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Veröffentlicht am 04.08.2019

tolle Teenagerreihe, informativ und begwegend

Meine Ökokrise und ich
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Sina ist inzwischen 16 Jahre alt und von ihrem Sandkastenfreund und Nachbarn Yannis getrennt. Nun schwebt sie im 7. Himmel mit Carlos, dem Mitbewohner ihrer besten Freundin Kleo. Dieses Glück wird unterbrochen, ...

Sina ist inzwischen 16 Jahre alt und von ihrem Sandkastenfreund und Nachbarn Yannis getrennt. Nun schwebt sie im 7. Himmel mit Carlos, dem Mitbewohner ihrer besten Freundin Kleo. Dieses Glück wird unterbrochen, als sie mit ihren Eltern in den Nordseeurlaub muss! Doch als sie bei einer einsamen Wanderung eine Kegelrobbe in Not entdeckt und rettet, lernt sie den Umweltschützer Ben kennen, der ihr bisheriges Weltbild ganz schön erschüttert. Fortan kreisen ihre Gedanken um den Umweltschutz, der schon im Kleinen beginnen kann. Als sie mit Kleo aber zufällig eine verletzte Katze aus ihrem Hauswald zur Tierärztin bringt, erfährt sie, daß diese eine geschützte Wildkatze und der Wald von einer Umgehungsstraße akut bedroht ist. Davon hatte sie keine Ahnung und erzählt es empört ihrer Familie und ihren Nachbarn. Diese werden auch sofort aktiv, nur Carlos, der eigentlich Umwelttechnik studieren will, ist mit seinen Gedanken ganz woanders. Sina, Kleo und Yannis treten einem Aktionsbündnis bei und stellen fest, daß Mut und Ideenreichtum gefragt sind, wenn man etwas ändern will. Allerdings stürzt die ihr immer bewusster werdende Umweltbedrohung Sina in eine echte Sinnkrise.

Sina ist ein nettes, intelligentes Mädchen, sehr hübsch, aber mit großen Füßen, großem Herz und großem Freundeskreis und einer intakten Familie (auch ganz erfrischend in einem Buch mal wieder von einer intakten Familie zu lesen). Sina und ihre Freundinnen und Familie kann man in einer ganzen Buchreihe durch die Pubertät mit ihren Hormonwirren begleiten und ihre Höhen und Tiefen mit allen Teeniefragen und -dramen verfolgen. Dies ist der letzte Band, empfohlen ab 12 Jahren, aber auch für Einsteiger verständlich. Dieses Thema hätte meine 12 jährige Tochter auch wirklich interessiert, vor allem da es super aufbereitet ist, mit Infokästen zu den einzelnen Themen, auf die Sina immer wieder stößt, während sie mit offenen Augen durchs Leben geht, allerdings ist Sina beziehungs- und jungstechnisch auf einer Stufe, die für meine Tochter zu erwachsen ist. Oder eben „iiiih, Knutschi, Knutschi“. Sina, hält nicht nur Händchen, sie knutscht auch nicht nur, sie will bei Carlos übernachten, was ihre Eltern nicht wollen, obwohl der Rest ja eh schon läuft... Die Altersempfehlung hängt also ein wenig vom hormonellen Reifegrad und dem Interesse an Beziehungen ab. Wobei mir gut gefällt, daß Sina schon weiß, warum ihre Eltern dagegen sind, nämlich weil sie Carlos nicht kennen, ein Umstand über den Sina dann beginnt nachzudenken... Neben den Umweltaspekten, sind auch Beziehungswarnsignale eingearbeitet und sehr einfühlsam aufgearbeitet, so daß ich dieses Buch älteren Leserinnen so um die 14 Jahre sehr gut empfehlen kann.

