Profilbild von Samtpfote

Samtpfote

Lesejury Star
offline

Samtpfote ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Samtpfote über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.10.2019

Eine herzliche Leseempfehlung für dieses zarte Buch

Der Garten über dem Meer
0

Schreibstil und Handlung:

Diese leise und zart erzählte Parabel über das Leben und die Liebe stimmt melancholisch und lädt zum Reflektieren über das eigene Selbst ein. Wie die Pflanzen im Garten blühen ...

Schreibstil und Handlung:

Diese leise und zart erzählte Parabel über das Leben und die Liebe stimmt melancholisch und lädt zum Reflektieren über das eigene Selbst ein. Wie die Pflanzen im Garten blühen und wieder welken, ist es auch im Leben und der Liebe der Fall und so erstaunt es nicht, dass ausgerechnet beim Gärtner eines grossen Anwesens alle Fäden des täglichen Lebens der Angestellten und der schönen jungen Besitzer Rosamaria und Francesc zusammenlaufen.

Der Gärtner, ein aufmerksam beobachtender Ich-Erzähler, ist es nämlich, der jedes Ereignis - wenn auch aus der Ferne und sich nicht immer genau erinnernd - betrachtet, in sich aufnimmt und ein Stück mit sich mitträgt. Er versteht vieles und rätselt um die Deutung dessen, was Fragen aufwirft und er begegnet der Natur und den Menschen um sich herum mit einer Ehrfurcht und einem Respekt, die sehr für seinen liebenswerten, angenehmen Charakter sprechen. Diese einfühlsame Art ist es, welche die Menschen dazu bringt, ihn in ihre Geheimnisse einzuweihen und gerade deshalb weiss er fast immer, was im Hause vor sich geht und erkennt aus seiner Perspektive schnell die ersten Risse und Unregelmässigkeiten in der Fassade von Schönheit und Reichtum. Fast stoisch, aber auf jeden Fall sehr duldsam, pflegt er den Garten des Anwesens und verzweifelt auch dann nicht, wenn die Herrschaften die Beete wieder einmal in einer wilden Partynacht zerstört haben. Er pflanzt neu, pflegt, schneidet und bindet Blumensträusse und nicht nur der Garten gedeiht und vergeht, auch das Meer trägt die Geheimnisse, Sorgen, Nöte und den Schmerz der Menschen mit sich und wenn es am Abend dunkel wird, ist es die Brandung, schwarz wie die Nacht, welche jedes Geräusch schluckt, aber unter der Oberfläche stets weiderbrodelt.


Meine Meinung:

Selten hat mich ein Buch so sehr in eine andere Gefühlslage versetzt und mich noch lange in dieser verweilen lassen, wie "Der Garten über dem Meer". Es hat mich begeistert, wie ruhig die Erzählung dahingeplätschert ist und dass ich auf ein wenig mehr als zweihundert Seiten die Ereignisse aus sechs Sommern und so vielen Leben erfahren durfte. Immer wieder tauchen neue Gerüchte, Personen oder Fügungen auf, welche dem Gärtner zugetragen werden oder begegnen und welche tief einblicken lassen in den Schmerz, das Leid, die Trauer und das fragile Glück der Protagonisten, die wie die Figuren des viel bespielten Schachbretts im Schatten der Zypressen hin und her geschoben werden oder sogar ganz verschwinden und Monate später wieder auftauchen.

Rodoreda ist mit diesem Buch eine zarte Gesellschaftsstudie voller feinsinniger Beobachtungen gelungen, die mit bunten, lebensnahen Beschreibungen und ganz viel Liebe zum Erzählen und den Menschen begeistern kann. Der Gärtner ist es, der von Anfang an da ist, er ist es, der die Spuren der anderen beseitigt und er ist es, welche die Pflanzen am Blühen hält. Wie schön es doch ist, dieser spannenden Figur über die Schultern zu schauen und sich dabei in den sanft dahinfliessenden Gedanken, Formen und Farben zu verlieren...


Meine Empfehlung:

Für dieses feinsinnige und zarte Buch mit dem liebenswerten Ich-Erzähler gibt es eine sehr herzliche Leseempfehlung von mir.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Eine wahre Liebeserklärung an die grüne Insel

Irisches Tagebuch
0

Meine Beziehung zu Irland:

Vor drei Jahren habe ich ich mich in die grüne Insel verliebt. Mit einer lieben Freundin war ich da und wollte so gerne bereits ein Jahr später wieder nach Irland reisen und ...

