Profilbild von FroileinWonder

FroileinWonder

Lesejury Star
offline

FroileinWonder ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit FroileinWonder über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.08.2019

Mit pointierten Worten trifft Colson Whitehead den Nerv des Lesers.

Die Nickel Boys
0

Beschreibung

Der sechzehnjährige Elwood Curtis wächst in den 1960er Jahren in der rassistischen Gesellschaft Amerikas bei seiner Großmutter auf und ist großer Bewunderer von Martin Luther Kings Reden ...

Beschreibung

Der sechzehnjährige Elwood Curtis wächst in den 1960er Jahren in der rassistischen Gesellschaft Amerikas bei seiner Großmutter auf und ist großer Bewunderer von Martin Luther Kings Reden und Botschaften. Der junge Elwood ist ein guter Schüler und für ihn geht ein Traum in Erfüllung als er einen Platz am College der Schwarzen in Aussicht gestellt bekommt. Doch durch eine unglückliche Fügung gerät Elwood in ein gestohlenes Fahrzeug und wird ohne eine angemessene Gerichtsverhandlung in die Besserungsanstalt der Nickel Academy gesteckt. In der Anstalt steht neben dem offensichtlichen Rassismus jede Menge Gewalt und Missbrauch auf der Tagesordnung.

Meine Meinung

Colson Whitehead bot seinen Leserinnen und Lesern bereits mit seinem fiktionalen Roman »Underground Railroad« eine Geschichte über den Rassismus zur Zeit der Sklaverei in Amerika, der tief unter die Haut geht. In seinem neusten Werk »Die Nickel Boys« behandelt der Autor noch einmal das Thema Rassismus, dieses Mal rückt die Geschichte allerdings etwas näher an die Gegenwart heran, denn Whitehead erzählt eine Geschichte, wie sie sich in den 1960er Jahre in Amerika zugetragen haben könnte.

Hauptprotagonist der Geschichte ist der junge Elwood Curtis, der mir mit seiner klugen, aufgeweckten und herzlichen Art sofort ans Herz gewachsen ist. In einer nüchternen und dennoch sehr ergreifenden Weise berichtet Colson Whitehead von dem Leben des Jungen Elwood, der sein Ziel, etwas aus sich zu machen und am College zu studieren fest vor Augen hat. Das Schicksal spielt im jedoch böse mit, als er unverschuldet in der Besserungsanstalt der Nickel Academy gesteckt wird. Der Schein eines Erziehungscamps trügt zuerst und wiegt Elwood gleichermaßen wie den Leser in Sicherheit. Schnell bekommt der Putz dieser scheinbaren Heile-Welt-Fassade jedoch Risse und beginnt zu bröckeln.

Schonungslos schildert Whitehead den Alltag, den Elwood Tag für Tag über sich ergehen lässt und skizziert die grässliche und willkürliche Gewalt, die nicht nur durch das Personal ausgeübt wird, sondern auch im Zusammenleben zwischen den Insassen aufflammt. Anstatt zielstrebig seine Träume realisieren zu können sitzt Elwood nun neben ungebildeten Mitschülern in Unterrichtsstunden fest, die meilenweit von seinem Wissensstand entfernt sind und verrichtet harte Arbeit auf dem Feld. Elwood lässt den Hass über sich ergehen und hält an seinem Optimismus fest, irgendwann einen Weg aus der Hölle des Nickel zu entkommen. Schon nach kurzer Zeit findet er in dem pragmatischen Waisenkind Turner einen guten Freund und gemeinsam schaffen sie sich Zeiten außerhalb des Nickel, wenn sie dem Personal dabei helfen die staatlichen Zuwendungen für die Anstalt schwarz weiterzuverkaufen.

