Titel: Thabo - Detektiv und Gentleman: Der Nashorn-Fall
Autorin: Kirsten Boie
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 22.02.2016
Verlag : Oetinger
Fester Einband 304 Seiten
Das ist der erste Band zu der Kinderbuch-Reihe "Thabo - Detektiv und Gentleman"
Inhalt:
Thabo, ein Junge aus Swasiland, möchte gerne Gentleman oder Privatdetektiv werden oder am besten beides. Er bekommt die Gelegenheit, Erfahrung in Detektivarbeit zu sammeln, als sich ein Nashornmord im Lion Park ereignet, bei dem das Horn gestohlen wird. Um seinen Onkel von jeglichem Verdacht zu befreien, sucht er gemeinsam mit seinen Freunden Sifiso und Emma nach Spuren in diesem Kriminalfall. Bald kommt er dem Täter auf die Spur, doch er ahnt nicht, dass es gefährlich werden kann.
Meinung:
Ein sehr schönes Buch, das meiner Meinung nach eher für einen Erwachsenen geeignet ist, der Kinderbücher mag, als für Kinder. Durch den langwierigen Schreibstil, der durchaus sehr schöne Informationen zum Alltagsleben in Afrika übermittelt, könnte das Buch für Kinder zu langatmig und uninteressant sein. Für mich als Erwachsene ist das Buch jedoch eine tiefsinnige und informative Lektüre, die mich für kurze Zeit nach Afrika entführt hat.
Die Krimihandlung ist nicht besonders genial ausgefeilt. In der Mitte des Buches konnte ich schon erahnen, wer der Täter war. Aber nicht die Kriminalhandlung macht das Buch so lesenswert, sondern die Darstellung der Lebensweise in Afrika. Insbesondere die unbekümmerte, manchmal naive aber sehr charmante Schilderung aus Sicht eines Kindes, welches andere Länder nur als Filmen kennt und denkt, dass England evtl. zu wenig Kinder hat. Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive des Jungen geschrieben und zeichnet sich durch einen großen Bezug zum Leser aus: der Leser wird oft angesprochen, so dass man den Eindruck hat, man ist mitten in der Geschichte drin.
Im Buch werden wichtige Themen angesprochen, die ich als tiefsinnig erachte und die es verdienen, dass man darüber auch zweimal nachdenkt. Beispielsweise hatte Thabo Sifisos jüngerem Bruder versprochen, aus einer Plastiktüte ein Fußball zu basteln - für dortige Kinder ein durchaus wertvolles Spielzeug. Was in den Industrieländern als Müll angesehen wird, ist in einem armen Land wie Swasiland noch lange nicht Müll.
Frau Boie gelingt es, einen Bruchteil der Kultur und der Sichtweise sowie der Lebensweise der dortigen Bewohner glaubhaft und vor allem farbenprächtig und interessant zu beschreiben. Ich habe mich so gefühlt, als hätte ich dort meine Ferien in der Lodge verbracht und die Geschichte miterlebt. Viele Beschreibungen der dortigen Verhältnisse zum Thema Wetter, zu Tieren, zu Polizisten,... sind anschaulich und geben eine authentisch wirkende Einsicht in das Leben und der Gesellschaft in Afrika.
Die Protagonisten (Thabo, Sifiso, Emma, Tante Agatha, ...) sind allesamt sympathisch beschrieben und haben alle ihren Charme, dass man sie einfach mögen muss. Sifiso muss sich um seine Geschwister kümmern, Tante Agatha kann mit Technik wenig anfangen, Emma ist eine Frühaufsteherin, Thabo träumt davon, Detektiv zu werden. Diese Charaktere passen so wundervoll in die Geschichte und vor allem vor den Hintergrund Afrikas hinein, dass die Geschichte durch sie einfach einzigartig wird - charmant, spaßig und liebenswert.
Hinten im Buch ist ein zweieinhalb-seitiges Glossar zu finden. Dort sind viele afrikanische Begriffe aufgeführt, die in der Geschichte verwendet werden. Mich hat der Einbau von afrikanischen Wörtern nicht gestört, im Gegenteil - ich fand es sehr positiv, denn durch das Glossar konnte ich alles verstehen und durch diese Schreibweise der Autorin wirkt die Geschichte viel authentischer und der Leser ist näher am Geschehen.
Das Buch ist sehr empfehlenswert für Erwachsene, die Kinderkrimis mögen. Von mir gibt es 4,4* zu diesem Buch.