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fredhel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.09.2019

Nah an den Fakten

Die Dame hinter dem Vorhang
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Die Autorin hat sich mit dem Leben von Dame Edith Louisa Sitwell (1887-1964) befasst. Edith wurde in eine adlige Familie hineingeboren, aber bekam 1954 selbst wegen ihrer herausragenden literarischen Leistungen ...

Die Autorin hat sich mit dem Leben von Dame Edith Louisa Sitwell (1887-1964) befasst. Edith wurde in eine adlige Familie hineingeboren, aber bekam 1954 selbst wegen ihrer herausragenden literarischen Leistungen den Titel Dame Commander verliehen, wurde sozusagen ein weiblicher Ritter.
Ihr Elternhaus war schwierig, um es kurzzufassen. Umso beständiger hielten Edith und ihre zwei jüngeren Brüder zusammen. Sie hatten alle eine künstlerische Ader, aber besonders Edith wurde sehr, sehr exzentrisch.
Eine sehr skurrile Teezeremonie öffnet diese an wahre Begebenheiten angelehnte Biografie eines fiktiven Hausmädchens. Was die beiden Fräuleins sich aus der Teekanne anmutig in ihre Teetässchen giessen, ist nichts anderes als reinster Brandy. Mich hat diese Scharade neugierig auf das ganze Buch gemacht, aber leider ist das für mich auch das einzige Highlight geblieben. Sehr nahe an den Fakten, erlebt der Leser durch die Augen des Hausmädchens Jane Banister die Lebensgeschichte der berühmten Schriftstellerin, die auch durch ihren extrovertierten Kleidungsstil auffiel. Berühmte Persönlichkeiten tauchen in der Erzählung auf und verschwinden wieder. Genau genommen ist es eine unverbindliche Aneinanderreihung von Begebenheiten, die einem nicht im Gedächtnis haften bleiben. Eigentlich seltsam, denn Dame Edith scheint eine sehr leidenschaftliche, energische und emanzipierte Frau gewesen zu sein, was einen als Leser aber irgendwie nicht richtig erreicht. Schade, ich hatte mir viel mehr Unterhaltung versprochen, aber auf der anderen Seite ist diese Biografie, von Jane Banister mal abgesehen, sehr authentisch. 

Veröffentlicht am 10.09.2019

Ivy hat die Hosen an

Zwei für immer
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Andy Jones ist ein Mann und versucht sich in einem Liebesroman. Seine Protagonisten Fisher und Ivy lernen sich kennen und fühlen sich sofort zueinander hingezogen. In erster Linie körperlich. Nach einigen ...

Andy Jones ist ein Mann und versucht sich in einem Liebesroman. Seine Protagonisten Fisher und Ivy lernen sich kennen und fühlen sich sofort zueinander hingezogen. In erster Linie körperlich. Nach einigen Tagen im Liebesrausch geht Ivy plötzlich und unerklärlich auf Distanz. Nun, sie ist schwanger mit Zwillingen geworden. Das Paar zieht zusammen und hat einen dornigen Weg vor sich. Nein, es ist kein kitschiger Liebesroman geworden, sondern die Geschichte einer unsympathischen werdenden Mutter, die ihren Liebhaber am langen Arm verhungern lässt, die bestimmt, wo es lang geht, und der die eigene Verwandtschaft wichtiger ist als ihre Paarbeziehung. Etwas aufgelockert wird die Story von Fishers bestem Freund El, der langsam aber sicher an Chorea Huntington zugrunde geht, dabei aber glücklicherweise zwar den Verstand, aber nicht seinen Humor verliert.
Als Leser kann man keine echte Beziehung zu einem der Protagonisten aufbauen. Man kann ihre Entscheidungen nicht nachvollziehen und auch die Handlung hat keinen rechten Spannungsbogen. Das Ende ist ganz nett und friedlich, aber generell habe ich für diese ungleiche Paarbeziehung keine gute Zukunftsprognose.

Veröffentlicht am 23.08.2019

Signe Munch, die unbekannte Malerin

Die Malerin des Nordlichts
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In dem Buch "Die Malerin des Nordlichts" geht es um das Leben der wenig bekannten Nichte von Edvard Munch, um Signe Munch. Die Biografie setzt spät ein. Die Künstlerin geht schon auf die Vierzig zu, hat ...

