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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.11.2016

Sodom und Gomorrha in Martinsfehn

Ihr einziges Kind
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Um es gleich vorwegzunehmen, „Das Dorf der Lügen“ und „Die stille Braut“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Ihr einziges Kind“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf ...


Um es gleich vorwegzunehmen, „Das Dorf der Lügen“ und „Die stille Braut“ hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Ihr einziges Kind“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen spannenden Kriminalroman hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Im Haus der Familie Cassjen ist Schreckliches geschehen: Cord wurde kaltblütig ermordet, seine junge Frau und das Baby sind spurlos verschwunden. An Verdächtigen mangelt es nicht. Doch, wer hatte ein Motiv? Renke Nordmann und Nola van Heerden ermitteln…
Bald ist klar, diese Familie ist alles andere als normal. Denn jeder hat etwas zu verbergen. Ein ostfriesischer Sündenpfuhl erster Güte. Werden die beiden Kommissare den kleinen Caspar und seine psychotische Mutter rechtzeitig finden?
Über das Wiedersehen mit Renke und Nola habe ich mich sehr gefreut. Aber es dauert nicht lang und sie stoßen auf ein komplexes Geflecht aus ehrgeizigen Unternehmern, Betrug und innerfamiliären Angelegenheiten.
Als eine weitere Leiche gefunden wird - bei Weitem nicht die letzte - bricht das Chaos über Martinsfehn, jenem Umschlagplatz von Geld, Hoffnung und verratenen Träumen mit voller Wucht herein.
Barbara Wendelken kann spannend und anschaulich erzählen. Zudem bietet die Geschichte überraschende Wendungen und Entwicklungen. Am Ende halten Renke und Nola nicht nur Händchen, atmen tief durch und alles ist gut.

Fazit: Der dritte Fall für Renke und Nola. Bewegend!

Veröffentlicht am 21.11.2016

Undercover in Würzburg

Mainschatten
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„Mainschatten“ von Anja Mäderer ist nach „Mainleid“ bereits der zweite Fall für die junge Würzburger Kommissarin Nadja Gontscharowa. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene ...

„Mainschatten“ von Anja Mäderer ist nach „Mainleid“ bereits der zweite Fall für die junge Würzburger Kommissarin Nadja Gontscharowa. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Sebastian, Juniorchef einer renommierten Tanzschule, wird tot aufgefunden. Bald ist klar, er wurde ermordet, mit einer Überdosis Insulin. Die Tanzschule war verschlossen. Nur zehn Personen hatten einen Schlüssel. Zehn Verdächtige, ein perfekter Mord? Jedenfalls ein Klassiker.
Nadja ermittelt undercover und entdeckt, dass es im Umfeld der Tanzschule schon einmal einen Todesfall gegeben hat. Wo ist die Verbindung?
Über das Wiedersehen mit Nadja, Kollege Peter und Rechtsmediziner Lars habe ich mich sehr gefreut. Neu dabei, sein Assistent Dr. Nepomuk Kamil-Chechem, genannt Mukki. „Mainschatten“ lässt sich wieder flott und flüssig lesen. Abschnitte in Kursivschrift aus der Sicht einer Frau, verleiten zu unterschiedlichen Spekulationen und Deutungen.
Eine Geschichte mit falschen Fährten, überraschenden Wendungen und einem intensiven Spannungsbogen bis zum unerwarteten Ende. Passagen in fränkischem Dialekt sorgen für Lokalkolorit. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Zitat: Mei Großvadder haddes Haus gebaud, und es hat alles überstande. Allen Griechen had’s gedrozd…
„Mainschatten“ hat mir richtig gut gefallen, sogar noch einen Tick besser als der Vorgänger. Nadja, Peter, Lars und Mukki, eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schulter schauen möchte.

Fazit: Nadja und Peter ermitteln wieder. Krimi-Spannung aus Franken!

Veröffentlicht am 19.11.2016

Was wäre, wenn …?

HELIX - Sie werden uns ersetzen
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Um es gleich vorwegzunehmen, Blackout und Zero hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf HELIX. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen spannenden Wissenschaftsthriller ...