Meine Beziehung zu Irland:

Vor drei Jahren habe ich ich mich in die grüne Insel verliebt. Mit einer lieben Freundin war ich da und wollte so gerne bereits ein Jahr später wieder nach Irland reisen und dem Liebsten die tolle Landschaft und das Lebensgefühl näherbringen. Leider hat dies dann nicht geklappt, wie geplant. Im November ist es aber so weit. Wir werden endlich gemeinsam nach Irland reisen. Und wir nehmen nicht nur warme Kleidung mit, sondern auch vier liebe Menschen und ein weisses Kleid... Der Tag rückt immer näher, der Brautschleier kam am Samstag an, es wird konkret. Nach unserer standesamtlichen Hochzeit vor zwei Wochen dürfen wir uns auch in den wilden Weiten der grünen Insel die ewige Liebe schwören. Was könnte da nun besser passen, als eine Einstimmung durch den Grossmeister der Beschreibungen himself? Heinrich Böll, ein Menschenkenner, ein Künstler mit Wort, Witz und einem kritischen Auge.


Meine Meinung:

Fasziniert habe ich gelesen, wie Böll ein scheinbar aus der Zeit gefallenes Irland vor mehr als fünfzig Jahren erlebte. Ich las von einem grünen Niemandsland, strengem Katholizismus, einer Vorliebe für Tee und intensive Gespräche und erkannte in allen Anekdoten nicht nur den Wandel der Zeit, sondern auch Bölls liebevoll beobachtendes Auge auf Land und Leute. Nicht nur erkennt Böll auf seiner Irlandreise, was in Deutschland nicht läuft, wie es soll, sondern er findet auch immer neue Argumente für einen Besuch dieser Insel, die ihn so gastfreundlich empfangen hat. Natürlich ist ein Buch von Heinrich Böll immer politisch, immer kritisch, immer anti-nationalsozialistisch und vor allem auch immer äusserst scharfsinnig geschrieben. Dennoch erkenne ich im Buch "Irisches Tagebuch" auch eine Gelöstheit, eine Entspannung und ein Wohlwollen, das positiv auffällt und aus Bölls Schaffen herausragt.


Meine Empfehlung:

Dieses Buch hat mich berührt und immer mal wieder zum Schmunzeln gebracht, weil die Sprache einerseits so akribisch genau beschreibt, andererseits aber auch so viele persönliche Erkenntnisse und Erlebnisse des Autors einfliessen lässt. Und weil dieses Buch eine grosse Liebeserklärung an Irland ist und das ist ja eigentlich schon Argument genug

Veröffentlicht am 12.09.2019

Definitiv ein Buch fürs Herz

Über uns der Himmel
0

Darum geht es:

In wenigen Sekunden verliert Kate ihren Mann Patrick bei den Anschägen vom 11.9.2001. Die beiden sind erst ein paar Monate verheiratet und wären eigentlich für den Abend verabredet gewesen, ...

Darum geht es:

In wenigen Sekunden verliert Kate ihren Mann Patrick bei den Anschägen vom 11.9.2001. Die beiden sind erst ein paar Monate verheiratet und wären eigentlich für den Abend verabredet gewesen, weil Patrick ihr eine gute Neuigkeit mitteilen will.

Erst mehr als zehn Jahre später ist Kate bereit, sich mit ihrem neuen Partner Dan einer gemeinsamen Zukunft zu stellen. Doch dann beginnt sie, so lebensecht zu träumen, dass sie nicht mehr genau weiss, was Traum und was Wirklichkeit ist. Vor allem, weil diese Träume ihren Alltag zu beeinflussen scheinen...

Aber auch beruflich tut sich einiges bei der passionierten Musiktherapeutin. Nach und nach beginnt sie nämlich, sich auf gehörlose und stark schwerhörige Kinder einzulassen und entdeckt dabei eine ganz neue Welt und Menschen, die ihre Hilfe benötigen.



Meine Meinung:

Ich habe dieses Buch am 10.9. begonnen und die Handlung beginnt auch genau an diesem Tag, um dann auf die tragischen Ereignisse des 11.9.01 einzugehen. Dies hat mich sehr unvorbereitet getroffen, weil ich die Klappentexte der Bücher meistens nicht lese und ich war sehr betroffen und berührt, schliesslich kann ich mich noch gut an den 11.9.01 erinnern. Ich war noch nicht ganz elf Jahre alt und meine Mutter stand wie paralysiert vor dem Fernseher, als ich von der Schule nach Hause kam und ich wusste sofort, dass etwas Grosses geschehen sein musste, weil der Fernseher bei uns zuhause nie am Nachmittag lief.

