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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.09.2019

Nichts für schwache Nerven

Dachbodenfund
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Marvin und Sandra Losberg erfüllen sich einen Traum. Sie ziehen aus der Großstadt Hamburg in einen kleinen und beschaulichen Ort namens Seesby. Der Umzug war anstrengend aber jetzt folgt die Ruhe, so denkt ...

Marvin und Sandra Losberg erfüllen sich einen Traum. Sie ziehen aus der Großstadt Hamburg in einen kleinen und beschaulichen Ort namens Seesby. Der Umzug war anstrengend aber jetzt folgt die Ruhe, so denkt Sandra. Ihr Mann ist häufig unterwegs, da er einen anstrengenden Job hat. Sie selbst freundet sich rasch mit einer jungen Frau aus dem Dorf an. Die Ruhe bleibt aber nicht und von Idylle gibt es keine Spur. Seltsame Dinge geschehen. Sandra wird in ihrem eigenen Haus von einem Mann überrascht, der plötzlich vor ihr steht. Zudem gibt es ein Zimmer, welches abgeschlossen und der Schlüssel unauffindbar ist. Was verbirgt sich dort hinter der Tür? Wer will Sandra verunsichern und ist sie wirklich in Gefahr?

Puh, das Buch ist nichts für schwache Nerven. Das zeigt schon das sehr aussagekräftige Cover. Auf dem ersten Blick sieht der Leser, worauf er sich einlässt. Die Story ist fein ausgeklügelt und die Spannung subtil und bestens dosiert. Dorfklatsch und die Gerüchteküche wurden von der Autorin sehr gut wiedergegeben. Auch wenn mir bei einigen Szenen die Tränen kamen, so ist es doch ein Thriller, der seinen Namen verdient hat. Gleichzeitig zeigt das Buch, wie Menschen durch Vorurteile verletzt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden können. Wer keine bluttriefenden Thriller bevorzugt, wird dieses Buch mögen. Denn spannend ist es allemal.

Veröffentlicht am 29.09.2019

Enttäuschung, statt "blühende Landschaften"

Kastanienjahre
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Das Buch Kastanienjahre beginnt im Jahr 2018. Elise lebt in Paris und hat eine kleine Boutique, die ihr ganzer Stolz ist. Ihr bester Freund ist Tarek, ein Mann aus Algerien, der wie sie, nicht in Frankreich ...

Das Buch Kastanienjahre beginnt im Jahr 2018. Elise lebt in Paris und hat eine kleine Boutique, die ihr ganzer Stolz ist. Ihr bester Freund ist Tarek, ein Mann aus Algerien, der wie sie, nicht in Frankreich geboren ist. Zufällig wird sie durch einen Zeitungsausschnitt an ihren Heimatort Peleroich erinnert. Er soll dem Erdboden gleich gemacht werden. Der Ort liegt in der ehemaligen DDR, nahe der Grenze zur BRD. Sie ist erschrocken und möchte bald in den Osten fahren.

Danach gibt es einen Schwenk in das Jahr 1950. Ein Lehrer in Peleroich unterrichtet 15 Kinder, die Deutsche Demokratische Republik befindet sich im Aufbau. Drei Jahre später gibt es Pläne zur Produktionssteigerung und kleine Höfe sollen nicht mehr nur den Eigentümern gehören. Sie werde zu einer LPG zusammengefasst. Der Bürgermeister von Peleroich ist ein Anhänger der Regierung und gleichzeitig auch ein Spitzel der Stasi. Die Menschen des Ortes fürchten sich vor ihm.

Das Buch wechselt immer wieder vom Jahr 2018 in die Jahre ab 1950. Die Autorin ist selbst ein Kind der DDR und das merkt der Leser. Sie weiß, wovon sie schreibt. Es werden die Anfänge des sozialistischen Staates beschrieben, die Einschränkungen und Bevormundungen durch die Regierenden. Immer mal wieder gab es einen Mangel an Konsumgütern und auf Möbel mussten die Menschen lange warten. Aber, es gab keine Arbeitslose, Ausländer oder Flüchtlinge auch nicht.

