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Veröffentlicht am 08.07.2019

Meine Kartoffeln sind mein Vermächtnis!

Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel
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Meine Kartoffeln sind mein Vermächtnis!

„Wenn ich sterbe, wird meine Arbeit das Einzige sein, was von mir übrigbleibt. Meine Kartoffeln sind mein Vermächtnis. Ich habe ihnen jede wache Minute gewidmet, ...

Meine Kartoffeln sind mein Vermächtnis!

„Wenn ich sterbe, wird meine Arbeit das Einzige sein, was von mir übrigbleibt. Meine Kartoffeln sind mein Vermächtnis. Ich habe ihnen jede wache Minute gewidmet, und meine nützlichsten Tage liegen bereits weit hinter mir. Ich will etwas hinterlassen, ich will der Welt zeigen, dass es die Mühe wert war. Ich will mit dem Wissen sterben, dass ich etwas verändert habe. Ist das zu viel verlangt? Bin ich zu vermessen?“

Mr. Doubler ist nicht nur der zweitgrößte Kartoffelbauer der Grafschaft, sondern darüber hinaus ein absoluter Experte, was Kartoffeln betrifft. Die jahrzehntelangen Forschungen und Experimente des intelligenten und belesenen Mannes waren nicht vergebens, Doubler fehlt letztendlich nur noch die wissenschaftliche Bestätigung seiner Arbeit. Sein Vermächtnis bedeutet dem zurückgezogen lebenden Mann alles, er träumt davon, etwas von Dauer zu hinterlassen. Nachdem seine beiden erwachsenen Kinder Camilla und Julian ihr eigenes Leben fernab der Mirth Farm führen, zog Mr. Doubler sich mehr und mehr von der Gesellschaft anderer Menschen zurück und verließ sein Grundstück nicht mehr. Die Farm ist für ihn der ideale Ort zum Leben und Arbeiten, er fühlt sich in seinem selbst gewählten Einsiedlerleben und mit seinen gewohnten Alltagsritualen wohl. Der Lichtblick eines jeden Tages stellt das Mittagessen mit seiner Haushälterin Mrs. Gracie Millwood dar, die nicht nur eine ausgezeichnete und kluge Zuhörerin, sondern auch Mr. Doublers einzige Ansprechpartnerin und Freundin ist. Die pragmatische und resolute Frau besitzt eine ausgezeichnete Menschenkenntnis und die anregenden Gespräche sind Höhepunkte in Doublers Alltag. Er legt viel Wert auf ihre Meinung, ihre Besuche verleihen dem Alltag des Kartoffelbauern Struktur und Sinn. Als Mrs. Millwood aufgrund einer ernsten Erkrankung wegbleibt, wird dem Mann schmerzlich bewusst, wie schrecklich er die Frau vermisst. Doch Mrs. Millwoods Tochter Midge kümmert sich um Mr. Doubler und gemeinsam mit ihrer Mutter bringt sie den Mann dazu, sich nach und nach aus seiner selbst gewählten Einsamkeit zu befreien.

Seni Glaister hat mit ihrem Roman ein richtiges Juwel erschaffen. In wunderschönem Schreibstil und mit großen Emotionen blättert sie behutsam die Geschichte des Mr. Doubler auf. Das Buch basiert zu einem nicht unerheblichen Teil auf Interaktionen und Gespräche der handelnden Figuren, deren Anzahl überschaubar gehalten wurde. Der Fokus liegt auf dem eigenwilligen Protagonisten Mr. Doubler, der hervorragend charakterisiert wurde und mich voll und ganz zu überzeugen vermochte. Die liebenswerte Mrs. Millwood fungiert als wichtigste Nebenfigur im Buch, sie agiert geschickt und mit sehr viel Einfühlungsvermögen auch noch von ihrem Krankenbett aus. Sie schafft es gemeinsam mit ihrer Tochter Midge, positiv auf Mr. Doubler einzuwirken und ihn Schritt für Schritt aus seiner sozialen Isolation zu befreien. Mr. Doubler begegnet durch eine ehrenamtliche Mitarbeit bei einem Tierschutzverein auf der Grove Farm schließlich Mrs. Millwoods Bekannten und wird – auf seine Weise – für andere zum Segen. Sämtliche Charaktere mit Ausnahme von Mr. Doublers Sohn Julian sowie seinem Kontrahenten Mr. Legion Peele sind mir im Verlauf des Buches geradezu ans Herz gewachsen.