Der Rassismus ist ein ständiger Begleiter zwischen den Zeilen. Besonders durch die leisen Töne kommt der Unterschied zwischen Schwarz und Weiß in der amerikanischen Gesellschaft in den 60er Jahren eindrücklich zum tragen. Seien es Extra Colleges für die Schwarzen oder Vergnügungsparks, Restaurants und Hotels die nur für die Weißen vorbehalten waren. Elwood hatte schon vor dem Nickel den Unterschied zwischen Schwarz und Weiß nur zu deutlich verspürt.

Colson Whitehead berichtet in einem Nachwort über die Entstehung des fiktionalen Romans und führt aus wie die realen Fakten auf der sein Roman beruht, erst 2014 der Öffentlichkeit offenbart wurden. Auf dem Gelände der ehemaligen Arthur G. Dozier School for Boys wurde bei archäologischen Ausgrabungen festgestellt, dass die Besserungsanstalt für jugendliche Straftäter nicht nur einen offiziellen Friedhof für die Leichen der Schüler besaß, sondern auch etliche Leichen geheim verscharrt wurden. Dieser Fund untermauert die Hinweise überlebender Schüler, die bereits seit Jahren auf die grausame Geschichte der Besserungsanstalt aufmerksam zu machen versuchten um den Tätern einer gerechten Strafe zuzuführen.

Die Geschichte über den jungen Elwood hätte sich genauso zugetragen haben können, auch wenn sie der Fantasie des Autors entsprungen ist. Diese Tatsache verleiht dem Buch zusätzlich einen ordentlichen Gänsehautfaktor.

Fazit

Mit pointierten Worten trifft Colson Whitehead den Nerv des Lesers. Witheheads Geschichte über den Rassismus in den 60er Jahren und den Gewaltmissbrauch in einer Besserungsanstalt sorgt mit unglaublicher Authentizität für eiskalte Schauer.

Veröffentlicht am 10.07.2019

Ein mitreißender Krimi gepaart mit einem Hauch Steampunk-Flair.

Stadt der Asche (Der Hüter: Steampunk-Krimi Band 2)
0

Beschreibung

Nach ihrer Flucht aus Biota stranden Alexander, Nic und der verletzte Oliver in Narau. Direkt bei ihrer Ankunft werden die drei festgenommen und sollen als Sklaven verkauft werden. Doch auf ...

Beschreibung

Nach ihrer Flucht aus Biota stranden Alexander, Nic und der verletzte Oliver in Narau. Direkt bei ihrer Ankunft werden die drei festgenommen und sollen als Sklaven verkauft werden. Doch auf dem Markt werden Sie von Apolonaria, der Frau des Stadthalters, als Gäste in ihr Haus aufgenommen. Sie verspricht ihnen, in Freiheit Narau verlassen zu können, sollten sie innerhalb der nächsten zwei Wochen ihre verschwundene Tochter ausfindig machen. Die Ermittlungen von Alexander und Nic beginnen schleppend, nur eines ist gewiss, es werden sechs weitere Menschen in Narau vermisst.

Meine Meinung

Der erste Band aus Jasmin Jülichers Reihe, »Der Hüter – Stadt der Tiefe«, hatte mich mit seinem besonderen Setting und der ansprechenden Mischung aus Fantasy, Steampunk-Elementen und Krimi für sich gewinnen können. Im Folgeband »Der Hüter – Stadt der Asche« tauchen wir nun aus der faszinierenden Unterwasserwelt, die durch viele technischen und wissenschaftlichen Einflüssen geprägt war, auf und betreten eine trockene und unwirtliche Vulkanlandschaft.

Der neue Handlungsort ist die im Vulkan angesiedelte Stadt Narau, die sich in erster Linie durch ihre gewaltbereite Gesellschaftsstruktur auszeichnet. Denn in Narau wird alles mit Kämpfen in der Arena geregelt, womit sich nur der Stärkste als Stadtoberhaupt beweisen kann und zudem ist auch noch die Sklavenhaltung Gang und Gäbe.