In dem Buch "Die Malerin des Nordlichts" geht es um das Leben der wenig bekannten Nichte von Edvard Munch, um Signe Munch. Die Biografie setzt spät ein. Die Künstlerin geht schon auf die Vierzig zu, hat sich gerade aus den Zwängen einer lieblosen Ehe befreit und kann sich endlich ungehindert ihren künstlerischen Ambitionen widmen. Man lernt eine sehr schüchterne und introvertierte Frau kennen. Kaum zu glauben, dass sie in der damaligen Zeit Mut zur Trennung von ihrem Mann gefunden hat, da so etwas immer einen gesellschaftlichen Skandal bedeutete. Neben ihrem Malunterricht bei Pola Gauguin engagiert sie sich sehr für den Zusammenschluss junger Künstler. Doch wenn man der Erzählung Glauben schenken darf, dann fühlt sie sich nicht richtig wohl in der zumeist oberflächlichen Gesellschaft. Leider suchen auch viele Künstler nur ihre Bekanntschaft, um so in die Nähe der berühmten Edvard Munch zu kommen.

Neben Signes persönlicher Geschichte erfährt man einiges über die Lebensumstände des frühen 20. Jahrhunderts, vor allem über die Stellung der Frau. Erst mit Einar Siebke kommt allmählich etwas Bewegung in die für mich etwas zu langatmige Erzählung. Signe erfährt ein spätes Liebesglück, heiratet sogar und verliert doch am Ende durch die deutschen Nationalsozialisten alles: Der Ehemann wird im Widerstand verhaftet und verliert sein Leben, ihre Werke werden als entartete Kunst zerstört.

Erst gegen Ende konnte ich mich mit dieser Biografie anfreunden. Erst da geschieht etwas. Die Personen werden mehr zu eigenständigen Charakteren, vorher waren es einfach Menschen, die ihren Lebensweg kreuzen. Weil sich die Autorin aber über weite Strecken hinweg sehr mit der Gedanken- und Gefühlswelt von Signe befasst, und das leider nicht spannend vermitteln kann, bin ich leider etwas enttäuscht von diesem Buch.

Vielleicht wäre auch eine lebendigere Sprecherin die bessere Wahl für dieses Hörbuch gewesen. Christina Puciata hat zwar eine sehr angenehme Stimmlage, aber sie liest leider etwas ausdrucksarm.

Veröffentlicht am 19.08.2019

zähe Story

Die Hebamme von Sylt
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Der Roman spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf der Insel Sylt. Die Insel und ihre historischen Ereignisse werden, soweit ich das beurteilen kann, detailgetreu erzählt.
Nur mit den Personen habe ich ...

Der Roman spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf der Insel Sylt. Die Insel und ihre historischen Ereignisse werden, soweit ich das beurteilen kann, detailgetreu erzählt.
Nur mit den Personen habe ich so meine Schwierigkeiten.
Geesche Jensen ist eine fähige Hebamme, doch sie macht den folgenschweren Fehler, Schicksal zu spielen und darum dreht sich die ganze Handlung. Weil die Menschen um Geesche herum sehr einfach strukturierte Charaktere sind, auch in ihrem Denken ihre gesellschaftlichen Bahnen nie verlassen können, bleibt alles ziemlich an der Oberfläche und vorhersehbar.
Mich konnte die Autorin leider nicht packen, weil der Erzählstil für mich einfach zu langatmig ist. Schade, denn die Grundidee hat durchaus Potenzial.

Veröffentlicht am 24.07.2019

Diffus

Kalte Wasser
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Als ich mich für das Buch "Kalte Wasser" entschieden habe, hatte ich die Erwartung, einen Thriller zu lesen mit Mystery-Elementen. Weder die Thriller- noch die Mysteryseite konnten mich überzeugen. Die ...

Als ich mich für das Buch "Kalte Wasser" entschieden habe, hatte ich die Erwartung, einen Thriller zu lesen mit Mystery-Elementen. Weder die Thriller- noch die Mysteryseite konnten mich überzeugen. Die Handlung wird oft unnötig in die Länge gezogen. Das beginnt schon mit der allzu ausführlichen Schilderung von Laurens Entbindung und ihrem Wochenbett. Die unheimlichen Ereignisse können sowohl Einbildung auf Grund der beginnenden postnatalen Depression sein, aber auch der Einstieg in die Mystery-Ebene. Leider bleibt es eigentlich bis zum Ende sehr vage, in welche Richtung es nun geht. Lauren als Hauptperson ist für mich nicht wirklich greifbar geworden, und auch die anderen Akteure sind meist eher wenig sympathisch, allen voran der selbstsüchtige Ehemann. Nur die toughe Polizistin Jo Harper kann punkten, aber sie allein konnte mir das Buch dann auch nicht noch schmackhaft machen. Auch das Ende konnte mich nicht überzeugen, so bleibt es bei gut gemeinten 3 Lesesternen.