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Veröffentlicht am 24.10.2016

Richtig tolle Neuinterpretation von Shakespeares "Wintermärchen" für Fans und Neulinge

Der weite Raum der Zeit
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INHALT:
Der Londoner Investmentbanker Leo verdächtigt seine schwangere Frau MiMi, ihn mit seinem Jugendfreund Xeno zu betrügen. In rasender Eifersucht und blind gegenüber allen gegenteiligen Beweisen ...

INHALT:
Der Londoner Investmentbanker Leo verdächtigt seine schwangere Frau MiMi, ihn mit seinem Jugendfreund Xeno zu betrügen. In rasender Eifersucht und blind gegenüber allen gegenteiligen Beweisen verstößt er MiMi und seine neugeborene Tochter Perdita. Durch einen glücklichen Zufall findet der Barpianist Shep das Baby und nimmt es mit nach Hause. Jahre später verliebt sich das Mädchen in einen jungen Mann – Xenos einzigen Sohn. Zusammen machen sie sich auf, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen und alte Wunden zu heilen, damit der Bann der Vergangenheit endlich gebrochen wird.

Jeanette Winterson spielt souverän mit Figuren und Handlung aus Shakespeares "Das Wintermärchen" und erzählt eine verblüffend moderne Geschichte über rasende Eifersucht, blinden Selbsthass und die tiefe Sehnsucht in uns, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen.

COVER:
Man könnte fast meinen, dass sowohl Titel als auch Cover des Buches recht unscheinbar sind. Was sich hinter dem Titel und der abgebildeten Feder verbirgt, erschließt sich erst im Laufe des Lesens. Die Autorin hat hier, wie viele andere bereits vor ihr, das Engelsmotiv in ihrem Roman verarbeitet. Das Buch und damit gleichzeitig auch das Hogarth Shakespeare Projekt würde sicher noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit bekommen, wenn ein kleiner Aufkleber auf der Folie angebracht werden würde. Der Zusammenhang zu Shakespeare wird erst ersichtlich, wenn man sich den Klappentext durchliest.

MEINUNG:
Der weite Raum der Zeit ist der zweite Roman, der im Rahmen des Hogarth Shakespeare Projekt im Knaus Verlag (Teil der Randomhouse Verlagsgruppe) erschienen ist. Das Projekt umfasst acht Neu-Interpretationen von Shakespeares berühmtes Werken geschrieben von acht internationalen Top-Autoren. In diesem Jahr sind bereits drei Romane erschienen: Howard Jacobson – Shylock (basierend auf Der Kaufmann von Venedig), Anne Tyler – Die störrische Braut (basierend auf Die widerspenstige Zähmung) und Jeanette Winterson – Der weite Raum der Zeit (basierend auf Das Wintermärchen).
Außer Romeo und Julia habe ich leider kein weiteres Werk von Shakespeare gelesen und das ist schon lange her. Ich habe Der weite Raum der Zeit durch Zufall mal im Buchladen entdeckt und es hat mich gleich angesprochen. Vom Knaus Verlag haben ich dieses Exemplar freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Ehrlich gesagt habe ich vom Wintermärchen noch nie etwas gehört, aber keine Bange, falls es euch auch so gehen sollte. Zu Beginn des Romans wird die ganze Geschichte, die aus drei Akten besteht, noch zusammengefasst. Dieser Aspekt hat mir sehr gut gefallen und ohne es gelesen zu haben, war ich im Bilde.
Natürlich ist von Anfang klar wie die Geschichte beginnt und wie sie endet, aber das Dazwischen ist in dem Fall das Interessante. Jeanette Winterson hat alle Namen der Protagonisten an das Original angelehnt, aber quasi „modernisiert“. Shakespeare Stück spielt eigentlich in Sizilien. In Jeanette Wintersons Adaption spielt die Geschichte in London bzw. in den USA, in New Bohemia (Lousiana) und ist ebenfalls in dreie Teile geteilt, wie das Original.
Selten habe ich ein Buch gelesen, was nachdenklich, poetisch, aber gleichzeitig auch vulgär und einfach in der Sprache ist. Das Buch vereint Themen wie Eifersucht, Rache, Vergebung, Sehnsucht, Trauer, Hoffnung, Liebe so harmonisch miteinander, so dass hier keine Seite überflüssig ist und am Ende auch alles gesagt worden ist. Die Geschichte lässt sich leicht und flüssig lesen und klingt trotzdem noch lange nach. Vor allem regt sie zum Nachdenken an und liefert eine interessante Sicht auf die eigene Vergangenheit und mit deren Umgang in der Gegenwart, die ich wirklich „open minded“ fand. Bei Shakespeare steht das Stück auch im unter dem Stern, des Vergebens und des Verzeihens. Der Roman zeigt auf, dass die Fehler, die Menschen begehen und seien sie noch so groß und eigentlich unverzeihlich, trotzdem eines Tages ein gutes Ende nehmen können.
Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und bieten eine bunter Mischung an Hautfarben, sozialen Stand und Sexualität. Dieser Aspekt hat mir sehr zugesagt und spricht auch für die Autorin. Die Geschichte kommt hier ohne Stereotypen aus. Die verschiedenen Erzählstränge, die in den ersten beiden Teilen aufgebaut werden, werden im dritten und letzten Teil zusammen geführt. Die Autorin greift auch innerhalb des Romans viele Anspielungen zu Klassikern, wie z.B. Ödipus auf. Man bekommt also nicht nur eine stimmige Geschichte, sondern kann sich mit diesem Roman auch gleichzeitig noch bilden.