Um es gleich vorwegzunehmen, Blackout und Zero hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf HELIX. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen spannenden Wissenschaftsthriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Nach Energiesicherheit und Datenschutz hat Marc Elsberg wieder ein heißes Eisen angepackt. Diesmal geht es um Gentechnik. Auch mit Gesellschaftskritik spart der Autor nicht. Gleich mehrere Handlungsstränge gilt es zu verfolgen.
Der US-Außenminister stirbt bei einem Staatsbesuch in München. Offiziell an Herzversagen. De facto an einem personalisierten Killervirus. Gleichzeitig werden in Tansania, Brasilien und Indien genmanipulierte Pflanzen und Ziegen entdeckt.
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir die 15-jährige Jill aus Boston kennen. Sie ist etwas Besonderes. Denn ihre genetischen Anlagen wurden optimiert. Sie ist nicht nur hyperintelligent, sondern sieht auch noch toll aus. Doch plötzlich ist sie spurlos verschwunden.
Schließlich sind da noch Helen und Greg. Ein Paar mit Kinderwunsch. Sie fliegen nach San Diego in eine Befruchtungsklinik. Dort macht der Chefarzt ihnen ein unmoralisches Angebot. Werden sie sich für ein „modernes“ Kind, mit verbesserten genetischen Anlagen entscheiden?
Gene Drive per CRISPR/Cas heißt das Zauberwort. Damit wird die Vererbungslehre, die Mendelschen Gesetze, außer Kraft gesetzt. Fluch und Segen zugleich. Zitat: »Superintelligenz, körperliche Überlegenheit und Attraktivität würden sich verbreiten wie eine Seuche. «
Bald ist klar, Doktor Stanley Winthorpe und sein Team haben die Kontrolle über die modernen Kinder verloren. Die Situation eskaliert, ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…
Eine komplexe, dennoch hochspannende Geschichte, die in der nahen Zukunft spielt. Bestens recherchiert und gut erklärt. Marc Elsberg lässt den Leser mitraten: Ist dies alles Fiktion oder schon die Realität? Eine Lektüre, die einen klüger macht und lange nachhallt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Mit Helen bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden. Ihr Handeln konnte ich nicht nachvollziehen und mich erst recht nicht damit identifizieren. Jessica dagegen, sie leitet die Taskforce, die den Tod des Außenministers untersuchen soll, ist mir sofort ans Herz gewachsen. Denn sie ist tough. Für mich gehört Genie Jill zu den Guten. Gene, ihr kleiner „Bruder“, war mir dagegen bis zum Schluss nicht geheuer.
Zitat: »Anlagen zu …« Fieberhaft überlegte sie [Helen]. »… hoher empathischer Begabung, Komplexitätserfassung, Schnelligkeit, reduziertem Energiebedarf … äh, Größe zirka zwei Meter für den Jungen, eins achtzig für das Mädchen …« »Siehst du«, sagte Eugene. »Sie wollen ohnehin alle dasselbe. « Das gibt mir zu denken!

Fazit: Rasanter Genre-Mix aus Thriller, Sci-Fi und Sachbuch, der Genmanipulation thematisiert. Beklemmend und erschreckend real!

Veröffentlicht am 03.11.2016

Gerechtigkeit ist gut. Rache ist besser.

Der englische Spion
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„Der englische Spion“ ist bereits der 15. Band aus der Gabriel Allon-Reihe. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist.
Daniel ...


„Der englische Spion“ ist bereits der 15. Band aus der Gabriel Allon-Reihe. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist.
Daniel Silva geht gleich in medias res: Eine Yacht in der Karibik explodiert. An Bord eine Prinzessin, die einen an Lady Di erinnert. Der Tod der Prinzessin ruft den englischen Geheidienst auf den Plan, der wiederum Kontakt zum Mossad aufnimmt. So kommt es, dass Gabriel Allon, der beste Spion aller Zeiten und zukünftige Direktor des israelischen Geheimdienstes, den Fall übernimmt.
Verantwortlich für den Anschlag ist Eamon Quinn, ein Ex-IRA-Kämpfer und Bombenbauer. Doch wer hat die Ermordung der Prinzessin in Auftrag gegeben und warum?
Zusammen mit dem Ex-SAS-Soldaten Christopher Keller, der mit Quinn noch eine alte Rechnung offen hat, macht sich Gabriel daran, der blutigen Spur des Killers zu folgen. Eine Spur, die auch Gabriel an den dunkelsten Ort seiner Vergangenheit führt. Denn sein kleiner Sohn Dani wurde einst von einer Autobombe getötet, seine erste Frau schwer verletzt.
Über das Wiedersehen mit Gabriel und seiner Frau Chiara, habe ich mich sehr gefreut. Auch die Bezüge zu „Der Raub“ haben mir gefallen. Selbst der Humor kommt nicht zu kurz. Zum Beispiel in den Dialogen zwischen Gabriel und Keller. Zitat: „Die Einheimischen werden allmählich unruhig.“ „Vielleicht kannst du sie mit den Blumen beruhigen.“ Oder: „Du hast offenbar den Verstand verloren“, sagte Keller. „Das ist bei Toten normal.“
„Der englische Spion“ ist wieder ein typischer Silva: die USA, England und Israel, das sind die Guten, Russland, der Iran und die Arabische Welt, die Bösen. Erfahrene Geheimdienstler stehen skrupellosen Schurken gegenüber. Gabriel ist kein strahlender Held: Er ist ein Top-Agent, der nicht davor zurückschreckt, Menschen zu töten. Aber er ist auch ein begnadeter Restaurator. Zerstörer und Heiler zugleich.
Eine komplexe Geschichte, exotische Schauplätze und viel Action, Twists & Turns, das sind die Zutaten für diesen spannenden Spionageroman. Wechselnde Perspektiven sorgen für Dynamik. Auch die politischen und zeitgeschichtlichen Hintergründe finde ich sehr interessant.
Zitat: Der große Gabriel Allon […] hatte das Leben eines Berufsspions einmal folgendermaßen beschrieben: ständiges Herumreisen und den Verstand lähmende Langeweile, dazwischen Augenblicke schieren Entsetzens.