Nicht nur der einnehmende Schreibstil, sondern vielmehr auch die liebevoll charakterisierten Figuren und die Handlung dieses Buches haben mir ausgezeichnet gefallen. Der Protagonist besitzt umfangreiche Kenntnisse in Bereichen, in welche auch der Leser interessante Einblicke erhält. Diese Geschichte lebt von tiefgründigen Gesprächen voller Klugheit, Wärme und Lebensweisheit. Man darf keine temporeiche oder gar rasante Erzählung erwarten. Die Autorin vermittelt dem Leser vielmehr auf eine ruhige, gemächliche Art und Weise die stille, und doch so reichhaltige und tiefgründige Welt ihres Protagonisten. Familiäre und zwischenmenschliche Konflikte, große Lebensweisheiten und eine Prise Humor bilden gemeinsam den Stoff für ein Buch, das noch lange nach der Lektüre nachwirkt.

Fazit: Mit „Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel“ hat die Autorin ein sehr gefühlvolles und tiefgründiges Buch geschrieben. Es erzählt die Geschichte eines Mannes, der durch die liebevolle Unterstützung wohlmeinender Menschen nach und nach seiner selbst gewählten Isolation entkommt. Ich war begeistert, wurde zum Nachdenken angeregt, zum Schmunzeln gebracht und war an mancher Stelle zu Tränen gerührt. Ein überwältigendes Lese-Highlight, das ich von ganzem Herzen weiterempfehle!

Veröffentlicht am 04.07.2019

Das Leben hält immer ein paar Überraschungen bereit

Paulas erster Frühling
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Das Leben hält immer ein paar Überraschungen bereit

Paula Neumann führt seit ihrem Studium der Pharmazie die Apotheke ihrer Eltern in Usedom. Ihre hochbegabte und sensible Tochter Katharina ist bereits ...

Das Leben hält immer ein paar Überraschungen bereit

Paula Neumann führt seit ihrem Studium der Pharmazie die Apotheke ihrer Eltern in Usedom. Ihre hochbegabte und sensible Tochter Katharina ist bereits aus dem Haus, sie besucht ein Internat in Torgelow und hat bereits Pläne für die Zeit nach ihrem Abitur. Paula führt eine Vernunftehe ohne Liebe, die jedoch auf Freundschaft und Respekt basiert. Die fünfundfünfzigjährige Frau fühlt sich in ihrem angepassten und langweiligen Leben eingesperrt, im Grunde ihres Herzens sehnt sie sich nach Geborgenheit und Herzenswärme. Als Thilo sie plötzlich vor vollendete Tatsachen stellt und sich von ihr trennt, zerbricht Paulas Welt. Sie fühlt sich wie eine leblose leere Hülle, ist desillusioniert und verzweifelt. Doch die tiefe, unerschütterliche Liebe zu ihrer behinderten Schwester Iris sowie ihrer Tochter Katharina gibt ihr nicht nur Kraft und Mut, sondern auch neue Zuversicht. Paula beschließt zum ersten Mal in ihrem Leben, nicht mehr brav und angepasst zu sein und wagt es, ihre Träume endlich zu verwirklichen.