Dieser Band erschien 2014, d.h. die Zahlen sind nicht nicht mehr alle ganz aktuell, heute ist es meistens noch viel drastischer, so sind nicht mehr nur 50 % des deutschen Waldes geschädigt, sondern sogar 90 % auf Grund der trockenen Sommer und der immer stärkeren Unwetter, nicht mehr gesund. Dennoch sind auch die Aspekte gedanklich aktuell, was der Einzelne tun kann, auch wenn ich 2019 eher zur LED-Lampe als zur Energiesparlampe greifen würde. Solche technischen Gedankenanpassungen schaffen Leser aber durchaus selbst. Sehr schön, fand ich auch die Autodiskussion von Sinas Eltern, über die Anschaffung eines neuen Dienstwagens, der noch vor dem Dieselskandal stattfand, aber durchaus Feinstaub und Co. berücksichtigt. In diesem Punkt finde ich es eher erschreckend, wie wenig sich in den letzten 5 Jahren getan hat, trotz der Konsumhaltung immer neues und immer mehr haben zu wollen. Wirklich saubere Autos gibt es immer noch nicht, denn der Strom kommt ja nicht aus der Steckdose! Auch die Stromgewinnung und die Vor- und Nachteile der einzelnen Methoden ist Stoff für einen Infokasten. Wer sich also für das Thema Umwelt interessiert, findet viele Infos und Anregungen, die auch den eigenen Alltag beeinflussen können. Wer sich mehr für Sina und ihr Liebesleben und ihre Freundinnen und sonstige Teeniesorgen interessiert, kann sie auch überlesen, was ich aber nicht empfehle. Die Infokästen stören die Lesbarkeit überhaupt nicht und die Geschichte bleibt weiterhin packend!

Als die Tierärztin die Wildkatze als solche entlarvt und auf die Chance des Nabu hinweist, dachte ich sofort: Oh ja, jetzt wird vor dem Verwaltungsgericht geklagt, das kann und darf der Nabu nämlich! Es werden zwar die juristischen Konsequenzen bei Demos und das Versammlungsrecht (so gut habe ich es in keinem meiner Bücher im Grundstudium erklärt gefunden) erörtert, aber die Klagemöglichkeiten von Umweltverbänden fehlt leider gänzlich. Gerade bei einer bedrohten Tierart wäre dies im Eilverfahren sehr vielversprechend für einen vorläufigen Baustopp. So ist die Rodung des Hambacher Forstes juristisch gestoppt worden und das Atomkraftwerk Mühlheim-Kärlich ging nach nur 100 Tagen vom Netz, weil von der Genehmigung abgewichen wurde, und der Bau wegen einer tektonischen Platte um 1 m von der Genehmigung abweichend errichtet wurde. Manchmal, kann man große Umweltdinge, auch rechtlich lösen und erreichen. In der Liste der Öko-Berufe, über die Sina nach dem Abi nachdenken könnte, fehlt also eindeutig der Umweltrechtler (dafür braucht man einen langen Atem, es ist ein sehr trockenes und sehr langwieriges Rechtsgebiet, das dafür manchmal wahre Wunder wirken kann). Engagement lohnt sich, wie Sina und Yannis beweisen, ich habe nur etwas Bauchschmerzen, bei dem von ihnen gewählten Weg und legalere Mittel wären mir lieber gewesen. Der Zweck heiligt für mich nicht immer die Mittel. Für einen Roman ist so ein Rechtsstreit aber sicherlich etwas trocken und wenig mitreißend, da ist die gewählte Handlung schon interessanter. Im Übrigen gibt es aber sonst keinen Umweltaspekt der nicht behandelt wird.

Mit diesem Band wird die Geschichte von Sina abgeschlossen und abgerundet. Es ist klar, daß Sina, nach all ihren Umwegen und Krisen und Problemen schon ihren Weg finden wird und es wird ein guter sein. Pubertät ist eben auch die Zeit der Selbstfindung und das ist ihr gelungen. Ein toller Mix aus persönlicher Entwicklungsgeschichte und Ökoaufklärung - ein Thema, das uns alle angeht und die Generation „Fridays for future“ besonders bewegt.

Veröffentlicht am 08.07.2019

Spannendes Wissenschaftsabenteuer

Explorer Academy: Die Feder des Falken (Band 2)
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Im ersten Band ist der bald 13 jährige Cruz Coronado, wie vor ihm seine inzwischen verstorbene Mutter Petra und seine Tante Marisol, an der Explorer Academy aufgenommen worden. Es ist eine Eliteschule ...