FAZIT:
Der Roman von Jeanette Winterson als Teil des Hogarth Shakespeare Projekts bietet allen interessierten Lesern einen Einblick in die bekanntesten Werke von Shakespeare, ohne sich dabei mit der doch sehr anspruchsvollen Sprach- und Schreibweise des bekannten Dramatikers im Detail auseinandersetzen zu müssen. Mir hat der Roman außerordentlich gut gefallen. Ganz besonders die Schreib- und Sprachweise von der Autorin, die sich durch ihre Heterogenität auszeichnet und trotzdem harmonisch und in sich stimmig ist. Ich freue mich auf die weiteren Romane und werde mir auch die beiden bereits erschienen noch besorgen.

Ich vergebe 5 von 5 Sternen.


Veröffentlicht am 24.10.2016

Regt zum Nachdenken an...unbedingt lesen!

Terror
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INHALT:

Ein Terrorist kapert eine Maschine der Lufthansa und zwingt die Piloten, Kurs auf die voll besetzte Allianz-Arena in München zu nehmen. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot ...



INHALT:

Ein Terrorist kapert eine Maschine der Lufthansa und zwingt die Piloten, Kurs auf die voll besetzte Allianz-Arena in München zu nehmen. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot der Luftwaffe das Flugzeug ab, alle Passagiere sterben. Der Mann muss sich vor Gericht für sein Handeln verantworten. Seine Richter sind die Zuschauer und Leser, sie müssen über Schuld und Unschuld urteilen.


MEINUNG:

Seit Verbrechen und Schuld bin ich bekennender Fan von Ferdinand von Schirach und habe innerhalb kürzester Zeit alles, was er je geschrieben hat, förmlich in mich aufgesaugt. Zum damaligen Zeitpunkt waren neben den beiden genannten Werken auch schon seine beiden Romane Tabu und Der Fall Collini erschienen. Glück für mich! Doch seitdem warte ich immer sehnsüchtig auf etwas Neues. Die Würde ist unantastbar hat mir zum ersten Mal nicht ganz so gut gefallen, aber Terror konnte mich jetzt wieder absolut begeistern.