Kastanienjahre ist eine Mischung aus Historie, Liebe und Familiengeschichte. Interessant für mich, da ich viele Dinge des Lebens im Osten erst auf diese Weise erfuhr. Es macht aber auch nicht vor den Enttäuschungen halt, nachdem die Mauer fiel. Es wurde den Menschen in Ost und West so viel versprochen und nur wenig gehalten. Die vergessenen Orte gibt es dort zuhauf und es ist berührend zu lesen, wie die dort Geborenen damit umgehen. Ein Buch, welches berührt, ein wenig spannend und zudem recht unterhaltsam ist. Ich empfehle es allen, die sich für die Geschichte der Deutschen Demokratischen Republik interessieren und dabei auf Authentizität der Berichte achten.

Ich habe das Buch als Hörbuch genossen. Gelesen wird es von Wolfgang Berger. Die ungekürzte Lesung erstreckt sich über 667 Minuten.

Veröffentlicht am 24.09.2019

Bewegend und mit Humor gespickt

Laufen
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Die Ich-Erzählerin ist 40 Jahre alt und nach einer Fußverletzung vor acht Jahren gab sie das Laufen auf. Jetzt sieht es ganz anders aus. Sie muss nicht nur mit dem Verlust eines geliebten Menschen fertig ...

Die Ich-Erzählerin ist 40 Jahre alt und nach einer Fußverletzung vor acht Jahren gab sie das Laufen auf. Jetzt sieht es ganz anders aus. Sie muss nicht nur mit dem Verlust eines geliebten Menschen fertig werden. Auch das Wie des Todes setzt ihr hart zu und sie hat das Bedürfnis, sich beim Laufen von den traurigen Gedanken abzulenken. Zumal es auch Schuldgefühle sind, die sie quälen. Daran hat aber nicht nur ihre eigene Einstellung schuld. Es sind auch die Eltern des Toten, die sie durch ihr Auftreten fertig machen.

Laufen beginnt mit dem ersten Mal, wo sie wieder ihr Training beginnt. Bereits nach wenigen Metern meint sie, dass sie aufhören muss. Sie kann nicht mehr und spürt alle Muskeln. Doch sie setzt sich durch, überwindet ihre Schwäche und das Laufpensum wird von Tag zu Tag höher. Beim Laufen geht sie ihren Gedanken nach und wir als Leser erfahren sie in allen Einzelheiten. Auch ihre Ansichten gegenüber den anderen Läufern teilt sie uns mit.

Trost möchte sie nicht immer haben. Sie steht auf dem Standpunkt, dass viele Worte in dieser Situation nur Floskeln sind. Sie denkt dazu: Manchmal muss man eben in der Ecke liegen, wie ein Putzlappen und wimmern. Nur ihre beste Freundin Rike versteht sie wirklich. Ihre Eltern zeigen zu viel Mitleid und bedauern sie zu sehr. Das hilft ihr nicht. Sie möchte wieder Freude am Leben haben und sich nicht in Trauer vergraben.

Es ist eine Mischung aus Wut und Trauer, welche die junge Frau täglich durchlebt. Aber so wie sie beim Laufen nicht aufgibt, tut sie das auch nicht bei ihrem Leben. Sie kämpft sich zurück, lernt neue Menschen kennen und kauft sich sogar ein neues Bett. Alles das sind Schritte, die sie eines Tages zum Ziel führen. Wie gut, dass sie dabei Unterstützung findet. Es sind ihre Freunde und die Arbeitskollegen, die sie tragen, wenn es mit dem Gehen nicht klappt.

Das Buch berührt und zeigt so viele Tatsachen, die nach dem Suizid des Partners auf den Zurückbleibenden einstürmen. Es wird sich wohl jeder Selbstvorwürfe machen und dazu braucht es keine Anklagen von Außen. Gut, dass die Frau den Kontakt zu jenen Anklägern abbricht. Nur so kann sie das Unbegreifliche durchstehen. Nein,

Laufen ist keineswegs weinerlich geschrieben. Hin und wieder gibt es auch humorvolle Stellen. Es ist ein Buch für alle, die Ähnliches erlebten oder für jene, die mehr Verständnis für Betroffene aufbringen möchten.

Ich danke dem Verlag und #NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 23.09.2019

Spannende Unterhaltung mit viel Historie

Rote Ikone
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Es ist der 02.02.1945 und Hauptmann Proskurjakow sowie sein Fahrer Owtschinikow finden zufällig eine wertvolles Gemälde. Was es damit auf sich hat und warum es ausgerechnet in einem Sarg versteckt wurde, ...