Im ersten Band ist der bald 13 jährige Cruz Coronado, wie vor ihm seine inzwischen verstorbene Mutter Petra und seine Tante Marisol, an der Explorer Academy aufgenommen worden. Es ist eine Eliteschule für junge Forscher und Entdecker, auf der neben den intellektuellen Fähigkeiten auch die sozialen gefordert und gefördert werden. Cruz musste entdecken, daß seine Mutter wahrscheinlich ermordet wurde, weil ihre Forschungsergebnisse der mächtigen Pharmafirma Nebula nicht gefallen haben. Sie hat ihm die Formeln in einzelnen codierten Teilen hinterlassen, auf die sie mittels eines holografischen Tagebuchs Hinweise für ihn versteckt hat. Seine Tante und auch der Kapitän des Schulforschungsschiffs wollen ihm dabei behilflich sein, die Formel wieder zusammenzusetzen und ihn vor weiteren Anschlägen zu schützen. Schon schnell zeigt es sich, daß jeder an Bord ein Feind sein könnte, so daß Cruz nur seine Kindheitsfreundin Lani auf Hawaii, seinen Mitbewohner Emmett und die Neuseeländerin Sailor in sein Geheimnis eingeweiht hat. Doch als sie die Suche nach dem nächsten Puzzlestück gen Norden führt, ist es Cruz heimlicher Schwarm, die Isländerin Bryndis, die immer dann, wenn die drei nicht weiterwissen, ahnungslos die Lösung präsentiert. Neben der gefährlichen Suche nach dem nächsten Teil des Rätsels, stellt aber auch die Schule neue Herausforderungen an sie. Die Schüler sollen erstmals das Erlernte und die neuesten technischen Erfindungen zum Wohle der Umwelt einsetzen und Wale retten. Das erweist sich als ebenso atemberaubend, wie auch gefährlich.

Warum Cruz, Lani, Emmett und Sailor ausgerechnet Bryndis nicht einweihen wollen, die ihm bereits im ersten Band eine unschätzbare Hilfe war, haben wir immer wieder vergeblich versucht zu begreifen. Ja, es ist für Cruz scheinbar unmöglich zu unterscheiden, wer Freund und wer Feind ist, aber Bryndis halten wir eindeutig für eine Gute. Wir finden, sie hätte mehr Vertrauen verdient. Aber vielleicht macht Liebe blind? Sehr gut gefiel uns die Walbefreiungsaktion. Bei dieser kommen neue Erfindungen zum Einsatz, die es in der Realität so noch nicht gibt. Es ist sehr beeindruckend wie friedlich diese riesigen Meeressäuger sind und wie sehr sie uns doch trotz all ihrer Größe und Stärke ausgeliefert sind! Ein tolles Plädoyer an die jungen Leser zum Umweltschutz, das durch die doppelseitige farbige Illustration noch einmal nachdrücklich unterstrichen wird. Die neuen Technologien fand meine fast 10 jährige Tochter zwar sehr interessant und spannend, aber sie kannte nicht alles, worauf sie basieren, so daß es für sie hilfreich war, mit mir zusammen zu lesen, so daß ich ihr alles Unbekannte und Neue erklären konnte. Es ist nicht immer alles aus dem Text als solches heraus verständlich. Eine gewisse Technikbegeisterung und Vorkenntnis wird durchaus vorausgesetzt. So ist diese neue Welt für sie faszinierend und unbegreiflich zugleich.

Cruz Auftrag wird immer gefährlicher, denn in kurzen Zwischenkapiteln kann man immer wieder die geheimen Missionen der Gegner mitverfolgen. Es ist klar, daß auch die Orion von Spionen Nebulas unterwandert ist. Auch Cruz hat das Gefühl niemandem trauen zu können. In jedem Band, wird mindestens ein Feind enttarnt, aber dieser sofort wieder von Nebula ersetzt. So macht sich ein leicht paranoides Gefühl breit, aber durchaus altersangemessen und sehr spannend.

