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Veröffentlicht am 25.07.2019

"Herzlich willkommen auf der Welt, Kleines"

Aufbruch in ein neues Leben
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Aufbruch in ein neues Leben ist der erste Band der Hebammen-Saga von der Autorin Linda Winterberg. Er beschreibt das Leben während des 1. Weltkriegs und den damit verbundenen Schwierigkeiten.

Drei junge ...

Aufbruch in ein neues Leben ist der erste Band der Hebammen-Saga von der Autorin Linda Winterberg. Er beschreibt das Leben während des 1. Weltkriegs und den damit verbundenen Schwierigkeiten.

Drei junge Frauen wollen in der neu erbauten Frauenklinik in Berlin-Neukölln ihre Ausbildung zur Hebamme absolvieren. Unterschiedlicher könnte ihre soziale Stellung kaum sein. Sie eint aber die Liebe zu den Neugeborenen und ihren Müttern. Margot, lebt mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Berlin und darf aufgrund einer Empfehlung die Ausbildung kostenlos durchführen. Edith, eine junge Frau aus reichem Elternhaus, fängt in der Klinik ohne den Willen ihrer Eltern an. Luise, die mit ihrer Großmutter in Ostpreußen lebt, beginnt auf drängen ihrer Oma die Ausbildung. Luise hat viel von der Seniorin gelernt, da diese als Gemeindehebamme arbeitet und Luise ihr oft geholfen hat.

Das Leben in der Zeit von 1917 und 1918 ist für die Menschen nur schwer zu ertragen. Sie leiden unter dem „Großen Krieg“ und sehnen sich nach Frieden. Nahrung gibt es nur noch sehr begrenzt und viele hungern. Die Männer sind an der Front und täglich kommen Nachrichten von gefallenen Soldaten. Die Witwen müssen sich ohne Unterstützung durchschlagen und am meisten leiden die Schwächsten. Das sind die Säuglinge, Kleinkinder und Kranke.

Die drei jungen Frauen freunden sich rasch an und helfen sich gegenseitig. Sie kommen mit viel Elend in Berührung und sind teilweise erschüttert. Können sie doch nicht wirklich helfen, sondern die Not höchstens lindern.

Dass mir Aufbruch in ein neues Leben gut gefiel liegt zunächst an dem angenehmen Schreibstil von Frau Winterberg. Aber auch die vielen Fakten, welche von gründlicher Recherche zeugen, beeindruckten mich. Es ist die Rede vom ersten Inkubator für Säuglinge, der auf der Weltausstellung in Berlin vorgestellt wurde. Damals hieß er noch „Kinderbrutanstalt“ und war ein wertvolles Gerät für Frühgeborene. Dann kommt die Revolution mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zur Sprache, welche dann den Sturz des Kaisers als Folge hatte. Die Schwierigkeiten der Demonstranten, welche verhaftet oder ermordet wurden, haben mich erschüttert. Wie dankbar dürfen wir sein, dass wir heute und in einer Demokratie leben.

Aufbruch in ein neues Leben ist ein Stück Geschichte Deutschlands und genau das Richtige, um abzuschalten.

Veröffentlicht am 24.07.2019

Wahrlich eine wertvolle Wegbegleitung

Vom Glück des Wanderns
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Dr. Albert Kitzler ist ein erfolgreicher Philosophie-Coach. Er studierte Jura und Philosophie und arbeitet seit 20 Jahren als Medienanwalt. Sein Buch Vom Glück des Wanderns lädt den Leser ein, sich mit ...

Dr. Albert Kitzler ist ein erfolgreicher Philosophie-Coach. Er studierte Jura und Philosophie und arbeitet seit 20 Jahren als Medienanwalt. Sein Buch Vom Glück des Wanderns lädt den Leser ein, sich mit dem Wandern und den damit verbundenen Gedanken zur praktischen Philosophie zu beschäftigen.