Im Gegensatz zum Vorgängerband hält sich die Autorin dieses Mal nicht sonderlich lange mit dem Setting auf. Da sich die oberirdische Stadt Narau auch in wenigen Pinselstrichengut umreißen lässt, ist es Jasmin Jülicher aber dennoch gelungen dem Leser ein gutes Bild von den örtlichen Gegebenheiten zu projizieren, so dass man förmlich den Staub einatmen und die Hitze auf der Haut prickeln spürt. Das Augenmerk wird in dieser Fortsetzung vielmehr auf die Strukturen und Hierachie gelenkt, die sich in Narau aus den sieben Caeles und dem Stadtoberhaupt Patrick Garret zusammensetzen.

Die Kriminalhandlung nimmt eine merklich größere Rolle ein. Ohne große Umschweife beginnt Jasmin Jülicher einen dichten Spannungsbogen zu weben, in denen sich die Hauptprotagonisten nicht nur in ihrer neuen Umgebung zurechtfinden müssen, sondern auch noch in kürzester Zeit eine (mehrfache) Entführung aufzuklären haben. Die Ermittlungsarbeit von Alexander und Nic erinnert an klassische Kriminalromane à la Agatha Christie oder Sir Arthur Conan Doyles »Sherlock Holmes«. Und so habe ich es sehr genossen durch die Seiten zu wandern und selbst mitzurätseln wer sich hinter all dem verbirgt. Teilweise hatte ich ein gutes Gespür für die Entwicklung des Geschehens und dennoch gab es überraschende Wendungen, mit denen mich die Autorin eiskalt erwischte.

Jasmin Jülicher ist mit »Der Hüter – Stadt der Asche« ein gut fundierter Krimi geglückt, der nur etwas von der fantastischen Note des ersten Bandes vermissen lässt. Als kleines Trostpflaster gibt es jedoch mechanisch angetriebenen Golems, die dem Buch zumindest einen Hauch Steampunk verleihen. Außerdem bin ich schon sehr gespannt in welche Gegend es Alex und Nic als nächstes verschlägt.

Fazit

Ein mitreißender Krimi gepaart mit einem Hauch Steampunk-Flair.

Veröffentlicht am 03.07.2019

Mitreißende Krimiunterhaltung vor historischem Setting und einer guten Prise britischem Charme.

Erased
0

Beschreibung

1947. Nach der Kriegszeit sehnt sich Superintendent Charles Norcott nichts sehnlicher herbei als eine ruhige Zeit als Dozent an der Universität Oxford. Dort soll der Inspektor lediglich die ...

Beschreibung

1947. Nach der Kriegszeit sehnt sich Superintendent Charles Norcott nichts sehnlicher herbei als eine ruhige Zeit als Dozent an der Universität Oxford. Dort soll der Inspektor lediglich die Fachkräfte für ihren Einsatz ausbilden, doch die Universität wird schon bald von einer Serie an Zwischenfällen heimgesucht, die die Aufmerksamkeit des Superintendenten beanspruchen.

Im Physikalischen Institut der Universität scheint jemand die geheime Forschungsarbeit der Regierung auszuspionieren oder zu sabotieren. Doch was steckt tatsächlich hinter den Zwischenfällen und dem Bombenanschlag auf den Leiter dieser Einrichtung?

Meine Meinung

»Erased« ist der zweite Band aus Jürgen Albers Kriminal-Reihe um den New Scotland Yard Inspektor Charles Norcott. Die Handlung des ersten Buches »Crossroads« trägt sich während der Kriegszeit auf der britischen Kanalinsel Guernsey zu. Doch nun nach dem Krieg ist Charles Norcott wieder zurück nach London gekehrt und nimmt in der Hoffnung auf eine entspannte “Zeit” den Job als Dozent an der Oxford University an.