Dieser wunderschöne Wohlfühlroman aus der Feder von Susanne Lieder beschreibt das Auseinanderleben zweier Menschen, deren Beziehung niemals auf Liebe, sondern vielmehr auf Gewohnheit und Vertrautheit aufgebaut war. Sie erzählt von Sehnsüchten, die unterdrückt, und Leidenschaften, die niemals ausgelebt wurden. Die Protagonistin Paula träumte davon, Schauspielerin zu werden – doch sie opferte ihren Lebenstraum einer Karriere als Apothekerin mit sicherem Einkommen. Die Autorin beschreibt das Erwachen und Aufblühen von Paula Neumanns Persönlichkeit in einfühlsamen Worten, auch die Beziehung zwischen den Eheleuten wird beleuchtet. Die Charakterzeichnung der handelnden Figuren hat mir sehr gut gefallen, sie wirkten sympathisch und überzeugend. Der Fokus lag in erster Linie auf Paula Neumann, doch auch ihrer Schwester Iris wurde große Aufmerksamkeit zuteil. Die hinreißende und lebhafte Vierzigjährige hat mich mit ihrer leidenschaftlichen Freude und Energie und ihrer kindlichen Art, auf andere zuzugehen und ihnen ihre Zuneigung zu zeigen, im Sturm erobert. Obwohl sich nach ihrer Geburt herausstellte, dass Iris am Downsyndrom erkrankt ist, war sie von der ersten Sekunde an über alles geliebter Mittelpunkt der Familie, und der ganz große Sonnenschein im Leben ihrer Schwester Paula. Susanne Lieders Beschreibungen der innigen Verbundenheit zwischen den Schwestern und der gemeinsamen Unternehmungen stellten für mich kleine Höhepunkte dieses Buches dar. Paulas Mutter Kriemhild, ihre Freundin Viola, eine neue Angestellte der Apotheke namens Marie und der warmherzige und attraktive Tierarzt Dr. Hendrik Flemming sind interessante, und teilweise sehr einnehmende Nebenfiguren.

Fazit: Die Geschichte um Paula Neumann, die nach einer gescheiterten Beziehung ihren Weg ins Leben zurückfindet und endlich aufhört, ihre eigenen Bedürfnisse zu verleugnen, hat mich tief berührt und mir ausgezeichnet gefallen. Ich habe die Lektüre sehr genossen und kann diesen wunderschönen Roman wärmstens weiterempfehlen!

Veröffentlicht am 02.07.2019

Tu, was richtig ist!

Tödliche Nebenwirkung
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Tu, was richtig ist!

„Ich bin Klägeranwältin geworden, damit ich Menschen helfen und für diejenigen eintreten kann, die selbst keine Stimme haben.“ (Kate Sullivan)

Als nach der Einnahme eines neu zugelassenen ...

Tu, was richtig ist!

„Ich bin Klägeranwältin geworden, damit ich Menschen helfen und für diejenigen eintreten kann, die selbst keine Stimme haben.“ (Kate Sullivan)

Als nach der Einnahme eines neu zugelassenen Medikaments namens Celix vermehrt lebensbedrohliche Nebenwirkungen in Form von Hirntumoren auftreten und Menschen dadurch sterben, steht das Pharmaunternehmen Mason Pharmaceutical Corporation einer Sammelklage gegenüber. Der brillanten Anwältin Kate Sullivan aus Atlanta wird die Leitung des Prozessausschusses übertragen, sie steht damit vor dem bislang schwersten Fall ihrer Karriere. Kates Berufung ist es, jenen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können, und für diejenigen zu kämpfen, denen Unrecht getan wurde. Der empathischen und ehrlichen jungen Frau geht es in erster Linie um Gerechtigkeit für ihre Klienten. Kate arbeitet hart, sie hat darüber hinaus auch den Ruf, niemals aufzugeben. Als ihr brisante Informationen zu diesem Pharmakonzern zugetragen werden, beauftragt sie den Privatdetektiv Landon James, der durch seine Zeit beim Militär und seine Erfahrungen als ehemaliger Ranger bestens für diesen Job qualifiziert scheint. Im Zuge ihrer Recherchen entwickelt sich aus der anfänglichen Sympathie eine enge Freundschaft zwischen Kate und Landon, und ihre Gefühle gehen bald sogar darüber hinaus. Kate ahnt jedoch nicht, dass sie mit ihrer unerbittlichen Hartnäckigkeit nicht nur ihre Informanten, sondern auch sich selbst in Lebensgefahr bringt. Denn Mason Pharmaceutical Corporation möchte um jeden Preis verhindern, dass ihre Machenschaften ans Licht kommen.