Wie oft hören wir Begriffe wie: Lebensweg, durchs Leben gehen oder eine Durststrecke überstehen. Alles hat im weiten Sinn etwas mit dem Wandern zu tun. Wir bewegen uns fort, denn Stillstand bedeutet Rückgang. Viele Ereignisse des Lebens lassen sich aufs Wandern übertragen. Da setzten wir uns beispielsweise ein Ziel und können das nur durch eisernen Willen und Durchhaltevermögen erreichen. Oder wir haben einen schweren Weg vor uns und überlegen vorher sehr genau, welches Gepäck wir tatsächlich benötigen. Unnützer Ballast wird erst gar nicht mitgenommen.

Der Verweis auf Viktor E. Frankl veranlasste mich, dieses Buch („Trotzdem Ja zum Leben sagen“), zu kaufen. Herr Frankl ist davon überzeugt, dass selbst in den dunkelsten Momenten des Lebens (Er war in mehreren Konzentrationslagern) ein Grund zur Dankbarkeit besteht. Sich an den kleinen Dingen erfreuen, das können Menschen besonders dann, wenn sie aufmerksam durch die Natur schreiten. Ich schreibe bewusst „schreiten“, also nicht Walkman im Ohr und Pulsuhr an der Hand sondern jeden Schritt genießen als das, was er ist. „Die Freude an der Natur.“

Das rechte Maß zu finden und sich nicht für andere Menschen zu verbiegen, diesem Wunsch ist ebenfalls ein Kapitel im Buch Vom Glück des Wanderns gewidmet. Beim Anschauen der Wunder, welche die Natur bietet, wird der Wanderer demütig. Er merkt, wie klein er ist und im Idealfall tritt für ihn „Wohlgemutheit“ ein. Eine wunderbare und passende Wortschöpfung.

Beim Lesen des Buches kam es mir an vielen Stellen vor, als würde mir ein Spiegel vorgehalten. So häufig erkannte ich mich und nahm den Rat und die Denkanstöße des Autors sehr gerne an. Zum Beispiel das Maßhalten, sich nicht überanstrengen. Wenn es mal bergauf geht, ruhig viel Pausen machen und akzeptieren, dass das Alter seinen Tribut fordert. Für mich ein lehrreiches und dabei so unterhaltsames Buch, dass ich es mit Sicherheit noch mehrmals lesen werde.

Veröffentlicht am 23.07.2019

Eine Reise durch Kuba, sehr bildhaft geschrieben

Nächstes Jahr in Havanna
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Es war vor vielen Jahren (1962) mitten in der Nacht. Meine Eltern und ich wurden unsanft vom Klingeln und Pochen an der Haustüre geweckt. Ein Bekannter kam ganz aufgeregt in die Wohnung und sagte laut: ...

Es war vor vielen Jahren (1962) mitten in der Nacht. Meine Eltern und ich wurden unsanft vom Klingeln und Pochen an der Haustüre geweckt. Ein Bekannter kam ganz aufgeregt in die Wohnung und sagte laut: „Der 3. Weltkrieg beginnt“. Das Erlebnis ist mir noch heute präsent, obwohl ich damals in keiner Weise etwas mit dem Begriff „Kubakrise“ anfangen konnte. Der Titel des Buches „Nächstes Jahr in Havanna“ erinnerte mich sofort an diese Nacht und voll Spannung begab ich mich gemeinsam mit der Autorin nach Kuba.

Die Autorin schrieb in der Ich-Form von zwei Frauen und in zwei Zeitebenen. Das ist Elisa Perez im Jahr 1958, 1959, die in Havanna lebt und ihre Enkelin Marisol im Jahr 2017, die ihr Zuhause in Miami hat. Elisa floh damals mit ihren Eltern aus Havanna. Der Grund war die Revolution und der Sturz des Präsidenten Batista. Elisa und ihre Familie hatten die Hoffnung, bald wieder nach Kuba zurückkehren zu können.

Marisol hat die schmerzvolle Aufgabe, den letzten Wunsch ihrer Großmutter zu erfüllen. Da sie bei ihr Aufwuchs war die Beziehung der beiden sehr eng. Marisols Eltern trennten sich als sie noch ein kleines Mädchen war. Elisa nahm den Platz der Mutter ein. Immer wieder sagte sie zu Marisol: „Wenn Fidel Castro stirbt, kehren wir nach Kuba zurück.“ Leider kam es anders und sie starb vor ihm. Einige Wochen nach dem Tod der Großmutter findet Marisol einen Brief von ihr. Dieser richtet sich an sie mit der Bitte, dass Elisas Asche in Havanna verstreut werden soll. Ein schwieriges Unterfangen, da die Urne nach Kuba geschmuggelt werden muss.

