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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2019

Spannender Krimi aus der Elbmarsch

Sterbekammer
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Der dritte Band der Paulsen/Haverkorn-Reihe war mein erster von Romy Fölck. Ein ansprechendes Cover und ein Klappentext, der neugierig macht.

Der Krimi hat mir sehr gut gefallen. Von Beginn an spannend, ...

Der dritte Band der Paulsen/Haverkorn-Reihe war mein erster von Romy Fölck. Ein ansprechendes Cover und ein Klappentext, der neugierig macht.

Der Krimi hat mir sehr gut gefallen. Von Beginn an spannend, mit allem was man lesen möchte: Ein unheimlicher Tatort, ein Kellerverlies, ein zehn Jahre zurückliegender Vermisstenfall und sympathische Ermittler, die sich richtig reinknien. Auf brutale und blutige Szenen wird verzichtet - es geht auch ohne. Hier hat alles gestimmt.
Auch wenn einiges vorhersehbar war, hat mich das Buch prima unterhalten.

Der Schreibstil ist flott. Die Beschreibungen, z.B der Landschaft in der Elbmarsch oder der Arbeit auf einem Obsthof, bereichern die Geschichte und sorgen für Lokalkolorit. Die Charaktere werden ausführlich vorgestellt und Quereinsteiger ohne Vorwissen werden optimal aufgefangen.
Gefallen hat mir zudem, dass es auch Krimis gibt, die auf eine Schilderung aus Tätersicht verzichten. Hier stehen die Ermittler, auch mit ihrem Privatleben, im Fokus und ihnen schaut man über die Schulter.
Nick Wahler, der neue Chef, hat sich im Verlauf der Handlung positiv entwickelt. Es darf aber in den Folgebänden nicht alles zu harmonisch werden, das wäre unrealistisch und raubt auch Spannung.

Insgesamt erinnert das Buch an die Taunus-Reihe von Nele Neuhaus; die sind aber ja auch nicht schlecht.
Von mir gibt es vier Krimi-Sterne.

Veröffentlicht am 26.10.2019

Grossartige Binnengeschichte - schwache Rahmenhandlung

Wenn Martha tanzt
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Tom Saller hat ein beeindruckendes Porträt einer jungen Frau geschrieben.
Martha wächst in einem musikalischen Haushalt in Pommern auf. Sie hat eine besondere musikalische Gabe, die weder sie noch ihre ...


Tom Saller hat ein beeindruckendes Porträt einer jungen Frau geschrieben.
Martha wächst in einem musikalischen Haushalt in Pommern auf. Sie hat eine besondere musikalische Gabe, die weder sie noch ihre Umgebung richtig einordnen können. Bis Martha 1919 ans Bauhaus nach Weimar geht. Hier findet sie genau, was sie gesucht hat, ohne es vorher gewusst zu haben.
Wenige Jahre später wird das Bauhaus jedoch geschlossen und sie kehrt in ihre Heimat zurück; mit einem Kind und einer unkonventionellen Idee.
Marthas Geschichte, die von 1900 bis 1945 spielt, wird von einer Rahmenhandlung eingefasst, die wiederum in 2001 und 2002 angesiedelt ist.

Der Roman hat mich sofort gefesselt. Die Sprache ist stellenweise sehr bildhaft, wenn z.B. beschrieben wird, wie die kleine Martha zwischen den Musikern und Notenständern herumkrabbelt. Wunderschön auch die Szene, in der Martha Wolfgang erklärt, wie sie Töne sehen kann. Andererseits wirkt die Sprache oft zackig: Kurze Sätze und viele Hauptsätze. Dazu kommt, dass die Szenen in Weimar und in Pommern im Präsens geschrieben sind. Alles wirkt näher und unmittelbarer.
Die Rahmenhandlung ist dagegen im Präteritum geschrieben. Auch bin ich mit der Figur des Thomas nicht ganz warm worden. Insgesamt gefällt mir die Binnengeschichte wesentlich besser. Die Rahmenhandlung scheint zwar mit der Entdeckung des Tagebuchs recht spektakulär, ich wollte aber immer ganz schnell wissen, wie es in Weimar oder Pommern weitergeht. Marthas Schicksal und das der sie umgebenden Menschen nimmt einen gefangen.
Hervorragend hat mir auch gefallen, wie Saller reale Personen und Ereignisse in die Geschichte eingeflochten hat.
Ich kann das Buch nur empfehlen, auch wenn man bisher keinen Bezug zum Bauhaus hatte.