Es wird aber gar nicht so sehr auf die Anschläge eingegangen, sondern vielmehr auf den Verlust, den Kate dabei erlitten hat. Die Erinnerungen, die Trauer und die einzelnen Schritte der Verarbeitung sind meiner Meinung nach sehr authentisch und bewegend eingebunden. Ausserdem wird immer wieder aufgezeigt, wie viele positive Erfahrungen Kate auch nach und nach aus ihren Erlebnissen ziehen kann.

Besonders gut gefallen haben mir die Einblicke in Kates Berufsalltag. Als Musiktherapeutin arbeitet sie vor allem mit Kindern und beginnt dann, sich nach und nach mit hörgeschädigten Kindern auseinanderzusetzen. Dazu lernt sie die Gebärdensprache und es wird sehr gut aufgezeigt, welche Vorteile eine Musiktherapie mit sich bringen kann.

Was noch ein zusätzliches Plus für dieses Buch ist: im Anhang finden sich liebevoll zusammengestellte Rezepte, die zu den im Buch beschriebenen Gerichten passen und definitiv Hungrig machen.



Schreibstil:

"Über uns der Himmel" war mein erstes Buch von Kristin Harmel und ich muss sagen, dass ich begeistert bin von dieser Sprache und dem ganz speziellen Aufbau. Die Verflechtung von Traum und Wirklichkeit hat mich ein wenig an Cecelia Aherns Buch "Zwischen Himmel und Liebe" erinnert. Die Sprache ist sehr schlicht und flüssig und vermag dennoch, starke Emotionen hervorzurufen. Dies liegt sicher auch an den genauen Beschreibungen der Gefühle, Gedanken und Gesichtsaudrücke, welche die einzelnen Emotionen, aber auch die Gebärdensprache gut nachvollziehen lassen. Ausserdem sind die Atmosphären der Handlungsorte sehr stimmig erfasst und laden zum Träumen ein, bewegen und erschüttern.



Meine Empfehlung:

"Über uns der Himmel" hat mir ganz viele Tränen und auch immer wieder einmal ein Schmunzeln entlockt. Die wundervolle Handlung, die mit grandios recherchierten Hintergründen überzeugt und die liebevoll skizzierten Protagonisten, sowie der schlichte und trotzdem sehr berührende Schreibstil machen dieses Buch zu einer stimmungsvollen Lektüre fürs Herzl

Veröffentlicht am 05.09.2019

Eine aussergewöhnliche Idee sehr überzeugend umgesetzt

Die verlorenen Briefe des William Woolf
0

Inhalt:
William Woolf arbeitet in einem Traumberuf und darf im Depot der verlorenen Briefe in London dafür sorgen, dass aufgrund von unleserlichen oder fehlenden Adressen unzustellbare Briefe doch noch ...

Inhalt:
William Woolf arbeitet in einem Traumberuf und darf im Depot der verlorenen Briefe in London dafür sorgen, dass aufgrund von unleserlichen oder fehlenden Adressen unzustellbare Briefe doch noch ihre Empfänger erreichen. Er selber steckt aber in der mittlerweile unglücklichen Ehe mit Clare, die ihn zugleich bemitleidet und ihm auch fehlenden Ehrgeiz vorwirft, fest. Schliesslich ist er es, der damals den Traum einer Schriftstellerkarriere aufgegeben hat und sich nun täglich durch fremde Post wühlt. während sie als erfolgreiche Anwältin viel Geld verdient. So einfach ist die ganze Geschichte aber nicht und als William wunderschöne Briefe findet, die scheinbar an ihn adressiert sind, realisiert er plötzlich, dass er in seinem eigenen Leben nur noch eine Statistenrolle einnimmt und beginnt, unbeholfen aber immer überzeugter die Spur der rätselhaften "Winter" zu verfolgen, während sein eigentliches Leben, seine Ehe und sein ganzes Umfeld erschüttert werden.