Marisol studiert Reiseunterlagen und nimmt Kontakt mit Ana auf. Das ist eine Freundin Elisas von damals und Marisol wohnt während ihres Aufenthalts auch dort. Hier erfährt sie, welches große Geheimnis Elisa mit ins Grab nahm. Aber auch die Probleme der Einheimischen werden ihr vor Augen geführt. Auf der einen Seite diese unvorstellbare Armut und auf der anderen Seite der zur Schau gestellte Reichtum von Privilegierten. Touristen genießen die Schönheit Havannas und es gibt immer mehr Kubaner, die davon leben.

Mir gefiel das Buch ausgesprochen gut. Ich lernte Kuba so kennen, wie sie von Einheimischen gesehen wird. Die Anfänge Fidels und die Gründe für das Auflehnen des Volkes gegenüber Batista. Dass nach der Revolution nichts besser wurde und was Che Guevara mit der Sache zu tun hatte.

Die Autorin schreibt im Anhang, dass in dem Buch ein Stück ihres Herzens steckt. Das habe ich beim Lesen gespürt. Stammt ihre Familie doch aus Kuba und floh 1967 vor den Unruhen dort. Sie wurden in den USA aufgenommen und leben dort seitdem. Das Heimweh nach Kuba ist aber noch immer ungebrochen.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Ein Weiser Mann schildert spannende Begegnungen

Die verspielte Welt
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Der ungarische Journalist und Autor Paul Lendvai ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Er ist bekannt für seine neutrale und subjektive Berichterstattung. Sein kritisches Buch zum derzeitigen ...

Der ungarische Journalist und Autor Paul Lendvai ist dafür bekannt, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Er ist bekannt für seine neutrale und subjektive Berichterstattung. Sein kritisches Buch zum derzeitigen Ministerpräsidenten Ungarns war Anlass etlicher Drohungen und falscher Behauptungen. Das schreckt Herrn Lendvai in keiner Weise und auch in dem Buch

DieVerspielteWelt berichtet er über Stationen und Begegnungen während seines journalistischen Schaffens.

Als ungarischer Jude erlebte er den Holocaust hautnah mit. Wurden doch etliche Familienmitglieder und Bekannte durch Nazis ermordet. Im Buch

DieVerspielteWelt zeigt er die Anfänge des
Jugoslawienkrieges auf. Im Jahr 1961 besuchte er zum ersten Mal den Vielvölkerstaat. Danach schreibt er über die Situation in Albanien, den Menschenrechtsverletzungen im Kosovo und den tiefgreifenden Veränderungen im gesamten Osten Europas. Er erinnert sich an Gespräche mit führenden Politikern und den Werdegang etlicher Länder von damals bis heute.

Einigen Persönlichkeiten widmet er mehrere Seiten, indem er einen kurzen Lebenslauf schrieb. Darunter sind zum Beispiel Walter Laqueur und George Soros. Interessant war für mich, dass Orban als junger Mann nur studieren konnte, weil er durch die Soros-Stiftung Unterstützung erhielt. Heute ist es sein ärgster Feind und die schmutzigen Kampagnen und ständige Lügengeschichten nehmen kein Ende. Sowohl Soros als auch Lendvai sind ungarische Juden und flüchteten aus dem Land, in dem sie verfolgt wurden.

Der amtierende Präsident der USA findet ebenfalls Erwähnung und auch hier schreibt Herr Lendvai klar und deutlich, was ihm nicht gefällt. Er zitiert in

DieVerspielteWelt auch Helmut Schmidt:
„Charisma ist eine Gabe, die hatte auch Hitler. Ohne Moral und ohne Vernunft kann charismatische Ausstrahlung eine Gefahr sein.“ Wie recht er doch hat.

