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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.09.2019

Von Schreibstil und Handlung ein sehr beeindruckendes Buch

Vergesst unsere Namen nicht
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Mit sehr viel Kreativität und Einfühlungsvermögen wagt sich Simon Stranger an die Aufarbeitung (s)einer Familiengeschichte. Dabei hangeln sich die einzelnen Kapitel am Alphabet entlang, die Handlung von ...

Mit sehr viel Kreativität und Einfühlungsvermögen wagt sich Simon Stranger an die Aufarbeitung (s)einer Familiengeschichte. Dabei hangeln sich die einzelnen Kapitel am Alphabet entlang, die Handlung von scheinbar harmlosen Dingen zum Grauen. Diese Idee finde ich sehr originell, da (für mich bisher) einzigartig.
Auch stilistisch ist der Inhalt anders gestaltet, als ich es von bisher zum Thema gelesenen Büchern kenne. In eine Vermutung verpackt wird das Geschehen bzw. mögliche Handeln um Hirsch Komissar, versucht sein Leben mit dem was bekannt ist, zu rekonstruieren. Dabei nimmt Stranger auch immer wieder Bezug zu tatsächlich stattgefundenen Ereignissen und Taten – was an Grausamkeit kaum zu überbieten ist. Aber gerade dadurch wirkt es auf mich sehr authentisch.
Sehr beeindruckt bin ich von der leisen, unaufdringlichen Art der Beschreibung, die dennoch sehr viele Gefühle in mir auslösen. Die Aufmerksamkeit die man diesem Buch beim Lesen widmen sollte, wird auf jeden Fall durch diesen sehr interessanten Schreibstil und Inhalt belohnt.
Zahlreiche tiefgründige Formulierungen wie „Man muss sich seine Gefühle ausziehen..“ oder „Ich bin kein Jude, ich bin ein Mensch“ regen zum Nachdenken oder zur Diskussion an. Simple Botschaften, die dennoch zu viel ausdrücken!!
Und es ist immer wieder berührend, welche erschütternde, nüchtern dargestellte Botschaft sich letztendlich aus der Aufzählung von harmlosen Begriffen zum Schrecklichen eröffnet.
Etwas schwierig waren für mich die vielen verschiedenen Namen, die miteinander in Verbindung stehen. Dieses Buch um eine Art Übersicht/Familienstammbaum/Namensregister zu ergänzen, fände ich sehr hilfreich.
Mich hat dieses Buch sehr gefesselt und berührt, ich würde es immer wieder lesen und kann es somit einfach nur empfehlen!!!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Authentizität
  • Geschichte
Veröffentlicht am 24.09.2019

Wertvolle Erinnerungen – gelungen in ein Buch gefasst

Schrecklich schöne Kindheit
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Inge Klatt berichtet in diesem Buch über ihre Kindheit, die durch den Krieg geprägt wurde.
Sehr gelungen finde ich dabei die gewählte Erzählsicht, dass es eben nicht als ich-Form berichtet wird. Dadurch ...

Inge Klatt berichtet in diesem Buch über ihre Kindheit, die durch den Krieg geprägt wurde.
Sehr gelungen finde ich dabei die gewählte Erzählsicht, dass es eben nicht als ich-Form berichtet wird. Dadurch wird eine angenehme Distanz geschaffen, womit der Leser alles quasi als Zuschauer (mit)erlebt.
Mich berühren besonders, die kleinen Begebenheiten des Alltagslebens, Schilderungen, die ich ähnlich bereits gehört bzw. gelesen habe – eben eine Zeitzeugenbetrachtung. Und dennoch wird das Ganze individuell durch eingeflochtene Episoden, die den Charakter und die Kämpfernatur der „kleinen Inge“ deutlich zum Ausdruck bringen. Mehr als einmal musste ich dabei schmunzeln und konnte mir diese Situation bildhaft vorstellen.
Für mich ist dies ein sehr gelungenes Werk, (Familien)Geschichte niederzuschreiben und somit vor dem Vergessen zu bewahren. Ich kann dieses Buch allen am Thema interessierten Lesern nur empfehlen!

Veröffentlicht am 30.08.2019

Familienintrigen, Liebe, Verrat, Hoffnung, aber am Ende siegt die Gerechtigkeit

Hurentochter - Die Distel von Glasgow
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Glasgow 1859. Margery eine „Dame der Nacht“ findet eine junge, fast bewusstlose und schwangere Frau, welche ihr Gedächtnis verloren hat und nimmt sie mit in Obhut in ihr Haus. Als Ines Madison lebt diese ...