Veröffentlicht am 18.10.2019

Historischer Schwedenkrimi - Hier wird im Dreck gewühlt

1793
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Ein Schwedenkrimi: Eine verstümmelte Leiche in Stockholm und zwei Ermittler, die selbst ein schweres Schicksalspäckchen zu tragen haben. Das scheint man schon zur Genüge zu kennen, wenn die Geschichte ...

Ein Schwedenkrimi: Eine verstümmelte Leiche in Stockholm und zwei Ermittler, die selbst ein schweres Schicksalspäckchen zu tragen haben. Das scheint man schon zur Genüge zu kennen, wenn die Geschichte nicht 1793 spielen würde.
„1793“ so heißt auch der mit dem Schwedischen Krimipreis für das beste Spannungsdebüt ausgezeichnete historische Kriminalroman von Niklas Natt och Dag. Der 1979 geborene Autor stammt aus der ältesten Adelsfamilie Schwedens. Der Bezug zur schwedischen Geschichte liegt ihm also quasi im Blut.

Im Fatburen-See in Södermalm wird eine stark verstümmelte Leiche entdeckt. Herausgefischt von Stadthäscher Jean Michael Cardell, einem einarmigen Kriegsveteran. Ihm zur Seite stellt sich bald der Jurist Cecil Winge, vom Präsidenten der Polizeikammer mit besonderen Freiheiten ausgestattet. Allerdings ist der fortschrittlich denkende Winge nicht überall beliebt. Gemeinsam müssen sie unter Zeitdruck den Mörder finden.

Der Roman ist in vier Teile gegliedert: Im 1. Teil „Herbst 1793“ wird die Leiche entdeckt und die Ermittlungen beginnen. Dann folgt im 2. Teil der „Sommer 1793“ und der Leser erfährt aus der Perspektive einer anderen Person, was vor dem Mord geschah. Im 3. Teil „Frühling 1793“ wird erneut die Perspektive gewechselt und der Beginn der Geschichte erzählt, bevor im letzten Teil „Winter 1793“ die Fäden zusammenlaufen und der Fall gelöst wird.
Dieser Kunstgriff des versetzten Zeitablaufs verleiht der Geschichte ungemein viel Spannung.
Dem Roman liegt arbeitsintensive Quellenrecherche zugrunde, das merkt man dem Text auf jeder Seite an. Er strotzt vor Details aus dem historischen Alltag und der politischen Geschichte Schwedens. Der Autor nimmt dabei kein Blatt vor den Mund und beschreibt schonungslos weiter, wo andere verschämt ausblenden. Der Leser trifft auf Gewalt, Blut und Exkremente auf Schritt und Tritt. Gerade das macht aber auch einen großen Teil der Faszination dieses Romans aus.

Die Beweggründe, die zur Tat geführt haben, waren letztlich für mich etwas enttäuschend. Da hätte ich mir nach dem Spannungsaufbau etwas Spektakuläreres erhofft.
Dennoch hat der Autor den Schwedischen Krimipreis absolut verdient.
Das Buch wirkt noch lange nach. Für alle hartgesottenen Krimifans ein Muss.

Veröffentlicht am 18.10.2019

Hochspannung aus Dänemark

Der Kastanienmann
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Ein wirklich gut gemachter Thriller aus Dänemark wartet mit interessantem Personal auf: Eine Kommissarin, die die Abteilung wechseln möchte und ein Verbindungsoffizier von Europol, der gerade von Den Haag ...