Das Buch werde ich mit Sicherheit mehrmals lesen. Es ist ein kluges Sachbuch, welches ganz ohne Dogmen und Pathos auskommt. Es ist auch keineswegs eine Aneinanderreihung von Fakten, sondern unterhaltsam geschrieben. Eines nehme ich aber mit: Die Furcht um unsere Demokratie in Europa und der Wunsch, dass die zerstörenden Kräfte nicht noch stärker werden.
Im Anhang ist ein Namensverzeichnis aufgeführt. Auf diese Weise ist es einfach die Seite zu finden, auf der der Name des Gesuchten steht.

Ich danke dem Verlag und

NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 17.07.2019

Der Wahrheit verpflichtet

Totenland
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#Totenland von Michael Jensen ist ein Kriminalroman, der in den Tagen Ende des Zweiten Weltkriegs spielt. Das Cover passt zur Story. Es ist düster und zeigt ein typisches Auto der damaligen Zeit, einen ...

#Totenland von Michael Jensen ist ein Kriminalroman, der in den Tagen Ende des Zweiten Weltkriegs spielt. Das Cover passt zur Story. Es ist düster und zeigt ein typisches Auto der damaligen Zeit, einen Horch.

Jens Druwe wurde schwer verwundet und war für das Militär nicht mehr zu gebrauchen. Er folgte nicht stumpf den Parolen des „Führers“ und kam als Polizist nach Schleswig Holstein. Das war zwar eine Degradierung, da er vorher Kripobeamter war, für ihn aber ein Glück. Er konnte sich zurückziehen und stand nicht mehr so sehr in der Schusslinie der Schergen Hitlers und Konsorten.

Auch wenn Druwe dachte, dass er in dem kleinen Ort Glücksburg eine ruhige Kugel schieben konnte, auch in dieser Gegend wurde gemordet. Schon bald muss Jens nach Kattrup eilen und dort als erster Ermittler einen Ermordeten in Augenschein nehmen. Der Tote ist ein „Goldfasan“. So wurden die Braunen Ordensträger heimlich genannt. „Kackbraune Uniform mit viel Glitzerkram und Lametta“. Der Tote war also ein hoher Funktionär bei der NSDAP und wurde in der Nähe des Hofes seines Bruders gefunden.

Leider darf Druwe den Fall nicht klären, es würde seine Kompetenz überschreiten. Er muss das den Männern aus Glücksburg überlassen. Diese haben sich schnell auf einen Täter geeinigt. Es ist der entflohene Häftling Ludwig Steinfeld, den die Kriminaler beim Bruder des Ermordeten aufspüren. Herr Steinfeld war nahezu 12 Jahre als „Schutzhäftling“ im KL Fuhlsbüttel. Grundlos und ohne ordentliches Gerichtsverfahren. Wer wäre wohl geeigneter als Täter als dieser bedauernswerte Mensch?

Jens Druwe will nur eines: Den wahren Täter finden und der Gerechtigkeit zum Erfolg helfen. Die Story ist spannend, hat aber zum Schluss hin einige Längen. Dennoch bin ich von dem Buch beeindruckt. Es zeugt von sehr ausführlicher Recherche und deckt Tatsachen auf, die noch nicht lange bekannt sind. Es ist eine Mischung aus Fiktion und Fakten und das macht das Buch so wertvoll. Der Autor schreibt im Epilog sehr genau, was historisch nachprüfbar ist und was seiner Phantasie entsprang. Ein Name fiel mir dabei auf: Dr. Karl Gebhardt. Der Mensch war damals im Sanatorium Hohenlychen tätig und unter anderem für Versuche an Menschen verantwortlich. Er wirkte ebenfalls in den Lagern Auschwitz und Ravensbrück. Zu meiner Beruhigung las ich, dass er bei den Nürnberger Ärzteprozessen verurteilt und hingerichtet wurde.

Nein, es gibt niemals zu viel Bücher über die Zeit des Nationalsozialismus. Wie der Autor schreibt, sobald die Betroffenen ein Gesicht bekommen, bleiben die Schicksale im Gedächtnis der Leser. Wir dürfen niemals schweigen und müssen die Überlieferungen an unsere Kinder und Enkel weiter geben. Nur dann können wir helfen, dass solche Zustände niemals wieder eintreten.