Der ruhige Einstieg in die Geschichte versucht den Leser, genau wie seinen Hauptprotagonisten Charles Norcott in Sicherheit zu wiegen, bevor sich das Kartenblatt ändert und es eine mitreißende Kriminalgeschichte aufzuklären gilt. Während sich also zu Beginn noch recht wenig ereignet, wird das Setting mit viel Liebe zum Detail gezeichnet, bei dem die auftretenden Charaktere nicht zu kurz kommen. Mir persönlich gefällt es immer besonders gut, wenn nicht nur die Hauptprotagonisten gut ausgearbeitet sind, sondern auch den Nebenrollen genügend Leben eingehaucht wird. Genau das ist Jürgen Albers besonders gut gelungen, als Leser bekommt man eine ganze Palette der unterschiedlichsten Figuren präsentiert. Desmond O’Neill wird zum Beispiel mit viel Augenzwinkern von Albers als »Das kleine, fast kugelrunde Männchen […]« beschrieben und projiziert somit gleich ein herrlich erheiterndes Bild in meinem Kopfkino hinzu.

»Sagen Sie mal, Desmond, Sie waren ja schon in London ein verrückter Hund und Ihre Truppe ein bunter Haufen, aber«, er wies mit dem Daumen in Richtung Labor, »die junge Dame heißt nicht wirklich Beetroot mit Vornamen? Und wer sind Smith & Wesson?«
Erased, Seite 159

Der Schreibstil von Jürgen Albers passt hervorragend zur Geschichte, der Atmosphäre, die so very British daherkommt und dem wundervollen Setting, dass einen direkt nach Oxford versetzt. Außerdem hat sich das Buchaufschlagen jedes Mal wie das Öffnen einer Zeitkapsel angefühlt, denn nach wenigen Seiten fühlt man sich entschleunigt und in der Zeit zurückversetzt.

Das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten ist wie bei einem guten Rezept schön aufeinander abgestimmt, die Protagonisten bewegen sich spürbar in der noch jungen Nachkriegszeit, es geht um geheime Forschungsprojekte, Atomforschung, Spionage, polizeiliche Zusammenarbeit und natürlich die diversen Geheimdienste wie z. B. MI5 und MI6. Das alles wurde wunderbar vom Autor recherchiert und in einem Nachwort dargelegt, darin geht er auch darauf ein, wobei es sich um historische Fakten und wobei um Fiktion handelt. Das fand ich unheimlich hilfreich, denn zwischendurch verschwimmen die Linien zwischen Realität und Fiktion.

Tatsache ist, dass mir der zweite Kriminalroman aus Jürgen Albers Feder wieder unheimlich gut gefallen hat. Die authentische Geschichte über den britischen Inspektor und seine Freunde hat mir einige vergnügliche Lesestunden bereitet, wobei man auch im Folgeband keine blutrünstige Spannung erwarten darf. Vielmehr baut sich die Spannungskurve erst ziemlich spät auf, da das Augenmerk auf die vielzähligen Verwicklungen gerichtet wird. Schließlich wird man aber mit einem mitreißenden Rätselraten um die Identität des Täters belohnt, wobei mir die unterschiedlichsten Personen verdächtig erschienen, die naheliegenden Optionen wieder verwirft und am Ende von der eigenen Blindheit überrascht wird. Einen kleinen Kritikpunkt möchte ich allerdings noch einbringen: der Autor verknüpft den Kriminalfall mit geheimer Forschungsarbeit an Atombomben und zu Beginn der Geschichte verschwinden wichtige Protokolle. Der Ansatz war super spannend und ich finde hier hätte man noch etwas tiefer in das Spionage-Thema eintauchen können.

