestaltet ...

Dieses dünne Büchlein beschreibt die ganz eigene und individuelle Geschichte von fünf Frauen, die sich nach einem glücklichen und zufriedenen Leben sehnen, vor allem in der Liebe. Doch diese gestaltet sich nicht so einfach wie erhofft und letztendlich findet jede einen anderen Weg mit den Überraschungen des Lebens umzugehen.

Überzeugen kann die Autorin mit der Darstellung authentische und glaubhafter Charaktere, in deren Erfahrungen so viel Wahrhaftigkeit und Tiefgründigkeit liegt, dass man nahezu mitgerissen wird. Auch wenn mir der Anfang etwas schwer fiel, wurden mir die Charaktere bald sympathisch und die Individualität sticht besonders hervor. Das Buch glänzt zwar nicht unbedingt mit Spannung, dafür aber mit Tiefe und echten Erzählungen, die düster angehaucht sind und häufig auch deprimierend, aber so spielt das Leben eben auch. Unerfüllte Liebe, die Suche nach sich selbst, enttäuschende/enttäuschte Familienmitglieder und Freunde, die schwierige Suche nach dem perfekten Partner, typische Familienprobleme, verkrachte Ehen, Scheidungen, die ganze Palette ist mit dabei und dadurch sind die Geschichten so abwechslungsreich und einzigartig gestaltet, dass ich mich auf jede Person neu und anders einlassen musste, was mich zunehmend begeistern konnte. Man leidet mit ihnen, man liebt mit ihnen und sieht sich mit immer wieder neuen Herausforderungen konfrontiert, die überwunden werden können, wenn man sich ihnen stellt. Besonders spannend war die Frage inwiefern die Frauen zusammenhängen und welche Vergangenheit sie teilen. An einigen Stellen war die Geschichte etwas zu zäh und unnötig langatmig, doch das hielt nicht so lange an und schon wartete die nächste Wendung.

Gut geeignet für Leser*innen, die eher sachte, wenn auch traurige und teils erschütternde Geschichten über starke Frauen suchen, die sich nach dem vollen Erleben ihres Lebens sehnen und der zufriedenstellenden und glücklich machenden (Liebes-)Beziehung.

Veröffentlicht am 12.05.2019

Undurchsichtige Ermittlungen mit überraschender Auflösung

Die Todesbotin
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Nachdem in Berlin einige Morde begangen werden, nehmen Viktor und seine Kollegen die Ermittlungen auf. Doch schon bald luchst ihnen der Staatsschutz den Fall ab und Viktor und Ken sehen sich gezwungen ...

Nachdem in Berlin einige Morde begangen werden, nehmen Viktor und seine Kollegen die Ermittlungen auf. Doch schon bald luchst ihnen der Staatsschutz den Fall ab und Viktor und Ken sehen sich gezwungen heimlich zu ermitteln, denn dass es sich dabei um einen Terrorakt handelt, vermuten sie nicht. So schleust sich Viktor undercover in eine geschlossene Gemeinschaft ein, die eine andere politische Gesinnung hat und diese auslebt. Dabei ahnt Viktor nicht welche grausame und überraschend schockierende Geheimnisse sich innerhalb der Gemeinschaft und außerhalb verbergen. Derweil verfolgt Begüm eine ganz andere Spur...

Durch die Kenntnisse der vorherigen Bandes konnte ich sofort wieder in die Geschichte eintauchen. Die Protagonisten waren mir bekannt, auch wenn ich Kens freches Mundwerk nicht mehr so intensiv in Erinnerung hatte. Die Ermittlungen scheinen erst in eine gewisse Richtung zu gehen, doch schon bald wird in mehrer Richtungen ermittelt und es war unklar wie der Fall sich jetzt auflösen würde. Diese Ungewissheit hat unglaublich viel Spaß beim Lesen bereitet. Von terroristischem Akt bis zu einer eher nationalsozialistisch geprägten Gruppe, war alles dabei. Besonders spannend fand ich die Handlungen innerhalb der "völkischen Siedlung" weil es spannend war ihre Perspektiven kennenzulernen und das Leben dort. Das war super und authentisch eingebaut in die Geschichte. Die unterschiedlichen Herangehensweisen von Ken und Viktor im Gegensatz zu Begüm, die ein persönliches Interesse am Lösen des Falles hatte, waren erfischend und abwechslungsreich. Die Auflösung des einen Mordes hat mich umgehauen, da ich niemals auf diese Auflösung gekommen wäre, auch wenn ich kurz vor Enthüllung schon den ein oder anderen Gedanken in diese Richtung hatte. Dennoch sehr undurchsichtig und kaum vorhersehbar.

