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Veröffentlicht am 21.07.2025

In einer kleinen Stadt

Dunkle Sühne
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„Dunkle Sühne“ von Karin Slaughter ist der Auftakt einer neuen Thriller-Reihe, die in North Falls verortet ist, einer ländlichen Kleinstadt in Georgia, in der zwei 15-jährige Mädchen, Madison und Cheyenne, ...


„Dunkle Sühne“ von Karin Slaughter ist der Auftakt einer neuen Thriller-Reihe, die in North Falls verortet ist, einer ländlichen Kleinstadt in Georgia, in der zwei 15-jährige Mädchen, Madison und Cheyenne, verschwinden.
Von der Autorin habe ich (fast) alles gelesen. Denn bei Karin Slaughter kann man eigentlich nichts falsch machen. Obwohl ich das Cover einfach nur schrecklich finde.
Emmy Clifton ist Polizistin. Sie kannte die Mädchen. Wurden sie tatsächlich entführt oder sind sie „nur“ weggelaufen? Wird es Emmy gelingen, sie nach Hause zu bringen?
„Dunkle Sühne“ ist ein Slow Burner, der einen längeren Anlauf benötigt, um Spannung aufzubauen. Viel Familiengedöns. Jeder kennt jeden. Doch fast jeder hat ein Geheimnis, eine dunkle Seite.
Ein Täter wird zwar verhaftet, aber wieder freigelassen. Als ein weiteres Mädchen verschwindet, bekommt Emmy Unterstützung von Jude Archer, einer FBI-Beamtin.
„Dunkle Sühne“ ist unterhaltsam und wendungsreich. Aber die privaten Probleme der Protagonisten nehmen viel Raum ein. Das geht zu Lasten der Spannung.
Die Geschichte beginnt in der Vergangenheit, als Madison und Cheyenne verschwanden und wird zwölf Jahre später fortgesetzt, als der Fall neu aufgerollt wird.
Der eigentliche Kriminalfall nimmt über einen weiten Teil der Strecke nur eine nachrangige Rolle ein - bis die Handlung im letzten Viertel endlich Fahrt aufnimmt.
Es geht um Sex und Drogen, Gewalt in all ihren Facetten. Ein typisches „Südstaaten“-Buch: Todesstrafe, Waffen und Selbstjustiz.
Jude kommt sympathisch rüber. Sie ist eine starke Frau. Emmy mochte ich dagegen nicht. Denn sie macht zu viel im Alleingang. Die Cliftons, eine große, glückliche Familie? Eher eine kaputte.
Für einen Thriller hat mir der Thrill gefehlt. Auch den Plot fand ich nicht besonders glaubwürdig. Zu viel Statistik, zu viele Zufälle. Ob ich die Reihe weiterverfolge, weiß ich noch nicht.

Fazit: Solide Krimikost mit Seelenpein und Beziehungskisten. 3,5 von 5*

Veröffentlicht am 06.02.2021

Mensch oder Maschine?

DAVE - Österreichischer Buchpreis 2021
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In der Welt von Syz dreht sich alles ums Programmieren. Tag und Nacht arbeitet er an DAVE, einer künstlichen Intelligenz (KI). Bis Syz eines Tages „befördert“ wird und sich bei ihm erste Zweifel regen. ...


In der Welt von Syz dreht sich alles ums Programmieren. Tag und Nacht arbeitet er an DAVE, einer künstlichen Intelligenz (KI). Bis Syz eines Tages „befördert“ wird und sich bei ihm erste Zweifel regen.
DAVE von Raphaela Edelbauer ist keine leichte Kost. Ein düsteres Szenario, das die Autorin sich ausgedacht und mich an Orwells „1984“ erinnert hat. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist ein Zitat von T.S. Eliot:
„We shall not cease from exploration. And the end of all our exploring will to be to arrive where we started and know the place for the first time.“
Vieles hat mir gefallen. Das Thema KI an sich, auch das Zeitgeschichtliche, die Anfänge der Digitalisierung, fand ich sehr informativ. Der Ich-Erzähler Syz, der eine schlimme Kindheit hatte. Aber vieles war mir zu philosophisch. „Wer bin ich - und wenn ja wie viele?“ Nein, ich habe das Buch von Richard David Precht nicht gelesen. Aber ich denke, der Titel passt.
Dazu die vielen Namen und Fremdwörter. Ich mag da auch nicht immer alles gleich nachschlagen. Denn das stört meinen Lesefluss. Was also ist die Moral von der Geschicht‘? Ist es möglich, dass eine Maschine so etwas wie ein Bewusstsein entwickelt? Neu ist die Idee ja nicht. Das Ende hat mich nicht überrascht. Es ist logisch. Alles andere hätte nicht gepasst.

Fazit: Ein interessantes Buch, das den Leser fordert. Aber so richtig mitreißen konnte es mich nicht. 3,5*

Veröffentlicht am 09.01.2021

Mehr Jugendbuch als Thriller?

Der Mädchenwald
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Für die 13-jährige Elissa ist Schachspielen das wichtigste Hobby. Auf das bevorstehende Schachturnier freut sie sich daher besonders. In einer Pause geht sie zum Auto ihrer Mutter, kehrt aber nicht zurück. ...