Band 1 haben wir als gekürztes Hörbuch gehört. Wir haben uns nun wegen der hochwertigen Aufmachung für das Buch entschieden, auch weil wir wissen wollten, ob die technischen Ausführungen dann für Kinder leichter verständlich sind, oder ob wieder hilfreich ist, der Geschichte gemeinsam zu folgen. Die Illustrationen und die Kapitelanfänge mit Koordinaten, sobald das Schiff ein neues Ziel ansteuert haben uns sehr gut gefallen. Auch das Decodieren fällt deutlich leichter, wenn man das neue Rätsel liest, statt es zu hören, dennoch blieb ich als allwissende Mitleserin unverzichtbar. Dabei war auch mir einiges neu. Den Saatguttresor auf Spitzbergen kannte ich noch nicht und auch auf Island scheint sich seit meinem Besuch dort einiges verändert zu haben. Diese Einblicke in fremde Länder und die Bemühungen das genetische Erbe der Fauna und Flora zu erhalten, fanden wir beide sehr interessant. Abgerundet wird der wissenschaftliche Anspruch mit durch einen Glossar, in welchem erklärt wird, auf welche realen Forschungsergebnisse und Entdeckungen diese Geschichte zurückgreift.

Anspruchsvolle Agentenaction mit wissenschaftlichem Hintergrund für Kinder, sowohl Jungen als auch Mädchen ab 10 Jahren.

Veröffentlicht am 08.07.2019

Katharina die Große

Die Zarin und der Philosoph (Sankt-Petersburg-Roman 2)
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Diese Geschichte beginnt weder mit der Geburt der Zarin, noch des Philosophen, sie schließt zeitlich auch nicht unmittelbar an den ersten Band „Die Stadt des Zaren“ an. Sie beginnt 1761 mit dem Entschluss ...

Diese Geschichte beginnt weder mit der Geburt der Zarin, noch des Philosophen, sie schließt zeitlich auch nicht unmittelbar an den ersten Band „Die Stadt des Zaren“ an. Sie beginnt 1761 mit dem Entschluss eines alten Eremiten sein außerordentlich aufgewecktes fünf jähriges Findelkind aus der Waldhöhle in die Stadt St. Petersburg, in die Obhut der Zarin zu bringen. Er hat ihre Barmherzigkeit schon mal am eigenen Leib erlebt, nun soll die kleine Sonja in den Genuss ihrer Förderung kommen. Katharina erkennt die außergewöhnlich Begabung und den fragenden Geist des Mädchens und zieht sie ihrem leibliche Sohn Zarewitsch Paul vor. Sie sieht sich selbst als fortschrittliche Vorreiterin und will die Bildung von Mädchen und Frauen fördern. Preußenkönig Friedrich der Große betrachtet die durch einen Putsch an die Macht Gekommene mit Misstrauen. Daher schickt er den jungen Philosophen Stephan Mervier und seine junge Frau die Malerin Johanna an ihren Hof als Spion. Schließlich weiß jeder, daß Katharina sich gerne aufgeschlossen und fortschrittlich gibt, ist doch ihr Briefwechsel mit Voltaire legendär. Doch was steckt dahinter? Was plant sie wirklich? Anders als seiner Frau fällt Stephan der Neustart in St. Petersburg unter lauter Intellektuellen leicht. Er liebt es zu debattieren und hat bald einen geheimen Männerzirkel um sich versammelt, während er sich in Katharinas Gegenwart nie ganz frei fühlt. Johanna jedoch fühlt sich ausgeschlossen und überfordert damit ihren Ruf als Künstlerin wieder ganz von vorne aufbauen zu müssen. Eine Stadt mit ihren ganz eigenen Gesetzen und Anforderungen.

