Profilbild von gaensebluemche

gaensebluemche

Lesejury Star
offline

gaensebluemche ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit gaensebluemche über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.10.2019

Überraschend ernste Töne

Es duftet nach Sommer
0

Selten gehe ich in meinen Rezensionen auf die Widmung der Autoren ein, aber in diesem Fall kann ich diese einfach nicht unerwähnt lassen, denn Huntley Fitzpatrick spricht in ihrer Widmung so liebevoll ...

Selten gehe ich in meinen Rezensionen auf die Widmung der Autoren ein, aber in diesem Fall kann ich diese einfach nicht unerwähnt lassen, denn Huntley Fitzpatrick spricht in ihrer Widmung so liebevoll mit „John“, dass mir dabei ganz warm ums Herz wird. Ich habe selten so eine gefühlvolle Widmung gelesen - das musste hier einfach mal erwähnt werden. <3

Wenn ihr euch den Seitenschnitt des Buches anschaut und dort ab und zu schwarze Striche seht, dann ist das nicht etwa Dreck, sondern es handelt sich hierbei um die Kapitelanfänge, die mit einer Blätterranke verziert sind. Und auch am Ende der einzelnen Kapitel findet sich jeweils eine kleine Ranke. Sehr hübsch!

„Es duftet nach Sommer“ lebt von seinen Charakteren, die alle echte Unikate sind. Klar, auf knapp 480 Seiten passiert auch eine Menge und die Handlung ist sehr abwechslungsreich, es passiert irgendwie immer etwas, aber beim Versuch, die Handlung zusammenzufassen, ist am Ende nicht mehr wirklich viel erwähnenswert. Es sind kleine Episoden, aus denen sich das Buch zusammensetzt, verbunden durch viele Gespräche, die die Handlung nicht immer vorantreiben. Aber wirklich im Gedächtnis bleiben am Ende Gwen und Cass, Em, Viv und Nic, Mrs Ellington und ihre Freundinnen, und nicht zuletzt Myrtle - das Sofa mit Charakter. Ganz großartig und intensiv hat Huntley Fitzpatrick diese Figuren gezeichnet und ihnen Eigenheiten verpasst, die sie unverwechselbar machen. Aber es gibt auch einige Randfiguren, die dagegen etwas blass bleiben. Da hilft es auch nicht, dass diese Nebencharaktere durch Rückblicke in die Vergangenheit etwas umfassender dargestellt werden. Einen echten Zugang konnte ich zu ihnen dennoch nicht finden.

Nach Huntley Fitzpatricks Debüt „Mein Sommer nebenan“ hat sich ihr Schreibstil entwickelt, denn er kommt mir in „Es duftet nach Sommer“ viel ausgefeilter und mehr auf den Punkt gebracht vor. Dazu kommt eine deftige Portion Sarkasmus, den vor allem die Ich-Erzählerin Gwen lebt. Sehr clevere Schlagabtäusche bieten sich dem Leser teilweise in den Gesprächen oder den erzählerischen Kommentaren der weiblichen Hauptperson. Leider war mir der Erzählstil teilweise aber etwas zu sprunghaft. Die Wechsel zwischen Dialogen und Handlung bzw. die Wechsel der Gesprächsthemen waren mir oft zu unruhig. Ich konnte mich dadurch nie wirklich an dem Buch festlesen, weil die Situationen sich zu schnell geändert haben und ich dadurch nie richtig in die Handlung reingekommen bin. Wie ich es oben schon erwähnt habe, besteht das Buch eher aus Episoden, die durch Dialoge verbunden sind, aber mir fehlt ein richtiger Handlungszusammenhang.

„Es duftet nach Sommer“ ist meiner Meinung nach irgendwie kein TYPISCHES Sommerbuch für Jugendliche. Während Sommerbücher dieses Genres sonst eher durch ihre Leichtigkeit und Lebendigkeit bestechen, ist „Es duftet nach Sommer“ ein vergleichsweise ernstes Buch. Es geht hier nicht nur um Sommerlaune, Freundschaft, Liebe, sondern auch um die ernsten Seiten des Lebens: Geldnöte, Eifersüchteleien, Trennungen, den Unterschied zwischen Arm und Reich. Das hätte ich so nicht erwartet, auch wenn bereits „Mein Sommer nebenan“ seine ernsten Seiten hatte. Aber in „Es duftet nach Sommer“ schlägt Huntley Fitzpatrick doch bedeutend ernstere Töne an.