»Na, wenigstens dafür war der Scheißkrieg gut. Schusswunden kann hier jeder noch mit drei Promille im Blut versorgen.«
Erased, Seite 295

Ich freue mich bereits jetzt auf den dritten Norcott Roman, »Black Skin«, welcher bereits für Herbst 2019 geplant ist, denn dann werde ich zusammen mit Charles Norcott eines meiner Lieblingsreiseziele, Kuba, literarisch bereisen dürfen. Außerdem hat der Autor noch eine Anthologie in der Pipeline, zu der ich selbst auch ein kleines Bisschen beitragen durfte ;)

Fazit:

Mitreißende Krimiunterhaltung vor historischem Setting und einer guten Prise britischem Charme.

Veröffentlicht am 21.05.2019

Packende Fantasy im Mantel- und Degen-Kostüm vor einem authentischen historischen Setting.

Die dunklen Lande
0

Beschreibung

Europa 1629. Diverse Konflikte durchdringen die Länder Europas und es wütet der dreißigjährige Krieg.

Aenlin Kane, die Tochter des berühmten Solomon Kane reist gemeinsam mit ihrer Freundin, ...

Beschreibung

Europa 1629. Diverse Konflikte durchdringen die Länder Europas und es wütet der dreißigjährige Krieg.

Aenlin Kane, die Tochter des berühmten Solomon Kane reist gemeinsam mit ihrer Freundin, der persischen Mystikerin Thamina, von England nach Hamburg, um dort ihr Erbe anzutreten. Das Erbe ihres Vaters wird von der West-Indischen Compagnie verwahrt und bevor Sie es in Empfang nehmen kann, wird Aenlin von der Compagnie mit der Aufgabe betraut, gemeinsam mit einer bunten Truppe aus Landsknechten nach Bamberg zu reisen, wo bereits grauenvolle Hexenprozesse im Gange sind. Auf ihrem Weg nach Bamberg begegnet die Truppe bösen Dämonen und mystischen Geschöpfen, die ihnen in die Quere kommen. Dann ist da auch noch Nicolas, der Anführer der Truppe, der etwas Geheimnisvolles vor den anderen verbirgt…

Meine Meinung

In seinem neuesten Dark-Fantasy Roman “Die dunklen Lande” vermischt Markus Heitz mystische Fantasy-Elemente mit einer ordentlichen Portion Geschichte und macht sich dabei sein fundiertes Wissen über historische Ereignisse zu Nutzen.

Das Buchcover erinnerte mich gleich an eine Mantel- und Degen-Geschichte und tatsächlich hatte ich auch beim Lesen das Gefühl mitten in einer modernen Musketier-Story gelandet zu sein. Besonders spannend wird die Mixtur Dank der paranormalen Geschöpfe wie Aenlin Kanes Gefährtin Thamina, Riesen, Nixen, Dämonen, Untote und nicht zuletzt den Hexen, die während des Krieges verfolgt wurden. Heitz bedient sich hier einem absoluten Brennpunkt der Hexenverfolgung, indem er seine Truppe auf den Weg nach Bamberg schickt.

Die Auswahl seiner starken weiblichen Hauptprotagonistin Aenlin Kane verstehe ich als Hommage an den amerikanischen Fantasyautor und Vater der Figur des Solomon Kane, Robert E. Howard, der unter anderem auch die Kultfigur Conan erschuf.

Jedes Kapitel wird mit einem mal längerem, mal kürzerem historischen Text, der auf den Inhalt abgestimmt ist, eingeleitet. Zudem hat Markus Heitz sein Werk noch mit etwas Bildmaterial über die historische Zeit angereichert, welches ihn beim Schreiben des Buches inspirierte und nun beim Leser einen guten Eindruck über die Hintergründe hinterlässt. Bei jedem guten Fantasyroman ist außerdem noch eine Karte abgedruckt, durch die man sich den Handlungsverlauf der Geschichte bildlich vor Augen führen kann, so findet man auch hier in der Innenseite der Klappbroschur eine entsprechende Karte wieder.