Es ist der 02.02.1945 und Hauptmann Proskurjakow sowie sein Fahrer Owtschinikow finden zufällig eine wertvolles Gemälde. Was es damit auf sich hat und warum es ausgerechnet in einem Sarg versteckt wurde, erklärt der Autor im Laufe des Buches.

Ein Schwenk in die Vergangenheit folgt. Es ist der 02.08.1914 und der Leser lernt Herrn Pekkala kennen, der als enger Vertrauter und Personenschützer des Zaren tätig ist. Und nicht nur das. Er tritt immer dann als Ermittler auf, wenn Geheimnisse zu schützen und Verräter zu überführen sind. Am 02.08. bekommt der vom Zaren persönlich den Auftrag, mit Rasputin zu sprechen. Dem Zaren missfällt der Plan seiner Frau, die rote Ikone, das symbolträchtige Gemälde, an den Vertrauten der Zaren zu übergeben.

Beim Lesen lernte ich einiges über die Geschichte Russlands. Die Fragen, warum Rasputin am Zarenhof so sehr willkommen war oder wie es den „Wolgadeutschen“ nach dem Ersten Weltkrieg und bis zum Beginn des Zweiten Krieges erging, wurden beantwortet. Ich besuchte Stalin in seinem Büro und habe mir diesen Mann genau so vorgestellt, wie hier beschrieben.

Es ist ein munteres Hin und Her zwischen den Jahren 1914 und 1945. Dabei geht der Autor nicht immer chronologisch vor und beim Lesen ist hohe Konzentration gefragt. Es ist ein guter Kriminalroman der durch seine vielen Wendungen überzeugt. Das Cover zeigt die für Russland typischen Zwiebeltürme im Hintergrund einer Schneelandschaft. Auch das ist treffend gewählt. Ein Buch, das ich durchaus empfehle. Nicht, weil es so spannend wäre, sondern weil es so viele historische Fakten bietet.

Veröffentlicht am 15.09.2019

Erster Band einer Trilogie über Englands berühmtes Hotel

Das Savoy - Aufbruch einer Familie
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Maxim Wahl, so nennt sich der Autor des Romans Das Savoy - Aufbruch einer Familie. Er hat wohl schon einige Bestseller geschrieben und dieses Buch ist der erste Band einer Trilogie. Es ist eine Mischung ...

Maxim Wahl, so nennt sich der Autor des Romans Das Savoy - Aufbruch einer Familie. Er hat wohl schon einige Bestseller geschrieben und dieses Buch ist der erste Band einer Trilogie. Es ist eine Mischung aus Kriminalroman, Lovestory und ein wenig Historie.

Der Roman beginnt im Jahr 1932. Violet, eine junge Frau, die bei der BBC arbeitet, hat soeben eine Standpauke ihres Chefs erduldet. Sie kam zwei Minuten zu spät und das mag der Herr absolut nicht. Eigentlich möchte sie an ihren Arbeitsplatz aber sofort wird sie zum Telefon gerufen. Ein Mitarbeiter des Hotels Savoy ruft an. Sofort ist sie besorgt um ihren Großvater, den Chef des Hotels Savoy und ihre Sorge ist berechtigt. Er hatte einen Zusammenbruch.

Großvater Laurence Wilder ist der Sohn deutscher Einwanderer und übernahm vor 40 Jahren die Geschicke des noblen Hauses. Erst durch sein Engagement wurde es zur ersten Adresse in London. Nun hatte der 72jährige einen Zusammenbruch und Violet, seine Enkelin, ist erschüttert. Sie lebt seit Kleinkindtagen bei ihm und er ist alles, was sie an familiären Bindungen hat. Nun liegt er da und begreift nicht, was mit ihm geschah. Er denkt sogar, dass er einem Giftanschlag zum Opfer fiel.

#DasSavoyAufbruchEinerFamilie wurde in leichter und angenehmer Sprache geschrieben. Ein wenig Spannung, etwas Zwischenmenschliches und die 30er Jahre des Letzten Jahrhunderts machen einen bunten Strauß netter Unterhaltung. Für mich war interessant, welchen Einfluss Hitler damals selbst beim Adel in England hatte. Seine Fühler waren sogar bis über den Ärmelkanal ausgestreckt. Im nächsten Jahr kommt der zweite Band und daher gibt es zum Schluss dieses Buches auch einen großen Cliffhanger. Was wird aus Violet, überlebt ihr Großvater und für welchen Mann wird sie sich entscheiden? Die Spannung bleibt und wer leichte Kost mag, wird das Buch auch mögen.