Ein Roman über die Macht der Worte und die Freiheit der Gedanken und die Faszination einer Stadt die jeder geografischen Widrigkeit zum Trotz aus dem Boden gestampft wurde, innerhalb kürzester Zeit. Wie bereits Stadtgründer Peter hat auch seine Nachfolgerin Katharina gerne westliche Intellektuelle um sich geschart. Sie genoss den europäischen Einfluss und zog daher stets das westlich orientierte St. Petersburg dem russisch abergläubigen Moskau vor. Die Größe des Reichs war kaum zu überblicken und zu regieren. Ihrem Volk traute sie es nicht zu, nur einer festen Hand mit einem aufgeschlossenen Geist wie ihrem. Die Gelehrten um sie sollten den Gedankenaustausch sicherstellen, doch letztendlich sich ihrer Erkenntnisse anschließen. Die Freiheit der Andersdenkenden besteht, so lange sie sich „bekehren“ lassen. Gedanklich kommt man in diesem Roman Katharina sehr nah, emotional nur bisweilen, in aufblitzenden Bruchstücken, die meine Highlights des Romans sind.
Neben der schüchternen und doch fortschrittlichen Malerin Johanna, sind meine Lieblingsfiguren daher der manipulative Buchhändler und Verleger Lorenz Hermann und Eremit Emilio. Sie sind klar in ihrer Art zu Denken und zu Fühlen, ohne simpel zu sein.

Als Leserin hat mich das unaufhaltsame Auseinanderdriften dieser einst glücklichen Ehe aufgrund der neuen Gegebenheiten von Land und Leuten etwas bedrückt. Ich hätte Johanna gerne eine glückliche Ehe gewünscht. Mit dem was sie dort, wo sie nie hinwollte, erwartete, hat sie nicht gerechnet. Doch auch Katharina kämpft mit ihren Zielen und Plänen. So durchkreuzen Kriege und Aufstände ihre sich selbstauferlegte Aufgabe, die russische Verwaltung zu strukturieren und reformieren, zum Wohle der Allgemeinheit und eines wachsenden Wohlstandes. Anders als Peter zog sie als Frau nicht in den Krieg, sondern ließ diese von Männern ihres Vertrauens für sich führen. Frauen in der Armee waren damals undenkbar, von den Plänen Katharinas für eine Veränderung der weiblichen Lebensverhältnisse hat sich durchaus schon einiges getan und zwar in einem, für sie damals wohl unvorstellbaren Ausmaß. Doch war sie damals nicht die einzige mächtige Frau in der alten Welt. So wird der Leser immer wieder daran erinnert, daß zu diesen Zeiten, als Frauen für die Familie da zu sein hatten und auch ein Studium eigentlich nicht in Betracht kam, Maria-Theresia von Österreich ebenfalls die Geschicke ihres Landes lenkte und sehr belesen war.

Während mir der philosophische Diskurs im Roman sehr gefiel, hätte ich gerne mehr Einblick in die angeprangerten höfischen Seilschaften, Intrigen und Verschwendung gewünscht. Immerhin ist dieser Zeitraum der Aufklärung zeitlich recht nah an der aufziehenden französischen Revolution, nur 14 Jahre nach Ende der hier beschriebenen Ereignisse. Diderot der sich zu seiner Gönnerin Katharina begibt, hat für mich einiges im geschichtlichen Kontext in Frankreich klarer gemacht, ebenso wie Johanna, die sich um die Aufnahme in die Kunstakademie bemüht. Solche elitäre Strukturen findet man bei uns heute nicht, in Frankreich schon.

Ein Roman, der meinen Geist bereichert hat, meine Seele aber nicht immer beflügelt hat.

Veröffentlicht am 04.07.2019

Ein wunderbarer Anfängerspaß!

Miss Elli legt los (Miss Elli 1)
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Mieke und ihr jüngerer Bruder Ben sind aufgeweckte neugierige Kinder, die gerne Weltraumforscherin und Astronaut spielen. Darin sind die beiden echt spitze, nur mit dem Schwimmen klappt es bei Ben noch ...

