Eine unterhaltsame, teils nachdenkliche Reise nach Kophusen
ElbgiftHinter dem erneut ansprechenden und gelungenen Titelbild von "Elbgift" verbirgt sich eine ausgefeilte Geschichte, die mich gerne nach Kophusen zurückkehren ließ. Die Titelbilder sind einer der vielen gelungenen ...
Hinter dem erneut ansprechenden und gelungenen Titelbild von "Elbgift" verbirgt sich eine ausgefeilte Geschichte, die mich gerne nach Kophusen zurückkehren ließ. Die Titelbilder sind einer der vielen gelungenen Aspekte der Serie - stets zum Inhalt passend, auf den Punkt gebracht, ansprechend und mit hohem Wiedererkennungswert.
Eine weitere Stärke sind die Charaktere, die bis zum kleinsten Nebencharakter hervorragend gestaltet sind. Ganz vorne natürlich das Ermittlerteam Philip, Peter und Hauke. Hier haben wir drei Kollegen, bei denen der Ton mal ein wenig rauher werden kann, die keine Gelegenheit auslassen, sich zu frotzeln, die aber im wahrsten Sinne des Wortes kollegial zusammenarbeiten und füreinander da sind. Aufgrund ihrer durchaus teils sehr unterschiedlichen Wesenszüge bringt jeder von ihnen einen ganz eigenen Aspekt in die jeweiligen Ermittlungen ein, was sich harmonisch zusammenfügt. Der absolute Knaller ist Hauke, der mir im letzten Band durch seine sehr offensive Verliebtheit eher auf die Nerven ging. Hier sorgt er für zahlreiche amüsante Momente (überhaupt schätze ich den trockenen Humor der Serie sehr), herrliche Wortwechsel, zeigt aber auch, daß er Köpfchen hat. Andere Kophusener Bewohner kennen wir schon aus vorherigen Bänden und es ist schön, sie, und ein paar vertraute Orte wiederzusehen, auch wenn Kophusen selbst diesmal leider weniger im Fokus stand und es somit nicht die volle Portion herrlichen Lokalkolorits gab.
Das Geschehen spielt sich hauptsächlich in einer noblen Seniorenresidenz ab. Daß diese nobel und teuer ist, wird recht häufig betont, überhaupt scheint mir in Kophusen ein wenig umgekehrter Snobismus zu herrschen. Die Residenz wird anschaulich - manchmal ein wenig zu detailliert - beschrieben und der Kulturclash zwischen Hauke und der Residenzwelt bietet viel Potential, das die Autorin gut zu nutzen weiß. Der Fall ist verwickelt, es gibt viele Ansatzpunkte, was leider auch dazu führt, daß einige interessante Aspekte ein wenig untergehen und ein paar Punkte offenbleiben.
So gibt es viele Lösungsansätze und es bleibt auf spannende Weise bis zum Ende offen, was nun genau hinter dem Fall steckt. Sogar ganz am Ende gibt es noch einen Überraschungsmoment. Der Showdown am Ende war mir persönlich zu wirr (Hauke fühlt sich zu Recht an das Ohnsorg-Theater erinnert) und ich schätze die Showdowns nicht, die mit einer ausführlichen Täterselbstbelastung inklusiver ausführlicher Tätererklärung von Motiv und Tathergang daherkommen. Gelungen fand ich aber, dass es hier kein schwarz und weiß gibt, dass man bei mancher Motivation nachdenklich wird und daß sehr wichtige Fragen angesprochen werden.
Überhaupt ist "Elbgift" allgemein ein wenig nachdenklicher. Bei Serien muß man immer damit rechnen, daß Privatleben oder vorherige Probleme der Ermittler einen gewissen Raum einnehmen. Das war im vorherigen Band gut gelöst - Philip Goldberg hat zwar ein Trauma erlitten, welches die Serie begleitet, aber es hat für mich im letzten Band den Fall nicht überlagert. Hier hat es für meinen Geschmack etwas zu viel Raum eingenommen, auch neigten alle drei Ermittler doch sehr zu Grübeleien. Das ist sicherlich alles gut geschildert, war aber nicht mein persönlicher Geschmack, da es mir den Fall etwas zu sehr überlagerte.
Die Polizeiarbeit ist wieder solide, teilweise amüsant unkonventionell. Alles ist nachvollziehbar, es gibt keine bequemen Zufälle. Wieder einmal also ein Lesevergnügen in dieser Serie.