Für unterhaltsame Momente sorgt dagegen Gwens Ferienjob bei Mrs Ellington, der sie in einige merkwürdige Situationen bringt, sowie das Geplänkel zwischen Gwen und Cass. Der Schlagabtausch zwischen den beiden ist echt herrlich zu lesen. Leider konnte ich aber nicht richtig mitfiebern, was das Zwischenmenschliche der beiden betrifft, denn irgendwie wollten sich die Emotionen nicht auf mich übertragen, die Beziehung zwischen den beiden blieb etwas zu oberflächlich, um mir ein Kribbeln in den Bauch zu zaubern.

Mein Fazit:

Mit „Es duftet nach Sommer“ schlägt Huntley Fitzpatrick überraschend ernste Töne an und überzeugt in erster Linie durch die einzigartigen Charaktere, während die Handlung zu sprunghaft ist, um wirklich in ihr abtauchen zu können.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Interessantes Debüt

Liebe passiert einfach
0

“Liebe passiert einfach” hat es mir nicht leicht gemacht, denn den Einstieg in das Buch empfand ich als sehr holprig. Das Buch beginnt damit, dass Eve ihren zukünftigen Ex-Freund mit einer anderen erwischt, ...

“Liebe passiert einfach” hat es mir nicht leicht gemacht, denn den Einstieg in das Buch empfand ich als sehr holprig. Das Buch beginnt damit, dass Eve ihren zukünftigen Ex-Freund mit einer anderen erwischt, und ihre Ausdrucksweise und damit den Schreibstil der Autorin empfand ich vor allem in diesem Moment als recht derb. Worte wie “Arsch” oder “blöde Kuh” fallen hier zwar zu Recht, aber auch im weiteren Verlauf des Buches drückt sich die Protagonisten häufiger auf diese Weise aus. Ich habe grundsätzlich kein Problem damit, wenn Protagonisten reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Aber gleich auf den ersten Seiten mit dieser derben Ausdrucksweise konfrontiert zu werden, hat mich doch etwas abgeschreckt. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. Ebenso wie an die Floskeln, mit denen Sophie Cole häufiger um sich wirft. Immer wieder tauchen diese lückenfüllenden Sprichworte auf, die die Handlung nicht wirklich vorantreiben und auch in Dialogen keinen wirklich Inhalt beisteuern. Am Anfang habe ich hier teilweise noch genervt die Augen verdreht, aber entweder lässt die Häufigkeit dieser Redewendungen im Laufe des Buches nach, oder ich habe mich wirklich einfach nur daran gewöhnt. Durchweg fällt jedoch auf, dass das Buch so geschrieben wurde, wie man die Geschichte auch erzählt hätte. Dadurch sind ein paar umgangssprachliche Schlenker dabei, über die man beim Lesen etwas stolpert.

Das Buch ist nicht nur aus der Sicht der weiblichen Hauptperson Eve geschrieben, sondern auch Finn, die männliche Hauptfigur, kommt zu Wort. Dabei wechseln sich die Charaktere mit jedem Kapitel ab. Die Seiten, die aus Finns Perspektive geschrieben sind, haben mir richtig gut gefallen. Sophie Cole schafft es hervorragend, sich in die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer männlichen Hauptperson hineinzuversetzen und lässt Finn auf realistisch männliche Art und Weise zu Wort kommen. Das hat mich wirklich überzeugt, denn man merkt einen Unterschied in der Erzählweise der beiden Hauptfiguren und das macht dieses Debüt authentisch.

Die Handlung selbst empfand ich als wenig überraschend. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Eve und Finn lässt sich vorausahnen, natürlich fehlt es dabei nicht an den üblichen Missverständnissen, und am Ende übertreibt es die Autorin meiner Meinung nach etwas zu sehr. Einen überzeugenden Part erhält die Handlung aber wiederum durch Finn, der aufgrund einer schrecklichen Erfahrung, die er in der Vergangenheit machen musste, eine gewisse Ernsthaftigkeit in das Buch bringt. Dieser Teil der Handlung tut dem Buch trotz seiner Dramatik wirklich gut, denn er sorgt für Abwechslung und bringt andere Seiten der Charaktere zum Vorschein, die ihnen mehr Tiefgang verleihen. Würde dieser ernste Teil fehlen, wäre das Buch einfach zu eintönig und würde zu sehr nach Schema F verlaufen.