Mieke und ihr jüngerer Bruder Ben sind aufgeweckte neugierige Kinder, die gerne Weltraumforscherin und Astronaut spielen. Darin sind die beiden echt spitze, nur mit dem Schwimmen klappt es bei Ben noch nicht so, er wurde erst heute in der Schule deswegen ausgelacht. Das fühlte sich richtig doof an. Was die Geschwister auch nicht mögen sind „Babysitter“. Mama und Papa arbeiten im Krankenhaus und wenn beide Spät- oder Nachtschicht haben, sollen sie nicht alleine sein. Bislang haben sie noch jede Babysitterin vergrault. Heute soll erstmals die neue Nachbarin Miss Elli kommen und die Kinder sind fest entschlossen, dass auch sie nicht lange bleiben wird. Doch dann müssen die Geschwister feststellen, daß Miss Elli, alles andere als eine langeweilige „Baby“sitterin ist.

Sehr gut gefällt mir, daß diese Geschichte nicht nur fantasievoll ist, sondern auch mit gängigen Klischees und auch mit den Vorurteilen der Kinder spielt. So ist hier das Mädchen mutiger, als der Junge. Die Mutter ist Ärztin, während der Vater Pfleger ist. Beides ehrenwerte Berufe, die klassische Rollenverteilung sieht jedoch die Frau meist als Arzthelferin oder Krankenschwester, während der Mann der erfolgreiche, geachtete Arzt ist. Beide Berufe verdienen Respekt, aber Frauen sollten auch nicht unterschätzt werden. Ben ist auch kein Angsthase als solcher, sondern ein forscher kleiner Kerl, dennoch wird ihm beim Gedanken ans Schwimmen mulmig. Man kann halt nicht alles gleich gut und nicht immer auf Anhieb. Oft hilft eine kleine Unterstützung oder Ermutigung, wie Ben sie hier auf irgendwie magische Weise von Miss Elli erhält. Susanne Fülscher trifft dabei genau den richtigen Ton und erzählt unterhaltsam und mit einem kleinen Augenzwinkern.

Auch Miss Elli sieht nicht aus, wie die Geschwister sich eine ältere Dame vorstellen und sie verhält sich auch nicht so. Sie lässt die Kinder durchaus naschen, allerdings selbst gemachte Gemüsechips und frische Kirschen – denn lecker und gesund geht auch beides.


Sehr schön sind die vielen farbigen fröhlichen Illustrationen, die teilweise großformatig sind, teilweise als mehrere kleinere Illustrationen über die Seiten verstreut sind. Sie lockern das Textbild auf und Bens Kuscheltier ist echt niedlich, aber keineswegs peinlich. Die Schrift entspricht der deutschen Fibelschrift und ist noch recht groß. Allerdings finden meine Töchter die Anglizismen zu viel. Keine meiner Töchter und auch unsere Nachbarin (6) konnten als Anfänger „cool“ lesen. Das Wort ist den Kindern bekannt, aber die Schreibweise überhaupt nicht. Später verwendet auch Miss Elli noch einfache englische Wörter. Bei uns ist der Englischunterricht im 1. Schuljahr fast gar nicht vorhanden und wenn beschränkt er sich auf Sprechen und Singen. Wir finden, daß auch Begriffe wie „wonderful“ „good evening“ und „good night“ in Kinderlautschrift in Klammern erklärt sein sollten, da sie zu Beginn in der Grundschule nicht lesen und schreiben und die englische Schreibweise für Deutsche Lernanfänger nicht offensichtlich ist. Die Begriffe als solche sind nicht so schwer zu verstehen, aber sie alleine ohne Hilfe zu lesen, ist für Grundschüler nicht möglich und nicht alle Kinder fragen nach. Das kann die Lesbarkeit des Textes deutlich erschweren und das Erfolgserlebnis des Kindes unnötig schmälern.

Daher finden wir, daß dieses Buch am Besten gemeinsam von Anfängern und Profis gelesen werden sollte.

Die Geschichte ist fröhlich und magisch und erinnert etwas an eine moderne Mary Poppins und die nicht zu mögen, ist ja eigentlich ausgeschlossen!

Veröffentlicht am 12.06.2019

Zum Entdecken, Lernen und Spielen

Weltenfänger: Heute reise ich um die Welt
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Ein Entdeckerbuch rund um die Welt zum Entdecken, Gestalten und Selbermachen für Kinder ab 6 Jahren.

Die neue Weltenfänger-Reihe des Duden Verlages richtet sich an Kinder, die ihre Welt und ihre Stärken ...

