Überraschend ernste Töne
Es duftet nach SommerSelten gehe ich in meinen Rezensionen auf die Widmung der Autoren ein, aber in diesem Fall kann ich diese einfach nicht unerwähnt lassen, denn Huntley Fitzpatrick spricht in ihrer Widmung so liebevoll ...
Selten gehe ich in meinen Rezensionen auf die Widmung der Autoren ein, aber in diesem Fall kann ich diese einfach nicht unerwähnt lassen, denn Huntley Fitzpatrick spricht in ihrer Widmung so liebevoll mit „John“, dass mir dabei ganz warm ums Herz wird. Ich habe selten so eine gefühlvolle Widmung gelesen - das musste hier einfach mal erwähnt werden. <3
Wenn ihr euch den Seitenschnitt des Buches anschaut und dort ab und zu schwarze Striche seht, dann ist das nicht etwa Dreck, sondern es handelt sich hierbei um die Kapitelanfänge, die mit einer Blätterranke verziert sind. Und auch am Ende der einzelnen Kapitel findet sich jeweils eine kleine Ranke. Sehr hübsch!
„Es duftet nach Sommer“ lebt von seinen Charakteren, die alle echte Unikate sind. Klar, auf knapp 480 Seiten passiert auch eine Menge und die Handlung ist sehr abwechslungsreich, es passiert irgendwie immer etwas, aber beim Versuch, die Handlung zusammenzufassen, ist am Ende nicht mehr wirklich viel erwähnenswert. Es sind kleine Episoden, aus denen sich das Buch zusammensetzt, verbunden durch viele Gespräche, die die Handlung nicht immer vorantreiben. Aber wirklich im Gedächtnis bleiben am Ende Gwen und Cass, Em, Viv und Nic, Mrs Ellington und ihre Freundinnen, und nicht zuletzt Myrtle - das Sofa mit Charakter. Ganz großartig und intensiv hat Huntley Fitzpatrick diese Figuren gezeichnet und ihnen Eigenheiten verpasst, die sie unverwechselbar machen. Aber es gibt auch einige Randfiguren, die dagegen etwas blass bleiben. Da hilft es auch nicht, dass diese Nebencharaktere durch Rückblicke in die Vergangenheit etwas umfassender dargestellt werden. Einen echten Zugang konnte ich zu ihnen dennoch nicht finden.
Nach Huntley Fitzpatricks Debüt „Mein Sommer nebenan“ hat sich ihr Schreibstil entwickelt, denn er kommt mir in „Es duftet nach Sommer“ viel ausgefeilter und mehr auf den Punkt gebracht vor. Dazu kommt eine deftige Portion Sarkasmus, den vor allem die Ich-Erzählerin Gwen lebt. Sehr clevere Schlagabtäusche bieten sich dem Leser teilweise in den Gesprächen oder den erzählerischen Kommentaren der weiblichen Hauptperson. Leider war mir der Erzählstil teilweise aber etwas zu sprunghaft. Die Wechsel zwischen Dialogen und Handlung bzw. die Wechsel der Gesprächsthemen waren mir oft zu unruhig. Ich konnte mich dadurch nie wirklich an dem Buch festlesen, weil die Situationen sich zu schnell geändert haben und ich dadurch nie richtig in die Handlung reingekommen bin. Wie ich es oben schon erwähnt habe, besteht das Buch eher aus Episoden, die durch Dialoge verbunden sind, aber mir fehlt ein richtiger Handlungszusammenhang.
„Es duftet nach Sommer“ ist meiner Meinung nach irgendwie kein TYPISCHES Sommerbuch für Jugendliche. Während Sommerbücher dieses Genres sonst eher durch ihre Leichtigkeit und Lebendigkeit bestechen, ist „Es duftet nach Sommer“ ein vergleichsweise ernstes Buch. Es geht hier nicht nur um Sommerlaune, Freundschaft, Liebe, sondern auch um die ernsten Seiten des Lebens: Geldnöte, Eifersüchteleien, Trennungen, den Unterschied zwischen Arm und Reich. Das hätte ich so nicht erwartet, auch wenn bereits „Mein Sommer nebenan“ seine ernsten Seiten hatte. Aber in „Es duftet nach Sommer“ schlägt Huntley Fitzpatrick doch bedeutend ernstere Töne an.
Für unterhaltsame Momente sorgt dagegen Gwens Ferienjob bei Mrs Ellington, der sie in einige merkwürdige Situationen bringt, sowie das Geplänkel zwischen Gwen und Cass. Der Schlagabtausch zwischen den beiden ist echt herrlich zu lesen. Leider konnte ich aber nicht richtig mitfiebern, was das Zwischenmenschliche der beiden betrifft, denn irgendwie wollten sich die Emotionen nicht auf mich übertragen, die Beziehung zwischen den beiden blieb etwas zu oberflächlich, um mir ein Kribbeln in den Bauch zu zaubern.
Mein Fazit:
Mit „Es duftet nach Sommer“ schlägt Huntley Fitzpatrick überraschend ernste Töne an und überzeugt in erster Linie durch die einzigartigen Charaktere, während die Handlung zu sprunghaft ist, um wirklich in ihr abtauchen zu können.