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fredhel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.10.2019

süß und naiv

Burning Bridges
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"Burning Bridges", der Debüt-Roman der sympathischen jungen Autorin Tami Fischer, hat in der Presse viel Beachtung gefunden. Zwar bin ich der Zielgruppe Young Adult Reader schon entwachsen, trotzdem habe ...

"Burning Bridges", der Debüt-Roman der sympathischen jungen Autorin Tami Fischer, hat in der Presse viel Beachtung gefunden. Zwar bin ich der Zielgruppe Young Adult Reader schon entwachsen, trotzdem habe ich mich mit Interesse in die Handlung vertieft.

Die junge Literaturstudentin Ella wird ziemlich herzlos von ihrem Freund abserviert. Sie handelt einige Male unüberlegt und wird immer von einem geheimnisvollen Fremden aus der Bredouille gerettet. Dieser Ches ist muskulös, gut aussehend und leider sehr verschlossen. Doch von Anfang an knistert es gewaltig zwischen diesen beiden. Es stellt sich heraus, dass er auch allen Grund hat, nicht allzu viel über sich zu verraten, denn er lebt ein gefährliches Leben und hat ein dunkles Geheimnis. Ella und Ches müssen einiges einstecken, ehe es auf ein Happy End zulaufen kann.

Die Idee zu diesem Roman hat mir wirklich gefallen. Vor allem hat es Tami Fletcher gut verstanden, den gefährlichen Mix aus Zockerszene, Unterwelt, Nervenkitzel und Gefahrenpotenzial darzustellen. Für meinen Geschmack sind ihre weiblichen Protagonisten einfach zu naiv und oberflächlich. Man mag nicht glauben, dass diese Modepüppchen tatsächlich ernsthafte Themen an der Uni studieren. Die Männer kommen deutlich glaubhafter rüber und kriegen von mir die volle Sympathie.

Vielleicht wäre es besser gewesen, diesen Roman als Buch vorliegen zu haben, denn leider ist die Sprecherin eine totale Fehlbesetzung. Ihre piepsige Kleinmädchenstimme ordnet man eher einer Dreizehnjährigen zu, was mir ganz besonders bei den erotischen Szenen absolut unpassend vorkam. Sie scheint mir auch keine ausgebildete Sprecherin zu sein, denn sonst würde sie sicherlich die Worte nicht so häufig unpassend betonen. Sie liest oft monoton und artikuliert überdeutlich, was dazu führt, dass Worte wie Herzschmerz ausgesprochen sich so anhören: Heatz  Schmeatz. 

Für ein Romandebüt ist "Burning Bridges" ganz nett geraten, aber ich hoffe, dass Tami Fischer bei ihren zukünftigen Büchern doch etwas straffer erzählt. Das wäre besser für den Spannungsbogen. Allerdings überlasse ich die Folgebände, die sicherlich Potenzial haben, weil man wissen möchte, wie es der Mädelclique weiter ergeht, der jüngeren Leserschaft.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Gehetzt

ATME!
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"Atme" von Judith Merchant wirbt mit einem gekonnten Klappentext, der mich sofort in den Bann schlug. Doch schon nach den ersten Seiten wird mir der innere Monolog der Protagonistin Nile zu viel. Sie ist ...

"Atme" von Judith Merchant wirbt mit einem gekonnten Klappentext, der mich sofort in den Bann schlug. Doch schon nach den ersten Seiten wird mir der innere Monolog der Protagonistin Nile zu viel. Sie ist dermaßen auf ihren Partner Ben fixiert, idealisiert ihre Paarbeziehung auf so unrealistische Weise, dass ich sie vor meinem inneren Auge schon als Insassin in einer Nervenheilanstalt enden sehe. Das mysteriöse Verschwinden von Ben gibt natürlich unlösbare Fragen auf und im weiteren Verlauf des Krimis wird die Handlung auch etwas spannender. Was allerdings als spannender Showdown gedacht ist, empfinde ich eher unbefriedigend. Nicht nur deswegen, sondern auch wegen der über weite Strecken vorherrschende Monotonie und Langatmigkeit mag ich dieses Buch nicht weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 28.09.2019

Gewaltiges Epos

Der Untergang der Könige
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"Der Untergang der Könige" ist der erste Band eines gewaltigen Fantasy-Epos. Die Autorin Jenn Lyons wirft den Leser ohne Vorwarnung mitten in ihre verwirrend bunte und aufregende Welt voller Magie. Die ...

"Der Untergang der Könige" ist der erste Band eines gewaltigen Fantasy-Epos. Die Autorin Jenn Lyons wirft den Leser ohne Vorwarnung mitten in ihre verwirrend bunte und aufregende Welt voller Magie. Die Hauptperson Kihrin sitzt in einer Gefängniszelle. Er erzählt sein Leben, doch seine Gefängniswärterin reicht mit ihren Erinnerungen noch weiter und intensiver zurück, sodass im Wechsel der Erzählperspektive sich immer neue Sichtweisen und Erkenntnisse ergeben. Es ist spannend, aber auch sehr verwirrend, weil die Autorin vorgibt, der Leser müsste mit allen Göttern, mit der Geschichte und mit der Geografie vertraut sein. Es gibt jede Menge Fußnoten, die aber noch mehr Informationen beisteuern, anstatt zu erklären. Es ist nicht so ganz einfach, sich durch die über 800 Seiten zu kämpfen, auch wenn die Fantasie der Autorin unermesslich ist und ihr Schreibstil flüssig und mitreißend. Sicher werden viele Leser begeistert der Geschichte folgen und auf die Fortsetzung warten. Ich selbst habe dieses Buch gern gelesen, aber ich fand es auch etwas anstrengend.