Ein Entdeckerbuch rund um die Welt zum Entdecken, Gestalten und Selbermachen für Kinder ab 6 Jahren.

Die neue Weltenfänger-Reihe des Duden Verlages richtet sich an Kinder, die ihre Welt und ihre Stärken entdecken und Talente zu entfalten. Daher bieten Anregung und Raum für eigene Kreativität und das natürlich fröhlich bunt! In 10 Stationen geht es rund um den Globus, mit Spielen, Rätseln, Basteln, Knobeln, Malen.... für ganz verschiedene Interessen und mehr als eine Schulklasse. Da es sich an Grundschüler richtet, sind die Texte kurz und knapp, einige Wörter sind aber natürlich schwierig, wie Ägypten oder Dot Painting, oder die japanische Winkekatze Maneki-Neko. Das bringt das Thema nun mal so mit sich, daher ist es gut, die Kinder zu animieren einfach Fragen zu stellen, wenn ein Wort zu schwierig ist.


Besonders gut haben meiner Jüngsten das Katzen-Origami und das Blini-Rezept gefallen! Klar gehört Origami zu Japan und so wird nicht nur Schritt für Schritt die Falt-Anleitung kindgerecht erklärt, es gibt noch kleine Infos über die Bedeutung von Katzen für Japaner. Auch bei den russischen Blinis gibt es mehr als nur ein Rezept, es gibt auch noch eine mehrschrittige bebilderte Anleitung. Da es sich um Hefe-Pfannkuchen handelt, kann man nicht sofort loslegen, sondern benötigt zwischendurch schon noch etwas Geduld, bis der Teig gegangen ist. Dabei ist Geduld ja nicht die größte Stärke von Kindern. Aber die Wartezeit lässt sich gut mit anderen Angeboten des Heftes überbrücken. So kann man im Stile der Aborigines (gesprochen „Aboritschinis“) eine Schildkröte mit Punkten ausmalen, für das Nix-Vergessen-Spiel schon mal die Teile ausschneiden, die man dann auch an den australischen Strand legen kann.... Immer wieder werden die Kinder, zum Malen, schneiden, schreiben aufgefordert. Dabei müssen die Texte nicht lang sein, im ersten Schuljahr geht ja noch nicht so viel, aber alles was man ausschneidet findet nachher seinen Platz in der wunderbaren Krimskrams-Tasche am Ende des Heftes oder Gedanken im Reisetagebuch, vorne im Heft. Dort kann man einkreisen, ankreuzen, malen, kleben, schreiben, ganz nach Lust und Laune und Fähigkeiten. Die vorgestellten Länder und Kontinente machen dabei neugierig und laden ein weitere Fragen zu stellen. Es gibt schon mal einen ersten Blick über den eigenen Tellerrand und zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Dabei bekommen Kinder durch die Übersichtskarten einen ersten Eindruck von Entfernungen und der Lage der Länder.

Die Gestaltung ist sehr ansprechend, so daß sich meine Tochter auch mit fast 10 Jahren noch darauf gestürzt hat. Sie kann aber auch alles eigenständig lesen und braucht keine Hilfe. Aber das Buch wächst halt mit den Kindern mit. So gibt es Aktivitäten, die sich mehr an 6 Jährige richten und solche, die auch noch für ältere Kinder spannend sind, oder die sie gemeinsam mit ihren Eltern probieren können. Es ist eine bunte Mischung, in der für jeden was dabei ist, aber natürlich nicht alle Seiten für jeden gleich spannend ist. Da es altersgemischt ist, werden die meisten Kinder nicht alles super spannend finden. Ich persönlich würde es für ab den Ferien nach der 1. Klasse empfehlen, weil die meisten Kinder erst dann halbwegs lesen können.

Toll für die Ferienzeit, um sich auf den Urlaub vorzubereiten, sich an schöne Momente zu erinnern, sich die Zeit auf der Reise mit Rätseln und Malen zu verkürzen, oder einfach nur zu schmökern.

Sehr bunt, sehr fröhlich, macht es Lust auf die Welt, andere Länder und Abenteuer.