Für die 13-jährige Elissa ist Schachspielen das wichtigste Hobby. Auf das bevorstehende Schachturnier freut sie sich daher besonders. In einer Pause geht sie zum Auto ihrer Mutter, kehrt aber nicht zurück. Elissa verschwindet spurlos. Detective Superintendent Mairéad MacCullagh ermittelt.
Inzwischen ist klar, dass Elissa entführt wurde und in einem dunklen Keller gefangen gehalten wird. Elijah lebt mit seinen Eltern im Wald. Eines Tages entdeckt er Elissa. Das Mädchen schöpft neue Hoffnung. Wird Elijah ihr helfen?
Die Story wird aus drei Perspektiven erzählt:
Einmal aus Elissas Sicht, die mir mit Abstand am besten gefallen hat. Sie wirkt sehr erwachsen für ihr Alter und macht das Beste aus ihrer Situation. Elissa ist sehr gut gezeichnet, mit ihr konnte ich mitfiebern.
Mit Mairéad bin ich nicht richtig warm geworden, sie ist eine Ermittlerin, die große private Probleme hat. Sie bleibt blass, von ihren Problemen mal abgesehen.
Elijahs Strang wird in der Ich-Perspektive erzählt, ihn konnte ich lange nicht einordnen. Es ist klar, dass er ein Geheimnis hütet, erst im Verlauf hatte ich eine Ahnung, in welche Richtung es geht.
Die Handlung läuft eher langsam an. Die Story ist zwar interessant, aber nicht wirklich spannend. Erst gegen Ende, als sich endlich eine heiße Spur ergibt, kommt Spannung auf. Die Twists im letzten Drittel haben mich überrascht.

Fazit: Das Buch hat mich nicht vom Hocker gehauen. Aber das letzte Drittel reißt es raus.

Veröffentlicht am 03.11.2019

Eine verstörende Geschichte

Blood Orange - Was sie nicht wissen
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Alison hat alles. Einen treusorgenden Ehemann, eine bezaubernde Tochter und eine Karriere als Anwältin. Gerade hat sie ihren ersten Mordfall erhalten. Aber Alison trinkt zu viel. Sie vernachlässigt ihre ...


Alison hat alles. Einen treusorgenden Ehemann, eine bezaubernde Tochter und eine Karriere als Anwältin. Gerade hat sie ihren ersten Mordfall erhalten. Aber Alison trinkt zu viel. Sie vernachlässigt ihre Familie und hat ein Verhältnis mit einem Kollegen. Doch irgendjemand weiß Bescheid. Denn Alison bekommt anonyme SMS.
Alisons Mordfall weist erstaunliche Parallelen zu ihrem eigenen Leben auf. Auch in Madeleines Ehe stand es offenbar nicht zum Besten. Edwin war ein Kontrollfreak. Immer wieder misshandelte er Frau und Sohn. Hat Madeleine ihn deshalb erstochen?
"Blood Orange - Was sie nicht wissen" ist das Debüt der britischen Schriftstellerin und Anwältin Harriet Tyce. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Alison. Eine wendungsreiche Geschichte, die nach kleinen Anlaufschwierigkeiten deutlich an Tempo zulegt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Alison kommt mega unsympathisch rüber. Professionell im Job, aber ihr Privatleben kriegt sie nicht auf die Reihe. Erst als sie unvermittelt an den Rand des Abgrunds getrieben wird, wächst sie über sich hinaus.

Fazit: Ein Buch, das häusliche Gewalt und Frauenfeindlichkeit thematisiert. Gut geschrieben, keine Frage. Aber auch vorhersehbar.

Veröffentlicht am 28.08.2019

Was wäre, wenn…

Frei im Kopf
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„Frei im Kopf“, der Debütroman von Christina Reetz, ist die düstere Vision eines totalitären Überwachungsstaats, der den Menschen das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen nimmt.
Frei, weil ...

„Frei im Kopf“, der Debütroman von Christina Reetz, ist die düstere Vision eines totalitären Überwachungsstaats, der den Menschen das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen nimmt.
Frei, weil die Menschen ihr Gedächtnis in Mems, ähnlich einem Smartphone, ausgelagert haben. Erinnerungen werden geteilt und in der Cloud gespeichert. Alle sind irgendwie gleichgeschaltet, haben keine eigene Meinung mehr. Nichts wird mehr hinterfragt. Denn FB, Twitter & Co lügen nicht oder etwa doch?
Greta hat alles. Einen perfekten Partner, eine tolle Wohnung, einen gut dotierten Job und ist mehr als zufrieden. Bis sie eines Tages von Mo kontaktiert wird und sich bei ihr erste Zweifel regen…
Zitat: „Die Interaktion mit deinem Mem hat dich von Anfang an darauf gepolt, Informationen zu konsumieren. Wer aber nur noch konsumiert und nicht mehr produziert, dessen Gehirn wird zur Einbahnstraße, eingestellt auf Aufnahme.“
„Frei im Kopf“ spielt in einer nicht wirklich fernen Zukunft. Christina Reetz zeichnet in ihrem Roman ein düsteres, dennoch realistisches Szenario. Die beschriebenen Entwicklungen in der Technik befinden sich im Rahmen des Wahrscheinlichen. Mich hat die Geschichte ein wenig an 1984 von George Orwell erinnert. Gruselig!
Es geht um totale Überwachung und Kontrolle. Eine beängstigende Vision, die aber gar nicht so fern erscheint, wenn man bedenkt, wie transparent der Mensch durch das Internet und andere Überwachungsmechanismen bereits ist. Spannend geschrieben, keine Frage. Für einen Thriller hat mir jedoch der Thrill gefehlt. Zudem wird die Geschichte irgendwann vorhersehbar.
Mein Lieblingszitat: „Sicherheit vor dem System, Freiheit im Kopf!“ Für mich das genaue Gegenteil von „Frei im Kopf“.

Fazit: Spannende Zukunftsvision. Faszinierend und beklemmend zugleich!