Ein wirklich gut gemachter Thriller aus Dänemark wartet mit interessantem Personal auf: Eine Kommissarin, die die Abteilung wechseln möchte und ein Verbindungsoffizier von Europol, der gerade von Den Haag nach Kopenhagen zurückgeschickt wurde. Auch er möchte eigentlich lieber woanders sein. Die Zweckgemeinschaft wird mit einem grausigen Mord konfrontiert und stutzt über den titelgebenden Kastanienmann, der bei der Leiche entdeckt wird. Dieses Kastanienmännchen ist offenbar das Verbindungsstück zu einem älteren Entführungsfall, der bereits als abgeschlossen gilt. Der Täter wurde überführt und sitzt hinter Schloss und Riegel. Doch der Mord ist erst der Anfang und zum Ende hin überschlagen sich die Ereignisse.

Den Leser erwarten 600 Seiten Hochspannung mit vielen Wendungen, die die Geschichte am laufen halten und immer wieder für Überraschungen sorgen. Manches ist jedoch auch vorhersehbar und anderes offenbar fester Bestandteil im Thriller-Baukasten. Z.B. muss wieder einmal ein Außenseiter gegen nervende, besserwisserische Kollegen und einen sturen Chef anrennen. Die Protagonisten bleiben etwas blass. Dennoch haben Thulin und Hess ohne Frage das Potential für eine Fortsetzung. Das Ende spricht für sich ...

Gestolpert bin ich über den Namen eines Polizisten: Martin Ricks. Da hatte ich immer Martin Riggs bzw. Mel Gibson vor Augen.

Vier Sterne für die Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte und das Ende.

Veröffentlicht am 18.03.2026

Ein Haus mit Geheimnissen

In ihrem Haus
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Die Niederländerin Isabel ist um die 30, unverheiratet und lebt zurückgezogen in einem Haus, das ihrem Onkel gehört und das irgendwann ihr Bruder Louis erben wird. Das Haus bedeutet Isabel alles, dort ...

Die Niederländerin Isabel ist um die 30, unverheiratet und lebt zurückgezogen in einem Haus, das ihrem Onkel gehört und das irgendwann ihr Bruder Louis erben wird. Das Haus bedeutet Isabel alles, dort hat sie bis zuletzt ihre Mutter gepflegt. Jetzt pflegt sie das Porzellan. Louis, ein rechter Schwerenöter, quartiert eines Tages seine aktuelle Freundin Eva im Haus ein, da er auf eine Geschäftsreise ins Ausland geht. Isabel fühlt sich durch Eva nicht nur gestört, sie fühlt sich in ihrer Existenz bedroht.

Die Handlung, die 1961 spielt, deutet schon früh an, um was es letztlich gehen wird, dennoch werden die Leserinnen überrascht. Die Handlung wird von den zwei Frauen bestimmt, die anderen Figuren bleiben recht blass. Das Buch hat daher etwas von einem Kammerspiel. Isabel ist ein höchst unsympathischer Charakter, mit dem die Leserinnen sich aber eine ganz Zeit plagen müssen, bevor die Geschichte richtig in Gang kommt. Eva hingegen scheint unter ihrer Naivität etwas zu verbergen. - Es gab Figurenbrüche, die für mich nicht ganz nachvollziehbar waren und die expliziten und ausführlichen Sexszenen hätte es nicht unbedingt gebraucht. Hier wäre Andeutung vielleicht mehr gewesen.

Mich hat die Geschichte vor allem wegen des historischen Hintergrundes beeindruckt. Die subtil eingebauten Andeutungen, das Geheimnisvolle, das sich durch die ersten beiden Teile der Handlung zieht und die kammerspielartige Wirkung, die im Haus durch Isabel und Eva vermittelt wird, machen den Reiz des Romans aus.

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