Rachel Dylan befasst sich in dieser aktuellen Neuerscheinung mit einem gewissenlos agierenden Pharmakonzern und den kriminellen Aktivitäten, die mit der Gier nach Macht und Geld einhergehen. In diesem hoch spannenden Roman werden dem Leser gleich zu Beginn die Fakten und damit verbunden ein Verständnis für den Inhalt dieser Sammelklage gegen Mason Pharmaceutical Corporation vermittelt. In Kate Sullivan schickt die Autorin eine ehrgeizige und unabhängige Anwältin ins Rennen, die sich durch ein großes Herz und moralischen Skrupel auszeichnet. Kates tiefer und unerschütterlicher Glaube verleiht ihr Kraft, ihr liegt in erster Linie der Mensch am Herzen. In Landon James wird Kate ein sehr attraktiver Mann Ende dreißig zur Seite gestellt, der nicht nur für die Ermittlungen, sondern auch für ihren persönlichen Schutz verantwortlich ist. Die hervorragende Charakterzeichnung erstreckt sich nicht nur auf die beiden Protagonisten, sondern auch auf die Nebenfiguren dieses Buches. Sowohl den Freunden, als auch den Arbeitskollegen von Kate und Landon sowie den gegnerischen Anwälten wird große Aufmerksamkeit zuteil. Die Figuren wirken allesamt lebendig und weisen hohe Authentizität auf, ihre Handlungen sind ebenso nachvollziehbar wie ihre Gedanken und Gefühle. Die dunkle Seite wird durch den Geschäftsführer, den Leiter der Sicherheitsabteilung sowie dem Betriebsleiter von Mason Pharmaceutical Corporation dargestellt, ihre Aktivitäten sorgen dafür, dass der Spannungsbogen dieses Buches konstant hoch bleibt. Rachel Dylan erlaubt einen kleinen Einblick in die Welt der Anwälte und widmet sich zudem auch der Vergangenheitsbewältigung ihrer Protagonisten, sowie den gewichtigen Themen Schuld und Vergebung.

Fazit: „Tödliche Nebenwirkungen“ hat mir spannende Lesestunden bereitet, mich sehr gut unterhalten und mir ausgezeichnet gefallen. Ich kann diesen Roman aus der Feder dieser christlichen Autorin uneingeschränkt weiterempfehlen und freue mich bereits jetzt auf weitere Bücher von Rachel Dylan!

Veröffentlicht am 02.07.2019

Ein Äskulapstab im umgekehrten Dreieck – das Abenteuer unseres Lebens

Das Haus des Dämmerlichts
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Ein Äskulapstab im umgekehrten Dreieck – das Abenteuer unseres Lebens

„Die Organisation Äskulap informiert Angehörige von Patienten, wenn diesen die Vernichtung droht, entweder durch den Abtransport oder ...

Ein Äskulapstab im umgekehrten Dreieck – das Abenteuer unseres Lebens

„Die Organisation Äskulap informiert Angehörige von Patienten, wenn diesen die Vernichtung droht, entweder durch den Abtransport oder durch eine tödlich wirkende sogenannte Behandlung. Die Verwandten holen die Patienten dann meist vorher ab. Äskulap hat in Krankenhäusern, Heimen und Forschungseinrichtungen Leute, die Informationen weitergeben. Manchmal schützt Äskulap auch direkt bedrohte Menschen.“

Um den Tod ihres Zwillingsbruders an der Front in Russland zu verarbeiten wird die Tochter des Rüstungsfabrikanten Max Rotstetter im Jänner 1943 in das österreichische Sanatorium Schattwald geschickt. Die Begegnung der empfindsamen jungen Frau mit den Ärzten und Patienten in Schattwald verändern Charlotte Rotstetters Leben.