Das Theaterstück beschäftigt sich mit einer Fragestellung, die sich für mich zunächst recht eindeutig und schnell beantworten lässt, aber im Verlauf des Lesens war ich mir damit nicht mehr so sicher. Sowohl der Angeklagte als auch Verteidiger und Staatsanwältin bringen sehr viele, fundierte Argumente hervor, die mich haben nachdenken lassen. Das Ganze macht es unheimlich schwierig hier zu einer Antwort zu kommen, die definitiv richtig und die andere im Umkehrschluss definitiv falsch ist. Hier kann man auch nicht wirklich damit argumentieren, dass das, wie es immer so schön heißt, Ansichtssache ist, denn das ist es nicht. Jedes Urteil zieht enorme Konsequenzen für unsere Rechtsstaatlichkeit und unserer Verfassung mit sich, die die Basis für unser Zusammenleben darstellt. In meinen Augen besonders dann, wenn man sich für „nicht schuldig“ entscheidet. Doch jeder Leser soll hier angeregt werden sich dazu eine eigene Meinung zu bilden. Es werden allerdings auch die Konsequenzen des Ganzen aufgezeigt und das halte ich hier für essentiell. Viele werden hier aus dem Bauch heraus entscheiden, dabei schließe ich mich selbst mit ein, doch so einfach ist eben nicht.

Am 17.10. wurde auf ARD auch der gleichnamige Film mit u.a. Martina Gedeck und Florian Fitz David dazu ausgestrahlt. Die Zuschauer durften dann per Anruf entscheiden, ob der Angeklagte Koch schuldig oder nicht schuldig ist. Wie entschieden wurde, ging danach auch durch die einschlägigen Quellen, wie u.a. Spiegel Online, Stern, Tagesschau. In der ARD Mediathek sind alle Beiträge dazu noch verfügbar.

Die Rede bezieht sich auf die Verleihung des M100- Sanssouci Medien Preises an Chrlie Hebdo. Sie macht sehr eindringlich darauf aufmerksam, dass wir Terror(-anschläge) nicht (versuchen) dürfen mit zusätzlichen Sicherheitsmechanismen zu bekämpfen, die vermeintlich nach mehr Schutz aussehen. Von Schirach bezieht sich hier sehr intelligent Benjamin Franklins bekanntes Zitat: „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ In der Rede führt er auch Beispiele aus der aktuellen Gegenwart an, wo genau eben das nicht gemacht wird. Das Zitat wird allerdings unterschiedlich aus dem Englischen Original übersetzt (hier könnt ihr mehr dazu lesen) Ich möchte hier gar nicht mehr zu sagen. Jeder sollte diese Rede selbst einmal gelesen haben. Sie regt definitiv zum Nachdenken und führt dem Leser so einige Kausalitäten und Beispiele vor Augen, die wir so vielleicht noch betrachtet haben.

FAZIT:

Ferdinand von Schirach hat hier ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen. Trotz relativ kurzem Lesevergnügen, haben mich sowohl das Theaterstück als auch die Rede schwer zum Nachdenken gebracht. Beide haben mich dazu angeregt meine eigene Meinung und Ansichten zu den angesprochenen Themen zu hinterfragen. Wenn das Literatur im großen Sinne gesehen schafft, dann hat sie damit einen wesentlichen Fakt erreicht, weswegen ich gerne lese.

Ich vergebe 5 von 5 Sternen.


Veröffentlicht am 24.10.2016

Spannende und vor allem politische Dystopie mit Realitätsbezug

Flawed – Wie perfekt willst du sein?
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INHALT:
Celestines Leben scheint perfekt: Sie ist schön, bei allen beliebt und hat einen unglaublich süßen Freund. Doch dann handelt sie in einem entscheidenden Moment aus dem Bauch heraus. Und bricht ...

INHALT:
Celestines Leben scheint perfekt: Sie ist schön, bei allen beliebt und hat einen unglaublich süßen Freund. Doch dann handelt sie in einem entscheidenden Moment aus dem Bauch heraus. Und bricht damit alle Regeln. Sie könnte im Gefängnis landen oder gebrandmarkt werden – verurteilt als Fehlerhafte. Denn Fehler sind in ihrer Welt nicht erlaubt. Nichts geht über die Perfektion. Auch nicht die Menschlichkeit. Jetzt muss sie kämpfen – um ihre eigene Zukunft und um ihre große Liebe.