Insgesamt ein sehr vielseitiger Thriller, mit höchst unterschiedlichen Ermittlungsrichtungen und einem unfassbaren Ende! Absolute Empfehlung.

Veröffentlicht am 05.05.2019

Eine Reise in das Italien des letzten Jahrhunderts

Bella Ciao
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Die junge Giulia wächst in ärmlichen Verhältnisse in dem italienischen Ort Borgo di Dentro Ende des 19. Jahrhundert auf. Es sind stürmische Zeiten mit politisch unklaren Zuständen und ungerechten Lebensbedingungen. ...

Die junge Giulia wächst in ärmlichen Verhältnisse in dem italienischen Ort Borgo di Dentro Ende des 19. Jahrhundert auf. Es sind stürmische Zeiten mit politisch unklaren Zuständen und ungerechten Lebensbedingungen. Während Giulia in ihrer zerrütteten Familie keinen Trost findet, ist dies in der Familie Leones anders, denn Familie heißt zusammenzuhalten. Mit ihrer besten Freundin Anita Leones und ihrem Verlobten Pietro Ferro versucht sie die schönen Seiten des Lebens zu entdecken. Doch nach einer schmerzhaften Entdeckung, trifft sie eine verzweifelte Entscheidung und flieht völlig allein und unwissend in die fernen USA, mit nichts als ein paar wenigen Gegenständen und einer Adresse. Fast fünfzig Jahre später kehrt sie zurück zu ihrem schicksalsträchtigen Heimatort und muss feststellen, dass alles sich unwiederbringlich verändert hat. Ihre ehemals beste Freundin Anita, die restliche Familie Leone und sie selbst, Giulia, auch.



Die Geschichte teilt sich in drei Abschnitte, mit jeweils einem Stammbaum der wichtigsten Familien, über die berichtet wird, was ich besonders schön fand, da man dadurch die Beziehungen gleich erfassen konnte. Ich empfand den Einstieg in die Geschichte als mühselig und holprig. Es werden so viele Personen, ihre Beziehungen und die politisch-ökonomischen sowie gesellschaftlichen Umstände so detailreich geschildert, dass ich Schwierigkeiten hatte den Handlungen zu folgen. Vor allem die Beschreibungen, das Lokalkolorit, waren für mich oft viel zu ausführlich und unnötig breit geschildert. Ebenso störte mich der Wechsel der erzählten Zeiten, ohne dass dieser Wechsel irgendwie kenntlich gemacht wurde. Das führte dazu, dass ich die Entwicklungen manchmal nicht sofort verstand und richtig einordnen konnte. Auch wenn es sich um Erinnerungen handelt, wären Absätze angenehm gewesen. Im Laufe des Buches verschwanden die Schwierigkeiten und ich fand in einen flüssigen Lesefluss hinein, der das Vorankommen des Lesens förderte.

Da es sich um einen historischen Roman handelt, war für mich eine gewisse Distanz zu den Charakteren vorhanden, was ich aber nicht als negativ empfand. Nichtsdestotrotz konnte ich mit den Charakteren mitleiden, und jede unglückliche Fügung teilweise nachempfinden, da einem die Protagonisten doch ans Herz wachsen. Die historischen Ereignissen wurden umfangreich und sehr genau recherchiert, wenn auch vieles Fiktion ist. Die Mühen und die Arbeit sind erkenntlich und machen das Buch zu einem besonderen Lesevergnügen, das bei mir allerlei Emotionen zum Ausdruck brachte und die schrecklichen und düsteren Kriegszeiten perspektivisch erfassen ließ.

Besonders die Erzählungen über die Schicksale mehrerer Familien und deren Beziehungen konnten mich überzeugen und haben die Geschichte belebt und authentisch gemacht. Hinter all dem stecken tiefgründige und philosophisch anmutende Gedanken, Ansätze und Intentionen der Autorin, die die Protagonisten, allen voran Giulia, umtreiben und mit ihren folgenschweren Entscheidungen hadern lassen.

Bei all den fürchterlichen Ereignissen, gibt es immer einen Hoffnungsschimmer, der irgendwo leuchtet und nur gefunden werden muss. Das vermittelt die Geschichte, vor allem am Ende.



Fazit: Eine absolut umwerfende historische Familiengeschichte über mehrere Generationen, die zeigt wie entscheidend der Zusammenhalt innerhalb einer Familie ist und welche Hoffnung und Stärke sich dahinter verbergen mögen.