Wichtig zu wissen ist, dass “Liebe passiert einfach” viele erotische Szenen beinhaltet. Das hatte ich so anhand des Klappentextes nicht unbedingt erwartet. Mir war es anfangs etwas zu viel, denn fast in jedem Kapitel wird zwar sehr niveauvoll, aber meiner Meinung nach etwas zu ausschweifend, vom Liebesleben der Protagonisten berichtet. Das lässt in der zweiten Hälfte des Buches aber nach und die erotischen Szenen weichen den oben genannten ernsteren Szenen, die dem Buch so gut tun.

“Liebe passiert einfach” bietet gute Unterhaltung für zwischendurch und lässt sich leicht an einem verregneten Sonntagnachmittag weglesen. Wer Geschichten über das Liebes-Wirrwarr junger Menschen gespickt mit Erotik mag, wird hier fündig. :)

Mein Fazit

Besonders überzeugend schafft es Sophie Cole mit ihrem Debüt “Liebe passiert einfach”, sich sowohl in die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer weiblichen als auch ihrer männlichen Hauptfigur hineinzuversetzen. Die Handlung ist dagegen wenig überraschend, lediglich der dramatische Teil bezüglich Finns Vergangenheit sorgt für positive Abwechslung.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Passt in keine Schublade

Wo ein bisschen Zeit ist ...
0

Meine Rezension zu “Wo ein bisschen Zeit ist…” fällt vergleichsweise kurz und knapp aus, denn dieses Debüt lässt sich schwer beschreiben, man muss es einfach selbst erleben. Oder vielmehr erlesen. Dieser ...

Meine Rezension zu “Wo ein bisschen Zeit ist…” fällt vergleichsweise kurz und knapp aus, denn dieses Debüt lässt sich schwer beschreiben, man muss es einfach selbst erleben. Oder vielmehr erlesen. Dieser Roman passt in keine Schublade, er ist weder ein klassisches Buch über einen Road-Trip noch ein typisches Jugendbuch. Dafür ist Jack Polovsky als Ich-Erzähler einfach ein zu spezieller Charakter. Ein zu echtes Unikat. Dazu kommt, dass dem Klappentext inhaltlich kaum etwas hinzuzufügen ist. Klar, das ein oder andere Abenteuer erlebt Jack zusammen mit seinem Sohn, der Kindesmutter und seinem besten Freund. Aber im Wesentlichen sagt der Klappentext aus, was es über den Inhalt des Buches zu sagen gibt.

Vorbereitet sein sollte man jedoch darauf, dass dieses Buch neben dem erzählenden und unterhaltsamen Teil auch einen großen philosphischen Teil enthält. Der Klappentext verrät es schon: Jack ist der geborene Philosoph und führt in Gedanken philosophische Gespräche mit seinem neugeborenen Sohn, dem er den Namen Sokrates verpasst. Wirklich begeistern konnten mich diese gedanklichen Dialoge nicht, auch wenn sie absolut zum Buch und zu Jack passen. Aber wie so häufig führen diese Gespräche zu keinem Ziel, drehen sich größtenteils im Kreis. Leider fehlte mir dafür das nötige Interesse, aber ich kann mir vorstellen, dass andere Leser gerade in diesen Grundthemen den Pluspunkt des Buches sehen.

Die Geschichte, wie Jacks Sohn zu seinem vorläufigen Namen Sokrates kommt, ist so dramatisch wie berührend. Hier steckt viel mehr dahinter als Jacks Neigung zum Philosophieren. Überhaupt ist “Wo ein bisschen Zeit ist…” neben all der Situationskomik ein unterschwellig ernstes Buch. Besonders überzeugen konnte mich dabei, wie verantwortungsvoll Jack sich trotz der offensichtlichen Verantwortungslosigkeit, seinen neugeborenen Sohn aus dem Krankenhaus zu entführen, verhält.

“Wo ein bisschen Zeit ist…” erzählt von den wirklich wichtigen Dingen im Leben: Liebe, Familie, Zusammenhalt, gemeinsame Zeit. Zwar trifft der Autor mit seiner Umsetzung dieser Grundidee nicht ganz meinen Geschmack, dennoch bietet dieses Debüt ein locker-luftiges Lesevergnügen. Und vor allem Philosophie-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten.