COVER:
Das Cover ist mit Abstand eines der schönsten dieses Jahres! Es ist ein absoluter Eye-Catcher und ich kann mich daran einfach nicht satt sehen. Die kräftigen Farben und die hervorgehobenen Schrift lassen das Buch im Laden nicht unbemerkt. Am besten finde ich, dass es auch unter dem Schutzumschlag genauso aussieht, wie auf dem Umschlag. Für mich, die immer ohne Schutzumschlag liest, sehr gut geeignet.

MEINUNG:
Flawed ist der erste Teil von Cecelia Aherns ersten All-Age-Reihe, welche aus zwei Bänden besteht. Auch von mir wurde das Buch mit Spannung erwartet und dann auch gleich zum Erscheinungstermin erworben. Ein paar Tage nach Erscheinung war ich auch gleich bei einer Lesung des Buchs im Rahmen der Harbour Front Literaturfestivals in Hamburg. Auf dem Rückweg der Lesung habe ich in der Bahn gleich mit dem Lesen begonnen und es hat mich gleich in seinen Bann gezogen und auch bis zum Schluss nicht mehr los gelassen.
Celestine ist ein Mädchen, das in jeglicher Hinsicht nach Perfektion strebt und immer an das System der Gilde geglaubt hat. Ein Schlüsselereignis, gleich zu Beginn des Romans, lässt sie allerdings umdenken. Hieraus resultiert auch der entscheidende Fehler, den sie begeht und der ihr Leben und alles woran sie je geglaubt hat, völlig verändert. Mir kam die Veränderung ihrer Einstellung ein wenig zu schnell. Zunächst kam es mir daher unglaubwürdig vor, aber es ist entscheidend für die weitere Handlung und mein erster Eindruck ist schnell wieder verflogen. Celestine verdient meine ganze Bewunderung mit welcher Stärke sie ihre Brandmarkung übersteht und sich auch danach nicht unterkriegen lässt. Sie steht voll und ganz zu sich selbst und dem was sie getan hat.
Mir hat gut gefallen, dass die Autorin geschickt Erklärungen zur Welt von Celstine und dem System der Gilde einfließen lässt, die in sich schlüssig sind und Eintauchen ohne weiteres möglich machen. Besonders sind mir dabei die ganzen Kontrollmechanismen der Gilde aufgefallen, die dazu dienen, dass die Fehlerhaften den ganzen ihnen auferlegten Regelkatalog einhalten. Es ist faszinierend und erschreckend zu gleich gewesen.
Erschrocken war ich, dass diese Fehler nicht aus der Verstoßung gegen Gesetze, wie wir es im klassischen Sinne kennen, heraus resultieren, sondern viel mehr aus moralischen Verständnis. Die Gilde dient der lediglich der Aufklärung von moralischem Fehlverhalten und untersteht der Regierung. Wird man einmal als fehlerhaft verurteilt und gebrandmarkt, führt man in Flawed ein Leben am Rande der Gesellschaft. Ein Leben, was in meinen Augen, nicht lebenswert ist, denn ihnen wird ihre ganze Menschlichkeit abgesprochen. Fehlerhafte und solche, die es nicht sind, dürfen weiterhin zusammen leben, aber nur unter erschwerten Bedingungen. Viele kommen auch mit der Brandmarkung nicht zurecht und verfallen in schwere psychischen Krisen.
In der Geschichte lassen sich viele Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft finden, vor allem im Bereich Politik und Medien, auch wenn es eine Dystopie ist. Natürlich ist der Umgang mit Fehlern hier sehr überspitzt dargestellt, aber dennoch ist da viel Wahres dran. Auch in unserer Gesellschaft kann man für einen Fehler, der nach dem allgemeinen Verständnis nicht unserem moralischen Verständnis entspricht, ausgegrenzt werden und plötzlich von der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Im Roman wurde auch sehr gut aufgezeigt, dass Macht und Ansehen eine große Rolle spielen und Einfluss darauf haben können, ob man als fehlerhaft verurteilt wird oder ob es nicht lieber sprichwörtlich „unter den Teppich gekehrt“ wird. Es wird also mit zweierlei Maß gemessen. Einen Zustand, der in der Realität auch nicht ganz unbekannt ist.
Der zweite Teil Perfect – Willst du die perfekte Welt? erscheint bereits am 17. November 2016 und wie ich bei der Lesung erfahren habe, damit sogar erstmals noch vor der englischen Ausgabe. Das verdanken wir der großen Fangemeinschaft von Cecelia Ahern in Deutschland.

