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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.08.2019

Da mäkelt einer

Hermann!
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Tom Diesbrock nennt seinen inneren Kritiker „Hermann“ und berichtet in Wort und Bild von ihrer Beziehung.
Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt, die das Thema beleuchten - von der Vorstellung des ...

Tom Diesbrock nennt seinen inneren Kritiker „Hermann“ und berichtet in Wort und Bild von ihrer Beziehung.
Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt, die das Thema beleuchten - von der Vorstellung des inneren Kritikers bis zum Umgang mit ihm. Es ist ein populärwissenschaftliches Werk des Psychologen, das einfache Worte findet und manchmal auch etwas flapsig wirkt. Die Zeichnungen von Hermann unterstreichen die spielerische Art.
Der praktische Ansatz nimmt gegenüber zahlreichen Beispielen für die Anfeindungen des Kritikers („Die lachen dich doch aus!“) zwar nur einen kleinen Teil ein, gibt aber zumindest ein paar Anstöße für die Arbeit an sich selbst. Für mich hätte es gerne mehr davon und durchaus etwas mehr Ernsthaftigkeit sein dürfen.

Veröffentlicht am 03.08.2019

Hexen und Magier

Witchmark. World Fantasy Award für den besten Fantasy-Roman des Jahres 2019
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Miles Singer ist Arzt und eine Hexe. Bei seiner Arbeit setzt er seine Heilfähigkeiten ein und versucht neben einem Mord auch noch die kollektive Besessenheit von aus dem Krieg zurückgekehrten Soldaten ...

Miles Singer ist Arzt und eine Hexe. Bei seiner Arbeit setzt er seine Heilfähigkeiten ein und versucht neben einem Mord auch noch die kollektive Besessenheit von aus dem Krieg zurückgekehrten Soldaten aufzuklären.
Die Fantasywelt Aeland erinnert mit ihren Gaslampen und Kutschen an den Anfang des 20. Jahrhunderts und wird von Magiern und Hexen bevölkert. Der Leser wird ohne viel Federlesens in sie hineingeworfen und lernt mit dem Protagonisten das Ausmaß seiner Fähigkeiten kennen. „‚Du bist eine Hexe, weil du eine besondere Kraft der Seelenenergie besitzt. Weißt du das nicht?‘“ Sein Mentor ist gleichzeitig Freund und Ermittlungspartner.
Somit ist „Witchmark“ Kriminal-, Fantasy- und Liebesroman in einem. An sich ist das eine gute Mischung. Mitunter war mir die Handlung jedoch zu sprunghaft, oder es fehlten Erklärungen, was meinen Lesegenuss etwas trübte.

Veröffentlicht am 28.07.2019

Düstere Welten

Das Labyrinth des Fauns
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Während des 2. Weltkriegs zieht Ofelia mit ihrer schwangeren Mutter zu ihrem Stiefvater in ein Haus im Wald. Immer wieder entflieht sie der Realität in eine magische Welt.
„Das Labyrinth des Fauns“ ist ...

Während des 2. Weltkriegs zieht Ofelia mit ihrer schwangeren Mutter zu ihrem Stiefvater in ein Haus im Wald. Immer wieder entflieht sie der Realität in eine magische Welt.
„Das Labyrinth des Fauns“ ist eine Nacherzählung des Films „Pans Labyrinth“ und kann den Filmkenner somit nicht mit seiner Handlung überraschen. Lediglich kurze Märchen mit Anspielungen zur Geschichte sind ein neues Element des Buchs. Vorherrschend und schwer zu ertragen ist die Brutalität des neuen „Vaters“ gegenüber den Aufständischen, die sich im Wald verstecken, oder Menschen, die ihm zufällig in die Quere kommen. Die Aufgaben des Fauns für das Mädchen und die Erlebnisse in der Parallelwelt sind das Besondere an der Geschichte, kommen aber für meinen Geschmack zu kurz.
Trotz seiner schönen Aufmachung (Prägung des Schutzumschlags und Zeichnungen) und der Verknüpfung der Handlung in verschiedenen Welten war mir das Buch zu düster, als dass der magische Funke hätte überspringen können. Schade!

Veröffentlicht am 27.07.2019

Keiner verlässt die Insel

Nachts schweigt das Meer
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Detective Inspector Ben Kitto ist mit der Absicht, eine Ermittlungsauszeit zu nehmen, auf seine britische Heimatinsel zurückgekehrt. Als ein Mordfall geschieht, kann er das Ermitteln doch nicht lassen.
In ...

Detective Inspector Ben Kitto ist mit der Absicht, eine Ermittlungsauszeit zu nehmen, auf seine britische Heimatinsel zurückgekehrt. Als ein Mordfall geschieht, kann er das Ermitteln doch nicht lassen.
In diesem ersten Teil der Krimireihe lernen wir die Inselbewohner und den Protagonisten näher kennen samt der Ursache für seinen Rückzugsplan. Neben der Interaktion mit Verwandten und Kindheitskontakten entsteht auch eine zarte Liebesverbindung.
Abseits der Beschreibung der Inselgeographie besteht der Roman aus vielen Befragungen und sich wiederholenden Schlussfolgerungen zum potenziellen Täter. „Dass die drei Hauptverdächtigen Laura alle sehr nahegestanden haben, überrascht mich nicht. Die Mehrzahl aller tödlichen Stichverletzungen sind Verbrechen aus Leidenschaft.“ Mit der wiederkehrenden Theorie einer „Überdosis Cannabis“ macht die Autorin den Ermittler allerdings unglaubwürdig, und Vergleiche mit „den Wäldern von Wyoming“ tun nun wirklich nichts zur Sache beim Handlungsort Großbritannien. Ein paar Streichungen und Straffungen würden dem Buch guttun, ansonsten war es ganz gut.

Veröffentlicht am 07.07.2019

Eine deutsche Geschichte

Über alle Grenzen
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Eine bayrische Familie zieht in den 50er Jahren nach Thüringen und bleibt dort, auch als die Mauer geschlossen wird. Wie sie das Leben in der DDR erlebt, erzählt Hera Lind in „Über alle Grenzen“.
Der Roman ...

Eine bayrische Familie zieht in den 50er Jahren nach Thüringen und bleibt dort, auch als die Mauer geschlossen wird. Wie sie das Leben in der DDR erlebt, erzählt Hera Lind in „Über alle Grenzen“.
Der Roman hat zwei Zeitstränge: Die Vergangenheit wartet mit Stasi-Verfolgung, Gefängnis und Folter, Diskriminierung von Kindern und Flucht auf und ist damit der spannende Teil der Geschichte. In der heutigen Zeit erleben wir, wie die Familie die Vergangenheit verarbeitet und erneut zueinanderfindet.
In den verschiedenen Zeitebenen verstecken sich auch die Stärken und Schwächen der Erzählung: Während Szenen, wie die Schilderung eines Verhörs aus den Augen einer Betroffenen, nahegehen (insbesondere auch durch die sprecherische Darbietung), geht die Darstellung der Krankheiten und Behandlungen irgendwann nur noch auf die Nerven.
Obwohl die Handlung auf einer wahren Geschichte beruht, wurden einige historische Fakten (z.B. der Pioniergruß) falsch dargestellt, was mich andere unbekanntere Sachverhalte in Frage stellen ließ. Hinzu kam die Langatmigkeit, die mein Hörvergnügen trübte.