Veröffentlicht am 28.09.2019

auf ewig

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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Um es vorwegzusagen: dieses Buch ist ganz anders, als ich es erwartet habe. Es ist nämlich kein Agatha Christie Krimi in moderner Form, es ist kein rauschender Maskenball in altehrwürdigen Gemäuern, nein, ...

Um es vorwegzusagen: dieses Buch ist ganz anders, als ich es erwartet habe. Es ist nämlich kein Agatha Christie Krimi in moderner Form, es ist kein rauschender Maskenball in altehrwürdigen Gemäuern, nein, es ist ein surrealer, die Grenzen des logischen Denkens auslotender Fantasyroman, in dem sich die Hauptperson Aiden Bishop permanent im Körper einer anderen Person wiederfindet. Und jedes Mal beginnt der gleiche Tag von neuem und endet mit dem Tod der Tochter der Gastgeber. Ein geheimnisvoller Mann in der Maske eines Pestdoktors klärt ihn auf, dass dieser Spuk erst dann endet, wenn Aiden die Hintergründe dieses Mordes aufdeckt.
Für den Leser ist es sehr verwirrend, die unterschiedlichen Gastkörper auseinanderzuhalten. Wer welche Information gesammelt hat, wer was in die Wege leitet, wer durch wen gefährdet ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Geschichte nicht chronologisch erzählt wird, sondern scheinbar willkürlich in der Zeit vor und zurück springt.

Ich selbst habe mittendrin völlig den Überblick verloren, und fand es zugegebenermaßen auch ermüdend. Erst gegen Ende lebt der Spannungsbogen noch mal richtig auf, denn wenn man denkt, alles ist aufgeklärt, dreht sich alles noch einmal in eine andere Richtung.

Meiner Meinung nach hätte vieles straffer erzählt werden können und damit den Leser besser in den Bann gezogen.

Ich selbst habe die Hörbuchversion gehört, was bestimmt noch eine Spur verwirrender gewesen ist, weil man nicht mal eben ein paar Seiten zurückblättern kann, um alle Spuren für sich selbst noch mal neu zu sortieren. 

Der Sprecher Frank Stieren macht seine Sache gut, denn er liest spannend vor und hat eine sehr angenehme Sprechstimme.

Veröffentlicht am 13.09.2019

Nah an den Fakten

Die Dame hinter dem Vorhang
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Die Autorin hat sich mit dem Leben von Dame Edith Louisa Sitwell (1887-1964) befasst. Edith wurde in eine adlige Familie hineingeboren, aber bekam 1954 selbst wegen ihrer herausragenden literarischen Leistungen ...

Die Autorin hat sich mit dem Leben von Dame Edith Louisa Sitwell (1887-1964) befasst. Edith wurde in eine adlige Familie hineingeboren, aber bekam 1954 selbst wegen ihrer herausragenden literarischen Leistungen den Titel Dame Commander verliehen, wurde sozusagen ein weiblicher Ritter.
Ihr Elternhaus war schwierig, um es kurzzufassen. Umso beständiger hielten Edith und ihre zwei jüngeren Brüder zusammen. Sie hatten alle eine künstlerische Ader, aber besonders Edith wurde sehr, sehr exzentrisch.
Eine sehr skurrile Teezeremonie öffnet diese an wahre Begebenheiten angelehnte Biografie eines fiktiven Hausmädchens. Was die beiden Fräuleins sich aus der Teekanne anmutig in ihre Teetässchen giessen, ist nichts anderes als reinster Brandy. Mich hat diese Scharade neugierig auf das ganze Buch gemacht, aber leider ist das für mich auch das einzige Highlight geblieben. Sehr nahe an den Fakten, erlebt der Leser durch die Augen des Hausmädchens Jane Banister die Lebensgeschichte der berühmten Schriftstellerin, die auch durch ihren extrovertierten Kleidungsstil auffiel. Berühmte Persönlichkeiten tauchen in der Erzählung auf und verschwinden wieder. Genau genommen ist es eine unverbindliche Aneinanderreihung von Begebenheiten, die einem nicht im Gedächtnis haften bleiben. Eigentlich seltsam, denn Dame Edith scheint eine sehr leidenschaftliche, energische und emanzipierte Frau gewesen zu sein, was einen als Leser aber irgendwie nicht richtig erreicht. Schade, ich hatte mir viel mehr Unterhaltung versprochen, aber auf der anderen Seite ist diese Biografie, von Jane Banister mal abgesehen, sehr authentisch.