Meine Meinung:
Bei Friedelchen finde ich jeweils die wundervollen Bücher aus dem Wunderraum-Verlag und habe bei ihr auch schon "Wenn der Rest der Welt schläft" entdeckt, das mich ebenfalls begeistert hat. Mit William habe ich das Depot der verlorenen Briefe kennengelernt. Ein Ort, der aus Träumen gemacht scheint. Schliesslich darf man dort, was sonst verboten ist: in fremden Briefen schnüffeln. Und als wäre das nicht genug, gelingt es manchmal sogar, diese verlorengegangene Post wieder auf den richtigen Weg zu schicken und so den eigentlichen Empfänger glücklich zu machen. Ist das nicht eine wundervolle Idee?
Weiter bin ich beeindruckt von der Art und Weise, mit der Helen Cullen es schafft, die Entfremdung zwischen Clare und William darzustellen. Es sind kleine Alltagssituationen, fehlende Gesten der Zärtlichkeit, eine fehlende Kommunikation und gewisse Verhaltensweisen, welche sich die beiden angeeignet haben, um einander aus dem Weg zu gehen, die in ihrer Gänze zeigen, wie sehr sich Beziehungen verändern können, auch wenn man das so gar nicht will.
Williams Suche nach "Winter" führt ihn nach Dublin, wo er an glückliche Zeiten erinnert wird, während er einem Phantom hinterherjagt. Dies ist manchmal amüsant, meistens aber sehr schmerzlich und voller Mitgefühl und Hoffnung habe ich atemlos Seite um Seite umgeblättert, um herauszufinden, ob und wie unser - genau wie seine Briefe - verlorener Protagonist doch noch den Platz in seinem eigenen Leben finden kann.

Schreibstil:
Sanft und einfühlsam schildert Cullen einen Mann, der einfach nur irgendwie ein wenig aus seinem Leben gefallen ist, der eigentlich alles hat, aber nicht wirklich glücklich sein kann, weil er gar nicht weiss, was er wirklich will. Immer wieder nutzt Cullen die Briefe, die William nicht nur von "Winter" sondern auch von anderen Absendern findet, als Mittel, William eine Tür zu einer neuen Entscheidung oder einem neuen Abenteuer zu öffnen und hat letztendlich mit diesem Buch eine Hommage an den (hand-)geschriebenen Brief verfasst, die Lust macht, gleich selber zu Papier und Stift zu greifen. Mit viel Liebe zum Detail zeigt sie, was ein Brief alles im Sender und Empfänger bewirken kann und lässt zudem viel Poesie und Humor in eine Geschichte einfliessen, die von der ersten bis zur letzten Seite berührt.

Meine Empfehlung:
Ich bin so froh, dieses Buch gelesen zu haben, weil es mich an viele wundervolle Stunden erinnert hat, in denen ich Briefe geschrieben und gelesen habe und weil es mit einer aussergewöhnlichen Handlung, einem liebenswerten Protagonisten und einer einfühlsamen Erzählsprache überzeugen und berühren kann.

Veröffentlicht am 27.08.2019

Das Entdecken einer ganz neuen Welt....

Harry Potter und der Stein der Weisen (Harry Potter 1)
0

Zuerst möchte ich anmerken, dass ich dieses Buch als siebenjähriges Kind zum ersten Mal gelesen habe. Meine Rezension habe ich nach dem (ersten und bisher einzigen) Reread im September 2018 getippt).

Die ...

Zuerst möchte ich anmerken, dass ich dieses Buch als siebenjähriges Kind zum ersten Mal gelesen habe. Meine Rezension habe ich nach dem (ersten und bisher einzigen) Reread im September 2018 getippt).