Mein Fazit

“Wo ein bisschen Zeit ist…” passt in keine Schublade und enthält neben all den philosphischen Ansätzen die wichtige Erkenntnis, dass es nie schaden kann, sich ein bisschen Zeit zu nehmen für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Konnte mich leider nicht ganz begeistern

Ein Buchladen zum Verlieben
0

Ich liebe Bücher – und ich liebe Bücher über Bücher, über Autoren, über Leser, über Buchhandlungen. Klar, dass ich daher auch nicht an “Ein Buchladen zum Verlieben” vorbei kam. Jedoch dient der Buchladen, ...

Ich liebe Bücher – und ich liebe Bücher über Bücher, über Autoren, über Leser, über Buchhandlungen. Klar, dass ich daher auch nicht an “Ein Buchladen zum Verlieben” vorbei kam. Jedoch dient der Buchladen, den die weibliche Hauptperson Sara im Laufe der Handlung eröffnet, hier nur als Aufhänger. Denn nur auf den ersten Blick geht es in diesem Debüt von Katarina Bivald um die Liebe zu den Büchern. Es werden viele Autoren und Buchtitel erwähnt und es hat immer wieder ein Lächeln auf meine Lippen gebracht, wenn ein Roman genannt und kurz vorgestellt wurde, den ich bereits gelesen habe. Und meine Neugier wurde geweckt auf Bücher, die ich noch nicht kenne, die jedoch von Sara in Kategorien wie “Warnung: Trauriges Ende” oder “Kein überflüssiges Wort” eingeordnet wurden. Und manchmal habe ich mich ein bisschen geärgert, wenn die Autorin den Inhalt oder sogar das Ende einiger Bücher verrät.

Aber viel wichtiger und auch die Handlung dominierender sind in diesem Roman die Figuren und ihre Beziehungen zueinander. Denn Sara wird von und in Broken Wheel nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Die Läden in diesem kleinen Örtchen stehen leer, Sara als Neuankömmling präsentieren sich zerbrochene Scheiben und mit Brettern zugenagelte Fenster. In Broken Wheel gab es noch nie einen Buchladen. Zwar besaß das Örtchen mal eine Bücherei, aber die hat nicht lange überlebt. Wie soll Sara, die Bücher den Menschen vorzieht und mit Geselligkeit nicht viel anfangen kann, sich hier wohlfühlen?

Und noch dazu wird sie von den Bewohnern des Örtchens kritisch beäugt und die Nachricht über ihre Ankunft verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Es gibt die Klatschtanten, es gibt die mürrischen Einzelgänger, es gibt die hilfsbereiten Kellnerinnen. So ziemlich jedes Klischee wird bedient. Die Figuren sind teilweise sehr skurril und überspitzt gezeichnet und ich habe keinen richtigen Zugang zu ihnen gefunden. Auch Sara hat bis auf ihrer Liebe zu den Büchern wegen nur wenige Sympathiepunkte bei mir gesammelt. Ich kann nicht genau sagen, woran es lag. Irgendwie blieb einfach immer eine gewisse Distanz zu ihr und auch den anderen Charakteren.

Neben dem allgemeinen erzählenden Teil des Buches, der aus der Sicht eines allwissenden Erzählers geschrieben ist, finden sich zwischen den Kapiteln Briefe, die Amy an Sara geschrieben hat. Diese ergänzen die Handlung und geben Hintergrundinformationen zu dem kleinen Örtchen Broken Wheel und dessen Bewohnern. Denn in den gut zwei Jahren von April 2009 bis August 2011, in denen Amy und Sara ihre Brieffreundschaft gepflegt haben, hat Amy viel über das Alltagsleben in Iowa berichtet. Die Handlung selbst spielt nun nach Amys letztem Brief im August 2011, die Briefe werden dennoch chronologisch zwischen die Kapitel eingefügt. Dadurch ist Amy trotz ihres Todes ein nachwievor aktiver Charakter in diesem Buch.

Grundsätzlich und vom Stil her war “Ein Buchladen zum Verlieben” ein angenehm zu lesendes Debüt, aber es hat einfach das gewisse Etwas gefehlt, das Begeisterung beim Lesen auslöst und dafür sorgt, dass man das Buch am liebsten nicht weglegen möchte, bis nicht die letzte Seite umgeblättert ist. Es gab vereinzelte Szenen, die ich wirklich schön fand, aber insgesamt blieb das Buch doch eher oberflächlich.