In “Die dunklen Lande” macht Markus Heitz seinem Ruf als Meister der Fantasy alle Ehre, denn dieser Dark-Fantasy Roman ist definitiv nichts für schwache Nerve, neben spannungsgeladener Action fließt jede Menge Blut und eine beachtliche Menge an Knochen und Gedärmen werden freigelegt. Besonders gut gelungen ist die Dynamik in der bunt gemischten Truppe, bestehend aus Aenlin Kane, Mystikerin Thamina, den Landsknechten Nicolas, Jakob, Statius und Moritz sowie dem Duellanten Caspar von und zu dem Dorffe.

Aenlin Kane ist die Nachfahrin des berühmt-berüchtigten Solomone Kane und tritt damit in ganz schön große Fußstapfen, die ihr zu Beginn der Geschichte noch nicht so recht passen wollen. Während des Handlungsverlaufes zeichnet sich bei Aenlin allerdings eine Weiterentwicklung ab, die sie langsam aber sicher zu einer tollen Heldin heranreifen lässt. Eigentlich hatte ich vermutet, dass Aenlin und Thamina die einzigen Heldinnen der Geschichte bleiben, doch da hatte ich die Rechnung ohne die Figur des Söldners Nicolas gemacht. In meinen Augen polarisiert er durch seine anziehende und geheimnisvolle Persönlichkeit und läuft somit Aenlin den Rang ab. Leider bleiben über diesen Charakter sehr viele Fragen offen – doch hier wird gleich am Buchende eine musikalische Vertiefung durch die Band Blind Guardian versprochen, die im Herbst 2019 die Geschichte von Nicolas in ihrem Album „Legacy Of The Dark Lands“ aufgreifen. Nicht zuletzt bleibt zu hoffen, dass noch weitere Abenteuer über die dunklen Lande aus Heitz Feder folgen werden, denn hier hält sich der Autor ein nicht zu übersehendes Tor offen.

Fazit

Packende Fantasy im Mantel- und Degen-Kostüm vor einem authentischen historischen Setting.

Veröffentlicht am 19.06.2017

Anne Tyler erzählt mit einem Augenzwinkern die kuriose Geschichte einer arrangierten Ehe.

Die störrische Braut
0

Beschreibung

Die 29-jährige Kate Battista arbeitet nach ihrem Studiumsabbruch als Betreuerin in einer Kindertagesstätte, kümmert sich um ihre jüngere Schwester Bunny und führt für ihren exzentrischen ...

Beschreibung

Die 29-jährige Kate Battista arbeitet nach ihrem Studiumsabbruch als Betreuerin in einer Kindertagesstätte, kümmert sich um ihre jüngere Schwester Bunny und führt für ihren exzentrischen Vater den Haushalt. Doch wie es mit ihrer Zukunft aussieht weiss Kate beim besten Willen nicht. In ihrem Job läuft nicht alles rund, Bunny steckt mitten in der schwierigen Teenagerzeit und ihr Vater hat nur seine Forschungsarbeit im Kopf.

Als Professor Battista seinen Assistenten Pjotr zu verlieren droht, da sein Visum bald abläuft, kommt ihm die glorreiche Idee, seine Tochter Kate mit Pjotr zu verheiraten. Kate ist mit diesem Plan überhaupt nicht einverstanden und setzt sich gegen ihren Vater und Pjotrs ungeschickte Annäherungsversuche zur Wehr.

Meine Meinung

Der Roman „Die störrische Braut“ von Anne Tyler ist Teil des Shakespeare-Projekts (Hogarth Shakespeare bei Knaus) zu seinem 400. Todestag am 23. April 2016. In ihrem Roman erzählt die Schriftstellerin die Geschichte „Der Widerspenstigen Zähmung“ von William Shakespeare neu. Auf den ersten Blick ist die Covergestaltung mit dem leuchtend türkisfarbenen Hintergrund und der rosafarbenen Pfingstrose sehr gelungen (vor allem da die Blume auch in der Geschichte auftaucht). Wirft man einen Blick auf die Hinterseite des Buchumschlags erblickt man den Originaltitel von Shakespeare.