FAZIT:
Es ist eine unfassbar spannenden und dicht erzählte Dystopie, die sich mehr und mehr zu einem Thriller entwickelt, den man nicht mehr aus der Hand legen mag. Cecelia Ahern ist hier ein Roman gelungen, der sehr politisch ist und dessen gesellschaftliches System auch Parallelen zu unser Realität aufweist. Diese werde natürlich stark überspitzt, aber genau deswegen sind die Gemeinsamkeiten so auffällig und regen auch zum Nachdenken und Hinterfragen ein.

Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 10.11.2025

Die Lotsin

Die Lotsin
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MEINUNG:

Die Lotsin ist nun der vierte Teil der Reihe um den deutsch-niederländischen Ermittler Liewe Cupido. Alle Bände enthalten in sich abgeschlossene Fälle, nur die Geschichte um die ermittelnden ...

MEINUNG:

Die Lotsin ist nun der vierte Teil der Reihe um den deutsch-niederländischen Ermittler Liewe Cupido. Alle Bände enthalten in sich abgeschlossene Fälle, nur die Geschichte um die ermittelnden Personen läuft weiter. Ich würde immer empfehlen, die Bücher in der Reihenfolge zu lesen. Der Retter und Der Taucher sind sehr gute Vorgängerbände.

In diesem Teil befinden wir uns zunächst im hohen Norden. Die Geschichte beginnt in Grönland, wo eine junge Klimaforscherin forscht und dann auf Grund von Depression auf das Schiff ihres Mannes wechselt, wo sie in Island an Bord geht. Liewe und sein Kollege Xander Rimbach werden gerufen als eben jene junge Frau von Bord geht. Der Verdacht, dass es sich um Selbstmord handeln könnte, bestätigt sich nicht.

Mathijs Deen nimmt uns dieses Mal mit in die Welt der Wissenschaft und Klimaforschung. Was ich sehr schätze, dass die von ihm geschriebenen Krimis immer sehr gut recherchiert sind und die Ruhe, mit der vor allem sein Ermittler Liewe Cupido heran geht. Beim Lesen ist Aufmerksamkeit erforderlich, denn es gibt eine Menge Personen, die mit dem Fall zu tun haben und zwischen ihnen gibt es Beziehungen, die zur Lösung des Falls beitragen. Genau hierauf legt der Autor auch den Fokus - auf das Zwischenmenschliche. Es gibt keinen Mörder, der aus reiner Freunde Menschen tötet, sondern es sind die Beziehungen zueinander und Motive wie Eifersucht, verletzter Stolz etc. , die in gewissem Maß auch nachvollziehbar sind. Es hat mir gefallen, dass nun auch Xander mehr Raum bekommt für die Ermittlungen und in Liewe auch so etwas wie einen Lehrmeister/ Ausbilder findet. Am Rande geht es auch weiter mit einem Stück von Liewes Familiengeschichte, wo wir am erfahren, dass er eine Schwester hat.

FAZIT:

Die Bücher von Mathijs Deen werden von Band zu Band besser. In Die Lotsin nimmt er uns immer weiter mit in den hohen Norden. Ich wieder sehr die doch sehr phlegmatische Art von Liewe Cupido und mag es dass Xander Rimbach nun auch mehr Raum bekommt. Ich freue mich riesig auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Familie Falck und die Intrigen

Meeresfriedhof
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MEINUNG:

Meeresfriedhof der Auftakt der Falck-Saga. Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden, aber ich empfehle immer in der Reihenfolge zu bleiben. Ich bin mal wieder auf das Buch aufmerksam ...

MEINUNG:

Meeresfriedhof der Auftakt der Falck-Saga. Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen werden, aber ich empfehle immer in der Reihenfolge zu bleiben. Ich bin mal wieder auf das Buch aufmerksam geworden als auf der Suche nach neuer skandinavischer Spannungsliteratur war.

