Enttäuschend und unbefriedigend
London PrinceNoah und Truly sind schon immer beste Freunde gewesen, seit sie ihn und seine Versuche, sie anzumachen, abgewehrt hat. Beide sind mit dieser Entscheidung gut gefahren, auch wenn Truly insgeheim doch mehr ...
Noah und Truly sind schon immer beste Freunde gewesen, seit sie ihn und seine Versuche, sie anzumachen, abgewehrt hat. Beide sind mit dieser Entscheidung gut gefahren, auch wenn Truly insgeheim doch mehr in Noah gesehen hat und heimlich ein wenig in ihn verknallt war. Doch jetzt ist Noah nach einigen Jahren, die er beruflich in New York verbracht hat, wieder nach London zurückgekehrt. Können sie an ihre frühere Freundschaft anknüpfen oder haben sich die Voraussetzungen verändert?
Truly leitet gemeinsam mit ihrer Schwester Abbi eine Stiftung, die Kinder und Jugendliche mit Rückenmarksverletzungen in Form von Therapien fördert. Als Abbi wegen ihrer Risikoschwangerschaft ausfällt, springt Noah ein und steht Truly bei Spendengalas und auch sonst als tatkräftiger Unterstützer bei. Er selbst war als Jugendlicher nach einem Unfall betroffen und weiß um die Wichtigkeit solcher Fördermittel.
Hier ist auch schon einer der vielen Punkte, die ich diesmal zu kritisieren habe. Leider erfährt man an keiner Stelle des Buches Näheres zu diesem Unglück. Noah gilt als Playboy, Draufgänger und Extremsportler. Ist er so wegen oder trotz seiner Verletzungen geworden? Eine solche Verletzung ist ein zu einschneidendes Ereignis für einen Jungen, um das völlig unter den Tisch zu kehren und verdient zusätzliche Informationen, weil es einen Menschen auf jeden Fall prägt. Truly dagegen ist mir mit ihrer unsicheren und selbstkritischen Art zunehmend auf die Nerven gegangen. Sie ist eher introvertiert, liebt Tabellen und Buchhaltung und fühlt sich neben ihrer extrovertierten Schwester immer unzulänglich. Was ja überhaupt nicht problematisch wäre, zöge es sich nicht wie ein roter Faden durch das ganze Buch.
Auch der Plot - nur Sex, keine Gefühle - ist in diesem Genre nichts Neues. Nur haben andere Autor*Innen das wesentlich witziger, sexier und leidenschaftlicher geschrieben als Louise Bay im vorliegenden Roman. Ja, natürlich schreibt Bay routiniert und stilsicher, aber mir kommt es hier so vor, als spule sie ihr Programm ab, ohne mit dem Herzen dabei zu sein. Was sich auch auf die Chemie zwischen den Protagonisten und eben auch auf die erotischen Szenen negativ auswirkt.
Tatsächlich hatte ich mehr Spaß mit Abbi und ihrem Mann Rob und ihren ständigen Kabbeleien als mit Truly und Noah. Kein gutes Zeichen.
Darüber hinaus - und das muss ich dem Verlag anlasten - ist London Prince nicht Teil einer Reihe, nur weil es in England spielt. Es gibt keinerlei Verbindung zu den ersten beiden Bänden und ist im Original ein Einzelband, der unabhängig ist.
Eigentlich bin ich von Louise Bay Besseres gewohnt, aber leider scheint es mit ihren aktuellen Büchern nicht bergauf zu gehen, sondern eher in die gegenteilige Richtung. Schade.