Mein Fazit

Die Liebe zu den Büchern dient leider nur als Aufhänger. Den größten Teil der Handlung macht doch das Kleinstadtleben im Örtchen Broken Wheel aus, das mich leider nicht begeistern konnte.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Schöne Hintergrundidee

Windmädchen
0

Ich bin ja immer auf der Suche nach Büchern, denen eine neue und einzigartige Idee zugrunde liegt. Und der Klappentext von “Windmädchen” hat mich extrem neugierig gemacht. Neben den vielen dystopischen ...

Ich bin ja immer auf der Suche nach Büchern, denen eine neue und einzigartige Idee zugrunde liegt. Und der Klappentext von “Windmädchen” hat mich extrem neugierig gemacht. Neben den vielen dystopischen oder sonst fantasylastigen Jugendbüchern ist dieses Debüt ein sehr bodenständiger Roman, bei dem es zur Abwechslung mal nicht um Zukunftsvisionen, Rebellen oder die erste große Liebe geht. Stattdessen beschäftigt sich “Windmädchen” mit der Suche nach der eigenen Identität und der Tatsache, dass irgendwann im Leben der Moment kommt, wo man merkt, dass man etwas ändern muss. Oder vielmehr: dass man sich selbst ändern muss.

Denn besonders eindringlich beschreibt die Autorin, wie sehr sich Kara wünscht, endlich wieder von ihrer Familie wahrgenommen zu werden, endlich wieder sichtbar zu sein, nachdem sie gerade erschrocken feststellen musste, weder gesehen noch gehört zu werden. Kara verspricht sich selbst, dann ganz viele Dinge anders zu machen. Mehr Zeit mit dem Familienhund zu verbringen, zum Beispiel. Oder endlich mal offen und ehrlich mit ihrem Bruder über ihre feste Freundschaft mit Yannik zu sprechen. Mir hat sehr gut gefallen, wie Kai Aline Hula die Kernaussage ihres Buches vermittelt. Ganz feinfühlig geht sie dabei vor, fast nur nebenbei erwähnt sie diese Punkte, sodass sie sich fast unbemerkt in den Kopf des Lesers einschleichen.

Dementsprechend war auch die Auflösung der Geschichte stimmig für mich. Natürlich fragt man sich als Leser die ganze Zeit, warum Kara plötzlich unsichtbar wurde und ob es ihr gelingt, wieder sichtbar zu werden. Ich bin froh, dass die Autorin eine Erklärung dafür gefunden hat, die rational zu erklären ist keine übersinnlichen Ursachen hat. Wobei man darüber vermutlich auch streiten könnte, aber dazu verrate ich an dieser Stelle nicht mehr.

Der Schreibstil von Kai Aline Hula ist sehr angenehm und passend für die Zielgruppe. Sie schreibt anschaulich und das Buch lässt sich leicht lesen, teilweise ist der Schreibstil umgangssprachlich, was aber durchaus zur Geschichte passt. Junge Leser sollten gut damit klarkommen, allerdings würde ich das Buch vom inhaltlichen Verständnis her nicht für zu junge Leser empfehlen. Ich denke, für Leser ab 14 Jahren ist das Buch durchaus geeignet.

Erwachsene Leser können durchaus auch etwas aus diesem Buch mitnehmen, aber man merkt schon, dass die Zielgruppe woanders liegt. Das Buch liest sich angenehm, aber die Autorin konnte mich nicht ganz packen. Mir hat etwas die Begeisterung für die Geschichte und die Charaktere gefehlt. Ich habe beim Lesen eine gewisse Distanz zu ihnen gespürt, konnte keinen richtigen Zugang zu ihnen aufbauen.

Schade fand ich, dass sich die Autorin im Hauptteil des Buches auf einen Handlungsstrang versteift, der am Ende nicht wirklich viel auslöst oder zu bedeuten hat. Er führt nur über Umwegen zum Ziel. Auch wenn dabei eine sehr liebenswerte Figur eine sehr große Rolle spielt, bleiben dadurch doch die Hauptcharaktere zu sehr im Hintergrund und die Handlung wird nicht nennenswert vorangetrieben. Ich hatte das Gefühl, dass sich Kai Aline Hula zu sehr mit Nebensächlichkeiten beschäftigt. Umso schneller kam dann dagegen die Auflösung. Der Schwerpunkt wurde hier für mich falsch gesetzt.

Mein Fazit

“Windmädchen” konnte mich durch die Hintergrundidee der Autorin sehr begeistern, richtet sich aber wohl doch eher an jüngere Leser ab 14 Jahren.