Viele Jahrzehnte später ereilt Anne Südhausen die Nachricht vom Tod ihrer Großmutter Charlotte. Die in Scheidung lebende Karrierefrau reist daraufhin nach Innsbruck, um die Beerdigung der zweiundneunzigjährigen alten Dame zu organisieren und den Nachlass zu regeln. Oma Charlotte hat Anne nicht nur das Haus in Innsbruck sowie ihren kleinen, schlappohrigen Hund namens Leo hinterlassen, sondern auch einige Aufzeichnungen aus den Vierzigerjahren, die sich als Charlottes Tagebücher entpuppen. Fasziniert taucht Anne in die Vergangenheit ein und erfährt von einer bewegten Zeit im Leben ihrer Großmutter. Doch auch andere Personen zeigen auffälliges Interesse an diesen alten, eng beschriebenen Kladden, und Anne beschleicht das Gefühl, dass Fremde sich in ihrer Abwesenheit Zutritt ins Haus verschaffen.

Dieser Roman aus der Feder von Barbara Dribbusch schildert die Erlebnisse einer mutigen jungen Frau „in einem Sanatorium in den verschneiten Bergen, mit einem Hausmeister namens Luzifer, einem Chefarzt im Pelerinenmantel, einer stummen Pianistin und einem Grammofon, aus dem in sternenklarer Bergnacht die Andrew Sisters erklangen.“ In einem einnehmenden Schreibstil, verbunden mit einem gewissen Spannungsbogen, macht die Autorin die angeordneten Gnadentode des Adolf Hitler, die sogenannten „Krankenmorde“ zum zentralen Thema ihres Buches. Sie beschreibt den systematischen Mord an geistig Behinderten und chronisch psychisch Erkrankten und erzählt von Menschen, die sich im Widerstand gegen das Naziregime organisieren und sogar ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, um so vielen Patienten wie möglich zu helfen.

Barbara Dribbusch präsentiert ihre Geschichte in zwei verschiedenen Handlungssträngen. Während in der Gegenwart, im Dezember des Jahres 2014, Charlottes Enkelin Anne zur Beerdigung nach Innsbruck reist, umfassen die Rückblenden in die Vergangenheit jene Ereignisse des Jahres 1943, als die junge Charlotte Rotstetter in Schattwald eintraf. Die handelnden Figuren dieses Buches empfand ich als sehr gut charakterisiert und überzeugend dargestellt. Charlotte und Anne galt zwar die größte Aufmerksamkeit, ihnen wurden jedoch interessante Nebenfiguren zur Seite gestellt, beispielsweise Charlottes Zwillingsbruder Robert, Hausmeister Lukas Waldhofer und Dr. Carl Amberg. Der böse Antagonist wird durch den Obergutachter bei der Euthanasie-Aktion T4 unter Adolf Hitler, Prof. Dr. Hermann Josef Kettenbach, verkörpert. Für latente Bedrohung sorgt der unheimliche Assistenzarzt Josef Stühling, während in der Gegenwart der Neurobiologe Siegfried Rattler sowie der Medizinhistoriker Hendrik van Dijk eine wichtige Rolle für Anne Südhausen spielen.

„Das Haus des Dämmerlichts“ war ein faszinierender, aber auch nachdenklich stimmender Roman, der mir ausgezeichnet gefallen hat und den ich sehr gerne weiterempfehle.

Veröffentlicht am 10.06.2019

„Wäre, hätte, könnte“ gibt es nicht. Das Einzige, was es gibt, ist das Hier und Jetzt.

Das Herz voller Träume
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„Wäre, hätte, könnte“ gibt es nicht. Das Einzige, was es gibt, ist das Hier und Jetzt.

„Ich glaube, um jemals wahrhaft zu leben, muss ich irgendwann das tun, was mir am allerschwersten fällt: mein Herz ...

„Wäre, hätte, könnte“ gibt es nicht. Das Einzige, was es gibt, ist das Hier und Jetzt.