Meeresfriedhof ist der Auftakt einer Familiensaga, nämlich der namensgebenden Familie Falck, die im weiteren Sinne aus zwei Familienteilen besteht (im Buch ist ein Stammbaum vorhanden): aus dem Osloer Teil, dem vermögenden Teil der Familie Falck und den Bergensern, der verarmten Teil der Familie. Alles beginnt mit dem Tod von Vera Lind und dem nicht auffindbaren Testament. Oberhaupt der Familie ist Olav Falck, der Sohn von Vera Lind. Alexandra Falck (genannt Sasha), Enkelin von Vera und Tochter von Olav macht sich auf die Suche nach dem Testament bzw. einem Memoir namens Meeresfriedhof. In dem Roman gibt es nochmal einen weiteren Roman, nämlich den namensgebenden Roman "Meersfriedhof", der gleichzeitig als Testament von Vera Lind gehandelt wird. Ich habe größten Respekt vor Autoren, die zu so einem Mittel greifen. Es gibt  zwei relevante  geschichtliche Ereignisse: den realen Untergang der Prinsesse Ragnhild im Oktober 1940  in Nordnorwegen und dem fiktiven Beschlagnamung von Veras Manusskript durch den Staatsschutz im Jahr 1970 und die große Frage, was alles passiert ist.

Der Autor hat hier hochkomplexen Roman geschaffen, den man aufmerksam lesen muss. Es gibt viele Personen. Der Familienstammbaum hilft auf jeden Fall weiter, aber es gibt auch viele Nebencharaktere und alle haben miteinander irgendwelche Verflechtungen oder sprichwörtliche Leichen im Keller, denn wo macht Macht , ist auch Geld, Intrigen und Vertuschung, damit diese Macht erhalten bleibt. Als eine zentrale Figur gibt, es noch den Soldaten/ Geheimdienstler Johnny Berg, den ich wenigstens auch ein wenig sympathisch fand, denn Familie Falck ist es durchgängig nicht, da jeder hier seine Absichten verfolgt. Er tut sich ein bisschen mit Sasha zusammen, auch wenn beide jeder für sich andere Absichten hat. Durch Johnny gibt es zusätzlich auch noch weitere militärische Szenen in Kurdistan etc. Nach meinem Empfinden hätte ich die nicht noch zusätzlich gebraucht, da es schon genug Handlung, Fakten etc. gab, aber mein Eindruck ist, dass der Autor auch immer ein aktuelles politisches Thema mit rein nehmen wollte. Es gibt also weitere Personen und Stränge. Ich habe mich relativ gut zurecht gefunden, aber dennoch manchmal gefragt, ob alles richtig verstanden habe. Vergleich zu Joel Dicker sind durchaus angebracht. 

Hinzu kommt eine fantastische Beschreibung der norwegischen Landschaften, denn wir verfolgen einmal die Fahrt der Prinsesse Ragnhild entlang der Hurtiggruten Route nach Nordnorwegen vorbei an den Lofoten. Beim Lesen habe ich mir Bilder angeschaut und bekam auf jeden Fall Fernweh. Es hat mir gefallen, dass die Familie Falck gar nicht erst irgendwie besonders sympathisch dargestellt wurde und eigentlich auch alle Mitglieder ihre Absichten schnell offen gelegt haben. Blut ist dicker als Wasser galt auch nicht in jedem Fall. Absichten blieben einfach auch nicht verborgen. Das fand ich schon recht interessant, besonders zwischen Sasha und ihrem Vater. Es gibt auch wirklich ziemlich spektakuläre Wendungen.

FAZIT:

Meeresfriedhof ist ein spektakulärer Auftakt zu einer hochkomplexen Familiengeschichte, die auf Grund ihrer Macht und ihren Reichtum auch nicht mit Intrigen geizen. Der Autor hat hier ein hochkomplexes Lesevergnügen geschaffen. Ich habe mich hier wunderbar unterhalten gefühlt und habe noch so einiges über Geschichte und Politik gelernt. Ich möchte hier unbedingt weiterlesen. Band - Felsengrund ist bereits erschienen.

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