Shakespeares Stück „Der Widerspenstigen Zähmung“ habe ich mir zur Einstimmung als Hörbuch zu Gemüte geführt. Kurz zusammengefasst geht es um Herrn Baptista und seine zwei Töchter Katharina und Bianca, die ältere Tochter Katharina gilt als widerspenstig und zum heiraten völlig ungeeignet. Als Katharina ungewollt mit Petruchia verheiratet wird ändert sich ihr Charakter von einer gestanden Frau mit eigener Meinung zu einem Heimchen am Herd – sprich der perfekten Ehefrau die nie Widerworte gibt.

"Menschen neigten dazu, verschwenderisch mit Sprache umzugehen; das hatte Kate längst bemerkt. Sie benutzten viel mehr Wörter als notwendig." (Seite 33)

Anne Tylers moderne Adaption hält für die Leser eine herrlich erfrischende Komödie voller Turbulenzen und schrulliger Charaktere bereit. Übernommen wurden die Familienkonstellation der Baptistas, bei der die älteste Tochter Kate in eine ähnliche Situation wie Katharina gerät. Allerdings ist Anne Tylers Interpretation des Klassikers deutlich weniger frauenverachtend! Außerdem fällt der manipulative Part nicht ihrem Bräutigam, sondern Kates Vater zu, und der Ausgang der Geschichte gestaltet sich etwas anders. Im Grunde genommen ist es nicht unbedingt notwendig das Originalstück gelesen zu haben, die bestehenden Parallelen wären allerdings leichter zugänglich wenn man eine knackige Kurzfassung als Einleitung oder Vorwort abgedruckt hätte.

Als Setting hat sich Anne Tyler ein recht alltägliches Leben zu Recht gelegt, in dem die fein gezeichneten Charaktere genügend Raum zum polarisieren haben. Professor Baptista ist ein unglaublich egozentrischer Forscher der nur sich und seine eigenen Wünsche und Vorstellungen sieht, alles andere scheint für ihn unwichtig oder gar nicht existent zu sein. Seine Töchter Katherine und Bunny sind recht unterschiedlich, während Katherine sehr reif und erwachsen mit kessen Sprüchen daher kommt ist Bunny auf den ersten Blick ein typischer Teenager der seine Grenzen auslotet und sein Verantwortungsbewusstsein erst noch finden muss. Im Verlauf der Geschichte verschiebt sich bei den Schwestern jedoch etwas. Während sich Katherine in eine Zukunft hineindrängen lässt und nicht mehr klar denken kann, ist auf einmal Bunny diejenige, die einen pragmatischen Blick auf die Szene wirft. Der zukünftige Bräutigam Pjotr war für mich über große Strecken nicht ganz so präsent, denn er scheint keine eigene Meinung zu den Plänen von Professor Baptista zu haben, doch hier wird eine unerwartete Wendung für den Leser bereit gehalten!

"Ich lasse ihn ihn mein Land rein. Ich gebe ihm Freiraum und einen Ort, an dem wir beide wir selbst sein können." (Seite 213)

Sehr unterhaltsam fand ich auch, dass niemand außer Katherine Pjotrs Vornamen und Familiennamen richtig aussprechen kann. Das ist fast schon so eine Art Running Gag der sich wie ein roter Faden durch den gesamten Plot zieht.

Anne Tyler hat mich mit ihrem Roman „Die störrische Braut“ sehr gut unterhalten, mich zum nachdenken und auch zum schmunzeln gebracht. Nahezu perfekt wurde die schwere Kost einer arrangierten Ehe in eine luftig-leichte Komödie verpackt. Somit komme ich auf eine Wertung von 4,5 von 5 Grinsekatzen.

Fazit

Anne Tyler erzählt mit einem Augenzwinkern die kuriose Geschichte einer arrangierten Ehe.