Fazit: Gelungener Mix aus Fakten, Fiktion und kruden Verschwörungstheorien. Rasant und beklemmend aktuell!

Veröffentlicht am 19.10.2016

Sodom und Gomorrha im Taunus

Im Wald
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Endlich ein neuer Fall für Kriminalhauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Sander, früher Kirchhoff vom K11 in Hofheim. Oliver muss sich um seine Tochter Sophia kümmern, weil seine ...

Endlich ein neuer Fall für Kriminalhauptkommissar Oliver von Bodenstein und seine Kollegin Pia Sander, früher Kirchhoff vom K11 in Hofheim. Oliver muss sich um seine Tochter Sophia kümmern, weil seine Exfrau sich mal wieder im Ausland aufhält, als er zu einem Brand gerufen wird. Im Wald ist ein Wohnwagen explodiert und dabei kam ein Mann ums Leben. Mordbrand oder Brandmord? Pia, die inzwischen ihren Zoodirektor geheiratet hat, übernimmt…
Nele Neuhaus geht gleich in medias res: Irgendetwas Furchtbares ist geschehen in Ruppertshain im August des Jahres 1972. „Im Wald“ ist Olivers bisher persönlichster Fall. Denn auch die Spuren im hier und jetzt führen nach „Ruppsch“, wie die Einwohner ihr Dorf liebevoll nennen, wo Oliver aufgewachsen ist und alle kennt. „Im Wald“ ist wieder im Taunus verortet. Mit viel Lokalkolorit, einer Prise hessischer Mundart und einer besonderen Thematik.
Danach wird in einem Hospiz die alte Rosie ermordet, der der Wohnwagen gehörte. Schnell ist klar, dass die Morde mit dem Verschwinden von Olivers bestem Freund Artur vor 40 Jahren zu tun haben. Russlanddeutsche, die aus der damaligen Sowjetunion eingewandert waren. Als kurz darauf auch noch der Dorfpfarrer tot aufgefunden wird, bekommen Oliver und sein Team alle Hände voll zu tun…
„Im Wald“ ist bereits der 8. Fall für das sympathische Ermittlerduo Oliver und Pia und überzeugt mit einem ausgefeilten Plot sowie einem gruseligen Setting. Eine extrem tiefenscharfe und nicht selten bissige Milieu-Beobachtung. Klassische Verbrecher finden sich hier nicht. Das Schändliche verbirgt sich hinter wohlfeiler Fassade. Auch mit Gesellschaftskritik spart die Autorin nicht.
Immer mal wieder finden sich Bezüge zu den Vorgängerromanen. So baut man schnell eine Bindung auf, ohne das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Über das Wiedersehen mit Oliver und Pia habe ich mich sehr gefreut. Auch Tariq, der Neue, ist mir sofort ans Herz gewachsen. Denn er ist clever.
Selbst, wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut. Eine Geschichte mit vielen überraschenden und unerwarteten Wendungen und einem intensiven Spannungsbogen. Erst ganz am Ende wird alles schlüssig aufgelöst. Eine abgründige, nicht zu brutale Geschichte, die sich zudem flott und flüssig lesen lässt.

Fazit: Lug und Trug im Taunus. Dunkel, böse und unheimlich unterhaltsam!