Die Vorgeschichte:
Muss ich euch etwas erzählen von einer Faszination, die mich als Kind befiel und nicht mehr losliess? Von fiebrig glänzenden Augen, zitternden Händen und dem Eintauchen in eine nie dagewesene Welt, die mein ganzes Universum verändert hat?
Ich habe Woodstock und die Queen verpasst, aber ich hatte das Glück, mit Harry Potter aufzuwachsen und nicht nur das: ich gehörte zu einem dieser Jahrgänge, die mit Harry grösser, älter und erwachsener geworden sind.
Ungefähr in den Jahren 1999/2000/2001 las ich nämlich die ersten vier Bände im Alter von sieben, acht und neun Jahren (den vierten Band bekam ich zum neunten Geburtstag) und musste mich nachher jeweils ganze!!! zwei!!! Jahre!!! gedulden, bis ich 2003/2005/2007 den nächsten Band ergattern konnte. Ja, auch ich habe um Mitternacht die Buchhandlungen gestürmt und dann gelesen, bis mir die Augen zugefallen sind. Und dann ging das grosse Warten los, endlos lange, bis der nächste Band endlich da war... Wenigstens war es dazwischen möglich, die Filme anzusehen und so immerhin noch ab und zu in die Potterwelt einzutauchen und nicht komplett die Geduld zu verlieren. Vor allem die ersten drei Filme mit ihrer grandiosen Filmmusik konnten mich überzeugen. Ab dann ging es abwärts, den siebten/achten Film wollte ich mir gar nicht mehr ansehen (und habe dies erst vor zwei Jahren nachgeholt und tatsächlich: die Musik ist eine Katastrophe) und ich hielt mehr und mehr an der Potterwelt fest, die sich mir beim Lesen der Bücher eröffnet hatte.
Aus Angst, im Erwachsenenalter nicht mehr die gleiche Faszination und Liebe für meine Helden und ihre Geschichte aufbringen zu können, verzichtete ich auf einen Reread und verliess mich auf meine positiven Erinnerungen. Aber eigentlich wollte ich schon lange wieder einmal zu den Büchern greifen und in der Nacht vom 1. zum 2. September (mit der Fahrt des Hogwarts-Express beginnt das Schuljahr in Hogwarts am 1.9.) war es dann endlich so weit und ich griff erneut zum ersten Band, nach fast zwanzig Jahren...

Leseeindrücke:
Nicht einmal eine Seite habe ich gebraucht und schon war ich wieder im Ligusterweg 4 und konnte auch nach so vielen Jahren kaum glauben, welche neue Welt sich mit jedem gelesenen Satz, jeder weiteren Figur, die ich wiedererkannte, vor mir auftat. Wie nur kann eine einzelne Autorin so ein komplettes, durchdachtes und in sich logisches Universum aufbauen? Wohl wirklich nur mit Magie...
Ich fasse euch keine Handlung zusammen, ich erzähle jetzt nichts zum Schreibstil und den Figuren, aber etwas erwähne ich wirklich sehr gerne:
Ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Geschichte auch Mitte Zwanzig und nach so vielen anderen gelesenen Büchern und so vielen geschauten Filmen noch genau gleich mit ihrem Setting, den Figuren, der ganzen Handlung, der Erzählsprache, den Emotionen und Beschreibungen überzeugen kann, wie vor achtzehn Jahren. Versteht mich nicht falsch: ich habe an den ungebrochenen Zauber dieser Geschichte geglaubt und auch daran, dass keine auf sich aufbauende und siebenteilige Jugendbuchreihe vorher und nachher je wieder so zeitlos, stets aktuell und publikumswirksam sein würde, wie "Harry Potter", aber ich habe nicht damit gerechnet, dass ich die Geschichte auch wirklich immer noch als SOOOO gut und vor allem noch besser empfinde, als damals. Nun nämlich, wo ich weiss, wohin das Ganze führt/führen wird/führen kann, ist der Zauber des ersten Lesens verflogen klar, aber ich bewundere die wunscherschönen Beschreibungen, das ausgereifte Handlungskonstrukt, die grandios skizzierten Figuren, die Recherchearbeit und die der Geschichte eigene (magische) Logik und erzählerische Schönheit noch mehr.

Meine Empfehlung:
Nach so vielen technischen Details und Infos bleibt mir nur zu sagen, dass ich "Harry Potter" ungebrochen empfehle und dass es eigentlich gar keine Worte gibt, um dies zu begründen. Ich bin unendlich dankbar, mit diesen Büchern und Figuren aufgewachsen zu sein und wer diese Emotionen damals nicht durchlebt hat, das Warten auf den nächsten Band, die Spannung, bis um Mitternacht endlich die Türen der Buchhandlung öffneten, der ist erstens zu bedauern und der wird zweitens wohl nie ganz verstehen können, was "Harry Potter" für eine ganze Generation war. Verzichtet aber bitte trotzdem nicht (und NIE) darauf, euch nach Hogwarts zu begeben und die Geschichten nicht nur selber immer wieder zu lesen, sondern diese Bücher auch euren Kindern und Kindeskindern vorzulesen, zu kaufen, zu leihen und ihnen vorzuleben, dass es sich immer wieder lohnt, für seine Überzeugungen zu kämpfen und den Glauben an das Gute nicht zu verlieren. Denn wenn uns Harry und seine Geschichte etwas gelehrt haben, dann dass: auch in Kinder- und Jugendbüchern hat es Platz für Politik und es ist nie zu früh, mit seinen Kindern über Werte, Mitgefühl, Respekt und Toleranz zu sprechen.