„Ich glaube, um jemals wahrhaft zu leben, muss ich irgendwann das tun, was mir am allerschwersten fällt: mein Herz verschenken.“ (Amanda Abbott)

Die achtzehnjährige lebensfrohe Amanda Abbott hätte wohl niemals damit gerechnet, dass dieser letzte Wunsch ihrer Liste auf solch erschütternde Art und Weise in Erfüllung gehen würde. Amanda Herz wurde nämlich nicht an einen jungen Mann, sondern nach ihrem tragischen Unfalltod als Organspende an die schwer herzkranke Megan Jayne Jacob verschenkt. Der jungen Frau aus Minnesota, die beinahe ihre gesamte Kindheit im Krankenhaus verbrachte, rettete dieses kostbare Geschenk das Leben. Amandas Eltern offenbarten Megan Amandas Träume von faszinierenden Abenteuern, sie zeigen ihr die „To-do-Liste“ ihrer Tochter, auf welcher sie Dingen anführte, die sie in ihrem Leben tun, und Orte, die sie sehen wollte. Megan beschließt daraufhin, sich ihren Ängsten zu stellen und an Amandas Stelle all diese Orte aufzusuchen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Crystal tritt sie die Reise zu Ehren Amandas an. Den Schwestern bietet sich dadurch die einmalige Gelegenheit, nach Jahren endlich wieder zueinander zu finden. Es ist ein Weg, der Wunden aufreißt, zugleich jedoch auch Vergebung, Versöhnung und Heilung mit sich bringt.

Lindsay Harrels aktuelle Neuerscheinung erzählt von einer Familie, die von der Sorge um ein schwerkrankes Kind geprägt ist, und einer Zwillingsschwester, die kerngesund und selbstbewusst eine Karriere als erfolgreiche Architektin anstrebt. Die inneren Konflikte sowie die konträren Emotionen und Gedanken der beiden Mädchen werden hierbei überzeugend zum Ausdruck gebracht. Durch die hervorragend gezeichneten Protagonistinnen erfährt man als Leser von Missverständnissen, die bereits in der Kindheit entstanden, niemals aus dem Weg geräumt und geklärt wurden, und das Leben der Schwestern bis ins Erwachsenenalter beeinträchtigen. Crystal Ballinger ist eine arbeitssüchtige Karrierefrau und steuert durch ihren Lebenswandel zielstrebig auf einen Abgrund zu. Megan Jacob möchte nach ihrer Herztransplantation vermeiden, jemals wieder in ein Krankenhaus zu gehen und achtet akribisch auf die Einhaltung sämtlicher Empfehlungen ihrer Ärzte. Megans Leben, ihre Hoffnungen, Wünsche und Träume werden dabei jedoch vernachlässigt. Die beiden Männer an Megans und Crystals Seite bereichern als interessante und liebevolle Nebenfiguren die Handlung. Brian Ballinger macht sich Sorgen um seine Ehefrau. Der fürsorgliche und großzügige Mann überredet Crystal schließlich, ihre Schwester auf dieser Reise zu begleiten. Caleb Watkins ist Megans bester Freund und Krankenhauskumpel, er glaubte stets an Megan und ermutigte sie in jeder noch so schwierigen Lebenslage. Der attraktive Profifotograf strahlt vor Lebensfreude und lebt seinen Traum. Ob er auch Megan dazu überreden kann, ihre Träume wahr zu machen?

Sowohl der einnehmende und locker-leichte Schreibstil der Autorin, als auch die tiefgründigen Gedanken und Themen dieses Buches haben mich beeindruckt. Lindsay Harrel überzeugt darüber hinaus durch wundervoll gezeichnete Charaktere und verleiht deren Gedanken und Gefühlen auf berührende Art und Weise Ausdruck. Der Christliche Glaube zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch, gewinnt jedoch erst im Verlauf der Handlung zunehmend an Bedeutung. SMS-Nachrichten, Blog-Einträge sowie Gedanken und Erinnerungen werden durch verschiedene Schriftarten übersichtlich dargestellt. Durch den laufenden Wechsel der Schauplätze gestaltet sich die Handlung interessant und abwechslungsreich.

Fazit: „Das Herz voller Träume“ überzeugt durch authentische Figuren, eine mit wichtigen Themen und tiefen Emotionen bereicherte Handlung und den Fokus auf den christlichen Glauben.

Dieses Buch hat mir großes Lesevergnügen bereitet und mir ausgezeichnet gefallen!