Glasgow 1859. Margery eine „Dame der Nacht“ findet eine junge, fast bewusstlose und schwangere Frau, welche ihr Gedächtnis verloren hat und nimmt sie mit in Obhut in ihr Haus. Als Ines Madison lebt diese nun im gesellschaftlichen Abseits, kann aber ihrer Tochter Emily so ein relativ behütetes Leben ermöglichen.
Glasgow 1876. Emily ist zu einer jungen hübschen Frau herangewachsen, kommt jedoch mit dem Leben im Bordell nicht klar. Sie strebt nach einer aufrechten Lebensweise, um den Anfeindungen zu entgehen. Ihr Bestreben als Dienstmädchen zu arbeiten, endet jäh, als Margery stirbt. Madame Dorian übernimmt das Haus mit strengem Regime und stellt Emily vor die Wahl: als Prostituierte zu arbeiten oder zu gehen….
Auch von anderer Seite droht Gefahr…Nicht wissend das „Ines“ ihr Gedächtnis verloren hat, wird sie als Gefahr in einer Familiengeschichte angesehen und Killer werden zu ihrer Ermordung angeheuert. Emily kann kurz zuvor fliehen, hat nichtsahnend die Gangster aber immer dicht auf ihren Fersen.
Das Buch liest sich für mich sehr flüssig und hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und auch die Handlung ist schlüssig. Das Überleben von einigen Personen am Anfang als auch die bereits zu Beginn erfüllte Liebe wären für mich etwas zu kitschig und unglaubwürdig gewesen – so tragisch wie alles scheint ergibt es im weiteren Verlauf eine stimmige Szenerie. Dabei wird die Handlung nie langweilig, da viele Schicksalsschläge Emily’s Leben zurückwerfen. Aber sie gibt nicht auf – und am Ende siegt die Gerechtigkeit.
Das Buch hat mich gut unterhalten und ich habe es in einem „Ruck“ gelesen. Als Auftakt einer Reihe war dies für mich nicht das letzte Buch. Ich denk, das spricht für sich

Veröffentlicht am 30.08.2019

Unterhaltsame Kurzgeschichten nach wahren Begebenheiten

Morphium, Mokka, Mördergeschichten
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Anfänglich habe ich mich mit den Kurzgeschichten etwas schwergetan, aber spätestens bei der zweiten Geschichte war ich dann „drin“. Ich mag den „Wiener Schmäh“ sehr, jedoch musste ich feststellen, dass ...

Anfänglich habe ich mich mit den Kurzgeschichten etwas schwergetan, aber spätestens bei der zweiten Geschichte war ich dann „drin“. Ich mag den „Wiener Schmäh“ sehr, jedoch musste ich feststellen, dass mir das Lesen (wie auch bei anderen Dialekten) schwerfällt. Nicht destotrotz ist das Konzept dieses Buches überzeugend. Chronologisch sind verschiedene Fälle aus dem Leben von Joseph Maria Nechybas zusammengestellt, die er als Unikat mit großem Spürsinn löst. Da jedes Kapitel in sich eine abgeschlossene Handlung enthält, ist das Buch somit auch recht gut für kürzere Lesephasen geeignet. Als Fan von regionalen Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen, hat das Buch mich gut unterhalten und ich kann es ähnlich interessierten Lesern weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 16.08.2019

Es hört nicht auf....

Der Kinderflüsterer
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Dieses Buch fesselte mich bereits ab der ersten Seite so, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte
Vor 20 Jahren erschütterte eine Mordserie an kleinen Jungen den beschaulichen Ort Featherbank. Der ...

Dieses Buch fesselte mich bereits ab der ersten Seite so, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte
Vor 20 Jahren erschütterte eine Mordserie an kleinen Jungen den beschaulichen Ort Featherbank. Der Täter, Frank Carter, wurde gefasst und sitzt seitdem in Haft. Die Leiche eines kleinen Jungen wurde jedoch nicht gefunden und seitdem versucht der Ermittler DI Pete Willis aus Frank genauere Informationen heraus zu bekommen. Die Lösung dieses Falls wird zu seiner Obsession.
Plötzlich verschwinden wieder Jungen und die Auffinde-Situation trägt die Handschrift Frank Carters…
Der alleinerziehende Vater Tom versucht nach dem Tod seiner Frau Rebecca mit seinem Sohn Jack einen Neuanfang in einem neuen Haus. Was harmonisch beginnt, endet jedoch in einem Albtraum, in dem auch Tom um das Leben seines Sohnes bangen muss.
Die einzelnen Charaktere sind super gezeichnet, Schwächen werden zugelassen und dadurch wirken sie sehr menschlich. Pete der mit sich (und seiner Sucht) kämpft, Tom und Jake deren Neubeginn im neuen Haus mit immer neuen Baustellen gespickt wird. Dabei ist es für Tom neben der komplizierten Aufgabe für Jake Vater und Mutter zugleich sein zu wollen zusätzlich erschwert, das Jake ist hochsensibel scheint, Personen sieht und mit ihnen redet. Mit dieser Situation kommt Tom nur schwer zurecht.
Beide Erzählstränge laufen unwiderruflich zusammen und die Personen sind stärker miteinander verbunden, als zu Beginn gedacht und alles findet sich zu einem stimmigen Ende.
Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen!